Habe ich Parasitenbefall bei meinen Mauerbienen?

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    Hallo zusammen,


    ich hatte mir im April eine kleine Starterpopulation mit 30 Roten Mauerbienen (Osmia bicornis) und 30 Gehörnten Mauerbienen (Osmia cornuta) geholt. Sie schlüpften fleißig und machten einen munteren Eindruck. Am Nistkasten war regelmäßig Betrieb. Vor kurzem habe ich meinen Nistblock geöffnet, um zu sehen ob meine Mauerbienen den Sommer über für ausreichend Nachwuchs gesorgt haben. Beim Öffnen musste ich jedoch feststellen, dass irgendetwas nicht stimmt. Da sind zum Teil gelbe Maden drin gewesen. Ich hoffe, ihr erkennt es auf den Bildern. Ich habe möglichst viel fotografiert, um den Sachverhalt besser zu schildern können. Was ist da bei mir los? Sind das gelbe Parasiten? Einige Larven sind gar nicht richtig verpuppt, sondern da ist nur wie eine Art Haut zu sehen (1. und 10. Platte von oben). An vielen Stellen sind auch verschlossene Kammern oder Kanäle mit Pollen drin, aber kein Kokon. Wieso nicht. Was muss ich tun, damit es meinen Mauerbienen nächsten Sommer besser geht? Vielleicht gibt es hier den ein oder anderen alten erfahrenen Hasen, der mir eine Gesamteinschätzung zu meiner Situation geben kann?


    imkerforum.de/attachment/8892/Schilf imkerforum.de/attachment/8893/Pappröhrchen

    imkerforum.de/attachment/8894/Nistblock imkerforum.de/attachment/8895/1. Platte von oben imkerforum.de/attachment/8896/2. Platte von oben imkerforum.de/attachment/8897/3. Platte von oben imkerforum.de/attachment/8898/4. Platte von oben imkerforum.de/attachment/8899/5. Platte von oben imkerforum.de/attachment/8900/6. Platte von oben imkerforum.de/attachment/8901/7. Platte von oben

  • Hallo,

    Bin zwar kein alter Hase, sondern nur ein Hase der möglichst lange leben möchte ohne alt zu werden, (hihi)...

    Das mit den gelben Maden gefällt mir doch nicht so recht. Der Verdacht dass deine Schützlinge von dem bekanntesten (Klepto)-Parasiten von Osmia heimgesucht wurden, liegt nahe:

    Siehe Cacoxenus indagator.


    z.B. hier

    lebt in den linearen Nestern verschiedener

    Mörtelbienen, insbesondere Osmia cornuta.

    Direkte Reduktion von bis zu 30% der Populationen von Osmia!

    Lebenszyklus steht in vollkommener

    Übereinstimmung mit dem des Wirtes.

    Manchmal werden nicht nur die Pollenvorräte

    des Wirtes verzehrt, sondern auch dessen Larven

    direkt angegriffen, womit dieser Kleptoparasit dann zu einem echten Parasiten wird.


    Es gibt noch andere Parasiten der Mörtelbienen, die anhand Deiner Bilder/Beschreibung aber nicht so für die Schäden in Frage kommen.


    LG, Norbert

    "Unmöglich", sagte der Stolz. "Riskant", sagte die Erfahrung. "Sinnlos", sagte die Vernunft. "Probier's doch aus", flüsterte das Herz.

  • Hallo Frischling


    ich finde es schon ungewöhnlich das du jetzt, die Brutkanäle öffnest. Ob da was nicht in Ordnung ist hätte man doch im Frühjahr sehen können, wenn keine Bienen schlüpfen. Also bei mir brüten sie im Schilfrohr und in einem Bund Wasserschlauchstücken im Bienenhaus, natürlich kommt es bei mir auch vor das da mal eine Biene nicht schlüpft, aber im Herbst sind alle Öffnungen wieder frisch verschlossen. Meiner Meinung nach ist die Entwicklung der Larven erst im Frühjahr abgeschlossen, da jetzt schon ein Urteil über Befall oder nicht zu treffen, finde ich verfrüht. Wo der Kanal ordentlich verschlossen ist, da dürfte alles IO sein. Nur wenn das nicht der Fall ist, stimmt was nicht und bei dir könnte es sein das nicht jeder Kanal im Frühjahr gereinigt und wieder besetzt wurde, sieht man übrigens schön auf deinen Bildern. Bei mir ist jeder verfügbare Kanal belegt, übrigens ist deine Brutstätte aus Spanplatte.

