Honigpreise

  • Geschrieben habe ich viel, das lesen und selbst zu Argumenten verdichten muss schon jeder selbst.


    Aber einen Tipp gebe ich noch:

    Derzeit sind Bienen und Honig (noch!) ein Hype, ein absolutes Modephänomen in den Massenmedien.

    Derzeit geht es den Deutschen wirtschaftlich so gut wie nie zuvor.


    Wenn man es JETZT nicht schafft, den Honigpreis nach jahrzehntelangen Nullrunden anzuheben, wann will man es dann schaffen?!? JETZT ist die Akzeptanz noch da.


    Und danach nicht in den alten Trott zurückverfallen und den Preis aus falscher Scham zu lange stabil halten. Sondern öfter mal den Preis leicht anheben - das geht viel leichter und praktisch ohne Erklärungsnot, als alle paar Jahre einen größeren Sprung machen, der dann gerechtfertigt werden muss.


    Die Inflation wird nicht ewig so niedrig bleiben wie derzeit. Aber die Randbedingungen werden sicherlich nicht besser als derzeit werden.


    Übrigens: Eigentlich braucht es gar keine Rechtfertigung. Der Supermarkt macht das auch nicht. Die Produkte haben ihren Preis und der Wert liegt sowieso im Auge des Kunden. Passen Preisschild und Wertschätzung zusammen, wird gekauft, ansonsten kauft eben erst der Nächste.


    Ich lasse mich daher niemals auf eine Preisdiskussion mit Kunden ein. Niemals. Den Vorsatz habe ich aber erst genau 1x befolgen müssen, denn es war erst genau eine Kundin da, die tatsächlich mal gemeckert hat und den Preis herunterhandeln wollte. Eine von vielen Tausenden bisher, die nicht gemeckert sondern glücklich gekauft haben und sich dabei von mir unterhalten haben lassen!


    Der Dame habe ich übrigens ein angebrochenes Probierhonigglas mit Preisnachlass angeboten. Den wollte sie dann aber auch nicht haben.

    Dann war die Not also doch nicht so groß - denn wer nicht will, der hat schon!


    Gruß

    hornet

  • hallo,


    Hornet hat es schon sehr umfangreich auf den Punkt gebracht!


    natürlich wurden die Preise oft regional über die Jahre "versaut"

    meine Meinung: für unter 5 Euro das 500g Glas, na dann geht ab zum Supermarkt.

    Bei mir sind 7-9 Euro für Wald bzw. Wald/Blüte üblich. Vor meine Bio-Zertifizierung hab ich 500g für 7,50 verkauft (Wald und Blütenhonig), ab Bio 50cent mehr. Das ist im Vergleich (Supermarkt) für Honig aus Deutschland und regionales Produkt durchaus Wettbewerbsfähig.


    Mit etwas erklären und sensibilisieren ist mein Kundenstamm jedenfalls (fast) immer bereit etwas mehr für "guten" Honig auszugeben.




    viele grüße Stefan.

  • Kann hier auch nur zustimmen nicht unbedingt die Preise im Verein zu nehmen weil es da auch ziemliche Unterschiede gibt, bei mir von 3 bis 8€.

    Ich weiß wie viel Arbeit und kosten ich habe um ein Glas voll zu machen und wenn ich vor allem als nicht Profi meine Arbeitszeit sehr, kann er nicht teuer genug sein. Wenn ein Abfüller aus dem Osten Deutschlands wo die Lohnkosten geringer sind mehr für sein Honig bekommt bzw. die Kunde im Supermarkt bezahlen mache ich was falsch.

    Mein Honig ist halt mehr Wert als der von manch anderen und dafür stehe ich auch ein.


    Die Differenz von Honig vom Discounter und lokal erzeugten Honig ist nicht so groß wie bei den meisten anderen Produkten. Bei Eiern ist der Unterschied bei mir 10cent im Supermarkt oder 50cent bei Birkenhof und wir reden hier von zwei in Deutschland hergestellt (gelegten) Produkten. Wir konkurrieren mit EG und nicht EG und für Faktor 2 soll ich verramschen? Nein danke!


    Gruß

    Sascha

  • Könntet ihr mir argumentative Unterstützung geben, die ich meinem Kunden weitergeben kann.

    ....

    Ich glaube aber, dass ich die Akzeptanz des Kunden in einer kurzen Argumentation erreichen kann. Nicht in einer langen "Rechtfertigung".

    Verlange den Preis einfach! Du bietest ein Produkt an, für dessen Qalität Du Deinen Namen gibst.

