Lithiumchlorid

  • Es ist und bleibt halt erst mal eine Idee von einem möglichen Mittel.


    Wenn es dann mal näher auf alle Eventualitäten/Verträglichkeiten/Umweltverträglichkeit erforscht ist, erst dann kann man/ich darüber nachdenken ob ich das Mittel einsetzen möchte und werde. Bis dahin wird das noch eine geraume Zeit dauern.

  • Ich habe auch an anderer Stelle auf die Stelle im Patent hingewiesen, derzufolge das Mittel in bereits geringen Dosen, Larven in vitro getötet hat. Allerdings nicht um gegen ein eventuelles späteres Medikament oder gegen die Forschung zu schießen (wer bitte hätte denn etwas dagegen wenn eine leichte Lösung gefunden würde?!?), sondern aus 2 Gründen:
    a) weil die Zeitungsartikel so getan haben als würde da morgen schon die Lösung für das Varroa Problem in den Imkerbedarfsläden stehen und
    b) [der wichtigste Grund, wir kennen ja alle unsere Kollegen ...] weil dank der überschwenglichen Zeitungsartikel garantiert heuer so einige diesen Stoff bei ihren Völkern reinschütten werden. Also Info um da einige doch davon abzuhalten. Die ersten tauchen schon auf FB, in Foren und offline auf die einem genau das schildern: in der Zeitung stand die Lösung, ich werde das gleich im Frühling ausprobieren ... O-Ton Samstag bei einer Geburtstagsfeier.

  • Kikibee : Deinen Weckruf kann man nur wiederholen, leider, immer wieder!


    Die Erosion von Selbstverständlichkeiten hat m.E. mehrere Antriebe:

    - Imker sind aufgeschlossen und experimentierfreudig. Wenn die ethische Grundhaltung zu den anvertrauten Tieren fehlt, spielt die Risikoabwägung, gar die Auswirkung auf die Bienen dann eine untergeordnete Rolle beim Experimentieren.

    - Der Konsens über gesellschaftliche Regeln wird zunehmend kleiner - sowohl quantitativ wie qualitativ oder bildhaft ausgedrückt: Wir entwickeln uns zum Kleinkind zurück, das sich selbst als das Zentrum der Welt ansieht.

    - Nicht unschuldig ist daran, daß die 3 Säulen des Staates - Gesetzgebung/Exekutive/Rechtssprechung - den komplizierter werdenden Lebenssachverhalten nur mühsam hinterherkommen. Die OX-Sublimation

    ist ein prägnantes Beispiel dafür (#108):

    OX - Verdampfen in Deutschland ist erlaubt? oder doch nicht

    Ist die Akzeptanz staatlicher Regeln erst einmal erodiert, wirkt sich das dann auch in Bereichen aus, wo diese Regeln durchaus aktuell und sehr sinnvoll sind - wie man an einigen Meinungsäußerungen hier und am vorstehenden Bericht von Noldi ablesen kann.

  • Da gibt es einen großen Aufschrei nach dem anderen, die bösen Chemiekonzerne würden ihre Pflanzenschutzmittel nicht ausführlich genug testen, um allen Eventualitäten vorzubeugen, und Ihr hortet schon mal ein Säckchen Lithiumsalz, wo gerade mal klar ist, dass erwachsene Bienen nicht sofort davon tot umfallen. Und selbstverständlich sollte ein Zulassungsverfahren auch möglichst unbürokratisch abgekürzt werden!? Wenn das mal ein PSM-Hersteller von sich geben würde!!!

    Das ist mal kein Vergleich zwischen Äpfeln und Birnen, sondern zwischen Äpfeln und Pflastersteinen...


    Kleiner Hinweis: das Problem mit den Pflanzenschutzmitteln ist, dass sie in ihrer Wirkung nicht beschränkt sind.

    - Räumlich nicht beschränkt, denn ein Bauer bringt sie auf hunderten Hektar aus, uns sogar außerhalb der Ackerfläche kommt es durch Abdrift noch zu Wirkungen.

    - zeitlich nicht beschränkt, denn die meisten synthetischen Pflanzenschutzmittel können innerhalb weniger Wochen abgebaut werden, manche bleiben sogar Jahre in der Umwelt.

