Wann honigt Springkraut ?

  • Werbung

    Genau.

    Springkraut schadet im Normalfall niemandem wirklich, auch nicht anderen seltenen Pflanzen und Tieren, von wenigen eng begrenzten Extremstandorten vielleicht abgesehen, das will ich nicht ausschließen. Und die häufigen Arten bei uns vertragen die etwaige Konkurrenz durch Springkraut seit Jahrzehnten sehr gut.


    Umgekehrt bringt das Springkraut durch sein reichhaltiges Nektarangebot wenigstens einen kleinen Ausgleich für das durch den Menschen vernichtete natürliche Nektarangebot.


    Es wäre übrigens mal interessant zu wissen, ob sich die Ökofanatiker Gedanken machen (müssen) über die Eigentumsverhältnisse? Ob sie einfach so auf fremden Grundstücken im größeren Umfang herumwüten dürfen, ohne vorher gefragt zu haben?


    Gruß

    hornet

  • Schönen guten Abend zusammen!


    Ich muss zugeben, auch ich bin beim Thema Neophyten hin und her gerissen, entwickle aufgrund von u. A. Themen wie dem hiesigen langsam aber sicher eine von meiner ursprünglichen weg driftende Meinung.

    Ohne Frage sind (je nach Saison gerne auch medial präsent) Indisches Springkraut, Kanadische Goldrute, Japanischer Staudenknöterich, Riesenbärenklau, Robinie und viele andere Pflanzen mehr oder weniger deutlich erkennbar bei uns nicht ursprünglich heimisch. Und ohne Frage kann es sein um nicht zu sagen ist es so, dass sie einheimische Arten verdrängen / reduzieren / generell beeinflussen.

    Ebenso steht meiner Einschätzung auch außer Frage, dass all` diese Pflanzen es ohne den Menschen in der geologisch kurzen Zeit nicht geschafft hätten, sich so fern ihrer ursprünglichen Heimat anzusiedeln bzw. dort- / und somit hierhin zu gelangen.

    Weiterhin halte ich es für ganz klar, ob es dem Einzelnen gefällt oder nicht, dass all` die genannten Pflanzenarten nie nimmer nicht mehr mittels menschlicher Einflussnahme auszurotten sein werden. Oder auch nur in einem definierten Gebiet kontrollierbar bleiben.


    In der Folge macht es nur Sinn, sich mit den Neophyten und zudem Neozoen zu arrangieren, was andererseits jedoch nicht heißen soll diese uneingeschränkt schalten und walten zu lassen.

    Speziell und exemplarisch Goldrute und Springkraut haben die eingangs genannten Vorteile für Teile der heimischen Fauna im Sinne einer hoch- und spätsommerlichen Nektar- & Pollenversorgung.

    Daher ist es in meinen Augen eine ausgesprochen komplexe Thematik, die aus mehr als "Ich reiß` aus was geht!" oder "Lass` mal wachsen, reguliert sich schon irgendwie irgendwo irgendwann selber." bestehen sollte und der sich sicherlich mit einer von gesundem Menschenverstand geprägter Herangehensweise und Massnahmen im Bereich eines gangbaren Mittelweges am günstigsten für alle Beteiligten begegnen lassen sollte.


    Mittelnde Grüße

    Patrick

    Et kütt wie et kütt und et hätt noch immer jut jejange!

  • Patrick Johannes :


    Wie sähe denn konkret der von dir genannte "gangbare Mittelweg" aus?


    Man kann nicht alle Neobiota (=Neozooen und Neophyten und Neomyceten) gleich behandeln.


    Es gibt

    1) harmlose

    2) invasive, aber weitgehend unschädliche/unproblematische

    3) invasive und vorübergehend schädliche, dann aber wieder zurückgehende

    4) invasive und dauerhaft höchst schädliche, ggf. sogar immer schlimmer werdende


    Neobiota.


    Und manche sind je nach Region (z.B. in der Schweiz anders als in Deutschland) in einer anderen Kategorie einzuordnen. Und man muss unterscheiden zwischen ökologisch und wirtschaftlich problematischen Neobiota.


    Mal ehrlich: Die allermeisten fallen in die Kategorie 1. Viele noch in 2.

    Ganz wenige (also WIRKLICH wenige) in 3.

    Und äußerst selten in 4. Ich wüsste keine Art in Deutschland, die ich in 4 stecken würde.


    Ein Kraut wie das Springkraut, das seit vielen Jahrzehnten flächig unterwegs ist, ohne dass tatsächlich ernsthafte wirtschaftliche oder ökologische Schäden zu beobachten sind, kann meiner Meinung nach unmöglich in eine Kategorie 3 oder gar 4 eingestuft werden.

    Wenn es aber nur 2 oder 1 ist - warum sollte man es dann generell bekämpfen?


    Wie gesagt, extreme Sonderfälle mag es geben, aber doch nicht in der Fläche, so dass Otto-Normal-Bürger hier als Blockwart auftreten müsste!