    Gruß Reinhard / Lehre mich die wunderbare Weisheit,daß ich mich irren kann.(Teresa v. Avila)

  • Das mit den gelben Maden gefällt mir doch nicht so recht. Der Verdacht dass deine Schützlinge von dem bekanntesten (Klepto)-Parasiten von Osmia heimgesucht wurden, liegt nahe:

    Siehe Cacoxenus indagator.
    z.B. hier

    Ich danke dir für deine Antwort. Die Bilder unter dem Link zur Obstfliege passen sehr gut zu meinem Schädlingsbild. Was kann ich deiner Meinung nach tun um dieselbe Situation nächsten Sommer zu verhindern? Ich habe hier noch ein Handbuch der Mauerbienenzucht und da wird auch von Obst-/Taufliegen geschrieben. Als Präventionsmaßnahme steht da folgendes:


    "Um einem Fliegenbefall vorzubeugen, sollte die Bienenzucht möglichst von indigenen Wildbienenpopulationen ferngehalten werden. Auf Plantagen, auf denen man gezielt Wildbienen mit Nisthilfen ausbringen will, sollte man daher darauf achten, eher keine zusätzlichen Nisthilfen für Wildbienen oder Totholz aufzustellen. Denn in nicht kontrollierten Wildpopulationen werden sich Fliegen immer ansiedeln, die dann auf die Zucht übergehen."


    Diese Präventionsmaßnahme bringt mich aber leider nicht weiter. Gibt es noch andere Ideen, um mich gegen diese Taufliegen zu schützen?


    Was mir spontan einfällt ist, dass ich den Nistblock im Sommer in regelmäßigen Abständen öffne und von eventuellen Parasiten mit einer Pinzette befreie. Aber ob das mehrmalige Öffnen des Nistblocks für die Bienen dann noch gut ist, bezweifle ich.

    Ob da was nicht in Ordnung ist hätte man doch im Frühjahr sehen können, wenn keine Bienen schlüpfen.

    Ich hatte folgendes geschrieben:

    ".....ich hatte mir im April eine kleine Starterpopulation mit 30 Roten Mauerbienen (Osmia bicornis) und 30 Gehörnten Mauerbienen (Osmia cornuta) geholt."

    Das heißt ich habe mir die Starterpopulation im Internet gekauft.

    Meiner Meinung nach ist die Entwicklung der Larven erst im Frühjahr abgeschlossen, da jetzt schon ein Urteil über Befall oder nicht zu treffen, finde ich verfrüht. Wo der Kanal ordentlich verschlossen ist, da dürfte alles IO sein. Nur wenn das nicht der Fall ist, stimmt was nicht und bei dir könnte es sein das nicht jeder Kanal im Frühjahr gereinigt und wieder besetzt wurde, sieht man übrigens schön auf deinen Bildern.

    Wenn ich mir meine Bilder anschaue, dann sehe ich, dass ein starker Parasitenbefall vorliegt. Das Parasitenmuster der Taufliege passt da sehr gut. Die Beschreibungen decken sich mit meinem Schadensbild.


    Ich muss mir bloß noch etwas ausdenken wie ich diese Mistviecher nächsten Sommer von meinem Bienenhotel fernhalten kann. Hat da jemand eine Idee oder selbst schon Erfahrungen gemacht?

  • Hallo,


    seit vor ein paar Jahren im Zuge einer Kottenheimer Vortragsreihe die Wildbienen Hauptthema waren, sind wir auch ein wenig in diese Richtung interessiert.


    Drobi und Frischling,

    die Entwicklung der Mauerbienen ist spätestens Ende August abgeschlossen, die Niströhren werden auch Züchtern im Oktober geöffnet und die Konkos eingelagert. Jede Lebensentscheidung durch Parasiten ist bis zu diesem Zeitpunkt, für die bereits voll entwickelten Wildbeinen, beschlossen.


    Ein Ausfall von 30% ist wohl weitgehend normal, da sich der Parasiten perfekt an den Lebenszyklus der Mauerbienen angepasst haben.


    Die schlüpfenden Mauerbienen nehmen die Parasiten wieder auf und geben diese, an die neuen Zellen wieder ab. Deshalb ist jedes "Normale" (ungereinigte) Wildbienenhotel, in dieser Hinsicht auch eine Milbenschleuder ...


