Hilferuf aus Kroatien

  • hallo zusammen,

    wir sind vor vier jahren nach kroatien umgezogen. wir wollen uns gerne weitgehenst selbst versorgen und so zogen im vergangenen juli drei bienenvölker bei uns ein.

    wir haben keinen imkerkurs besucht und haben hier erst nach langem suchen jemanden gefunden, der bereit war uns pate zu stehen mit unseren ersten bienen.

    leider hat unser pate nicht wort gehalten und so stehen wir jetzt sehr ahnungslos vor einem riesen problem. ein volk ist irgendwie verschwunden. es liegen keine toten bienen in der beute und auch nicht davor.


    mit einem anderen imker stehen wir jetzt hier auch schon in kontakt, aber er hat uns schon gesagt, dass er dafür keine zeit hat. er hat jetzt allerdings die milbenbehandlung übernommen und mal nach den völkern geschaut (vor vier tagen). Die beiden anderen völker wären gut…

    uns kommt es allerdings vor, als wäre eines der völker etwas geschwächt. außerdem mussten wir bei diesem volk schon sehen, dass wespen wie selbstverständlich ein und aus fliegen und soweit wir uns das bisher erlesen konnten, ist das gar nicht gut ohne wächter.

    außerdem hat dieser imker uns gesagt, wir sollen ab sofort jeden abend ein halbes kilo zucker pro volk füttern (gelöst 1:1 mit Wasser). das tun wir seit dem auch, aber seit dem sind jetzt auch die wespen sehr aktiv an den (evtl.) schwachen volk. zudem beginnt hier gerade massenhaft der efeu zu blühen. die temperatur liegt momentan bei rund 14 grad am tag und 11 nachts.

    habt ihr tipps oder ideen, wie wir in dieser schwierigen situation die bienen gut über den winter bekommen können… so ganz ohne ahnung…

    liebe grüße – michael


    ps: über kurz oder lang wollen wir auf eine wesensgemäße bienenhaltung umsteigen

  • Ja, da seid ihr auf einem guten Weg zur wesensgemässen Bienenhaltung. Leider ist die Natur/Naturwesen nicht so sanft romantisch, wie sich der wesengemässe Mensch das so vorstellt. Und das Wesen der Evolution als eines der Hauptprinzipien der Naturwesen ist nunmal, das kranke und schwache Individuen/Völker von anderen ausgenutzt und ausgeraubt oder sogar getötet werden.


    Vielleicht lasst ihr es im nächsten Jahr erstmal mit der Bienenhaltung, Wäre insgesamt besser für die Bienen. Ich will es euch nicht komplett ausreden, aber so wie ihr klingt, habt ihr aktuell keine Ahnung von Bienen. Das könnt ihr natürlich ändern, indem ihr in diesem Jahr viel lernt (Bücher, Paten, Internet, Youtube). Und wenn ihr dann nochmal mit den Naturwesen Bienen anfangen wollt, steigt auch die Wahrscheinlichkeit, das das nicht in nicht wesengemässe Tierquälerei ausartet.


    Grüsse, Robert

  • Hallo michael,


    das Füttern mit 1:1 um diese Jahreszeit ist für die Bienen recht mühsam.

    Füttern mit 3:2 wäre jetzt besser. Noch besser ist er fertig invertiert.

    Gegen die Wespen kann man das Flugloch etwas verkleinern.

    Falls ihr offene Böden habt, können die Bienen das Wasser aus dem Sirup auch durch den Boden fächeln.

    Ich frage mich, warum ihr sie Varroa-Behandlung dem Kollegen überlasst.

    Falls Ihr einen Imkerkurs gemacht habt, solltet ihr wenigstens eine zuverlässige Methode kennen, das selbst zu tun, ohne die Queen zu killen.


    Je nach Volksstärke wäre ich abgesehen davon mit dem Füttern etwas vorsichtiger als einfach jeden Tag drauf. Abhängig von der Zahl der besetzen Waben und der Möglichkeit der Bienen, das Futter auch einzulagern ist das Volk sonst nämlich recht schnell überfüttert und sitzt dann auf kalten vollen Waben statt auf einem gemütlichen Brutnest und isolierenden Leerzellen.


    Wenn die Völker entsprechend der besetzen Waben das angemessene Gewicht haben, dann lasst die Bienen in Ruhe.

    Restentmilbung bei Brutfreiheit (traditionell um Weihnachten, neuerdings diskutiert man aber auch den Oktober)

    Dann ganz zurückhaltende Futter-Nachschau nach dem ersten Reinigungsflug.

    Im Frühjahr eventuell Futterteig auflegen, damit sie nicht verhungern und dann die Durchlenzung.


    Über den Winter könnt ihr viel lesen, was zu Euerer Beute (!) passt und im nächsten Jahr dann mit etwas mehr Kontrolle und auf Sicht fahren.

    Wesensgemäß ist ein schönes Schlagwort. Zunächst einmal geht es darum, die Bienen nicht zu quälen, also lernt das doch mal zuerst.


    Hans

    Die Glücklichen sind neugierig. (F. W. Nietzsche)

  • Ich finde Eure Idee, wesensgerechte Bienenhaltung toll - aber Bienen halten ohne jegliches Vorwissen, ohne Imkerpaten, ohne Kurs finde ich ehrlich gesagt - so wie es hier aussieht (ich weiß nur das, was oben steht) - Tierquälerei!!!


    Bedenkt bitte, bei allem was ihr diesbezüglich macht daran, dass es Lebewesen sind. Es ist kein Trend, kein Hype - es sind Lebewesen. Falls Ihr bisher kein Vorwissen habt und trotzdem etwas für das Wohl von Bienen machen wollt, dann legt lieber eine Bienenweide an oder gebt Wildbienen in Form eines Insektenhotels ein Zuhause - aber so wie oben dargestellt ist es Unfug.


