Gibt es Tricks, damit Honig länger flüssig bleibt?

  • Honig ist bei -18 Grad nicht gefroren, somit auch keine Deklaration ...

    Du scheinst noch keinen Honig eingefroren zu haben.

    Oder wie soll man das sonst nennen, wenn er zuvor flüssig war und dann hart ist?


    Wolfgang

    I never loose - either I win or I learn (Nelson Mandela)

  • Honig ist bei -18 Grad nicht gefroren, somit auch keine Deklaration ...

    Du scheinst noch keinen Honig eingefroren zu haben.

    Oder wie soll man das sonst nennen, wenn er zuvor flüssig war und dann hart ist?


    Wolfgang

    Erhellendes zum Einfrieren von Lebensmittteln und Zuckerlösungen findet man hier, wie schon oben angemerkt:


    https://www.ttk.kit.edu/downlo…_Praktikumsunterlagen.pdf


    In Kürze, stark vereinfacht: Honig kann man nicht "einfrieren" weil man unter "Einfrieren" gemeinhin die - manchmal kinetisch gehemmte - Kristallisation von Wasser (im Lebensmittel) zu Eis versteht. Tiefgekühlter nicht kristallisierter Honig verändert, physikalisch-chemisch gesehen, seinen Aggregatzustand nicht ! Dass er "hart" wird (oder erscheint) liegt nur daran, das die Viskosität des Honigs dramatisch von der Temperatur abhängt, wie jeder weiß, der schon mal bei 10° und 30°C geschleudert hat. Bei ganz tiefen Temperaturen wird nur die Viskosität so hoch, dass er hart erscheint.

    Im obigen Dokument wird die "Gefrierkurve" einer Wasser-Saccharose-Lösung (Seite 5) dargestellt. Nehmen wir für den Honig vereinfacht eine Glucose-Fructose-Wassermischung an (letztere Komponente mit 20% oder so) dann würde die Gefrierkurve dieser Dreikomponenten-Lösung noch viel schneller und steiler nach unten hin verlaufen, abgesehen davon, dass die Zuckerkonzentration (Glucose + Fructose) 80% beträgt (ganz rechts im Diagramm; an Saccharose kriegt man bei Raumtemperatur knapp 70% ins Wasser - die Löslichkeitskurve - wie jeder weiß, der Zuckerwasser anrührt ). Andersrum gesagt: Man kriegt im Honig beim "Einfrieren" kein Eis "ausgefroren". Die Löslichkeitskurve für Glucose im Dreikomponentengemisch hätte wahrscheinlich eine ähnliche Steigung wie diejenige für Saccharose im Zweikomponentensystem. Dies würde im Prinzip bedeuten, dass tiefere Temperaturen das Auskristallisieren von Zuckerkristallen im Honig begünstigen würden. Dem steht aber die schnell sehr viel höher werdende Viskosität entgegen, die die Kristallisation wiederum behindert (mal abgesehen von Keimbildung und Wachstum - eine zusätzliche Komplexität). Daher das günstigste Fenster für Honigkristallisation bei 14 bis 16°C, empirisch schon ewig bekannt.


    Warum ist das interessant ? Ich bin/war Geologe und hab' mich jahrelang mit der Kristallisation von Granitschmelzen beschäftigt, im Labor und im Gelände. Wer schon mal Obsidiane gesehen hat weiß, dass das schnell abgekühlte "eingefrorene" Granitschmelzen sind, die keine Zeit zum Auskristallisieren hatten. Honig und Granite - alles eins ...


    Cheers

    Baudus

    Und wieder ist Frühling / auf alte Torheiten / folgen neue Torheiten (Issa)

  • Wer verkauft tiefgefrorenen Honig aus der Kühltruhe und achtet darauf, daß die Kühlkette nicht unterbrochen wird? Aus Gründen der Lebensmittelsicherheit (Schutz vor Verderb) wurde die TLMV erlassen, um eben diese Lückenlosigkeit der Kühlkette abzusichern. Die max. Abweichung vom -18 Grad-Höchstwert beträgt drei Kelvin, d.h. der Tieffrier-Honig dürfte nicht wärmer als -15 Grad an Endkunden abgegeben werden, nur um diese physikalischen Formalien der TLMV zu erfüllen.

    Ob flüssig, hart oder nur steif, von der Konsistenz des Gefriergutes ist in der TLMV dagegen keine Rede. Nur von der "maximalen Kristallisation" als dem Kernziel des Tieffrierens. Gerade das soll ja gem. Thread-Titel nicht erreicht werden, sondern das Gegenteil. Die TLMV trifft auf Honig einfach nicht zu, selbst wenn man ihn zeitweilig tieffrieren sollte.

  • Baudus , für sowas liebe ich das Forum! Seitenlang Laberrhabarber & Kompetenzgebolze, und dann zack aus dem Nichts der finale Haken 😂


    Super. Honig u. Granit, alles eins. Isso! Hab noch ein paar Kisten weißen Granit im Keller...


    Beste Grüße,

    Ralf

    Imkern im Spannungsfeld zwischen Hoffnung und resignativer Reife

  • Tiefgekühlter nicht kristallisierter Honig verändert, physikalisch-chemisch gesehen, seinen Aggregatzustand nicht !

