4 Jahre hintereinander Völker verloren. Ist das die Realität ?

  • Hallo Profis,


    meine Lebensgefährtin kam gerade von einer Bekannten, deren Bruder auch Bienen hält. Angeblich hat er 4 Jahre hintereinander sein Volk (Völker) verloren. Er probiert es nun noch 1 Jahr, dann gibt er auf.

    :/=O


    Ich bin etwas geschockt.

    Sollte sich mein Traum vom Imkern etwa in einen Horrortrip verwandeln ? Stelle ich mir das zu einfach vor ? Muss ich vorher noch schnell ein Studium ablegen ? ;)

    Bin etwas verunsichert.

    Ist die Geschichte realistisch ? :/

    Danke!

  • Hallo Soapp,

    bevor hierzu schlüssig etwas gesagt werden kann müssen hier mehr wenn nicht sogar sehr viel mehr Fakten auf den Tisch.

    "Studieren" und praktische Übungen sind sicher lange angesagt. Ob Du es Dir zu einfach vorstellst ist schwer zu beurteilen.

    Aber den Traum von den eigenen Bienen würde ich nicht so schnell aufgeben.

    Gruß Eisvogel

    Man tut was man kann, hieß es früher. Heute glauben alle sie müssen tun was sie nicht können. P. Sloterdijk

  • Vielleicht sollte er nicht noch mal probieren sondern sein Varroakonzept verbessern und sich fachlichen Rat holen!!!

    Naja nach dem Winter werden die Toten gezählt aber ich bin (zur Zeit !) gerade mal bei 2 Prozent Verlusten und ich hab pro Volk bestimmt weniger Zeit als obiger Bruder.

    Es kommt nicht so darauf an wieviel man macht sondern das man zur richtigen Zeit das Richtige macht.

    Hab zur Zeit noch ne große Klappe aber soo schlecht sehen die Bienen dies Jahr nicht aus...

  • jedes Jahr Völker verlieren kann durchaus sein. Selbst erfahrenen und umsichtigen Imkern passiert das.

    Eine regelmäßig hohe Quote an Verlust liegt aber eher an einem schlechten Standort oder Fehler beim imkern. Meist letzteres und da wohl am häufigsten kein oder schlechtes Varroakonzept und damit verbunden ein dem Tode geweihtes Volk eingewintert statt vorher aufgelöst. Gerade das Auflösen fällt aber dem Anfänger und Kleinimker schwer.

    In der Natur gibt es weder Belohnungen noch Strafen. Es gibt Folgen.
    (Robert Green Ingersoll)

  • Also wenn der Gute mit nur einem Volk arbeitet und das schon so lange dann ist das tatsächlich eine optimale Vorlage für 100% Verlust. Der oft zitierte Tipp, mit drei Völkern anzufangen, hat gute Gründe. Nicht nur, dass man die Chancen erhöht, die Bienen über den Winter zu bekommen, sondern einfach auch weil die Lernkurve steiler ist. Jedes Volk ist anders, wird einem neue Lektionen lehren... und man hat eher die Chance, böse Schnitzer auszubessern wenn man Brut- und Bienenspender hat.

    Es macht einfach auch mehr Spass, etwas mehr "Spielraum" zu haben. Später kann man das ja wieder eindampfen aber raten würde ich es eigentlich nicht... es ist wirklich schwieriger mit nur einem Volk. Das ist wie beim Aquarium, da laufen 600 Liter-Becken einfach auch stabiler als 60 Liter!


    Aus den Erfahrungen unserer Anfäger kann ich jedoch sagen, dass das nicht normal ist, vier Jahre hintereinander vor der leeren Kiste zu stehen. Bienen sind anpassungsfähig und ein Wunder an Duldsamkeit und Reparaturfähigkeit....keine fragilen, empfindsamen Spezialisten. Daher sollte sich der Kollege mal auf die Finger schauen lassen....Vereine sind da in der Regel wirklich hilfreiche Netzwerke!


    M.

  • @Soapp


    Da ich so Schauergeschichten leider auch immer wieder höre, scheint das in Freising durchaus doch oft Realtität zu sein. Bei den Fällen, die ich kenne, liegt es aber definitiv an den Leuten hinter der Kiste.


    Es gibt Menschen, die wollen nicht hören oder lernen, oder bekommen irgendwie kein Gefühl dafür oder nehmen es zu locker trotz ihrer schlechten Erfahrungen. In diesen Fällen bleibt nichts anderes, als den Leuten nahezulegen, sich lieber doch was anderes, am besten Lebloses zu suchen, statt noch mehr Bienen sinnlos zu opfern.


    Leider sind es in sogar zwei unabhängigen, besonders krassen Fällen Leute, die glauben, unbedingt den Bienen Gutes tun zu müssen indem sie Bienen halten und die keinesfalls damit aufhören wollen, obwohl sie seit mehreren Jahren praktisch noch keinen Honig geerntet haben und jedes Jahr wieder bei 0 anfangen müssen und dann verzweifelt um Völker betteln und Schwärme fangen wollen...ich hoffe dann immer, dass die Schwärme abdampfen, bevor die "Kollegen" wieder da sind, um sie zu fangen, weil dann sind die Überlebenschancen der Bienen deutlich höher!


