• Mahlzeit zusammen,


    zwar ist es bei mir erst frühestens im kommenden Frühjahr mit der hoffentlich dann ersten eigenen Honigernte ein Thema - so denn mehr als für den Eigenbedarf abfällt - , aber "der kluge Fuchs sorgt schließlich vor" ;) und außerdem interessiert es mich allgemein: Wie kalkuliert ihr eigentlich eure Honigpreise?

    Steht da wirklich eine konkrete Kostenrechnung dahinter oder orientiert ihr euch allgemein an den regional üblichen Preisen?

    Bei uns in der Region sind allgemein zwischen 4,50 und 5,50 € für ein 500g-Glas üblich, was mir erstmal fair und weder unverschämt noch verramscht vorkommt. Allerdings habe ich selbst auch noch keine Rechnung angestellt, bei welchem Betrag ich landen würde.

  • Ich denke, Du solltest Dich am lokal üblichen Preis orientieren. Wenn Du die Nachbarimker unterbietest, machst Du Dir keine Freunde und wenn Du aufgrund irgendeiner K/L Berechnung auf einen höheren Preis kommst, kauft keiner bei Dir.


    Außerdem wäre bei einer K/L Rechnung auch die Frage, wie Du rechnest. Im ersten Jahr hast Du sehr hohe Investitionen, danach nur noch Betriebsstoffe. Oder Du wächst kontinuierlich, aber wie schreibst Du dann die Investitionen ab? Und machst Du das zum Geldverdienen (wie teuer ist Deine Arbeit) oder willst Du nur Dein Hobby ein bisschen gegenfinanzieren?


    Fazit: Nimmt 5€ pro 500g Glas und 3€ pro 250g Glas. Bei Sortenhonig halt etwas mehr.

  • Wenn du nicht dem Kunden vermitteln kannst, dass er da in diesem Glas was ganz besonderes bekommt, dann wirst du dich an den ortsüblichen Preisen orientieren müssen. Ob das kostendeckend ist, interessiert in heutiger Zeit fast niemand (siehe Milchpreise).


    Grüße

    Hans

  • Hallo,


    eine harte Kostenrechnung werden vermutlich nur Berufs- oder Nebenerwerbsimker aufstellen. Grundsätzlich sehe ich es so, dass das Hobby sich selbst tragen muss - idealerweise finanziert es auch den nächsten Urlaub oder andere schöne Dinge mit ;)


    Ich nehme für 500g 7€, für 250g 4€. Dabei erfolgt der Verkauf sowohl in der Nachbarschaft, als auch im Kollegenkreis. Obwohl ich die Marktpreise damit übertreffe (~6,5€ für 500g) geht der Honig schon fast zu schnell weg.


    Beste Grüße


    Peter

  • Und machst Du das zum Geldverdienen (wie teuer ist Deine Arbeit) oder willst Du nur Dein Hobby ein bisschen gegenfinanzieren?

    Nein, primäres Ziel ist nicht das Geldverdienen, die Imkerei soll auch reines Hobby bleiben. Die Gegenfinanzierung der Investitionen ist natürlich ein willkommener Effekt dabei, und ich hatte natürlich sowie vor, mich an den üblichen Preisen zu orientieren. Bei uns im ländlichen Raum kennt jeder jeden - da kann und will ich natürlich um Gottes Willen nicht das Preisgefüge unterwandern. :)

    Die Frage ist wie gesagt mehr akademisch bzw. interessehalber - irgendwo müssen die üblichen 5 € ja herkommen.

  • Die Frage ist wie gesagt mehr akademisch bzw. interessehalber - irgendwo müssen die üblichen 5 € ja herkommen.

