• Gestern erreichte mich nachfolgende Pressemeldung die ich Euch nicht vorenthalten und hier zur Diskussion stellen möchte:

  • Einfach ist irgendwie aber auch anders... Mal abgesehen davon, dass Hyperthermie für mich keine Lösung des Problems darstellt...
    Und ganz ehrlich, für 7 Volker kostet der Spass knapp 2000€ und dann darf ich auch noch selbst anfangen zu basteln?
    Dann behandle ich lieber anders und kaufe mir für das Geld meine Wunschschleuder.
    Aber nein... völlig überlesen in 2 Jahren hat sich das ja amortisiert... :/Ich frage mich nur wie?

    "Das Wort gleicht der Biene: Es hat Honig und Stachel."

  • Besten Dank für Ihre bisherigen Beiträge. Mein Name ist Pascal Brunner von Vatorex.


    Gerne möchte ich einen wichtigen Punkt klarstellen. Dass die Wärmebehandlung grundsätzlich funktioniert, wird wohl kaum in Frage gestellt. Der entscheidende Punkt ist die effektive Anwendung direkt im Bienenvolk. Dies geschieht beim Vatorex-System durch Heizdrähte in den Mittelwänden. Somit erwärmen wir die Bienenbrut (und NUR die Bienenbrut) von innen.

    Bisherige Systeme versuchen den Stock von aussen, z.B. durch Umluft zu erwärmen. Dieses Vorhaben wird durch die Thermoregulation der adulten Bienen stark erschwert.


    Ich freue mich auf eine angeregte Diskussion!

  • Zitat

    ... gab´s nicht schon mal die "Bienensauna " ?

    Ja, die soll hier aber nicht Thema sein...

    Sollte auch kein Thema oder gar OT werden. :*

    Fiel mir nur spontan zum Thema Erwärmung ein.

    Wobei es für mich faszinierend ist, dass Bienen die höheren Temperaturen tolerieren können und Varroen eben nicht.

  • Sehr geehrter Herr Brunner,


    bevor wir hier nicht nur angeregt, sondern v.a. faktenbasiert diskutieren können: Wo kann man die Dokumentation ihrer wissenschaftlichen Versuche von 2015 nachlesen? Was ist das Ergebnis der zwischenzeitlichen Fachdiskussion in der Wissenschaft (bitte ebenfalls mit Quellen)?


    Neben dem Nachweis des Wirkungsgrades an sich ist ganz besonders wichtig ist die Klärung der Nebenwirkungen, insbesondere folgender Frage: Wurde der Einfluß der Vatorex-Wärmebehandlung auf die Fertilität der Drohnen und der Königin wissenschaftlich untersucht (wie?) und mit welchen Ergebnissen?


    Mit gespannten Grüßen - Gottfried

  • Wieder heiße Luft?

    Mein Bienenvater, Jahrgang 1900, muss auch davon gehört haben und rüttelte mich wieder mit den Worten: Auf alle Fälle gut für den Hersteller.

    Ich weiß, dass ich nicht weiß. (Sokrates)

    Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! (Kant)

  • Hallo Gottfried


    Die Dokumentation der Feldversuche 2015 findest du hier:

    https://www.vatorex.ch/pp_incl…cht-Feldversuche-2015.pdf


    Bezüglich der Nebenwirkungen:

    Die Fertilität der Drohnen wurde nicht untersucht. Drohnen sind aber sehr wärmesensitiv. Deshalb behandeln wir nur das Arbeiterinnen-Brutnest, also den zentralen Teil der Wabe.

    Da die Königin nicht in den beheizten Zellen "wohnt" und die Wärmeentwicklung nur lokal stattfindet (im Volk bleibts nachwievor 35°C) wird die Königin nicht geschädigt. Populationsmessungen zeigten auch keine Unterschiede der Volksentwicklung auf.

    Was ist das Ergebnis der zwischenzeitlichen Fachdiskussion in der Wissenschaft (bitte ebenfalls mit Quellen)?

    Wie meinst du das genau? Fachdiskussion über Vatorex?


    Liebe Grüsse Pascal

  • ...faszinierend ist, dass Bienen die höheren Temperaturen tolerieren können

    Bienen können höhere Temperaturen ggf. überleben, ja. Aber welche Gesundheitsschäden sie davontragen, muß man untersuchen, bevor man solche Systeme zur Anwendung anpreist, freigibt bzw. gar als Imker seinen eigenen Völkern zumutet. Daß höhere Temperaturen die Fertilität von Drohnen und Kö. negativ beeinflussen, ja sogar bis zur Sterilität führen, ist mittlerweile Stand der Wissenschaft.

    Grundprinzip jeder Wärmebehandlung ist ja, die Temperatur für die Bienen in einem Maße zu erhöhen, wie es ein Bienenvolk niemals tolerieren, sondern immer dagegen anarbeiten würde (= die von Herrn Brunner angesprochene Thermoregulation, die bei Vatorex durch Erwärmen der MW ausgeschaltet werden soll).

  • als Imker seinen eigenen Völkern zumutet.