    Das ist gelinde gesagt Blödsinn. Ein vorher zähflüssiger oder cremiger Honig wird hart, so hart, dass du kein Messer mehr reinstecken kannst.

    Wenn das keine Veränderung des Aggregarzustandes ist!

    Auch die Viskosität des Wasser hängt stark von der Temperatur ab!

    Trotzdem nennt man das Eis.

    Einfrieren kann man übrigens nicht nur Wasser.


    Wolfgang

    I never loose - either I win or I learn (Nelson Mandela)

  • Dem Baudus was über kristalline Strukturen zu erklären, würde ich mich nicht trauen. Wolfgang nix zum Thema Steuerrecht. Und ich verfüge halt über solides Halbwissen ;)


    Beste Grüße,

    Ralf

    Imkern im Spannungsfeld zwischen Hoffnung und resignativer Reife

  • Das ist gelinde gesagt Blödsinn. Ein vorher zähflüssiger oder cremiger Honig wird hart, so hart, dass du kein Messer mehr reinstecken kannst.

    Nee, Baudus hat schon recht. Du kannst es nicht daran festmachen, ob du ein Messer reinstecken kannst. Denn wo willst du die Grenze ziehen? Mit fallender Temperatur wird der Honig immer zäher (ähnlich wie Glas). Irgendwann würde ein auf den Honig gelegtes Messer eine Minute brauchen, um einen Zentimeter einzusinken. Sollte man da die Grenze zu 'hart' ziehen? Oder doch erst bei zehn Minuten? Oder einer Stunde?


    Es gibt da ein Experiment, läuft seit über 80 Jahren. Teer in einem Trichter, tropft langsam durch. Seeehhr langsam. Es liegen Jahre zwischen den einzelnen Tropfen.

    Wenn du gegen die Masse drücken würdest, würde sie sich vermutlich fest anfühlen. Aber sie fließt. Ganz langsam.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Pechtropfenexperiment

    Honig in der Tiefkühltruhe dürfte sich ähnlich verhalten.


    Ob sich in der Flüssigkeit Kristalle bilden könnte man z.B. per Röntgenbeugung feststellen...

  • Denn wo willst du die Grenze ziehen? Mit fallender Temperatur wird der Honig immer zäher (ähnlich wie Glas).

    Natürlich kann man Glas als zäh bezeichnen. Im allgemeinen Sprachgebrauch nennt man es aber hart.

    Und das ist auch Honig bei -18 Grad.


    Wer 80 Jahre Zeit hat, sich ein Honigbrot zu streichen, mag das anders sehen.


    Wolfgang

    I never loose - either I win or I learn (Nelson Mandela)

  • Natürlich kann man Glas als zäh bezeichnen. Im allgemeinen Sprachgebrauch nennt man es aber hart.

    Boah, ich will SEHEN, wie Dir jemand 'mit dem gesunden Menschenverstand' komplexe Steuerangelegenheiten als 'Blödsinn' abtut 😱😱😱


    Ich find ja, Du hast total Recht! Bloß...


    Beste Grüße,

    Ralf

    Imkern im Spannungsfeld zwischen Hoffnung und resignativer Reife

  • Diskutiere es einfach mal mit einem Juristen, der ein wenig Grundahnung vom Lebensmittelrecht hat und mit jemandem von der Lebensmittelaufsicht und zum drüberwürzen noch mit einem Leiter eines Honiglabors (hab ich alles schon durch ...): Honig bei -18 Grad Celsius ist nicht gefroren.

  • Bleibt die Frage, ist es "ein Trick, damit Honig länger flüssig bleibt" ?

    Ich stelle nach dem Abfüllen meinen gerührten zähflüssigen kristallisierten Honig ja gerne erst mal 1-2 Wochen in den Kühlschrank bei +5°C, weil er da schnell fest wird und nicht mehr am Deckel kleben kann, wenn man das Glas schräg hält.

    Hab aber auch mal irgendwo gelesen, das "Einfrieren" bzw. nennen wir es lieber "tief kühlen" für chremigen Honig sorgt.

    Das trifft dann aber auf noch richtig flüssigen Honig nicht zu, richtig? Bleibt der nach dem "Auftauen" bzw. "wieder erwärmen" auch noch eine Weile flüssig?

  • Doch, trifft auf richtig flüssigen zu, wenn du viel Zeit hast.

    Habe mal Frühtracht im Tiefkühlschrank gehabt. War dann nach 9 Monaten auskristallisiert.

    Mein gerührter war aber cremiger. Vielleicht hätte ich ihn dann noch eine Weile stehenlassen sollen. Da wäre er vielleicht noch "weicher" geworden. Stichwort Weihnachtswunder ??? habe ich mal gehört.

    Weiß da jemand was davon?

    Einfrieren geht aber nur, wenn man wenig Honig hat. Da kann man aber auch ne Woche rühren.

    Oder hast ein großes Kühlhaus;)

    Bei Sommertracht wird es Jahre dauern, lohnt also auch nicht.