    Dann läuft die Preisfindung wie bei jedem anderen Produkt auch. Du schaust, welche Investitionen Du hast, überlegst, wie lange Du das Material benutzen willst / kannst und berechnest die jährliche Abschreibung. Dazu kommen Verbrauchsmaterialien, Werbung, Futter und Rückstellungen für unerwartete Vorfälle. Das alles teilst Du durch die jährliche Honigmenge.
    Etwas komplizierter könntest Du es noch machen, wenn Du nicht nur Honig, sondern auch Gele Royal, Wachs und Propolis verkaufst oder Menschen sich von Deinen Bienen gegen Rheuma stechen lassen. Dann kannst Du noch den prozentualen Deckungsbeitrag Deiner Investitionen für die jeweiligen Produkte berechnen, aber dafür ist meine wirtschaftliche Ausbildung zu lange her... ;-)

  • Geh doch mal in Euren lokalen Einkaufsmarkt und schau, was dort der bessere Honig kostet. Das ist inzwischen zumindest bei uns IMMER deutlich über 5 €. Unter den Preis für guten Honig im Supermarkt würde ich auf keinen Fall gehen. Sonst stellst Du Deinen Honig auf eine Stufe mit den Gut&Günstig-Honig aus EU- und Nicht-EU-Ländern, und das hat Dein Honig nicht verdient.


    Kikibee

  • Preis und Kosten sind zwei völlig unabhängige Größen. Die Menschen bezahlen für Illusionen das meiste Geld. Also suggeriere den Interessenten, dass du etwas einzigartiges verkaufst und du kannst verlangen was du willst (siehe Manukahonig).

  • Geh doch mal in Euren lokalen Einkaufsmarkt und schau, was dort der bessere Honig kostet. Das ist inzwischen zumindest bei uns IMMER deutlich über 5 €. Unter den Preis für guten Honig im Supermarkt würde ich auf keinen Fall gehen. Sonst stellst Du Deinen Honig auf eine Stufe mit den Gut&Günstig-Honig aus EU- und Nicht-EU-Ländern, und das hat Dein Honig nicht verdient.


    Kikibee

    Da bin ich ehrlich gesagt völlig unbedarft, was Honig dort kostet, da wir bisher immer "vom Imker nebenan" gekauft haben. Stimmt, unter dem Supermarktpreis wäre wirklich blöd. :thumbup:

    Preis und Kosten sind zwei völlig unabhängige Größen. Die Menschen bezahlen für Illusionen das meiste Geld. Also suggeriere den Interessenten, dass du etwas einzigartiges verkaufst und du kannst verlangen was du willst (siehe Manukahonig).

    ^^ Auch wenn du damit sicherlich Recht hast, dass man heute vielen Leuten mit Psychologie u.U. mehr "andrehen" kann als mit tatsächlichen Qualitätsmerkmalen - das ist nicht mein Anspruch. ;)

  • Der Honigpreis, das ist für mich ein echtes Wunderthema!


    Warum?


    Weil die Imker die einzige mir bekannte Produzentengruppe ist, die sich schämt, ihre Produkte angemessen auszupreisen, obwohl es gar keinen Preisdruck gibt! Die sogar Probleme hat, die Preise wenigstens der allgemeinen Inflation anzugleichen!


    Imker finden nichts dabei, ihre Produkte zu verramschen zu Preisen von vor Jahrzehnten und gleichzeitig bei der Ausrüstung ohne zu murren Preise von heute zu bezahlen.

    Erstaunlich viele Imker jammern, dass sie ihren Honig nicht losbekommen, freuen sich aber gleichzeitig, wenn immer mehr neue Imker anfangen oder fordern sogar dazu auf, möglichst auch noch mitzumachen...


    Imkern kann jeder, ohne Zugangsbeschränkung wie in anderen Handwerksbereichen - damit auch viele, die "nur so imkern wollen", ihr Geld woanders verdienen und daher den Honig gern verramschen und so aber anderen Imkern den Markt schwer machen, die glauben, sich am regionalen Preisniveau orientieren zu müssen (und das sind die meisten!).

    Dabei könnten eigentlich genau die Imker, die nicht darauf angewiesen sind, besonders hohe Preise verlangen!


    Und dieses merkwürdige Problem mit fairen Honigpreisen haben wir, OBWOHL wir in Deutschland nur 20% des benötigten Honigs erzeugen - also eine ganz andere Situation wie am Milchmarkt vorliegt! Was hier falsch läuft, ist mir ein Rätsel. Imker sind doch sonst auch so geizig?!?