    - auch in der Wirkung bei geringen Konzentrationen kaum beschränkt, zumindest sind negative Auswirkungen auch bei Konzentrationen weit unterhalb der Zielkonzentration bei der Anwendung nachgewiesen.


    Im Vergleich dazu Lithium oder auch Oxalsäure:

    - Ausbringung räumlich auf die Beute beschränkt. Klar, die Bienen tragen auch etwas raus, aber dort (in der Natur- oder Kulturlandschaft) ist es dann nicht mehr von der 'natürlichen Hintergrundbelastung' zu unterscheiden.

    - zeitlich beschränkt - keine Anreicherung von Jahr zu Jahr

    - in geringen Konzentrationen gibt es keine negativen Auswirkungen. Da liegen Größenordnungen in der für negative Auswirkungen nötigen Konzentration dazwischen!


    Ich korrigiere mich: der Vergleich zwischen Lithium (oder Oxalsäureverdampfung) einerseits und synthetischen Pestiziden (Insektiziden, Fungiziden und Herbiziden) andererseits ist eher ein Vergleich zwischen Pflastersteinen und Handgranaten.

    Ja, beides ist hart, beides kann man in Kisten stapeln und beides kann man werfen. In der Wirkung und damit auch in der nötigen Reglementierung liegen aber Welten dazwischen!

  • Der Konsens über gesellschaftliche Regeln wird zunehmend kleiner - sowohl quantitativ wie qualitativ oder bildhaft ausgedrückt: Wir entwickeln uns zum Kleinkind zurück, das sich selbst als das Zentrum der Welt ansieht.

    Au contraire!

    Die Gesellschaftlichen Regeln entwickeln sich zu den Regeln zurück, die ein Kind aufstellen würde. Ohne Differenzierung, ohne Abgleich mit der Realität oder mit Erfahrungen.


    Nicht unschuldig ist daran, daß die 3 Säulen des Staates - Gesetzgebung/Exekutive/Rechtssprechung - den komplizierter werdenden Lebenssachverhalten nur mühsam hinterherkommen.

    Welche komplizierter werdenden Lebenssachverhalte denn? Es sind doch gerade ständige staatliche Regeländerungen und -ausweitungen, die alles komplizierter machen. Es mag sinnvolle Fälle geben, aber eindeutig auch unsinnige. Es wird immer weniger unterschieden. Alles wird gleich gemacht.


    Wasserhähne sollen am besten die gleichen Wassersparnormen erfüllen, egal ob sie in einer spanischen Dürreregion oder in der wasserreichen Bundesrepublik verkauft werden. (und dass die Abwasserkanäle dann mit tonnenweise reinem Trinkwasser gespült werden, weil nicht mehr genug Wasser im Abwasser ist, wird auch ignoriert.)


    Alles was gegen Schädlinge auf Pflanzen gespritzt wird, wird rechtlich ebenfalls gleich behandelt, egal ob es sich um lebensmitteltaugliches Lecithin handelt (gegen Mehltau) oder um ein synthetisches Neonicotinoid.


    Pflastersteine und Handgranaten, für den Gesetzgeber beim Arznei-, Pflanzenschutz- und immer mehr weiteren Gesetzen gibt es da keine grundlegenden Unterschiede...


    Ich habe mal in einem Labor gearbeitet, da durften wir kein Leitungswasser in den Abfluss gießen, weil das mehr Kupfer enthält, als laut irgendwelchen Vorschriften für diese Art Betrieb im Abwasser zulässig! Ja, in den meisten Wohnungen und Häusern ist aufgrund der Leitungen ein klein wenig Kupfer im frischen Trinkwasser. Das ist auch kein Problem. Aber es gibt Regelungen, wo manchmal im Abwasser weniger Kupfer sein darf als im normalen Trinkwasser.

    Das nenne ich Vorschriften ohne Realitäts-Check.


    Und da gibt es kaum Mechanismen, die das Dickicht wieder auslichten, was irgendwelche Lobbyorganisationen, Gremien und Koalitionsausschüsse mal irgendwann ausgekocht haben.

    Die Regeln wuchern unkontrolliert. Und wenn es irgendeine Erosion gibt, dann ist sie dort zu suchen.

