Weg der Bieneninstitute/-wissenschaft zur Varroaresistenz der Biens

  • Hallo ihr verfolgten "Nichtbehandler",

    könnt ihr die Aussage von Seeley bestätigen, dass eine der Säulen der Nichtbehandlung die zu unterlassende Schwarmverhinderung ist und das ist in den Augen vieler Imker kontraproduktiv zu ihrer Gier nach Honig ist oder seid ihr da schon weiter wie er?

    Für mich ist dies nachvollziehbar, dass ein Schwärmen lassen den Varroadruck erheblich minimiert.


    Bevor ihr antwortet lest bitte noch folgenden Link:

    https://www.mellifera.de/blog/…eley-bienenschwaerme.html

  • Clas:

    Das alleine hat in der Tat wenig Sinn.

    Wenn ich den Aussagen der Nichtbehandler glauben darf, steckt aber noch deutlich mehr dahinter.

    Eine angepasste Betriebsweise nämlich.

    Und wenn die soviel bringt, ist sie es auch wert, aufgeschrieben zu werden.

    Du musst nicht alle deine Völker behandeln, nur die die du behalten möchtest.

  • Was hätte man zu erwarten, wenn so ein Volk oder eine Ansammlung von Völkern nach einiger Zeit mit den vorher "verlorenen" Erregern wieder neu befallen oder in Kontakt kommen würde?

    Bessere Widerstandsfähigkeit oder erhöhte Anfälligkeit? Gibt es dazu Überlegungen oder schon Erkenntnisse, bzw. kann man das bei Seeley nachlesen? Wäre mal wieder eine interessante Lektüre zur Bestellung.

    Kluge Frage,

    leider habe ich dazu noch keine Untersuchung, keinen Antwortversuch gefunden. Ich selbst kann mir Scenarien für sowohl bessere Wiederstandsfähigkeit, als auch für erhöhte Anfälligkeit vorstellen.


    * Erhöhte Anfälligkeit zu erklären ist einfach. Eigenschaften, die nicht benötigt werden, gehen schnell verloren, weil der Selektionsdruck, diese Eigenschaft zu behalten nicht vorhanden ist.


    * Bessere Wiederstandsfähigkeit ist aber auch denkbar, insbesondere wenn die harmlosere Krankheit, der aggressiveren Variante sehr ähnlich ist. Wenn die Bienen die Chance haben, sich über mehrere Generationen an einen solchen Erreger anzupassen, können die hierbei entwickelten Abwehrstrategien, später möglicherweise auch die aggressivere Variante abwehren.


    Dabei denke ich bei diesen Erregern, haupsächlich an Viren. Diese sind genetisch flexibel genug, dass sich hier schnell Varianten entwickeln können. Die Milben hingegen würden sehr lange brauchen, sich wirklich anzupassen. Eine gesenkte Virenlast, würde dennoch für die Bienen eine Atempause bedeuten. Wie schon in diesem Thread geäußert wurde, sind Eigenschaften wie VSH, additiv vererbt zu sehen. In einer Umgebung, in der auch 'ein bischen' milbenresistente Bienen, eine Überlebenschance haben, können diese Eigenschaften leichter gefördert werden, als wenn wir sofort den 100% Treffer benötigen, damit ein solches Volk eine Überlebenschance hat.


    Nebenbei schärft eine solche Unterbindung der horizontalen Ausbreitung (von Milben) auch unsere diagnostischen Möglichkeiten. Wenn keine Milben von Außen in die Völker eingetragen werden, sehen wir viel besser, welche Völker von sich aus, die Milbenpopulation unterdrücken können, und können diese Information für die Zucht ausnutzen.


    Wenn aber der Vektor Milbe keine Rolle mehr spielt, fällt auch für die Viren der horizontale Krankheitstransfer zwischen den Bienenvölkern wieder weg.


    Gruß

    Ludger

  • Gehört TBE mit/ohne Fangwaben zur Völkerführung bei Nicht-Behandeln? wenn ja, in welchen Situationen?


    Danke, Gruß, Jörg

    Eine Fischsuppe aus einem Aquarium zu machen, ist leichter als ein Aquarium aus einer Fischsuppe.

  • Für mich ist dies nachvollziehbar, dass ein Schwärmen lassen den Varroadruck erheblich minimiert.