    Wer seinen Honig billig verramscht, hat kein sichtbares Unterscheidungsmerkmal mehr zu den Ramschonigen in den Discountern.


    Wir bieten aber doch viel wertvolleren Honig an, oder? Unser Honig ist heimisch, regional, sein Verkauf unterstützt heimische Imker und damit heimische Bestäubung, sein Transportweg ist kurz, es gibt bei uns keine üblen Behandlungsmittel wie sie in den Übersee-Honiglieferländern durchaus erlaubt sind usw. usf.!


    Meiner Erfahrung nach sind den Kunden, die bei uns kaufen, genau diese Neben-Mehrwerte beim heimischen Honig wichtig und sie sind es ihnen auch wert, dafür mehr zu zahlen.

    Wir können (und wollen doch hoffentlich) nicht mit den Weltmarkt-Billighonigen konkurrieren! Kunden, die den kaufen wollen (oder mangels Geld müssen), sind nicht unsere Kunden, sondern die der Discounter.


    Kein Kunde in unserem Land muss wegen Geldmangel auf Honig verzichten, höchstens auf regionalen Honig zu fairen Preisen.

    Ich finde: Leute mit Geldmangel wollen (und müssen) aber die Welt nicht retten! Das können (und sollen!) die tun, die das Geld dafür haben!


    Und genau das sollte doch unsere Kundenzielgruppe sein! Leute mit mehr Geld, die es sich leisten können, solche Neben-Produkteigenschaften wie oben genannt zu finanzieren und Leute mit mehr Bildung die das auch wollen, weil sie sich weitere reale und virtuelle Mehrwerte davon versprechen.


    Und von diesen Leuten gibt es viele bei uns, am Geld fehlt es nicht, das sieht man, wenn man nur mal die Einkaufskörbe anschaut!


    Preise haben auch was mit Wertschätzung zu tun, nicht umsonst heißt es "was nix kostet, ist nix wert". Die Wertschätzung liegt im Auge des Käufers, NICHT im Materialwert des Produktes!


    Honig ist kein Grundnahrungsmittel, sondern ein Luxusprodukt. Ein Genussmittel. Niemand braucht wirklich unbedingt Honig. Wer ihn trotzdem will, ist bereit einen fairen Preis dafür zu bezahlen.


    Daher sollte man, wenn schon keine Luxuspreise, so doch zumindest faire, angemessene Preise verlangen. Ruhig auch mal mit vergleichbaren, aber viel minderwertigeren Produkten wie Marmelade vergleichen. Wo stecken mehr Materialwert, gesunde Inhaltsstoffe, Arbeit, positive Nebeneffekte bei der Herstellung drin? Darf Honig da wirklich nicht deutlich mehr kosten als Marmelade?!?


    Orientierung an den regionalen Preisen rundum ist m.E. nach der falsche Weg, denn diese Preise sind aus den anfangs genannten Gründen meistens viel zu niedrig, Preise von unter 5,5 EUR halte ich sogar für selbstbetrügerisch und Selbstausbeutung, von der Ausbeutung und fehlenden Wertschätzung der Arbeitsleistung der Bienen will ich da noch gar nicht reden.


    Auch wer sich selbst betrügt ist ein Betrüger! Wer Honig billig verramscht, verramscht letztlich auch die Lebensleistung seiner Bienen, wie ein herkömmlicher Massentierhalter der in seinem Tierbestand nur Verbrauchsmaterial sieht und es auch so behandelt.


    Wenn man sich mal (als Nicht-Berufsimker) von dem Gedanken befreit, dass man wie jene möglichst viel Honig möglichst schnell verkaufen muss und stattdessen lieber mal versucht, weniger Honig zu produzieren, dafür aber höhere Preise zu erzielen, kommt man automatisch zu faireren Preisen. Und hat ganz nebenbei auch noch weniger Stress und Arbeit und dadurch sogar mehr Freude an seinen Bienen.

