Gedankenspiel: Brutfreiheit durch Überfütterung

  • Nabend zusammen,


    denken wir uns mal so zur Übung doch einmal folgende Situation: Es ist direkt nach der Honigernte, das Volk ist stark, die Königin ist gut und kann auch durchaus das Volk durch den Winter führen.


    Maßnahme: Wir füttern das Volk bewusst bis an den Stehkragen auf. Dünn, voll, also mal so richtig, jeder Winkel belegt, einfach pures Futter überall. Kein Platz für ein Brutnest, massig Bienen, gute Königin, keine Brut.


    Wir haben damit im Spätsommer/Frühherbst den Zustand der Brutfreiheit erzeugt. Und das nicht einmal durch Entnahmeeingriffe, sondern eher durch Übermaß. Behandlung ab hier kann ggfs. in eingeschränktem Maß erfolgen (Beobachtung ist wichtig!), möglicherweise unterbleiben. Wir entnehmen dann gezielt Waben und setzen passend ein, um der armen Königin wieder Platz für ihr Kerngeschäft zu geben. Aber wir hatten quasi Brutfreiheit, und dazu gut genährte Völker, und das früh im Behandlungszeitraum.


    Was daran ist total doof? :)


    Grüße

    Holger

  • Gar nichts...es soll sogar Berufsimker geben, die so verfahren.


    Der Grad zwischen Brutpause nutzen zur Behandlung und Aufzucht der Winterbienen ist aber sehr schmal. Ich traue mich da nicht ran. Da gibt es mit KS und TBE noch andere Verfahren, die ich für Ottonormalimker für sicherer halte.

  • dünnes Futter verdichten die Bienen schneller als die restliche Brut schlüpft, die freiwerdenden Flächen werden sofort bebrütet- nennt man auch Reizfütterung. D.h. dieser Zustand der Überfütterung muß auch über ca 3 Wochen gehalten werden. Die Zeit fehlt dann. Mit Sirup schafft man es sicherer, die Völker umzubringen. Nachdem mir das in meinem ersten Wiederanfangsjahr mit Ablegern passiert ist, füttere ich 1. weniger und 2. lieber 1:1 mit Zucker statt mit Sirup.

    Da finde ich es besser, die Brutfreiheit mit radikalem Schnitt über Trennung Brutling/Fegling oder Kunstschwarm in einem Schritt durch zu führen, und evt 1x zu behandeln. Danach geht die Entwicklung des Biens in Richtung Winter unter dünner Fütterung in ca 3-5l Portionen im Wochenintervall.

  • Hallo Bienenfreunde!


    Ganz so einfach dürfte das nicht funktionieren.


    Wie bereits geschrieben wurde, bei dünnflüssiger Fütterung wird die Futtermenge stark eingedickt und es entstehen somit wieder freie Brutzellen. Da dürfte der Futterstrom niemals nachlassen.


    Weiters darf kein Platz zum Bauen vorhanden sein, wie z.B. im hohen Boden, ansonsten erweitern die Bienen eigenständig die Fläche.

    Wenn die Maßnahme zu früh gestartet wird, fehlen die Winterbienen. Wird die Maßnahme zu spät gestartet, dann fehlt die Wirkung.


    Ich vermute auch, dass es der Königin immer wieder gelingen wird, Zellen zu bestiften, auch wenn es nicht all zu viele sein sollten und sich damit die Varroa doch wieder vermehren kann.


    MfG

    Honigmaul

  • Hallo,

    eigendlich erst mal nichts.

    Aber : erstens halte ich das für ziemliche Futterverschwendung, und zweitens kann ich Brutfreiheit einfacher , schneller und vor allem termingenauer haben in dem ich das Volk einfach nach der letzten Ernte auf Mittelwände abfege, behandle und dann auffüttere.


    Gruuß Finvara

    ... alle sagten das es unmöglich ist, .... bis einer kam der das nicht wußte

  • Was daran ist total doof? :)

    Doof nicht, aber umständlich. Wenn ich ohnehin Waben entnehmen muss, kann ich auch eine TBE machen. Da spar ich mit das vorherige Auffüttern und habe noch weitere Vorteile, wie z.B. Wabenhygiene und Völkermehrung. Außerdem sollte die Bauerneuerung (die Du ja auch brauchst) nach der Sommerernte schnell gehen. Es müssen nämlich sehr bald die Winterbienen erbrütet werden. Bei der TBE bleiben ausgebaute Waben im Volk, die schnell bebrütet werden können.