    Kurz warum und wieso ich das sage:

    Ich selbst bin genau wie ihr absoluter Anfänger! Auch ich will wesensgerechte Bienenhaltung! ABER: Ich weiß, dass ich nichts weiß - deshalb lese ich unzählige (vor allem auf "konventionell" ausgerichtete Imkerei) Bücher, habe einen Imkerpaten, der ganz klassisch imkert, der Bienenkisten verteufelt usw. usw. Mein Weg ist, dieses Wissen aufzusaugen und DARAUS dann meine Art der Imkerei zu entwickeln. Aber um meine Art der Imkerei zu entwickeln MUSS (und will) ich derzeit ganz klassisch imkern - nur so kann ich Dinge erkennen, die mir nicht gefallen und diese versuchen zu ändern ODER Dinge übernehmen, die nach Lehrbuch komisch wirken, in der Praxis aber durchaus nachvollziehbar und richtig sind.


    Viele Grüße,

    DerWiesenimker.

  • Gebranntes Kind scheut das Feuer, aber einmal probier ichs noch:


    Wenn Ihr eure Völker nicht sofort verkaufen wollt, wie es in den bisherigen Beiträgen geraten wurde, braucht es hier für Ratschläge noch Informationen.

    Welche Beute, wie viele Waben besetzt, wie viele davon Brut (habt Ihr ja jetzt kürzlich bei der Durchsicht gesehen, nicht noch mal auf machen) Wetterlage der vergangenen Wochen, wie sieht die Varroabelastung aus, wurde die überhaupt geprüft, Fluglochgröße, blüht außer Efeu noch was Bienenrelevantes, wie wird gefüttert, Königin vorhanden, wie sieht die Varroabekämpfung aus, wie sind die Völker bei euch eingezogen????????


    Ihr seit erst mal dran. Schnell. Vielleicht ist es schon zu spät. Ich hoffe, euer Imkernachbar hat recht, dass es bei den anderen Völkern ganz gut aussieht. Wobei dieses Wespenverhalten auf anderes deutet.

    Sturzhelm aufsetzen, Ratschläge fallen hier zuweilen heftiger aus, als mancher das erwartet.


    Und der Forumschef (nicht alleine) sieht es gern, wenn man auch die Tasten zur Großschreibung in angemessenem Maß verwendet. Das ist einfach besser lesbar. Ihr scheint nicht grundsätzlich ein Problem mit der Sprache zu haben.

  • Ich würde das Volk jetzt einmal wiegen um zu wissen wieviel Futter fehlt noch!

    Auf jeden Fall würde ich mit fertig invertiertem Flüssigfutter füttern, wie z.B. Apiinvert, Belgosuc, Kellmann.

    Zuckerwasser wird eventuell nicht mehr vollständig invertiert und kristallisiert dann in der Wabe.

    Dann würde ich mal den nächsten laden in der Nähe checken, dort wirst du dann vermutlich auch Hilfe vor Ort bekommen, was absolut vorzuziehen ist.


    Wege der Wespen, Flugloch stark verkleinern, ich habe es 1 mal 3 cm, bei offenem Gitterboden.


    Wo wohnen die Bienen jetzt, welches Beutenmaß, wieviel Brut?

    Lg Franz - Zander 477x420x220 + 12er Dadant Blatt

  • Ich bin auch Neueinsteigerin in Sachen Imkerei, obwohl ich über Jahre meinem Vater dabei geholfen habe.

    Imkerbücher lesen, fragen , beobachten, Ratschläge annehmen und umsetzen sind sehr, sehr wichtig.

    Wesensgemässe Bienenhaltung weit nach hinten schieben, erst mal Grundlagen lernen und Zusammenhänge verstehen.

    Hier im Forum liegt ein ordentlicher Wissensschatz und Fragen werden immer gern beantwortet.

    Manchmal hart, aber fair.

    Ihr habt jetzt die drei Völker und müsst was draus machen.

    Wiegen, füttern und Varroakontrolle ist das Wichtigste und hier bekanntgeben, was für Beuten und, und, und, wie Berggeist schon schrieb.

    Verkaufen nützt den Bienen nichts.

    Leider ist das Bienenjahr schon zu Ende. Vielleicht in Eurer Klimaregion noch nicht ganz, deshalb schnell handeln !

  • mit einem anderen imker stehen wir jetzt hier auch schon in kontakt, aber er hat uns schon gesagt, dass er dafür keine zeit hat. er hat jetzt allerdings die milbenbehandlung übernommen...

    außerdem hat dieser imker uns gesagt, wir sollen ab sofort jeden abend ein halbes kilo zucker pro volk füttern (gelöst 1:1 mit Wasser).

    Man könnte jetzt sagen: Schlauer Imker, der andere Imker: Beseitigt potentielle Gesundheitsgefahren für seine Völker durch Milbenbekämpfung beim verseuchten Nachbarn.

    Allerdings zusätzlich noch eine lohnende Futterquelle bei den sanierten Schwächlingen des Nachbarn für Wespen und nicht zuletzt die eigenen Bienen einzurichten, ist wiederum nicht so schlau. Ich weiß nicht, ob das kroatisch-warme Wetter den Völkern noch soviel Entwicklungszeit läßt, daß sie Winterstärke erreichen und die bisher varroageschädigten (kurzlebigen) Winterbienen ersetzen können. Wenn nicht, hülfe allenfalls das Vereinigen zu einem überwinterungsfähigen Volk. Füttern dann allenfalls mit fertigem (geruchsarmen) Fertig- Invertzuckersirup, was die Räubereigefahr reduziert.