Lithiumchlorid

  • Beemax und ribes, haben ja recht. Somit ist ihr Vorwurf völlig berechtigt. Ich ging ja nur von der mir bekannten Möglichkeiten der Desinfektion aus. Und da braucht es eben Kontakt. Natürlich würden auch auch die Larven geschädigt werden. Also völlig berechtigte Kritik. Und ich sehe dies ein und deshalb muß ich auch die Konsequenz ziehen und aus dem Fehler lernen. Bin eben nur ein Mensch.

  • Experiment Imkern : Entschuldige bitte, Dich habe ich nicht gemeint. Dein Video war sicher sehr erhellend und griffig. Vielleicht überdenkst Du Deine Lösch-Entscheidung noch einmal...

    Meine Englischkenntnisse sind nicht die besten. Ich nehme jedoch an, daß die formulierte Schlußfolgerung

    "implicating a strong lethal effect of LiCl on larvae" nur bedeuten kann, daß die Larven der Vergleichsgruppe (ohne LiCl) diesen tödlichen Effekt eben nicht zeigten.

  • Frau Ziegelmann schickte mir eine interessante Email dazu, und die Darstellung stimmt mit Beemax und ribes überein. Einige interessante Punkte wurde genannt, zum einen war in der Versuchsmethode nach Kaftanoglu 16 %Schwefelsäure genutzt worden. Dies wurde von der Gruppe reduziert.

    - Die Box war verschlossen und durch die Wärme befand sich die Schwefelsäure auch im Dampdraum und wirkt über die Luft ( da ist mein direkter Kontakt☺).

    - Die Kontrollen hatten ca. 50% Überlebensrate, dies ist aber durch die erschwerten Aufzuchtsbedingungen im Labor bedingt. Diese Larvenaufzucht wurde im letzten Jahr verbessert.

    - in den ersten Ansätzen konnte nicht die tatsächlich aufgenommene Menge LiCl ermittelt werden, deshalb wurde dann auf ein andere Protokoll zurückgegriffen ohne Verwendung von Schwefelsäure. Bei diesen Versuchen, deren Ergebnis wohl bald veröffentlicht wird, sollen die Ergebnisse deutlich besser sein. Es hat sich bestättigt, das die Larven auf Lithium empfindlicher reagieren bei künstlicher Fütterung.

    Ob din Konzentration von LiCl bei der Fütterung von Erwachsenen Bienen auch an die Brut weitergegeben wird, wird noch untersucht. Erste Versuche mit brütenden Mini Plus und größeren Völkern waren bereits sehr erfolgreich mit Wirkungsgrad über 90 %.... Es werden noch Jahre vergehen um Rückstände, Nebenwirkungen, Behandkjngsintervalle zu testen.


    Zwei PDFs sind über die zwei Aufzuchtsmethoden mitgeschickt


    Ich finde, es ist eine tolle Forschungsarbeit.

  • Es werden noch Jahre vergehen um Rückstände, Nebenwirkungen, Behandkjngsintervalle zu testen.

    Danke Experiment Imker(in)!

    Mögen sich alle Imker diesen Satz gut merken.

    Gruß Eisvogel

    Man tut was man kann, hieß es früher. Heute glauben alle sie müssen tun was sie nicht können. P. Sloterdijk

  • Wein kann Sulfide enthalten, weil sich in einer sog. reduktiven Reifung solche Verbindungen bilden (Rotwein). Sulfide sind Salze des Schwefelwasserstoffs und keine Schwefelsäure!

    Wo hat denn hier jemand etwas von Sulfiden geschrieben? Es war kurz davon die Rede, dass Wein geschwefelt wird, aber das geschieht mit Sulfiten, nicht Sulfiden. Die Salze der Schwefelsäure wären Sulfate.


    Ein sehr kleiner Teil der Schwefelsäure kann ständig zurück zu seinen Ausgangsstoffen reagieren, das wären Schwefeltrioxid und Wasser. Schwefeltrioxid wiederum könnte sich in Schwefeldioxid und Sauerstoff zerlegen. Vermutlich ist es also entweder Schwefeltrioxid oder Schwefeldioxid, welches das Pilzwachstum an den Larven unterdrücken soll. Schwefeldioxid würde Schweflige Säure bilden, womit wir wieder bei den Sulfit-Ionen wären, die auch beim Schwefeln von Wein vorkommen...


    - Die Box war verschlossen und durch die Wärme befand sich die Schwefelsäure auch im Dampdraum und wirkt über die Luft

    ...was genau das wäre, was ich in #175 vermutete...:

    Die Schwefelsäure hat also keinen direkten Kontakt mit den Larven, aber es gasen vermutlich geringe Mengen aus, und das genügt, um die Entwicklung von Pilzen zu unterdrücken.

    ...und mit 'ausgasen' meinte ich nicht zwingend, dass da H2SO4-Moleküle in die Gasphase übergehen, sondern evtl Schwefeltrioxid oder Schwefeldioxid. Bin etwas eingerostet, was die Thermodynamik dieser Reaktionen angeht..