    Sinn macht das ganze vielleicht bei Zander und DNM: Ich hänge dann gleich ausgebaute Waben aus dem Honigraum in den Brutraum und hänge die vollen Futterwaben später wieder zu.


    Wolfgang

    I never loose - either I win or I learn (Nelson Mandela)

  • Hallo


    Wie Honigmaul schon schrieb, wird eine dünne Fütterung zu nichts führen, da würden die Bienen trotzdem Platz für Brut schaffen. Wenn dann noch kein Platz zum Bauen wäre, würden sie an jeder möglichen Stelle Wildbau errichten. Ich finde das als keine gute Idee. Wichtig ist das ein guter Futtervorrat vorhanden ist und die Königin auf den normalen Nektareintrag reagiert. Das heißt bei der Carnica ist das ausgeprägter als bei der Buckfast-Biene. Wenn kein Nektareintrag mehr erfolgt, wird das Brutgeschäft stark bis ganz eingeschränkt, zumindest kann ich das bei mir beobachten, vor allem bei älteren Königinnen.

    Gruß Reinhard / Lehre mich die wunderbare Weisheit,daß ich mich irren kann.(Teresa v. Avila)

  • Doof nicht, aber umständlich. (...)

    Sinn macht das ganze vielleicht bei Zander und DNM: Ich hänge dann gleich ausgebaute Waben aus dem Honigraum in den Brutraum und hänge die vollen Futterwaben später wieder zu.


    Ja, sorry, meine DNM-Völker hatte ich gedanklich mit drin. Und eben auch, dass man meiner Meinung nach einen Einzarger auf DNM sehr flott voll- bis überfüttern kann, wenn die Volksstärke das Maximum erreicht hat. Ob nun dünn oder Sirup, das kann man ja noch mal überlegen. Und wegwerfen würde man ja volle Futterwaben auch nicht zu der Jahreszeit, da ergeben sich ja noch Möglichkeiten für spätere Kunstschwärme aus "normal" angefütterten Völkern - oder eben, wie du sagst, später wieder zuhängen. Ich muss da noch mal nachdenken.


    Die Überlegung hat einen konkreten Hintergrund: Ich hatte vor einigen Wochen bei einem Volk mit einjähriger Königin über Tage einen im Vergleich zu den Nachbarvölkern sehr eingeschränkten Flugbetrieb bemerkt. Die 6 Völker an diesem Stand waren alle mehr oder minder gleich ein- bzw. aufgefüttert worden. Bei der Durchsicht habe ich dann einen übervollen Futtervorrat bemerkt, Zarge voll mit Bienen, die auf den Waben rumlungerten, die Königin lief über eine feucht glänzende Wabenseite, keine Brut - ich ärgere mich mittlerweile, die letzten zwei (vorderen) Rähmchen nicht gezogen zu haben, sondern habe kurz entschlossen eine der vollen Waben (eine vor dem aktuellen Aufenthalt der Königin, also Nr. 4/Warmbau) durch eine Leerwabe ersetzt. Gelegentlich helle ich das Holz meiner Beuten von innen durch Oxalsäuredämpfe auf, bei der Gelegenheit regnete es weit über 100 Milben aus diesem Volk, was viel mehr als bei den Nachbarvölkern war. Seit dem fällt dort aber eigentlich gar nix mehr, obwohl ich das Holz noch ein paar Spuren heller gedampft habe.


    Meine Überlegung war nun: Wenn man ein Volk hat, bei dem z.B. Ameisensäure "nach Kalender und alter Väter Sitte" einfach viel zu sehr übern Durst wäre aufgrund geringer Belastung mit Milben, es durch eben eine solche Überfütterung aus der Brut zu "zwingen", um danach viele der Behandlungsschritte möglicherweise einfach auslassen zu können? Diese Überfütterung und den mangelnden Platz dann bewusst (quasi zum Zeitpunkt X) wieder aufheben, um wieder Brut zu ermöglichen - ist das nicht dankbar? Und was Chris schreibt, da scheinen Leute in anderen Größenordnungen ja auch irgendwie so zu denken.


    Das Volk, und das will ich nicht verhehlen, ist nicht das massivste am Stand. Vor zwei Wochen besetzte es 6 Rähmchen DNM, dahinter Futter. Was aber eine gute Einwinterungsstärke darstellen sollte.