    Für eine Kindergartenaktion hatten wir da im Folgejahr auch mal eine Portion Osmia bicornis / rufa ....

    .... sollte man vielleicht mal wieder aufleben lassen !


    GdBK

    Aus der Übertreibung der Warnungen,
    ist die Unterschätzung der Realität geworden.

  • Danke für die Antwort. Ich möchte nochmal auf meine Frage hinweisen: Gibt Möglichkeiten, um mich gegen diese Taufliegen zu schützen und diesen Parasit loszuwerden?


    Das Reinigen der Nistblöcke sehe ich als selbstverständlich an. Dieses Jahr waren sie jedoch erst neu gekauft und somit sauber.


    Auch auf zwei weitere noch unbeantwortete Fragen möchte ich nochmal hindeuten:

    Einige Larven sind gar nicht richtig verpuppt, sondern da ist nur wie eine Art Haut zu sehen (1. und 10. Platte von oben). Ist da ein weiterer Parasit am Werk?


    An vielen Stellen sind auch verschlossene Kammern oder Kanäle mit Pollen drin, aber kein Kokon. Wieso nicht?


    Ich wünsche ein schönes Wochenende


  • Da ich nun seit etwa 3 Jahren mit meinen Mauerbienen arbeite und um einige Erfahrungen reicher bin, kann ich mir ein paar meiner damals gestellten Fragen nun selber beantworten.


    Problem Taufliege:

    Wenn ich vor dem Nistblock stehe und diesen beobachte, dann kann ich mit der Zeit die Taufliegen vor der Nisthilfe rumschwirren sehen. Mit einer ruhigen Hand können diese Fliegen einfach zerdrückt werden. Das hilft bereits enorm, um den Schaden gegen den Hauptschädling, der Taufliege, einzudämmen.


    Des Weiteren ist bei mir in letzten beiden Jahren noch der Trauerschweber als Schädling hinzugekommen. Dieser lässt sich nicht zerdrückt, weil er davonfliegt. Hier hilft mein Akkustaubsauger. Einfach den Staubsauger vor den Nistblock halten und warten bis der Trauerschweber angeflogen kommt. Sobald er vor dem Rohr sitzt, schalte ich den Staubsauger ein und schwupps ist auch dieser Schädling weg.


    Vielleicht helfen meine Worte dem ein oder anderen. Falls sich hier noch jemand mit Wildbienen beschäftigt.

  • Hallo,

    das Thema ist ein Menschen gemachtes.

    Meine Erfahrung ist, dass es besser ist die Nisthilfen stark zu dezentralisieren, also vereinzeln.

    Es ist eben so, viele Tiere, viele „Schädlinge“.

    Es wird in jedem Jahr Frühling, nur wann?

  • Wenn ich da die letzten Postings querlese, wird mir echt schlecht.


    Das ist genau die Art von fehlgeleitetem Naturschutz, den die Welt nicht braucht! Gute Arten und böse Arten....Insektenhotels mit künstlicher Massenansiedlung...Katalog-Gärten aber dann Insektenhotels als Feigenblatt...usw.


    Was soll das?


    Insektenhotels sind oft falsch konstruiert, helfen entweder gar nicht oder nur sowieso häufigen Arten oder es werden Arten dazu gebracht, in unnatürlicher Dichte zu nisten, was dann wieder zu unnatürlich erhöhtem Parasitendruck und Krankheiten führt...mit entsprechenden Reaktionen der menschlichen "Besitzer".


    Leute, wenn ihr einigen seltenen Arten und der Natur wirklich helfen wollt, lasst den ganzen Schnickschnack und die manuellen Eingriffe bleiben und sorgt lieber für möglichst viele und vor allem verschiedene Lebensraumstrukturen dort, wo ihr Einfluss darauf habt. Z.b. im Garten. Ganz ohne gezielt auf Einzelarten einzugehen.


    Sand-, Kies- und Steinhaufen, je größer, desto besser und das dann verwildern lassen. Dickes Totholz lagern, liegend und stehend, sonnig und schattig, dicht und locker. Schilf wachsen lassen und Tausend andere Dinge. Was die einzelnen Arten tatsächlich benötigen und was das von in Eurem Einflussbereich machbar ist, kann aus der Literatur entnommen werden.

    Und dann einfach abwarten, was sich tatsächlich ganz von selbst ansiedelt. Und dann einfach machen lassen...