  • Ich hätte die Meldung der möglichen Wirksamkeit gar nicht erst veröffentlicht.. Ich sehe jetzt schon die Imker Amok laufen (im wahrsten Sinne des Wortes) und das Zeugs im Internet bestellen ohne fundierte Beweise, Studien etc.

    da ist die Wirksamkeit wenn eine mögliche Resistenz auftritt wieder für den "A.."

    und ohne Flächendeckendes Behandlungskonzept ist auch die Ausrottung nicht möglich.. sofern das überhaupt möglich ist, da nicht jeder der Bienen hat, auch in Verbänden, Vereinen organisiert ist.

    Und da reicht dann ein schwarzes Schaf und alles ist für die Katz.


    meine Meinung - langfristig angelegt!:


    wenn muss die Natur das selbst regeln - der Mensch kann nicht in einem Naturgefüge (wenn auch selbst geschaffen) das in tausenden von Jahren entstanden ist (vom Mensch zerkloppt wurde ohne vollendetes Verständnis) so "hoppla hopp" ohne Nebenwirkungen eingreifen.

    dann wäre auch der Verlust der Zuchtlinien und des Erbguts nicht so dramatisch.

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  • Wo kommen wir hin, wenn Jeder für sich selbst beansprucht einstufen zu dürfen, was Handgranate, was Pflasterstein und was liebgemeinter Softball ist und wann und wo der betreffende Jedermann den dann auf Andere werfen darf?

    Und viele von diesen Jedermanns schreien, wenn sie andere werfen sehen - meistens nach einer der 3 Gewalten, die das schnellstens abzustellen haben...

  • Re-Mark

    Lithium ist in seiner Wirkung auf Bienen noch nicht erforscht. Es hat offenbar deutliche Auswirkungen im menschlichen Organismus, es hat Auswirkungen auf die Varroen und es wäre blauäugig, davon auszugehen, dass es Bienen nichts tut. Da es kein hochspezifisches Molekül ist, wird es auch nicht nur an eine einzige hochspezifische Stelle binden, die womöglich nur in Varroen existiert. Wir haben bei den Neonicotinoiden gelernt, dass es nicht ausreicht, nur danach zu sehen, ob die Bienen innerhalb von 72 Stunden sichtbare Schäden zeigen. Diesen Fehler muss man nicht leichtfertig wiederholen. Es sollten alle Entwicklungsstadien und die gesamte Volksentwicklung mit in Betracht gezogen und dann entschieden werden, ob der Nutzen einen eventuellen Schaden aufwiegt.


    Ich wende mich gegen eine voreilige und leichtfertige Ausbringung auf gut Glück, weil Lithium als natürlich vorkommendes Element irgendwie weniger schlimm als DHMO oder andere chemische Substanzen klingt und aus diesem Grund gar nicht schädlich sein kann. Und gegen diese unreflektierte Hurra-wir schmeißen-es-auch-rein-Stimmung, die im krassen Gegensatz zum sonstigen hier gepredigten Purismus steht.


  • Ich hätte die Meldung der möglichen Wirksamkeit gar nicht erst veröffentlicht.. Ich sehe jetzt schon die Imker Amok laufen (im wahrsten Sinne des Wortes) und das Zeugs im Internet bestellen ohne fundierte Beweise, Studien etc.

    Na und? Was kümmert es dich? Es werden ganz sicher weniger Völker daran sterben, als an zuviel oder zuwenig oder zuspäter Ameisensäure...


    da ist die Wirksamkeit wenn eine mögliche Resistenz auftritt wieder für den "A.."


    und ohne Flächendeckendes Behandlungskonzept ist auch die Ausrottung nicht möglich.. sofern das überhaupt möglich ist, da nicht jeder der Bienen hat, auch in Verbänden, Vereinen organisiert ist.

    Und da reicht dann ein schwarzes Schaf und alles ist für die Katz.

    Ich verrate dir ein Geheimnis: es gibt sogar in Europa noch 'wild' lebende Bienenvölker! Völker, die in irgendwelchen Bäumen oder hinter alten Wänden leben und nicht kontrolliert oder behandelt werden.

    Es braucht also gar keine 'schwarzen Schafe' unter den Imkern, die sich einer flächendeckenden Behandlung entziehen. Mal ganz abgesehen davon, dass auch in den Veröffentlichungen zum Lithium gegen Varroa nirgends etwas von 100% Wirksamkeit steht, die aber nötig wären für eine Varroaausrottung mit chemischen Mitteln.