  • Es werden noch Jahre vergehen um Rückstände, Nebenwirkungen, Behandkjngsintervalle zu testen.

    Danke Experiment Imker(in)!

    Mögen sich alle Imker diesen Satz gut merken.

    Gruß Eisvogel

    Ok, wir Imker merken uns, das wir jetzt erstmal jahrelang die Rückstände, Nebenwirkungen und Behandlungsintervalle der Lithiumbehandlung testen werden. :P


    Genauso wie Imker es übrigens früher schon bei der Ameisensäure gemacht haben, bei der Oxalsäure und vermutlich auch bei der Milchsäure...


    Dann haben wir wenigstens was in den kommenden Wintern zu tun. Z.B. stöchiometische Berechnungen, wieviel Zitronensäure nötig ist, um eine gewisse Menge Lithiumcarbonat in Lithiumcitrat zu verwandeln. Ob man statt reiner Zitronensäure auch Zitronensaft dafür nehmen könnte. Oder ob es vielleicht doch lieber -gluconat sein sollte. Und wie es sich mit den 'Happy Hive Salts' verträgt...

  • Da man mich direkt als unseriös darstellt, habe ich das Video direkt gelöscht.

    Die entsprechende Passage im Video könnte man auch einfach als missverständlich betrachten. Habe ich in #175 auch so geschrieben.


    In solchen Fällen habe ich schon gesehen, wie in Youtube-Videos nachträglich eine Textbox eingefügt worden ist, die eine Erklärung oder Korrektur einfügt.



    Auf Youtube findet sich noch ein anderes Video zu der LiCl-Sache, von Niklas P. Darin sagt er ganz locker, dass ein erwachsener Mann 30-50 Gramm zu sich nehmen müsste, "damit es für ihn toxisch wird".

    Liebe Kinder, und auch liebe Erwachsene: Diese Menge würde ich Euch nicht mehr für den Selbstversuch/Selbstverzehr empfehlen!

  • Fun Fact zu Lithiumchlorid, aus der aktuellen Auflage der schweizerischen Bienenzeitung:


    Im Jahr 1912 erschien ein interessanter Artikel in der Bienenzeitung, in welcher ein Testversuch unternommen wurde, ob Bienen Honig aus einer Frühjahrsfütterung nachträglich in den Honigraum umtragen. Julius Frei setzte sich mit dem Basler Kantonschemiker in Verbindung und erörterte mit ihm einen Stoff, mit welchem der Nachweis gelingen sollte.

    Man ahnt schon, worauf das hinaus läuft: Es war Lithiumchlorid. In Dosen von einem Gramm auf 10kg und 2 Gramm auf 10 kg wurde er beigesetzt und nicht unerstaunlich war, dass nachher Honig eindeutig erhöhte Werte im Honigraum aufwies.

    Erstaunlich ist allerdings, dass kein Wort über eine mögliche mortale Wirkung auf die Brut die Rede ist, soweit ich das sehe.

    Der ursprüngliche Text von 1912 gibts hier aus dem Archiv. Wenn man den die alte Schriftart noch lesen kann! :D

  • Fun Fact zu Lithiumchlorid, aus der aktuellen Auflage der schweizerischen Bienenzeitung:


    Im Jahr 1912 erschien ....

    Erstaunlich ist allerdings, dass kein Wort über eine mögliche mortale Wirkung auf die Brut die Rede ist, soweit ich das sehe.

    Der ursprüngliche Text von 1912 gibts hier aus dem Archiv. Wenn man den die alte Schriftart noch lesen kann! :D

    Hab' mal gerechnet: das entspricht 2,35 bzw. 4,7 mMol/kg. Bei den jüngsten Versuchen lag die Konzentration bei 10 mMol, 20 mMol und mehr.

    Und - es dürfte in der Aufwärtsentwicklung der Völker kaum aufgefallen sein, dass ggf. Schäden aufgetreten sein könnten (who knows?). Insofern sehe ich keinen Widerspruch; aber es ist interessant, dass vor der "Varroa Zeit" die quasi Lösung schon da war :wink:.

  • Ich habe jetzt den kompletten Thread durchgelesen (nicht aber den Zeitschriftenartikel und das Patent) und frage mich immer noch, was eigentlich der Fortschritt gegenüber AS/OS/MS (womit ich nie Probleme hatte) sein soll. Wenn ich es richtig verstanden habe, sorgt LiCl genausowenig für einen allgemeinen Varroa-Garaus wie die vorgenannten Mittelchen, will sagen, solange Dein Nachbarimker kein LiCl verwendet, bist Du die kleinen Teufelchen auch nicht los. D.h., LiCl mag zwar Varroa-Belastung am Stand reduzieren, vermag aber nicht die Seuche auszurotten. Dazuhin scheint mir LiCl nur zu imker- und bienenunfreundlichen Zeiten (Winter) sinnvoll anwendbar zu sein. Da ich mit AS/OS klar komme, sehe ich vorderhand keinen Änderungsbedarf.