«Better Queens» (Jay Smith, 1949) – warum machen es alle anders?

  • Danke für die weiteren Antworten! Einerseits scheinen also die Kunststoffhilfsmittel einen wesentlichen Vorteil verschafft zu haben und andererseits dürfte Mr. Smith der Differenz Eier -- Larven zuviel Bedeutung zugemessen zu haben. Ich werde mich also nächstes Jahr bei meinen ersten Versuchen nur auf die anderen Bedingungen konzentrieren und nicht mit Wabenstreifen basteln, sondern "normal" umlarven. Irgendwann einmal kann ich vielleicht beides parallel versuchen ...

    «Wer heute die Dunkle Biene, die Carnica oder die Buckfast will, findet dieselbe Ausgangslange vor: Allein intensives Züchten und gepflegte Belegstationen entscheiden darüber, ob sich die gewünschte Rasse halten, bzw. erhalten lässt. Der Unterlassungsfall nennt sich Swissmix, hat alle erdenklichen Eigenschaften und ist vor dem Anspruch der Biodiversität wertlos» (aus: mellifera.ch-Magazin, April 2018, S. 10).

  • Danke für die weiteren Antworten! Einerseits scheinen also die Kunststoffhilfsmittel einen wesentlichen Vorteil verschafft zu haben und andererseits dürfte Mr. Smith der Differenz Eier -- Larven zuviel Bedeutung zugemessen zu haben.

    Das finde ich eine hervorragende Zusammenfassung!

  • Danke für die weiteren Antworten! Einerseits scheinen also die Kunststoffhilfsmittel einen wesentlichen Vorteil verschafft zu haben und andererseits dürfte Mr. Smith der Differenz Eier -- Larven zuviel Bedeutung zugemessen zu haben. Ich werde mich also nächstes Jahr bei meinen ersten Versuchen nur auf die anderen Bedingungen konzentrieren und nicht mit Wabenstreifen basteln, sondern "normal" umlarven. Irgendwann einmal kann ich vielleicht beides parallel versuchen ...

    interessant ist folgendes: http://www.imkerhomepage.de/imkerpraxis/much_2/much_2.html


    ich zitiere mal:


    Auch das Umlarven halte ich für eine züchterische Verirrung. Man darf halt einfach nicht mit einem Eisenlöffel so etwas Zartes und Feines, wie es eine eintägige Made ist, auflupfen, umklauben, als wär's ein Brot, das man mit der Ofenschaufel aus dem Backofen hebt. Man repariert ja auch nicht mit einem Stöpselzieher eine Damenuhr und rasiert sich nicht mit einer Sense. Jedes Ding hat sein Maß. Darum ist und bleibt das Umlarven ein roher Eingriff in die Zartheit des keimenden Lebens. Königinnenfabrikanten pflegen auf den Grund ihrer künstlichen Weiselnäpfchen einen Tupfen königlichen Futtersaftes abzustreifen. Diesen königlichen Futtersaft entnehmen sie natürlichen Weiselwiegen, aus denen sie die fette Rundmade entfernt haben. Inzwischen dürfte es sich auch bis zur letzten Bienenhütte herumgesprochen haben, dass der königliche Futtersaft 1. täglich eine andere Zusammensetzung hat und 2. nicht konserviert werden kann. Wer also trotzdem unpassenden Futtersaft in die Weiselnäpfchen schmiert und darauf eine eintägige Made legt, gleicht einer Mutter, die ihrem Neugeborenen gestockte Milch oder einen Pudding von der vorigen Woche füttert.


    Die angegebe Quelle auf der Seite: Romedius Girtler “Der Bienen - Much” / Leipziger Bienenzeitung / November / 1956


    Geht ja in die ähnliche Richtung. Vielleicht ist da ja wirklich was dran. Vielleicht net viel aber ausschließen würde ich es nicht gänzlich.

  • Stimmt, das geht in die selbe Richtung:

    Der Verfasser hat, vor über sechzig Jahren, gemutmaßt, das die Technik des Umlarvens ein Irrweg ist.


    Und Jahrzehnte später zeigt die Praxis, daß diese Technik so erfolgreich ist, daß kein Züchter auf sie verzichten will.


    Eine einfache Möglichkeit um statt umzularven zu müssen, umeiern zu können, gäbe es ja mit der Kassette von Nicot.

    Wirklich durchsetzen konnte die sich aber anscheinend nicht.


    Ich persönlich denke, selbst wenn die Entwicklung aus einem Ei Vorteile haben sollte, diese wahrscheinlich so marginal sein dürften, daß sie, wenn die gesamten andern Zuchtbedingungen stimmen, keine Rolle spielen werden.

