Schutzmaßnahmen bei der OX-Pfannen-Bedampfung

  • RalfK : Du verdrehst da was... Ich ging explizit auf nicht sachgemässe Anwendungen ein. Denn zu "sachgemässer Anwendung" gehört laut der Studie nun mal auch: Arbeit im Freien, Feinstaubmaske, Schutzbrille, wasserundurchlässige, säurebeständige Handschuhe und langärmlige Kleidung.

  • zu "sachgemässer Anwendung" gehört laut der Studie nun mal auch: Arbeit im Freien, Feinstaubmaske, Schutzbrille, wasserundurchlässige, säurebeständige Handschuhe und langärmlige Kleidung.

    Es versteht sich m. E. von selbst, dass man sich nicht unnötig den OXS-Dämpfen aussetzt; man muss ja nicht daneben stehen, wenn man im Freien arbeitet.


    Zum Einatmen - schon geringste Dosen führen sofort zu extremem Hustenreiz, will heißen, freiwillig hält das keiner aus. Somit ist die Aufnahme über Atemwege eher nachrangig.


    Die Exposition der Haut gg. feinstverteiltem Staub ist im trockenen Zustand zu vernachlässigen. Erst wässrige Lösungen erzeugen konzentrationsabhängig Verätzungen. Und dazu muss die Fettschicht auf der Haut beschädigt sein oder fehlen.


    Dass OXS zu Nierenschäden führt, ist bekannt; sie muss aber erst einmal dahin kommen. Das Risiko ist über die massive orale Aufnahme erheblich größer.


    Meine Meinung


    Rainer

  • RalfK : Du verdrehst da was... Ich ging explizit auf nicht sachgemässe Anwendungen ein. Denn zu "sachgemässer Anwendung" gehört laut der Studie nun mal auch: Arbeit im Freien, Feinstaubmaske, Schutzbrille, wasserundurchlässige, säurebeständige Handschuhe und langärmlige Kleidung.

    Tja, ich meine jetzt aber, dass Du da was verdrehst.


    In der Studie wurde doch ausdrücklich nachgewiesen, dass der MAK-Wert auch ohne Maske deutlich unterschritten wird. Das ist ja der entscheidende Punkt für die systemischen Schäden, z.B. deine Nierenschädigungen.


    Nochmal als Zitat:

    "Bei der Beurteilung der Gefährdung durch Oxalsäure muß unterschieden werden zwischen einer systemischen und einer lokal-reizenden Wirkung. „Systemisch“ bedeutet, daß Oxalsäure in den Blutkreislauf aufgenommen wird und so beispielsweise zu den Nieren gelangen kann, wo eine Schädigung durch Bildung von Kalziumoxalat-Steinen denkbar ist. Diese indirekte, nicht unmittelbar wahrnehmbare Wirkung unterscheidet Oxalsäure von anderen organischen Säuren, wie z.B. Ameisen- oder Milchsäure, und begründete die bisherige Skepsis in Bezug auf die Anwendersicherheit. Aber: Die Einhaltung des MAK-Wertes schützt den Imker vor solchen systemischen Wirkungen. Die vorliegenden Ergebnisse zeigen, daß eine systemische Wirkung der Oxalsäure am Imker bei beiden Verfahren nicht zu erwarten ist. Dies gilt wohlgemerkt ohne spezielle Schutzmaßnahmen, wie z.B. das Tragen einer Atemschutzmaske."


    Die Studie rät am Ende dann doch zu Schutzmaßnahmen, ausdrücklich aber "nur" um sich vor der lokal-reizenden Wirkung zu schützen.


    Das soll aber bestimmt niemeanden vom Tragen einer kompletten Schutzmontur abhalten.

    Ist ja Imkern...

  • es gibt gewisse Grundregeln beim Arbeitsschutz- bei Arbeiten mit schweren Lasten, mit Chemikalien, bei Forst-und Gartenarbeiten...- es kann gut gehen ohne das was passiert, aber wenn ein kleiner Unfall oder ein kleiner Fehler zu einer dauerhaften Schädigung führt, wird der Leichtsinn teuer bezahlt. Man hat nur eine Gesundheit.