    Dein Honig ist aus der Region von möglichst naturnah gehaltenen Bienen. Qualität hat schon immer ihren Preis gehabt.


    Ich habe bei interessierten Nichtkäufern immer ein kleines Probeglas verschenkt, wenn ich dafür die Adresse gekommen habe. Diese Kunden habe ich dann angeschrieben, dass die neue Ernte abgefüllt ist und nach dem Windhundprinzip verteilt wird. Du wirst sehen, dass ein fairer Preis kein Problem ist.


    Herzliche Grüße


    Tom

    Auch eine eierlegende Wollmilchsau gibt keinen Honig.

  • Bei uns in der Region sind allgemein zwischen 4,50 und 5,50 € für ein 500g-Glas üblich, was mir erstmal fair und weder unverschämt noch verramscht vorkommt. Allerdings habe ich selbst auch noch keine Rechnung angestellt, bei welchem Betrag ich landen würde.

    Dann steig mit 6-7€ eher 7€. Billiger kannst du immer noch werden, Preise erhöhen fällt schwerer.

    Wo willst du denn vermutlich deinen Honig Verkaufen, wohl eher im Bekannten und Verwandten Kreis...wie viele davon "haben bereits einen Imker"? DAS ist deine Ziel Gruppe. Du konkurrierst nicht mit anderen Imkern sondern mit den Supermärkten. Da belaufen sich die Preise für Blütenhonig aus Deutschland ab 6,99€ im DIB-Glas, oder 3,99€/250g - günstiger hab ich ihn noch in keinem Supermarkt zwischen NRW und Meck-Pom gesehen, außer bei Imkern auf den Wochenmärkten...ab 3€:rolleyes:

    Alles darunter ist eigentlich auch nicht kostendeckend, aber das hat der DIB ja schon mal vorgerechnet.

  • Wo willst du denn vermutlich deinen Honig Verkaufen, wohl eher im Bekannten und Verwandten Kreis...wie viele davon "haben bereits einen Imker"? DAS ist deine Ziel Gruppe.

    Genau, der Bekanntenkreis wird wohl die Haupt-Zielgruppe werden. Die Warteliste ist schon lang. :D

    Ich gebe zu ich hatte überhaupt keine Ahnung von den Honigpreisen im Supermarkt - a) ist meine Frau die Einkäuferin bei uns und b) kaufen wir Honig wie gesagt eh von privat, und da eben für 4,50 bzw. 5 Euro. Hab Frauchen mal drauf angesetzt, die Honigpreis im Supermarkt mal zu recherchieren.

  • ..., ich werde beim nächsten Supermarktbesuch mal die Preise studieren und mich für's nächste Jahr dann eher am "oberen Ende" der regionalen Preise

    Hier zur Orientierung eine Impression von einem Supermarktbesuch in DD um Ostern 2017, Preise eines regionalen Imkers aus dem Dresdner Süden:


    Grüsse, Robert

  • Hallo,


    nachdem die "Honigland" Gemeinschaft bei uns Ihren Verkauf soweit eingestellt hat, ist in den betroffenen Edeka Märkten ein "Neuer" Spieler "aus der Region" aufgetaucht.


    Der hat 3 Preisklassen:

    6,- € / 6,50€ / 7,-€

    für das DIB Pfundglas.


    GdBK

    Aus der Übertreibung der Warnungen,
    ist die Unterschätzung der Realität geworden.

  • Ich habe (im Nachhinein) den Fehler gemacht, mit zu niedrigem Preis anzufangen. Als Anfänger hatte ich noch nicht so den Mut gegenüber meiner "Konkurrenz ". Jetzt, nach vier/fünf Jahren und gewachsenm Verständnis für den Bien, habe ich (im Ernst) ein unwohles Gewissen den Honig so günstig zu verkaufen.

    Sonnenblume :


    Ich verstehe dich nicht - obwohl sehr viele Imker dein Problem zu haben scheinen.

    Wo steht, dass Preise gleich bleiben müssen?

    Am Oktoberfest ist es Kult, dass die Preise jedes Jahr um 20-30ct steigen - für schlecht eingeschenkte Bierplörre wohl gemerkt.

    Verkehrsverbünde streiten sich jedes Jahr nur noch darum, ob die Tickets 3% oder 4% teuerer werden müssen.

    Und Tankstellen ändern die Preise sogar im Minutentakt.

    Und da glaubst du, die Kunden könnten es dir übelnehmen, wenn sich dein Honigpreis ändert?!?