    Und wenn die Bedingungen schlechter sind, reißt man das durch Verwendung eines Eies sicher nicht mehr raus...

  • Ich glaube schon, dass Smith usw. in Ihren vielen Jahren der Zucht etwas bemerken konnten, was man in wenigen Jahren eher nicht bemerkt.

    Aber wie so oft denke ich nicht, dass man sich hinstellen kann und sagen kann, das sind die zwei Faktoren die dafür sorgen, dass die Königinnen super sind.

    Smith hat ja auch die Königinnen nur relativ wenig Eier pro Tag legen lassen und dann diese Eier verwendet. Vielleicht war das viel wichtiger als der Verzicht auf das Umlarven.


    Ich glaube schon, das sich die Methoden durchgesetzt haben die erst mal offensichtlich keinen unterschied machen, aber wesentlich "einfacher" umzusetzen sind. Da liegt nämlich der Hund begraben wer setzt sich wirklich hin und vergleicht die verschiedenen Methoden gegeneinander über viele Jahre.

  • Nur eine kleine Bemerkung, damit wir uns nicht falsch verstehen, Messad : Aus meinem Eröffnungsbeitrag sollte hervorgehen, dass ich für diese Diskussion alle anderen Faktoren ausblenden wollte. Smith hat in seinen langen Jahren der Zucht ein Gespür für optimale Bedingungen entwickelt und auch beschrieben, wie diese aussehen müssen. Da habe ich nichts anderes als das gesehen, was Züchter wie Bernhard heute noch vorstellen. Die offensichtlichste Abweichung besteht nur bei den genannten zwei Faktoren, die Smith dann aber gerade als die durchschlagendsten Erkenntnisse dargestellt hat. Darüber wollte ich diskutieren. Es geht hier also von Beginn weg nur um diese zwei Faktoren und darum, welche Bedeutung diese insgesamt wohl haben. Offenbar ist es nun tatsächlich so, dass diesen Faktoren nicht jene entscheidende Bedeutung zukommt, die Smith beschrieben hat … Abgesehen davon haben Deine Einwände schon auch etwas für sich.

    «Wer heute die Dunkle Biene, die Carnica oder die Buckfast will, findet dieselbe Ausgangslange vor: Allein intensives Züchten und gepflegte Belegstationen entscheiden darüber, ob sich die gewünschte Rasse halten, bzw. erhalten lässt. Der Unterlassungsfall nennt sich Swissmix, hat alle erdenklichen Eigenschaften und ist vor dem Anspruch der Biodiversität wertlos» (aus: mellifera.ch-Magazin, April 2018, S. 10).

  • Es liegt schon auch an der Qualität des Zuchtstoffs! Also Eier von jungen Königinnen sind größer und die Nachzuchten einjähriger Königinnen sind qualitativ hochwertiger als von zweijährigen. Diese wiederum hochwertiger als von dreijährigen Königinnen. Sagte meine ich Dr. Bienefeld heuer auf der Züchtertagung der Gemeinschaft der europäischen Buckfastimker in Neuenstein/Aua. Daher nimmt der Züchter den Zuchtstoff am besten von vorgeprüften Königinnen, die im zweiten Jahr dann in einer kleinen Einheit mit gebremster Legeleistung sind. Die 1/3 wo das Ei der zweijährigen kleiner im Volumen ist gegenüber dem Ei der einjährigen wird dadurch ausgeglichen...

    :u_idea_bulb02:

    Die Nachzuchten der zweijährigen werden daher vergleichbar gut in der Leistung...

    :wink:

    Grüße Luffi


    Nicht weil es schwer ist, wagen wir es nicht, sondern weil wir es nicht wagen, ist es schwer. :u_idea_bulb02:

    (Lucius Annaeus Seneca - römischer Politiker, Dichter und Philosoph - * 4 v.Chr, † 65)

  • Ergänzung/Richtigstellung:


    Ich habe mal in meinen Aufzeichnungen und meine Fotos zum Vortrag von Herrn Dr. Bienefeld nachgesehen und folgende Zahlen mir zu den Eigrößen notiert:


    0-jährige Königin: 0,48 mm² (=100,0 %)

    1-jährige Königin: 0,38 mm² (=79,2 %)

    2-jährige Königin: 0,32 mm² (=66,7 %)


    Es sind also 1/3 weniger Oberfläche des Eis der 2-jährigen gegenüber der 0-jährigen Königin (=Richtigstellung)


    Wie geschrieben: Das war eine Folie auf der Züchtertagung.