    Man kann den Wind nicht vorher sehen, oder wie weit der Varrox mit OX auch am Griff und Kabel durch die austretenden Dämpfe belastet wird. Und reflexartige Reaktionen sind auch nicht vorhersehbar.

    Mit Vorsatz die Anwendungsvorschrift vom Hersteller nicht einzuhalten, ist einfach grob fahrlässig und dumm und führt auch im Schadensfall bei einigen Versicherungen zur Leistungsminderung oder Verweigerung.

  • Ihr fangt an, aneinander vorbei zu reden.


    Zweifelsfrei - und hier immer wieder berichtet - macht OX-Dampf Atemwegsreizungen, die zu unangenehmem Husten führen. Welche Vorsichtsmaßnahme einen davor schützt, bleibt jedem selbst überlassen: sei es das Tragen einer FFP3-Maske oder das (mehr oder weniger) penible Achtgeben darauf, eben nichts einzuatmen (Windrichtung, Zeit bis zum Beuteöffnen nach Anwendung etc.).


    Genauso verhält es sich mit der Exposition von Haut: hier geht es um die systemische Aufnahme von OX-Säure (also von OX-Kristallen in wässriger Lösung). Diese ist prinzipiell möglich. Hier macht aber ebenso die Menge das Gift - doch: welche Mengen es wirklich über die Haut braucht, um die systemischen, bekannten, beschriebenen Nierenschäden zu machen, scheint es nicht zu geben.


    Klar ist weiter, dass beim Schlucken von OX diese teilweise aufgenommen wird. Nimmt man genug davon (z.B. in suizidaler Absicht), kann es zu einer letalen Vergiftung kommen (wieder: die Menge macht das Gift).


    Jeder möge also selbst einschätzen, welche Vorsichtsmaßnahmen er ergreifen will, um dem beschriebenen Risiko zu begegnen - wissend, welches die o.g. (u.a. vom Hersteller) empfohlenen Maßnahmen sind.


    Weiterhin beachtet bitte die Definition des sog. "MAK-Wertes" - er heißt übrigens mittlerweile gem. TRGS-900 Nr. 1.1 "Arbeitsplatzgrenzwert (AGW)":

    Zitat

    ... Er gibt an, bei welcher Konzentration eines Stoffes akute oder chronische schädliche Auswirkungen auf die Gesundheit im Allgemeinen nicht zu erwarten sind.

    ...

    Arbeitsplatzgrenzwerte sind Schichtmittelwerte bei in der Regel täglich achtstündiger Exposition an 5 Tagen pro Woche während der Lebensarbeitszeit.

    Weiter steht da auch noch:

    Zitat

    ... Expositionsspitzen während einer Schicht werden entsprechend Nummer 2.3 mit Kurzzeitwerten beurteilt.

    Kurz gesagt geht es dabei dann in TRGS-900 Nr. 2.3 darum, dass auch kurzfristig hohe gesundheitsschädigende Konzentrationen bestimmter Stoffe (so auch OX) im Arbeitsalltag auftreten können, was sich in einer Langzeitmessung herausmitteln würde. Daher werden hier noch Spitzenkonzentrationen angegeben, die innerhalb einer 8-stündigen Schicht maximal 4 x für je 15 Minuten erreicht werden dürfen. Für OX gibt die TRGS-900 dabei einen Kurzzeitüberschreitung auf das Doppelte des AGW (1,0 mg/m³) an, also 2,0 mg/m³.


    Auf diese Kurzzeitwerte wird in der oben zitierten Arbeit von Gump et al. nicht eingegangen. Auch erlaubte deren Messverfahren nicht, solche kurzen Spitzenwerte zu erfassen. Hier bleiben also Fragen offen.


    Wieder sind wir also auf unseren gesunden Menschenverstand angewiesen:

    Gehen wir davon aus, dass innerhalb von ca. 10 Minuten 1 g OX verdampft wird auf eine Beute mit einem Volumen von grob 1 m³, so enthält diese eine Konzentration von 1.000 mg/m³. Um das also auf den zulässigen Spitzenwert nach TRGS-900 runter zu verdünnen, benötigt das einen Verdünnungsfaktor von 500.


