Zwischenfrucht

  • Hallo,

    An alle Landwirtschaftlich bewanderten Imker Kollegen!

    Mir ist aufgefallen, dass hier die Agrar immer ziemlich spät, ihre Zwichenfrucht eindrillt, so das, dass Feld im Oktober anfängt zu blühen. Hier handelt es sich um phacelia, Sonnenblumen, Klee, Oelrettich ect. Mischung.

    Meine Bienen sind die Jahre immer so 1-2 km Luftlinie bei gutem Wetter hingeflogen. Erkannt an den blauen Phacelia Pollen und starken Flugbetrieb. Heute haben sie das Feld direkt vor meinem Bienenstand mit der Saatmischung eingedrillt. Kommt wahrscheinlich nächstes Jahr Mais drauf. Bin gespannt, wie das Wetter im Oktober wird,eventuell muss ich dieses Jahr besonders aufpassen, daß die Kisten nicht verhonigen. Die Bienen brauchen keine 20m bis zum Acker.



    Erste Frage, was ist der Grund für den generellen sehr späten einsaat Termin??


    Glaube gelesen zu haben, das Zwischenfruchte nicht mehr im darauffolgenden Jahr totgespritzt werden dürfen. Liege ich richtig?


    Danke Netti!

  • Erste Frage, was ist der Grund für den generellen sehr späten einsaat Termin??


    Glaube gelesen zu haben, das Zwischenfruchte nicht mehr im darauffolgenden Jahr totgespritzt werden dürfen. Liege ich richtig?


    Danke Netti!


    Das kommt ganz drauf an wie die Fruchtfolge geplant ist..

    Wenn nächstes Jahr Mais als Mulchsaat direkt in die abgestorbene Gründüngung gesäht werden soll ist es natürlich nicht optimal wenn zu viel Biomasse auf dem Acker liegt, deswegen wird teilweise eher später gesäht damit die Gründüngung nicht so lange wachsen kann.

    Aber andererseits, was heißt für dich spät?

    Meistens muss man nach der Getreideernte erstmal Stoppelbearbeitung machen, dann vllt. noch Gülle oder Biogassubstrat ausbringen, das dauert schon..

    Und wenn dann Mitte bis Ende August gesäht wird, dann blüht die Gründüngung eben erst im Oktober.

  • Also als Laie und Beobachter der versucht das System irgendwie sporadisch zu überblicken,kann ich zur Fruchtfolge sagen, hier kommt jedes Jahr was anderes aufs Acker. Letztes Jahr Raps dieses Jahr Gerste und nächstes Mais. Spät heisst, Blüte im Oktober! Aber soll ja anscheinend nur der Bodenverbessung dienen und nicht zum allgemeinen nutzen für die insekten.

  • Mit dem Zwischenfruhtanbau kann man sehr viele verschiedene Ziele verfolgen.

    Das geht von Pseudo-ZF zur Erfüllung der Greeningauflagen bis hin zu sehr speziellen oder auch allgemeinen ackerbaulichen Zielen wie z.B. zur Bildung maximaler Wurzel- und Grünmasse.

    Direkt nach der Ernte säen ist sehr problematisch wegen des Ausfallgetreides. Da vermehrt man so richtig schön Krankheiten und Schädlinge... Rausspritzen ist bei den meisten ZF nicht zugelassen, wenns fürs Greening punkten soll garnicht.

    Wenns blühen soll muß man wieder aufpassen, dass man sich durch Ausfallsamen dann nicht mit irgendwas das Feld verseucht. MAnche Samen überdauern Genarationen im Boden; da haben dann die Enkel noch was von... Rechtzeitig Glyphosat ist bei Greeninganrechnung nicht. Langfristig erhöht man dadurch den Unkrautdruck sehr stark, was wiederum zu erhöhtem Aufwand an PSM führt, wobei die Möglichkeiten da aber immer mehr eingeschränkt werden...

