Empfehlungen/ Erfahrungen mit Honig-/ Obstpresse

  • Hallo.

    Das Stöbern durch vorbestehende Threads hat mich nicht so richtig weiter gebracht, deshalb öffne ich mal einen neuen zu dem für Euch gewiss bekanntem Thema.

    Als Naturwabenbau-Imker wurde mir gerade eine gebrauchte Obstpresse angeboten, was ich zum Anlass nahm, hierüber zu recherchieren. Leider bin ich zu konkreten Empfehlungen/Erfahrungen zu einzelnen Modellen oder worauf man grundsätzlich bzgl. Ausstattung (Material, Grösse) und Verarbeitung zu achten hätte, nicht fündig geworden.

    Teilt doch bitte Eure entsprechenden Erfahrungen und ggf. Empfehlungen.

    Vielen Dank.

  • Edelstahl aus hygienischen Gründen.

    10 l Fassungsvermögen reichen für ca. 8 volle Honigwaben (DN oder Zander 2/3) oder entsprechend mehr, wenn nicht alles voll ist.

    Durchsatz kann erhöht werden, wenn eine zweite Ladung zermatschte Waben zuerst in Seiheimer gefüllt wird (Eimer mit 1-cm-Löchern unten drin direkt auf Sieb gestellt), dann läuft schon mal ca die Hälfte raus, bis die erste Ladung durch die Presse fertig ist. Dann passt auch mehr in die Presse.

    Für Kleinstimker OK, vor allem bei prinzipiellem Platzmangel.

    ...mehr als fünf...

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  • Hallo Kikibee.

    Vielen Dank hierfür!

    Ja, genau. Benötigter Platz zur Unterbringung spielt schon eine Rolle. Die mir angebotene Presse ist von Hüde mit 36L Fassungsvermögen, ohne grossartig demontierbar zu sein...

    Grösse scheint mir für meinen Bedarf unverhältnismässig zu sein, es sei denn die mit ihr verbundene Kraftübertragung wäre für rel. geringe Mengen Waben notwendig...?!

    Ausserdem ist der Korb aus Holz...


    Gibt es noch weitere auf Erfahrung beruhende Meinungen und Empfehlungen?

  • Ein so große mechanische Presse ist auch vom Kraftaufwand her kaum bedienbar. Es braucht hohen Pressdruck. um das Wachs aussreichend honigfrei zu bekommen. Ich sehe das schon bei meinem 10-Liter-Presskorb und halte mehr als 20 Liter bei einer mechnischen Spindelpresse nicht für sinnvoll. Anders sähe es bei hydraulischen Pressen aus.

    Wasserdruckpressen könnten interessant sein. Der Reinigungsaufwand ist hier aber ungleich höher.


    Wolfgang

    I never loose - either I win or I learn (Nelson Mandela)

  • Wir haben die 18 l Presse von Güde und wenn die voll ist, muss mein Mann den letzten "Meter" drehen.

    36 Liter, da braucht man Muckis an der Spindel :P !

    Wir benutzen sie nur zum Obst pressen. Waben könnte ich mir auch gut vorstellen.

    Gut ist, dass sie sehr wenig Platz weg nimmt, da sie ja fast 360 Tage im Jahr ungenutzt rum steht.

  • Herkömmliche Pressen verdichten den Brei von aussen nach innen. Deshalb werden etagenweise Roste eingelegt.

    Die Wasserdruckpressen von Speidel, mit Gummibalg in der Mitte, verdichten von innen nach aussen. Dadurch erreicht man einen viel höheren Wirkungsgrad. Sogar bei Quitten erhalte ich 60 % Saftausbeute. Das ist vergleichbar mit teuren Industriepressen.


    Gruss

    Ulrich.

  • Hi,


    ich kann diese hier mit ein paar kleinen Einschränkungen empfehlen: https://gartendeko.fischer-lah…r-inhalt-hydraulisch.html. In den 18 Liter Korb passen zwei zermanschte Warrés, erst ein bisschen laufen lassen und dann pressen.


    Eine Einschränkung ist die einseitig von außen geschweißte Naht des Korbes, im Lebensmittelbereich vielleicht nicht optimal.


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    Den Schlitz bekommt man nie sauber, daher habe ich innen komplett nachgeschweißt und glatt geschliffen. Die Nähte der Auffangschale sollten auch noch ein wenig beschliffen werden, sonst ist die Verarbeitung OK.


    Zwotens: Der hydraulische Wagenheber war sofort undicht, wurde aber vom Händler anstandslos ausgetauscht.


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    Allerdings müffeln die Dinger auch im funktionsfähigen Zustand immer nach Hydrauliköl und das Giftzeug will keiner in der Nähe vom Honig haben. Außerdem hat der hydraulische Wagenheber genau denselben Nachteil wie die Spindelpresse: Ist der Korb mit Wagenheber oder Spindel unter Druck gebracht worden und die Honigwachspampe gibt etwas nach, ist der Druck weg und man muss wieder pumpen bzw. drehen. Ich hab´ mich von ein paar Uraltzeichnungen aus der Imkerliteratur vom Anfang des vorigen Jahrhunderts inspirieren lassen. Unsere Vorfahren haben Pressen mit dicken Federn unter dem Korb gebaut. Stattdessen habe ich einen pneumatischen Wagenheber genommen, der wirkt genauso wie eine Feder.