    Denkt mal darüber nach!

    ICH verkaufe lieber weniger Honig für mehr Geld als genau umgekehrt.


    Bereits in zwei Vorträgen bei uns hat jemand Zahlen aus einer Preiskommission des DIB vorgestellt - ich habe irgendwo hier auch mal davon geschrieben. In dieser Kommission wurde mal überschlagen, wie ein fairer Preis mindestens aussehen müsste, damit man als Imker wenigstens NICHT draufzahlt.


    Die Zahl war beim ersten mal irgendwo bei knapp 6 EUR. Beim 2. Mal (das war 2016) waren sie bei 6,35 EUR pro 500g-Glas. Angesetzt wurden vor allem Material, Benzin und für einen sehr geringen Kernaufwand an Zeit haben sie den aktuellen Mindestlohn angesetzt und damit berücksichtigt, dass viele Imker glauben, ihre Zeit nicht rechnen zu müssen, weil es ja Hobby ist.


    Ich finde (und halte es selbst auch so), dass man als tüchtiger Imker, der ein hochwertiges Produkt so gut wie möglich herstellt, nicht unter den DIB-Vorschlägen bleiben sollte. Obwohl ich gar nicht beim DIB bin!


    Gruß

    hornet

    Ja, spinn' i oder bien i?

    Dieser Beitrag wurde bereits 1 Mal editiert, zuletzt von hornet () aus folgendem Grund: Wegstaben verbuchselt

  • Könntet ihr mir argumentative Unterstützung geben, die ich meinem Kunden weitergeben kann. Kurz und knapp. Denn lange Erklärungen wecken den Eindruck, dass man (ich) sich für die Preiserhöhung rechtfertigen wolle.

    Ich habe (im Nachhinein) den Fehler gemacht, mit zu niedrigem Preis anzufangen. Als Anfänger hatte ich noch nicht so den Mut gegenüber meiner "Konkurrenz ". Jetzt, nach vier/fünf Jahren und gewachsenm Verständnis für den Bien, habe ich (im Ernst) ein unwohles Gewissen den Honig so günstig zu verkaufen.

    Ich glaube aber, dass ich die Akzeptanz des Kunden in einer kurzen Argumentation erreichen kann. Nicht in einer langen "Rechtfertigung".


    Danke

  • Vielen Dank hornet für diese tolle Argumentation! Sollte man wirklich ernst nehmen. Es ist dann halt wie überall - wenn nicht alle in der Region mitziehen, bleibt man als Einziger u.U. auf dem Honig sitzen. Aber du hast schon Recht - wenn man nicht auf den Verdienst angewiesen ist, ist es dann wahrscheinlich sogar besser, den Honig zu verschenken als Preisdumping zu unterstützen...

    Vielen Dank auch für die anderen Antworten, ich werde beim nächsten Supermarktbesuch mal die Preise studieren und mich für's nächste Jahr dann eher am "oberen Ende" der regionalen Preise oder eben sogar drüber orientieren, mal sehen wie es überhaupt anläuft. Da es bei mir reines Hobbyimkern ist, bin ich ja zum Glück nicht auf 10 mehr oder weniger verkaufte Gläser angewiesen.

  • Sonnenblume ,

    das habe ich mir aus dem IF notiert, weil es mir sehr anschaulich erschien:


    Was kostet eine Tasse Kaffee im Lokal oder......
    sollte "guter" Honig nicht genauso viel kosten wie "böse" Zigaretten?


    oder auch das:

    Den Preis macht nicht der Imker, sondern der Kunde durch seine Nachfrage.


    wenn du nicht den höheren Betrag xy verlangst wird ihn dir auch keiner zahlen.


    mit etwas "Augenzwinkern" vielleicht auch das:

    Nur begrenzte Menge, vor wenigen Stunden nachts bei Vollmond (war Zufall)geerntet, ungerührt , und nur 2x im Jahr zu bekommen.


    sorry für die namenlosen Zitate, die habe ich mir nicht notiert. Stammt alles aus dem IF.


    Gruß Doro