    Bei mir z.B: habe ich noch nie solche Mäusekolonien wie dieses Jahr gesehen. Da hab ich u.a. Buchweizen direkt nach der Ernte gesät und bis Frühjahr stehen lassen. Entsprechend war Futter durch die ausgereiften Körner vorhanden... Schätze ca. 1 to/ha. In eine Fruchtfolge mit Zuckerrüben wäre das garnicht machbar, da Buchweizen darin kaum zu bekämpfen ist...

    In Rapsfruchtfolgen ist man auch sehr eingeschränkt. Da fördert man sonst verschiedene Krankheiten, z.B. Sklerotinia durch Sonnenblumen, wogegen dann eine Blütenspritzung her muß...

    Ich empfehle den Landwirten hier eine geeignete Mischung, die sich entsprechend mit der Fruchtfolge verträgt/ergänzt. Das ganze in ein entsprechendes System eingebunden; also auch mit entsprechendem PSM, Fruchtfolgeoptimierung und Bodenbearbeitung. So läßt sich das für den Landwirt ackerbaulich vorteilhaft verkaufen und die Bienen haben halt auch viel davon.

    Leider kann man so ein System in Imkerforen nicht diskutieren...

  • ...Bei mir z.B: habe ich noch nie solche Mäusekolonien wie dieses Jahr gesehen. Da hab ich u.a. Buchweizen direkt nach der Ernte gesät und bis Frühjahr stehen lassen. Entsprechend war Futter durch die ausgereiften Körner vorhanden... Schätze ca. 1 to/ha...

    ???

    Ich weiß, dass ich nicht weiß. (Sokrates)

  • Wir haben Landwirtschaft und haben erst einen Teil der Zwischenfrucht ausgesät. Deises Jahr ist durch die starke Nässe in manchen Gegenden (wie bei uns) natürlich eine ganz andere Situation. Wenn man dann noch 30 ha Raps hat, der termingerecht und gut vorbearbeitet gesät werden muss, steht die Zwischenfrucht schonmal hinten an. Dieses Jahr ist bei uns z.B. alles purer Stress, weil es nicht mehr richtig trocknet und trotzdem immer wieder regnet. Da kann es auch mal sein, dass ein Landwirt seinen Boden lieber "kahl" überwintert um starke Bodenverdichtung zu vermeiden.


    PS: Wir haben Biolandwirtschaft, also kann ich zu PMs nicht so viel sagen

    Hoffe ich konnte helfen

    LG Micha

  • Hallo Micha,

    das kenne ich! Was zuerst, was danach?? Und wir sind nicht "wetterfühlig", wir sind ihm ausgesetzt!!

    Mein Nachbar ist mit "vielen" ha um mich herum BIO-Bauer. Meine und seine Bienen fliegen sicher nur auf diese Flächen.

    Die Äcker werden "grün" überwintert. Es wird kaum etwas angesät. Das ausgefallene Getreide oder andere Saaten reichen vollkommen aus. Eine andere Begrünung bringt der mehr- (mindestens 2-) jährig genutzte Weißklee. Dort lassen zugewanderte Imker ihre Bienen bis Ende September stehen und füttern nicht auf. Ein Bekannter hat schon Völker mit zwei vollen HR eingewintert. Sie waren super!!

    Zur Zwischenfrucht: Wer Masse erzeugen will muss im August säen. Eine alte Erfahrung sagt: Ein Tag im August bringt mehr als eine Woche im September. Zu massig gewordene Bestände sollten vor dem Winter gemulcht werden. Dann ist die Masse im Frühjahr viel geringer als wenn stehend überwintert wird.

    Gruß

    Harald

    Es wird in jedem Jahr Frühling, nur wann?

  • Hallo Micha,

    Mein Nachbar ist mit "vielen" ha um mich herum BIO-Bauer. Meine und seine Bienen fliegen sicher nur auf diese Flächen.

    Gruß

    Harald

    Hallo Harald.

    Solche Sprüche können nur von jemanden kommen der sich keinimker nennt. Und Bienen erkennen

    bestimmt nicht die ha Grenzen der BIO-flächen.