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    Wird die Honigwachspampe ein Zentimeter kleiner, drückt der Wagenheber gleichzeitig nach. Man muss nur ab und zu wieder Druck drauf geben. Bei 8 bar schafft das Teil angeblich 2,5 Tonnen, der Restwachskuchen ist wirklich sehr, sehr „trocken“. Mit der Spindel habe ich das nicht annähernd so gut ausgepresst bekommen – und das ohne Schwielen an den Händen in bedeutend kürzerer Zeit.


    Die Nachteile sind freilich: Das Ding kostet extra (außer Du brauchst eh einen Wagenheber) und der knatterige Kompressor in der Küche – ich erschreck´ mich immer, wenn das Ding plötzlich wieder anläuft.


    Übrigens: beim Honigzermatschen keine Luft in die Pampe bringen, also nur mit dem Messer grob zerschneiden. Ist zu viel Luft drin (ich bin am Anfang mit einem Mixer durch die Masse gegangen) wirkt die Honigwachspampe selbst wie eine Feder und sobald sich irgendwie ein Minispalt unten am Korb ergibt, quetscht sich die Masse sofort raus. Das willst Du nicht erleben.


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    Wenn man den Mixer aber weglässt, passiert das nie und es lässt sich Korb auf Korb entspannt pressen.


    Letzter Mangel: Die Auffangschale ist recht schmal für zähflüssigen Honig. Wenn der Korb nach rechts oder links rutscht wird es auf dieser Seite zu eng und die Plörre läuft über. Damit der Korb schön in der Mitte bleibt, habe ich vier kleine Bleche aufgepunktet, die das Teil in der Mitte halten.


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    Fazit: Für Kleinpressimker wie mich absolut OK. Die Presse ist leicht zu reinigen, braucht aber den gleichen Platz wie eine Spindelpresse. Das Ding soll es auch noch eine Nummer größer geben, dass würde ich jetzt aber nicht ausprobieren wollen.


    Das Pressen mit einem Finger am Ventil anstelle des Rumgezerre an der Spindel ist allerdings ein Traum und das Ergebnis sprichwörtlich pupstrocken.


    Viel Spaß

    Michael



  • Damit kannst Du wohl den Hydraulikwagenheber ersetzen, aber das Ding ist kein Ersatz für den pneumatischen. Dieser drückt immer noch mit 2 Tonnen, wenn der Wachshonigkuchen schon zwei Zentimeter kleiner geworden ist. Bein hydraulischen oder elektrischen drückt dann schon lange nix mehr.

  • Hallo Klatsche/ Michael.

    Ganz herzlichen Dank für Deinen sehr ausführlichen Erfahrungsbericht! Klasse!

    Im Netz habe ich zu Deiner Presse den verlinkten Video gefunden:


    https://m.youtube.com/watch?v=eg50XKO35gM


    Das Video zeigt, dass der Pressstempel tiefer gestellt wird, sobald der Wagenheber seine Hubhöhe erreicht hat. Dies wird einige Male wiederholt. Der Druck auf das Pressgut wird so konstant hoch gehalten.

    Ist der Stempel Deiner Presse nicht nachstellbar, oder habe ich die Funktion des pneumatischen Wagenhebers nur nicht richtig verstanden?

  • Herkömmliche Pressen verdichten den Brei von aussen nach innen. Deshalb werden etagenweise Roste eingelegt.

    Die Wasserdruckpressen von Speidel, mit Gummibalg in der Mitte, verdichten von innen nach aussen. Dadurch erreicht man einen viel höheren Wirkungsgrad. Sogar bei Quitten erhalte ich 60 % Saftausbeute. Das ist vergleichbar mit teuren Industriepressen.


    Gruss

    Ulrich.

    Ich trage mich mit dem Gedanken, mir eine Wasserdruckpresse anzuschaffen. Allerdings sind diese ja ein ganzes Stück teurer als andere. Deshalb will ich hier mal fragen ob jemand Erfahrungen mit einer solchen Presse hat !?

  • Ich hatte 2012 eine Wasserdruckpresse leihweise zur Verfügung.

    Mit dieser wollt ich Meli Honig ernten.


    Die Honigwaben wurden auf etwa 30° erwärmt und reihum in die Presse gestellt.

    Der noch zähflüssige Honig wurde herausgepresst, die Meli Kristalle blieben im Wachskuchen.


    Die Probleme dabei waren:

    - die mit kalten Wasser befüllte Gummiblase kühlt das Wabenmaterial

    - bei hoher Luftfeuchtigkeit bildet sich Kondenswasser am Gummibalg

    - der Press Sack war sehr mühsam zum Entleeren


    Mit Heisswasser oder Luft wär's eventuell besser gelaufen, dafür habe ich vom Hersteller

    jedoch keine Zustimmung erhalten.


    Meli Honig ist bei mir immer noch ein ungelöstes Problem.


    Gruß Sepp

  • Hallo Hartmut,

    für Obst ist das Teil das Betse, was man sich antuen kann. Das Abwasser kann man zum Waschen des Obstes verwenden. Diese Presse ist schnell und presst hervorragend aus. Besser als jede erschwingliche Spindelpresse.


    Für Honig würde ich sie nicht empfehlen.


    Gruss

    Ulrich

  • Positive Erfahrungen als Obstpresse kann ich bestätigen. Als Honigpresse kann ich sie mir, obwohl ich es nicht getestet habe, nicht vorstellen.