    Wir sind überzeugt davon, dass eine kurzzeitige Überwärmung der Brut in keinster Art und Weise schädlich ist für die Arbeiterinnen wie auch die Königin (=der Entwicklung des Volkes). Zumindest haben wir in über 3 Jahren Forschungsarbeit keinerlei Anzeichen darauf erhalten.


    Die Frage die wir uns stellten ist, ob wir unseren Völkern die Säurebehandlung weiter zumuten möchten? siehe dazu unseren Beitrag: https://de.vatorex.ch/produkte…system/varroa-und-chemie/


    Nur um etwas klarzustellen. Wir sprechen uns nicht für eine Laissez-Faire-Nichtbehandlung aus. Wir entwickeln nur eine bienen- und imkerfreundliche Alternative, denn die Säurebehandlungen sind leider nicht nachhaltig. So empfehlen wir auch all unseren Kunden nachwievor eine regelmässige Milbenkontrolle und bei einer zu hohen Belastung die herkömmliche Behandlung.

  • ...faszinierend ist, dass Bienen die höheren Temperaturen tolerieren können

    Bienen können höhere Temperaturen ggf. überleben, ja. Aber welche Gesundheitsschäden sie davontragen, muß man untersuchen, bevor man solche Systeme zur Anwendung anpreist, freigibt bzw. gar als Imker seinen eigenen Völkern zumutet. Daß höhere Temperaturen die Fertilität von Drohnen und Kö. negativ beeinflussen, ja sogar bis zur Sterilität führen, ist mittlerweile Stand der Wissenschaft.

    Grundprinzip jeder Wärmebehandlung ist ja, die Temperatur für die Bienen in einem Maße zu erhöhen, wie es ein Bienenvolk niemals tolerieren, sondern immer dagegen anarbeiten würde (= die von Herrn Brunner angesprochene Thermoregulation, die bei Vatorex durch Erwärmen der MW ausgeschaltet werden soll).

    In meinem Kopf schwirren mehr natürliche oder kurzzeitige Temperaturerhöhungen rum zB. wie durch Einknäueln von Feinden u.ä. - sorry OT...

    Sonst bin ich bei Dir, Gottfried.

  • Schon nach dem ersten Überfliegen des Feldversuchsberichtes zweifle ich an den Wirkungsversprechen von Varotex und halte dessen Anwendung sogar für schädlich aus folgenden Gründen:

    1. Die Nichtbehandlung von wesentlichen Teilen des Brutnestes senkt den Wirkungsgrad erheblich (nicht alle BW beheizt, nur 50% der Brutfläche auf einer beheizberen BW erwärmt, DrohnenW von Behandlung ausgeschlossen). Bspw. haben meine Völker auf Zander 1,0 im Sommer i.d.R. auf 8 - 10 Waben Brut (bis in die Rä. ecken) und legen ab Mitte Juni i.d.R. auch keine Drohnenbrut mehr an. Das liegt aber z.T auch an meiner Betriebsweise. Nach dem Verlegeschema der Heizschlange ist jedoch nur 50% der BrRä.-fläche zu beheizen. Das würde - selbst wenn alle BW beheizt würden - den Wirkungsgrad bereits um 50% absenken.

    2. Drohnenbrut gar nicht zu behandeln, senkt den Wirkungsgrad weiter ganz erheblich. Dr. Verena Schneider hat in ihrer Dissertation (bes. S. 10) die Gründe mit Quellenangabe benannt (8-fach höhere Präferenz der Milben für Drohnenbrut usw.).

    https://edoc.ub.uni-muenchen.de/12025/1/Schneider_Verena.pdf

    3. Das von Vatorex postulierte Funktionsprinzip, die in der Brutzelle gezeugten Milbennachkommen würden zuverlässig abgetötet, weil sie nicht an den Zelldeckel flüchten könnten, klingt zunächst beeindruckend, ist aber völlig unzutreffend: Der Platz, wo die Milbennachkommen entstehen bzw. sich paaren, befindet sich am Zelldeckel, also dort, wo sich (nach Auskunft von Vatorex) die Wärmezufuhr wegen der gegenwirkenden Eigenregulation des Bien schon gar nicht mehr auswirken soll und das Überleben der Muttermilbe ermöglicht. Wer´s nicht weiß, kann Einzelheiten über den Milben-Fortpflanzungszyklus in der oben verlinkten Dissertation nachlesen (bes. S. 12 - 13).

    4. Die Datenbasis für "proof of concept" mit 70 Vatorex- bzw. 50 Normal-Brutzellen ist viel zu gering, um im wissenschaftlichen Sinne belastbar zu sein.

    5. Völlig außerhalb jeder Abwägung blieb auch der Umstand, daß der ggf. im Brutnestbereich zwischengelagerte Nektar/noch nicht fertiggestellte Honig mit erwärmt und so naturgemäß in seiner Qualität durch die Überhitzung im 16-Tage-Turnus negativ beeinflußt, die wärmeempfindlichen Enzyme darin abgetötet/seine weitere Reifung behindert und nicht zuletzt sein (für die Bienen giftiger) HMF-Gehalt erhöht wird.