    Du lebst doch nicht vom Imkern, oder?

    Und du bist doch kein Bittsteller, der anderen zur Last fällt, weil er sein saures Bier loswerden muss, sondern du bist der Produzent und Anbieter eines tollen Produktes, hinter dem du stehst und das die Kunden unbedingt haben wollen?


    Also: Mundwinkel hoch, Brust raus, Preis rauf und ran an den Kunden!

    Denk dran: der will was und du hast es!


    Und in unserem Land ist es üblich, dass man die Summe der Vorzüge eines Produktes in seinem Preis konzentriert. Was viel kostet, muss viel wert sein, so empfinden die meisten Menschen, auch wenn sie es nicht zugeben.


    Wenn du also glaubst, dass dein Honig was taugt, darfst du nie und nimmer einen minderwertigen Preis drauf kleben oder ihn gar inflationär verschenken!


    Also musst du auch nicht lange rumschwallen, sondern einfach neues Preischild drauf und fertig, keine Diskussionen mit dem Käufer, ihn stattdessen lieber mit einer Geschichte aus der heilen Imkerwelt unterhalten.


    A propos verschenken:

    Natürlich ist Honig ein tolles Geschenk. Aber ein gefährliches. Jeder verschenkte Honig ist einer, der anderswo nicht mehr gekauft wird. Der den Kunden daran gewöhnt, dass man Honig sowieso oft geschenkt erhält und eigentlich nicht kaufen muss, schon gleich gar nicht zu einem guten Preis.


    Und da kommt jetzt der Imkerboom ins Spiel. So gut er auch war, um die Nachwuchssorgen der Imkerschaft zu beseitigen, so hat er doch auch dazu geführt, dass eine Unzahl von Kleinstimkern aufgetaucht ist, denen es "ja gar nicht um den Honig geht", weil sie verdienen ihre Brötchen ja mit einem "richtigen" Job.


    Die haben dann oft nur ein oder zwei Völker, da glauben sie, sich keinen Stress mit angemessenem Verkaufen machen zu müssen und verschenken ihre Honigernte eben.


    Das sind dann aber doch auch 50 oder 100kg. Ein Haufen Holz, das dann mit der enormen Zahl von solchen Neuimkern multipliziert werden muss. Das macht sich sehr deutlich in der Fläche am Markt bemerkbar. Sehr oft hört man jetzt "ach, ich brauche keinen Honig, ich kriege immer einen geschenkt, weil mein Freund/Nachbar/Verwandter ist seit kurzem auch Imker"...


    Honig wirkt bei solchen Imkern dann fast schon als eine eher lästige Begleiterscheinung, die man auch noch irgendwie los werden muss.

    Und schon sind wir wieder bei der Wertschätzung. Wenn man etwas los werden will, steigt die Motivation es billig oder umsonst herzugeben. Mit entsprechender Wirkung im Kopf des Kunden.


    Ab und zu mal etwas verschenken erhöht die Wertschätzung. Öfter verschenken oder günstig hergeben ist dagegen gefährlich. Der Grat zwischen gut gemeint und schlecht gemacht ist sehr schmal. Und ich finde, hier hat jeder Imker auch eine Verantwortung für seine Mitimker.


    Honig unter Preis anzubieten, weil man es sich leisten kann und nicht vom Honig lebt ist in meinen Augen gegenüber allen anderen regionalen Honigproduzenten genau so unfair, wie wenn irgendwelche Länder ohne Standards und Regeln unsere geregelten Märkte und hohen Standards kaputt machen.

    Diese Länder kämpfen aber immerhin meist noch selbst um's wirtschaftliche Überleben, was man vom Wohlstands-Hobbyimker so wohl nicht behaupten kann.


    Sicherlich fällt dem einen oder anderen auf, dass ich mich schon wiederholt sehr engagiert zum Thema Honigpreise geäußert habe.

    Das liegt u.a. daran, dass mich die Heuchelei vieler maßlos aufregt.

    Wir bekommen tagtäglich in vielen Branchen vorgeführt, wohin "Geiz ist geil" und "Billigproduktion" führen, weil der fehlende Preis dann von anderen bezahlt werden muss.

    Ständig wird gejammert, wie böse die Pestizide, die Industrielandwirtschaft, die Billigtextilien, ja die Globalisierung per se sind, aber wenn es um's eigene Handeln geht, gibt's doch wieder nur Ausflüchte.