    Im Schwarm schon. Aber was ist mit dem Muttervolk? Da müssen dann schon begleitende Maßnahmen dazu kommen.

    Da kommen wir zu dem Thema Brutunterbrechung. Die kann man auch anders herstellen als durch Schwärmenlassen.


    Wolfgang

    I never loose - either I win or I learn (Nelson Mandela)

  • Gehört TBE mit/ohne Fangwaben zur Völkerführung bei Nicht-Behandeln? wenn ja, in welchen Situationen?

    Nein!


    Und wenn Du hier nicht nur das gelesen hättest, was Dir gefällt, wüsstest Du es bereits!

    Danke, Manne , für die schnelle, klare Antwort. :liebe002:

    Eine Fischsuppe aus einem Aquarium zu machen, ist leichter als ein Aquarium aus einer Fischsuppe.

  • Wenn ich den Aussagen der Nichtbehandler glauben darf, steckt aber noch deutlich mehr dahinter.

    Eine angepasste Betriebsweise nämlich.

    Und wenn die soviel bringt, ist sie es auch wert, aufgeschrieben zu werden.

    Maximal mögliche Ruhe, großer Brutraum, immer ausreichend Futter (auch Pollen), zu gegeben Zeiten im Jahr die Honigernten nicht aufschieben, keine frühen Königinnen...

    Aber, interpretieren kann man wohl nur, was man mit seinem Erfahrungsstand in die "Sache" hineindenkt.

    Es führen viele Wege nach Rom. Eine Chance dort anzukommen hat aber nur der, der sich auf den Weg macht, von seinem Flecken Erde aus.

    Ich weiß, dass ich nicht weiß. (Sokrates)

  • Könnte man auch so denken`?:

    Bienen UND Milben werden geschwächt, zb. durch Behandlungsmittel und oder Gifteintrag von aussen.

    Diese schwächung öffnet nun zb. den Vieren die Möglichkeit sich stärker in den Milben zu vermehren,

    welche nun die ebenso geschwächten Bienen stärker anstecken.

    Ein Teufelskreis also?

    Das, was du sicher weisst, hält dich vom Lernen ab.

    sine missione

  • Für mich ist dies nachvollziehbar, dass ein Schwärmen lassen den Varroadruck erheblich minimiert.

    Im Schwarm schon. Aber was ist mit dem Muttervolk? Da müssen dann schon begleitende Maßnahmen dazu kommen.

    Da kommen wir zu dem Thema Brutunterbrechung. Die kann man auch anders herstellen als durch Schwärmenlassen.


    Wolfgang

    Falsch, ich habe gesagt, dass man den Link lesen sollte und auf dieser Basis kann man dann diskutieren.

  • Falsch, ich habe gesagt, dass man den Link lesen sollte und auf dieser Basis kann man dann diskutieren.

    Wenn die Effekte, die Seeley beschreibt ausreichen würden, wären unsere Städte voller wild lebender Bienenvölker. Schaut man sich die Vermehrungsdynamik der Milbe an, ist klar, dass diese Effekte völlig unzureichend sind. Die Tatsache, dass es bei uns praktisch keine unbetreuten Völker gibt, spricht gegen seine steilen Thesen. Im Arnot Forrest hat er übrigens bienentolerante Varroen gefunden und keine varroatoleranten Bienen.


    Wolfgang

    I never loose - either I win or I learn (Nelson Mandela)

  • ... Im Arnot Forrest hat er übrigens bienentolerante Varroen gefunden und keine varroatoleranten Bienen.

    Hat er das selbst so gesagt? Wo? Oder ist das Deine (interessante!) Interpretation?

    Eine Fischsuppe aus einem Aquarium zu machen, ist leichter als ein Aquarium aus einer Fischsuppe.

  • Gehört TBE mit/ohne Fangwaben zur Völkerführung bei Nicht-Behandeln? wenn ja, in welchen Situationen?


    Danke, Gruß, Jörg

    Ja, als Notbehandlung - kombiniert mit sicherer Umweiselung. Das geht im Rahmen einer TBE nämlich ziemlich gut.

    Aber TBE mit dem Ansinnen ein Volk zu entmilben ist auch eine Behandlung.

    Gruß

    Ludger