    Dass eine solche Weise keine Handlungsempfehlung für alle Völker sein kann, das sollte klar sein. Disclaimer: ich propagiere nicht "statt Ameisensäure kannst du einfach überfüttern, geht auch".


    Ich gucke im April mal, was da so fliegt :)


    Grüße

    Holger

  • Fassen wir noch einmal zusammen:

    1. Durch das Überfüttern soll Brutfreiheit erzwungen werden. Das geht auch anders (z.B. TBE).

    2. Es müssen Waben entnommen werden. Warum dann nicht gleich Brutfreiheit per TBE?

    3. Es ist gar nicht so leicht ein Volk um diese Jahreszeit mit Füttern ganz aus der Brut zwingen.


    Fazit: Kann funktionieren; es gibt aber deutlich einfachere Wege zu diesem Ziel.

    Es wäre nützlich, wenn Du die vorhergehenden Argumente aufnehmen würdest, statt Deine Überlegungen nur zu wiederholen. Wir sind hier nicht für Dispens zuständig. Wir geben nur Rat.


    Das man die Brutfreiheit haben will, um mit AS oder OS zu behandeln, ist schon klar


    Was ich aber jetzt gar nicht verstehe: Du bedampfst die Beuten, während die Bienen drin sind, um das Holz aufzuhellen?

    Ich verstehe zwar nicht, warum das Holz aufgehellt werden muss, aber das Ganze kommt mit gelinde gesagt doch ziemlich abwegig vor. Oder ist das jetzt eine (ganz besonders) verquaste Ausrede für den nicht zugelassenen OS-Einsatz?


    Wolfgang

    I never loose - either I win or I learn (Nelson Mandela)

  • Hallo Holger,


    weil es zu deiner Fragestellung gerade passt: das aus-der-Brut-füttern wurde hier auch schon mal angerissen (#19, #39 ...),


    https://www.imkerforum.de/forum/thread/42581-ameisensäure-brutlücke-nutzen/?pageNo=2


    von jemandem, den Chris vielleicht meinte und mit dem Zusatz (Zitat):

    „...bitte nicht nachmachen, das ist nur ein kleiner Ausschnitt aus einem Gesamtkonzept.

    dD“


    (Falls der Link nicht mehr funktioniert die ganze Adresse in den Browser kopieren)


    Hier wurden wohl die phoretischen Milben schon am Anfang der Überfütterung durch Behandlung reduziert (letzte verdeckelte Brut schon „milbenfrei“) und dann nochmal nach dem Schlupf aller Brut. Das Brutgeschäft konnte dadurch eher wieder aufgenommen werden.


    Ich hatte überlegt, wie ich das umsetzen könnte und bin für mich zu dem Schluss gekommen, dass es mit 1,5 DNM mangels geeigneter Leerwaben und Naturbau nicht klappen kann und es genug zeitlich und praktisch bessere Alternativen gibt.

    Mit DNM bist du da flexibler.

    Ich denke, dass es im Einzelfall wie in deinem Beispiel erfolgreich sein kann.


    Das war zwar nicht deine Frage, aber zu den vielfältig genannten Brutpause-Methoden könnte man noch den Scalvinikäfig erwähnen.


    Liebe Grüße

    Marieke


    (PS: Wolfgang war schneller, deshalb etwas wiederholter Inhalt)

  • Also wenn ich das richtig verstanden habe, dann sind die Bienen durch die AS-Behandlung aus der Brut gegangen. Der Futterstrom hat angehalten und die Königin hat nicht gestiften, dadurch wurden alle Zellen auch der auslaufenden Brut mit Futter gefüllt. Dann waren auch alle Milben auf den Bienen und so kam die OS-Bedampfung genau zur richtigen Zeit. Ich denke 95% der Milben wurden wenigstens vernichtet, die 2. OS-Behandlung hat für noch mehr Sicherheit gesorgt. Wenn jetzt das Volk in Ruhe gelassen wird, werden sie sich leere Zellen schaffen, von wo aus sie ein kleines Brutnest errichten werden, was gleichzeitig den Wintersitz begründet. Meiner Meinung nach alles völlig normal, das funktioniert aber nur bei Völkern, mit entsprechender Bienenmasse.

    Gruß Reinhard / Lehre mich die wunderbare Weisheit,daß ich mich irren kann.(Teresa v. Avila)