  • Wir haben bei den Neonicotinoiden gelernt, dass es nicht ausreicht, nur danach zu sehen, ob die Bienen innerhalb von 72 Stunden sichtbare Schäden zeigen. Diesen Fehler muss man nicht leichtfertig wiederholen. Es sollten alle Entwicklungsstadien und die gesamte Volksentwicklung mit in Betracht gezogen und dann entschieden werden, ob der Nutzen einen eventuellen Schaden aufwiegt.

    Zu den grundlegenden Unterschieden zwischen Neonicotinoiden und Naturstoffen wie Lithium oder Oxalsäure habe ich schon etwas geschrieben.


    Und ansonsten nochmal: na und? Jedes Jahr sterben zehntausende Bienenvölker in DE an zuviel oder zuwenig oder zu später Ameisensäure. Oder an Behandlung bei zu warmem oder zu kaltem Wetter.


    Wenn mein einer Nachbar in seinem Garten Flugzeugtriebwerke testet, dann ist es eher sinnlos, mir Gedanken über die Lautstärke des Kofferradios daneben zu machen...

    Verhältnismäßigkeit! Das scheint vielen bei ihren Überlegungen verloren gegangen zu sein.

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  • Wo kommen wir hin, wenn Jeder für sich selbst beansprucht einstufen zu dürfen, was Handgranate, was Pflasterstein und was liebgemeinter Softball ist

    Diejenigen, die dazu grundsätzlich und überhaupt nicht in der Lage sind, sollten vielleicht besser alle eigenverantwortlichen Tätigkeiten und Meinungsäußerungen einstellen und auf Anweisungen ihrer Führungskader warten...


    Wenn man den gesunden und von einer gewissen Vorbildung unterstützten Menschenverstand vollständig aus dem Leben verbannen will, dann gibt es bald keine menschliche Gesellschaft mehr.

    Der Trend geht eh dahin, Künstliche Intelligenz ist aktuell das Thema. Die weiß eh besser, was gut für uns ist, gell? Wo kommen wir denn hin, wenn Menschen noch selber Entscheidungen treffen...

  • Und gegen diese unreflektierte Hurra-wir schmeißen-es-auch-rein-Stimmung, die im krassen Gegensatz zum sonstigen hier gepredigten Purismus steht.

    Wo ist denn eigentlich diese "Hurra-wir schmeißen-es-auch-rein-Stimmung"? Ich habe sie noch nicht gesehen. Es gibt ein freudig-Erregtes Geschnatter in Imkerkreisen. Die allermeisten haben nur die Pressemitteilung gelesen. Ein paar auch den Nature-Artikel. Nur ganz wenige die Patentschrift.

    Die übergroße Mehrheit traut sich eh nicht, irgendwas auf eigene Faust zu kaufen oder gar anzwenden, was aus dem Dunstkreis 'Chemikalienhandel' stammt.


    Ja, ein paar Imker kaufen es vielleicht und wenden es unsachgemäß an. Und? Schlimmstenfalls erzeugen sie damit eine chemische Brutentnahme. Für Menschen besteht durch ein Gramm Lithiumchlorid pro Bienenvolk kein Risiko, solange sie nicht die gesamte Futterportion selber essen.


    Wieviele haben unsachgemäß "Bienenwohl" gekauft und angewandt? Oder regelmäßig irgendwelche Kräutertinkturen ins Futter gerührt? Wieviele Völker gehen jedes Jahr ein, weil jemand grundlegende Fehler beim Auszählen oder beim Bewerten des Milbenfalls macht und deshalb die Varroabehandlung noch ein paar Wochen verschiebt?


    Verhältnismäßigkeit!

  • Da stehen ja noch die heuer mindestens zu 80% sterbenden Völker durchs Wachs im Raum. Das ist 'ne sportliche Zahl, aber bei der Entwicklung dieses Fadens, wenn sich alle anstrengen, es ist zu schaffen. Der einzige Gegner sind die Bienen, weil die so zäh sind!


    ...



    Beste Grüße,

    Ralf

    Imkern im Spannungsfeld zwischen Hoffnung und resignativer Reife