    Gruß Josef

    Buckfast . 10 Völker . DNM Holzbeuten 13 ner Zargen . Dadant US Frankenbeute. Königinnenzüchter.

  • Zu massig gewordene Bestände sollten vor dem Winter gemulcht werden. Dann ist die Masse im Frühjahr viel geringer als wenn stehend überwintert wird.

    Der Sinn der Erzeugung von möglichst viel Masse ist Nährstoffe zu binden und so über den Winter zu bringen, dass die im Frühjahr genutzt werden können.

    Es wäre ziemlich unsinnig das dann schon im Herbst zu Mulchen, dass es verrottet und die Nährstoffe doch über Winter ausgewaschen werden...:rolleyes:

    Wer das tut hat einiges bei der ganzen Geschichte nicht verstanden...

    Das ausgefallene Getreide oder andere Saaten reichen vollkommen aus.

    Wie gesagt gibt es viele Wege in Sachen Zwischenfrucht. Aber DAS ist sicher das schlechteste was man machen kann.

  • dass es verrottet und die Nährstoffe doch über Winter ausgewaschen werden...

    Mit dem Verrotten ist es aber nach meiner Erfahrung über Winter sehr stark eingeschränkt. Im Gegenteil bedarf es einer gewissen Zeit zur Umwandlung der Pflanzenteile zu wieder nutzbaren Nährstoffen, selbst im Sommer. Irgendwie haben die Bauern über Jahrhunderte alles falsch gemacht, scheint es mir. (und die unberührte Natur auch)

    ..."ist mir noch nie passiert" sagte der erfahrene Imker, "aber..."

  • In der "unberührten Natur" wird aber eher weniger gemulcht...

    ...bzw. das Bodenleben erledigt das. Und zwar überwiegend während der Vegetationsperiode, wenn die Pflanzen die Nährstoffe auch verwerten können.


    Was die Umsetzungszeit und Verfügbarkeit der Nährstoffe angeht gibt es nicht viel zu spekulieren, das ist allgemein bekanntes/zugängliches Fachwissen. Einfach mal informieren... Oder mal Augen auf was im Herbst an Strohresten auf langjährig konservierend bearbeiteten Flächen liegt und was davon im Frühjahr noch übrig ist...


    "Früher" waren aufgrund fehlender Technik zur Bodenbearbeitung mit zuviel Pflanzenresten die Prioritäten anders gesetzt. "Wir hatten ja nix...". Heute ist so ein Frevel bei entsprechend ausgestatteten Betrieben nicht mehr nötig, und die Düngeverordnung läßt so eine Verschwendung auch nicht mehr wirklich zu. Hobbyackerbauer mit veralteter Technik wie ich müssen eben darauf achten, dass man Zwischenfrüchte wählt, die bei der Bodenbearbeitung im Frühjahr gut "zerbröseln" statt als "zähes Gestrüp" die Maschinen zu verstopfen.

  • bzw. das Bodenleben erledigt das

    "Früher" gab es sowas mal.

    "Früher" hat man auch Regenwürmer ernährt. Heute muss man die suchen.

    Was ist denn nun der eigentliche Frevel?

    Auf konservierend bearbeiteten Böden findet man davon sicher mehr als früher (in Zeiten vor Glyphosat) mit intensiverer Bodenbearbeitung.

    Du hast ganz offensichtlich keinen Schimmer wovon Du überhaupt redest.

    Schau mal "in der Natur", z.B. im Waldboden was Du siehst wenn du mal einen cm tief im Boden krazt. Dann schau auf einer langjährigen Mulch-, oder Direktsaatfläche (wofür entsprechend oft Glyphosat und wietere PSM eingesetzt werden) und dann schau auf einer Fläche mit geringem, oder garkeinen Pflanzenschutz und dafür häufiger intensiver Bodenbearbeitung, z.B. auf einem "Bio-Acker".

    Dann überleg nochmal wo Du "lebendigen" und wo "toten" Boden siehst...


    Regenwürmer ernähren sich von Pflanzenmaterial von der Bodenoberfläche. Nicht vom eingearbeitetem Pflanzenmaterial!