    Mir scheint das Tragen einer Schutzmaske bei so einer Überlegung echt nicht als übervorsichtig.

    Das Tragen von Handschuhen, egal welcher Art, beim Hantieren mit einer Säure oder deren Kristallen, die bekanntermaßen durch die Haut aufgenommen wird, ebenso wenig.


    Gruß, iJörg

    Eine Fischsuppe aus einem Aquarium zu machen, ist leichter als ein Aquarium aus einer Fischsuppe.

  • Zum Einatmen - schon geringste Dosen führen sofort zu extremem Hustenreiz, will heißen, freiwillig hält das keiner aus. Somit ist die Aufnahme über Atemwege eher nachrangig.

    Und da hät ich jetzt gesagt, dass wenn der Hustenreiz schon mal da ist, hast du bereits schon einen schädigenden Grad resorbiert. Zur Thematik: Zur oralen Aufnahme einer letalen Dosis benötigt man ca. 3-30g. Das ist viel und verleitet zur Annahme, dass das Zeug ja kaum giftig ist. Das liegt aber nun mal daran, dass Oxalsäure im Darm schlecht resorbiert wird, siehe weiter oben meine 1-9%.

    Direkt intravenös reichen bereits 25mg zu einer letalen Dosis. Die Resorbtionsrate über die Lunge dürfte weit, weit höher liegen und geht deutlich schneller und zuverlässiger in den Blutkreislauf über!

    25mg ist nicht viel... und die Niere wird ja bereits deutlich vorher belastet.

    In der Studie wurde doch ausdrücklich nachgewiesen, dass der MAK-Wert auch ohne Maske deutlich unterschritten wird. Das ist ja der entscheidende Punkt für die systemischen Schäden, z.B. deine Nierenschädigungen.

    Ein Wort:

    Idealbedingungen.


    Auf der idealen Baustelle fällt nichts herunter... warum tragen dann alle Helme?

    Bei idealem Fahrstil passieren keine Unfälle... warum dann das Riesentamtam um Sicherheit?

    und so weiter, und so fort...


    Was passiert, wenn du beim annähern stolperst, die Anlage mitsammt vielleicht sogar der Bienenbeute umwirfst und dann am Boden vor Schock noch nen richtig tiefen Zug nimmst?



    es gibt gewisse Grundregeln beim Arbeitsschutz- bei Arbeiten mit schweren Lasten, mit Chemikalien, bei Forst-und Gartenarbeiten...


    Genau!

    Mir scheint das Tragen einer Schutzmaske bei so einer Überlegung echt nicht als übervorsichtig.

    Empfinde ich auch so...

  • Ist doch bei der Ameisensäure nicht anders...

    Wer hat die Dämpfe noch nicht eingeatmet?

    Wer sich also richtig vorbereitet und Schützt, der ist damit auch auf der sicheren Seite.

    Gruß Markus


    Ubi apis, ibi salus 
    Wo Bienen sind, dort ist Gesundheit

  • Ist doch bei der Ameisensäure nicht anders...

    Wer hat die Dämpfe noch nicht eingeatmet?

    Wer sich also richtig vorbereitet und Schützt, der ist damit auch auf der sicheren Seite.

    Ich fülle die AS 60 mit einer großen Einwegspritze in die Nassenheider. Dazu kippe ich diese hoch, habe dafür extra einen Sockel mit Heißkleber zwecks besser Stand angeklebt. In meinem Honigraum, in dem es nie über 20 Grad bekommt, wird das Fenster, sowie das gegenüberliegende Fenster geöffnet, bei Bedarf der Ventilator eingeschaltet.

    Natürlich kann ich nicht bei 30 Grad und ohne gewisse Vorkehrungen die AS umfüllen und wenn ich das Volk aufmache dann atme ich auch nichts ein.