    Überlegt mal: Wir sollen als Industrieland laut Bauernverband trotzdem auch noch mit unserer Landwirtschaft die Ernährung der Welt sicherstellen, indem wir zu Weltmarktpreisen produzieren, mit allen negativen Folgen bei uns?!? Finde den Fehler!

    Wir produzieren nur 20% des Honigbedarfs im eigenen Land, aber sollen den Honig zu billigen Weltmarktpreisen produzieren? Finde den Fehler!


    Niemand kann die Welt alleine retten, aber jeder kann in seiner kleinen Lebenszelle sein Bestes geben. Tun das viele, kann sich sehr wohl auch im Großen was tun.

    Viele von uns engagieren sich aus verschiedenen Gründen in vielfältiger Weiseund oft ehrenamtlich, nur um die Imkerei voranzubringen. Mein Weg ist u.a. mein Einsatz für faire Preise und damit für eine angemessene Wertschätzung der Arbeit von Mensch und Biene und damit wiederum für die Motivation gut zu imkern - mit allen Folgewirkungen auch abseits unserer Geldbeutel.

    Gruß

    hornet

  • Hier zur Orientierung eine Impression von einem Supermarktbesuch in DD um Ostern 2017, Preise eines regionalen Imkers aus dem Dresdner Süden:


    Grüsse, Robert

    Ich hoffe, jeder sieht, dass die meisten Gläser auf dem Bild KLEINE Gläser sind, also nur 250g!

    Ich habe das nämlich nicht gleich gesehen und schon gedacht, Robiwahn plädiert für Billigpreise... !

  • hornet ( toller Text, sollten sich einige mal desöfteren durchlesen, ausdrucken und dann immer mal wieder ins Gedächniss rufen :thumbup: )


    aber eine Preisdiskussion ist eine Neverendingstory.

    Ich arbeite als Fotograf, und auch in der Photoszene hat man die gleichen, mühsamen Unterhaltungen. Gross gegen klein, Profi gegen Hobby, teuer gegen billig oder günstig, und dies jeden Tag irgendwo, immerwieder aufs neue. Beispiel - es gibt Kollegen die nehmen als Beispiel, für die Hochzeit einen mittleren 4-Stelligen Betrag und mehr, der diskutiert aber auch seine Preise nicht, entweder man kann es bezahlen oder man sucht weiter, es gibt aber auch "Hobby-Knipser" der die Hochzeit für laue 250-500 € anbietet. Es gibt Studios die nehmen für Bewerbungsfotos 30-40 € oder weniger, gibt aber dann welche die nehmen dafür das 5-10 Fache und es wird bezahlt, ohne murren oder irgendwelchen Basarschwätzchen als "aber da kostet es nur die hälfte"

    Und auch hier, jammern viele " Profi " Fotografen das die Hobbyisten denen die Preise kaputt machen.

    Daran sieht man, das es in jedem Bereich einen Käufer gibt oder eben nicht.



    Das gleiche bei dem Imkern - kenne ein paar die verlangen für ein 500g Glas Blütenhonig ab 12 € und wenn die weiter was verkaufen wollen würden, müssten die zukaufen. Verknappung nennt man das dann, die Leute rufen schon an Weihnachten oder am Anfang des Jahres bei denjenigen an um zu reservieren.


    Hatte aber auch schon ein paar nette Unterhaltungen mit Imkern, die auf Wochenmärkten Ihren Honig für 4.50 - 6, 50 verkauft haben, und die wollen / können nicht erhöhen, weil Sie Ihren Honig dann wohl nicht loswerden oder weil der Honig bei denen schon immer so viel oder wenig gekostet hat. ( das letztere wird meistens von älteren Imkern gern erzählt )


    Wenn man sich dann aber in der neumodischen Lifestyle SuperFood Szene etwas umschaut und sich die Preise da mal ansieht, müsste man sich als Imker eigentlich schämen wenn man den eigenen Honig so unter Wert anbietet.


    Aber wie oben schon erwähnt, eine EndlosGeschichte

  • Da es mein erstes Jahr ist und ich nicht soviel Honig habe, verlange ich 5 Euro für 500g. Habe das Thema im Verein mal angesprochen das ich Plane nächstes Jahr 6 Euro zu nehmen. Ich dachte ich lande am Galgen. So viel Unverständnis und alte kamelen wie war immer so bleibt so.

    Nichtsdestotrotz werde ich nächstes Jahr mit 6 Euro anfangen. Wenn es in die Hose geht ist nicht schlimm. Preis senken kann man immer noch und im Notfall bleibt der Honig bei mir.