    Das sind typische Fälle von gut gemeint, aber noch lange nicht gut gemacht. Ich rate dazu, die Leute nicht auch noch darin zu bestärken, sondern sie lieber von den Bienen wieder abzubringen. Es gibt genug Imker und selbst gute Imker können die Welt nicht retten. Es besteht also gar kein Grund, sowas auf Biegen und Brechen zu probieren.


    Womöglich reden wir von den selben Leuten? Ich will es aber lieber gar nicht wissen...


    Gruß

    hornet

  • Ich bewundere Eure Ferndiagnosefähigkeiten. Das hier ein Fehler vorliegt ist klar. Ebenso ist die Wahrscheinlichkeit die Schuld beim "Imker" zu finden verdammt hoch. Aber wo der Fehler liegt, vermag ich nach den Angaben nicht zu beurteilen. Nicht mal, ob es in jedem Jahr der selbe ist. Ich würde ein Mitimkern bei einem erfahrenen Imker empfehlen. Das ist die erfolgversprechendste Version.

    Und nein, normal ist das nicht.

    Der Neid hängt am Stacheldraht in des Imkers Hosentasche!

  • meine Lebensgefährtin kam gerade von einer Bekannten, deren Bruder auch Bienen hält.

    Ein Bekannter hat einen Bekannten, dessen Freundin einen Bruder hat, der mal eine Frau war und deren Bekannter hat........Bienen?!?!? What?



    Er probiert es nun noch 1 Jahr, dann gibt er auf.

    Hoffentlich probiert er es nicht mehr!



    Stelle ich mir das zu einfach vor

    Das ist nicht einfach!



    Bin etwas verunsichert.

    Dann warte mal ab bis du Bienen hast.....die werden dich erst verunsichern! Das ist aber nichts Schlimmes!


    Ist die Geschichte realistisch ?

    Realistisch....Ja aber was hat das mit dir zu tun?




    Mach dein Ding und lass dich nicht von jedem verunsichern!


    hornet :


    Die Geschichten vom Nachbarlandkreis werden bei uns im Verein auch bei fast jeder Sitzung erzählt. Das hat schon fast Showcharakter. Wenn da was Wahres dran ist wie du sagst dann "Prost Mahlzeit"

    "Es ist schon alles gesagt, nur noch nicht von allen." (Karl Valentin)

  • Moin, moin,


    wissen kann man da nix gewisses, aber gewiss geht da was falsch, was man gewiss besser machen könnte...

    Gewisst wie...

    Ich kenne aber auch Leute, bei denen es mir recht ist, dass sie es aufgegeben haben, hinter Kisten stehen zu wollen...

    Gruß Clas

    "Ach, das Risiko...!" sagte der Bundesbeamte für Risikoabschätzung abschätzig...

  • ..

    Bin etwas verunsichert.

    Ist die Geschichte realistisch ? :/

    ..

    Hallo Soapp,


    hier kommen noch meine 50cent zum Thema...


    Ich habe hier 2 Kollegen, denen ich vor ein paar Jahren mal ein paar Ableger gegeben und sie etwas unterstützt habe. Beide zur gleichen Zeit, mit den gleichen Möglichkeiten vor Ort und mit den gleichen Bienen, der gleichen Begeisterung. Beide hatten immer 3...6 Völker im eigenen Garten. Geringe Imkerdichte und räumlich sind beide nur etwa 10km entfernt.

    Dem einen, Micha, ist in den letzten 4 Jahren mal ein Ableger weisellos eingegangen und der hat massig Honig und verkauft permanet im Frühjahr Völker. Und der andere, Norbert, hatte in den ersten beiden Jahren immer Totalverlust, oft Räubereiprobleme. Beide sind ziemlich gewissenhaft und ich konnte auch vor Ort keinen offensichtlichen Unterschied erkennen.

    Jetzt ist der Norbert umgezogen und alles ist prima!


    Mein Fazit:

    Es gibt scheinbar auch ungünstige Standorte oder Zusammenhänge, die wir nicht sehen. Dort kann man es deutlich schwerer haben.


    Gruß Jörg

    Imkerforumstreffen 2019 am 8.-10. März 2019 in Kleinlüder

  • Ich bewundere Eure Ferndiagnosefähigkeiten. ...


    Ich würde ein Mitimkern bei einem erfahrenen Imker empfehlen. Das ist die erfolgversprechendste Version.

    Falls du damit auch mich meinst: Ich habe mich nur eingemischt, weil es um Freising ging. Und ich sprach hier NICHT von den Leuten, die Soapp erwähnt hat, weil ich gar nicht weiß, um wen es sich dabei handelt. Sondern ich habe von anderen Leuten dort berichtet, die ich persönlich kenne und bei denen ich weiß, wie sie imkern und denen ich selber schon Ratschläge gegeben habe und bei denen ich weiß, dass es an ihnen liegt, sie es aber nicht wahrhaben wollen - bzw. denen es irgendwie egal ist, was für mich schon mal überhaupt nicht zusammenpasst.


    Aber so Leute gibt es zumindest hier, offenbar nicht zu knapp und das wollte ich beitragen, um Soapp zu bestätigen.


    Übrigens: Die Leute in den beiden Fällen, die ich kenne haben von Anfang an die Begleitung von langjährigen Imkern. Wenn es also trotzdem dauernd scheitert, dann stimmt entweder was mit den Imkerpaten nicht, oder die Imkerneulinge sind einfach ungeeignet.