    Bei der OS war das ganz anders, auf dem Oberträgern liegen OS Kristalle, das Gerät ist innen weiß vor lauter OS Kristallen und dann sowieso die Matte mit der ich den offenen Boden zu gemacht habe und so bearbeitet man 20 oder mehr Völker, obendrein noch in einem geschlossenen Bienenhaus.


    Also beides OS und AS kann man sicherlich nicht als gleich gefährlich ab tun.

  • Also beides OS und AS kann man sicherlich nicht als gleich gefährlich ab tun.

    Da kipp ich mir aber lieber OS über die Hand statt AS ^^

    Auch bei sonstigem Schleimhautkontakt würde ich da klar zu OS tendieren.

    Alle Mittel haben irgendwo ihre Schädigende Wirkung, sonst könnten wir damit die Milben nicht reduzieren. Klar ist ja auch, wenn man einen Fehler macht, dann kann es einen erwischen.

    Ich verteufel die AS lediglich wegen ihrer Wirkweise, ansonsten ist sie wie OS im richtigen Umgang ohne menschliche Schädigung anwendbar.

    Gruß Markus


    Ubi apis, ibi salus 
    Wo Bienen sind, dort ist Gesundheit

  • Wer für sich keinerlei Vorsichtsmaßnahmen ergreift, ist auf dieser Welt auch fehl am Platze und deshalb über.

    Zur Schädigung der Nieren: Dann kannst Du erstmal schöne Nierensteine bekommen, die merkst Du dann evtl. mehr als Dir lieb ist. Deshalb wollte mal ein Urologe mir das Essen von Rabarber verbieten. Auf meine Frage, wieviel Rabarberkompott ich essen müßte, damit ich wieder Nierensteine bekäme und die Saison für dieses Kompott auch ja sehr kurz sei, gab er Ruhe. Und ich lebe bereits über 7 Jahrzehnte.

    Bei gefährlichen Tätigkeiten sollte man immer die Sicherheit bedenken. "Vorsicht, nicht Ängstlichkeit, ist die Mutter der Porzelankiste."

    Man kann problemlos in Segerberger Beuten und auch Lüneburger Stülper begasen, wenn man bei der Tätigkeit seinen Kopf zum Denken benutzt und die möglichen Gefahren berücksichtigt und entsprechende Maßnahmen bereithält. (z.B. um heißes Cu-Rohr ein feuerfestes Tuch, vom Heizungsbauer, legen, wegen der Brandgefahr!)

    "Das Vergleichen ist das Ende des Glücks und der Anfang der Unzufriedenheit." (v. Sören Kierkegaard)

  • Wer für sich keinerlei Vorsichtsmaßnahmen ergreift, ist auf dieser Welt auch fehl am Platze und deshalb über.

    Früher gab es Vulkanausbrüche, Bären, Wölfe und Co die sich derer angenommen hatten, heute gibt es dafür neben z.B. Giften und Waffen auch Smartphones die den Platz für die natürliche Auslese eingenommen haben.

    Gruß Markus


    Ubi apis, ibi salus 
    Wo Bienen sind, dort ist Gesundheit


  • Idealbedingungen.

    Aufmerksames Lesen belegt, daß die Messungen für die Dissertation von Dr. Gumpp unter realen Bedingungen an den Bienenständen von realen Imkern durchgeführt wurden, keineswegs unter "Idealbedingungen". Die Gumpp´sche Meßanordnung war sogar weitaus strenger als die realen Bedingungen, die ich bisher beobachten konnte. Zu den physiologischen Möglich- (besser: Unmöglich-)keiten, durch Einatmen unter imkerklichen Bedingungen gesundheitschädliche Dosen OX einzuatmen, hat sich Dr. Gumpp ebenfalls aus arbeitsmedizinischer Sicht eindeutig und nachvollziehbar geäußert. Man muß es einfach nur lesen...

    Vivajohn : Wieso die "Resorbtionsrate über die Lunge weit, weit höher liegen" und OX "deutlich schneller und zuverlässiger in den Blutkreislauf übergehen" soll als "direkt intravenös ... 25mg zu einer letalen Dosis", das erschließt sich mir nicht.

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