    Ergänzung:


    Interessant ist auch, dass die Sterblichkeit des Embryos innerhalb der Nachkommen einer Königin deutlich zunimmt:


    0-jährige Königin: 9,1 %

    1-jährige Königin: 12,5 %

    2-jährige Königin: 30,7 %


    An Ursachen des Alterseffekt der Mutter auf die Nachkommen nannte Herr Bienefeld:


    - geringere Eigröße und damit schlechtere Startbedingungen für Nachkommen älterer Königinnen


    - Zunahme von Punktmutationen von (nur mütterlich) vererbten Mitochondrien


    Drohnen sterben zwar jung beim Begattungsflug, aber deren abgespeichertes Sperma in der Samenblase der Königin wird immer älter. D.h. es nimmt auch die Bewegungsgeschwindigkeit ab:


    0-jährige Königin: 33,4 µm/s

    1-jährige Königin: 27,2 µm/s

    2-jährige Königin: 18,6 µm/s


    Und auch der Abfall der CS (Citrat Synthase) und Agk (Arginin Kinase) Aktivität deuten auf eine altersbedingte Schädigung der Mitochondrien der Spermien hin.


    Als Konsequenzen empfiehlt Dr. Bienefeld daher:


    Für Imker:

    - jährlich (!!!) umweiseln


    Für Züchter:

    - Selbstverständlich Nutzung von älteren Königinnen zur Zucht

    - Nur Leistungsprüfung von gleichalten Völkern (keine 2-jährigen im Standdurchschnitt)

    - Bei älteren Zucht-Königinnen Brutnest reduzieren, um größere Eier zu erzeugen


    So weit die Aussagen von Herrn Dr. Caspar Bienefeld im März 2017 auf der Züchtertagung der Gemeinschaft der europäischen Buckfastiumker (GdeB) in Neuenstein / Aua.


    :u_idea_bulb02:

    Grüße Luffi


    Nicht weil es schwer ist, wagen wir es nicht, sondern weil wir es nicht wagen, ist es schwer. :u_idea_bulb02:

    (Lucius Annaeus Seneca - römischer Politiker, Dichter und Philosoph - * 4 v.Chr, † 65)

    Dieser Beitrag wurde bereits 1 Mal editiert, zuletzt von luffi () aus folgendem Grund: Jahreszahl von 2018 auf 2017 berichtigt. Danke Hermann 💓

  • Das hast du sehr schön zusammen gefasst, Luffi!:daumen:

    Und Weiß hat hat schon vor ca.40 Jahren die Zucht aus dem Ei mit anderen Methoden verglichen.

    Ergebnis laut Ruttner und Weiß : mehr Arbeit bei gleichem Ergebnis.

    Man hätte nur auf Bruder Adam hören müßen.....

    Wichtig ist das Alter der Larve und die Quallität des Eis.

    db

    12er DD, und Buckies, gaanz sicher!

    Der Pessimist sieht die Schwierigkeit in jeder Möglichkeit!

    Der Optimist sieht die Möglichkeiten in jeder Schwierigkeit!

    W. Churchill

  • Danke für diese ausführlichen Anmerkungen, luffi !

    «Wer heute die Dunkle Biene, die Carnica oder die Buckfast will, findet dieselbe Ausgangslange vor: Allein intensives Züchten und gepflegte Belegstationen entscheiden darüber, ob sich die gewünschte Rasse halten, bzw. erhalten lässt. Der Unterlassungsfall nennt sich Swissmix, hat alle erdenklichen Eigenschaften und ist vor dem Anspruch der Biodiversität wertlos» (aus: mellifera.ch-Magazin, April 2018, S. 10).

  • Ich kann wirklich nur eindringlich empfehlen die Bücher von Bruder Adam zu lesen, wenn er bessere Königinnen haben möchte.


    Gerade die beschriebene Methode zur Königinnenzucht sind eine Bank, für jeden der es probieren möchte. Und es müssen ja nicht gleich 50 oder 60 Zellen gestartet werden. Auch 10 oder 15 gute Königinnen kann man damit gut erbrüten...

    :daumen:

    Ich hätte gerne so ein Buch aber sie sind so teuer.Eins kostet 80 Euro.

  • Den Beitrag finde ich sehr interessant. Ich bin Hobbyimker mit etwa 12 Völkern und würde gerne, falls sie gut aus dem Winter kommt, von einer 2016er Königin mit sehr guten Eigenschaften nachziehen. Wie könnte ich mit einfachen Mitteln das Brutnest einengen, ohne die Schwarmgefahr stark zu erhöhen? Gibt es sonstige besondere Risiken dabei?

    Karl

    Etwa 12 Völker auf Dadant an etwa 4 Standorten. "Bienenrasse":roll:: Bunte Mischung aus Carnica und Buckfast.

    Dieser Beitrag wurde bereits 1 Mal editiert, zuletzt von DerBergische ()