    Gruß

    hornet

  • Ich meinte, gelesen zu haben, dass viele von der Eiszeit verdrängte Pflanzen, ihren Weg zurück zu ihrer ehemaligen Heimat finden. Wer weiß, vielleicht sind einige "Fremdlinge" eigtl ursprünglich hier mal vor tausenden von Jahren beheimatet gewesen? ;-) Ich denke auch, dass die größeren Flora/Fauna-Probleme auf dem Acker zu finden sind. Und diese "stark invasiven" Pflanzen, wie Kartoffel&Co, haben das Glück, dass sie eine starke Lobby haben. Was glaubt ihr, wie die Felder aussehen werden, wenn sich herausstellen sollte, dass eine Brühe aus indischem Springkraut die Pfunde purzeln lässt oder Schwangerschaften ermöglicht (Späßle ;))? Es ist alles eine Frage des Nutzens. Solange sich nur Insekten und der ein oder andere Imker daran erfreut, gilt diese Pflanze grundsätzlich als bedrohlich für Flora und Fauna.

  • Ich bin zwar viel zu faul, durch die Lande zu ziehen und dem Springkraut den Krieg zu erklären aber zumindest halte ich das nicht für falsch.

    Springkraut jedenfalls verdrängt sehrwohl die einheimische Flora und Auswirkungen auf Fauna sind wohl schwierig abzuschätzten. Jedenfalls führen die Springkrautfelder gerade entlang von Bach- und Flussläufen zu Bodenerosion. Das liegt daran, dass es viel weniger tief wurzelt als unsere einheimischen Pflanzen (man kann es ja auch ohne viel Kraft ausrupfen).

    Aus Imkersicht profitiere ich zwar vom Springkraut, ich gehöre aber definitiv nicht zu den Imkern, die es auch noch verbreiten. Ausserdem schmeckt Springkrauthonig nicht, lohnt sich also nicht zu ernten :)

  • Ausserdem schmeckt Springkrauthonig nicht, lohnt sich also nicht zu ernten :)

    Ich finde es lustig, wie Imker bei der kulinarischen Beurteilung von Honig immer wieder von sich auf andere schließen. Ich hatte bisher leider nur einmal Gelegenheit, Springkraut-Honig zu probieren (hoffe, dass die Deklaration korrekt war) und fand ihn lecker.

    Karl

    Etwa 12 Völker auf Dadant an etwa 4 Standorten. "Bienenrasse":roll:: Bunte Mischung aus Carnica und Buckfast.

  • Hallo,


    Springkraut ist auch ein leckerer Honig.


    Wir hatten im Nachbarort vor Jahren auch eine Aktion, da aktivierte ein "Naturschützer" eine ganze Grundschulklasse, die mit Ihm, der Lehrerein an einem Tag an einem Mühlbach rupfen waren.


    Bei der nächsten Imkerversammlung hat mir der dort örtliche Imker (hoch in den siebzig damals) erzählt wie er einige Tage danach wieder Samen dort verloren hat ....


    GdBK

    Aus der Übertreibung der Warnungen,
    ist die Unterschätzung der Realität geworden.

  • Wie ist "heimisch" definiert ? Was passiert, wenn sich die Verhältnisse klimatisch ändern, so wie vor langer Zeit ? Da wandern Pflanzen ein, die sich am besten adaptieren können.


    Der übertriebene "Konservatismus", dass alles so bleiben muss wie Menschlein es in seiner sehr überschaubaren Zeit kennt, relativiert das Urteilsvermögen zu Starrsinn.


    Meine Meinung


    Rainer

  • Na dann warte ich einmal bis Kartoffeln und Mais auch ausgerissen werden von den Naturschützern, diese Pflanzen sind ja auch nicht einheimisch... - aber da ist dann wahrscheinlich der Aufschrei groß...

  • Wie ist "einheimisch" definiert?

    Meines Wissens ist ein Organismus einheimisch wenn er länger als 50 jahre hier ist und sich in das Ökosystem einfügt. Neben Kartoffel, Mais, Tomate und ... trifft die Frage fremd oder einheimisch auch auf unser Getreide, die Rübe und etliche Gemüse zu. Unser Obst kommt bis auf wenige Ausnahmen ebenfalls nicht von hier. Aber alle längst "einheimisch". Wie wir auch!!!! Meine Wurzeln sind in Vorderasien.

    Gruß

    Harald

    Es wird in jedem Jahr Frühling, nur wann?

  • Na, dann gib dem drüsigen Springkraut doch mal 'ne Chance! Weißt Du, wie lange es schon in Deutschland oder Frankreich oder Holland oder gar in Europa wächst ?

    Vielleicht muss es nur noch 2 Jahre durchhalten...


    Beste Grüße


    Rainer

  • Hätte ich nicht gedacht! Dieses "Echo"! Es gibt aber Beispiele von "Verunkrautung" durch solche Neos, die wirklich nichtnur nicht schön sind.

    Und ich kanns eh nicht aufhalten. Die oft zitierten Arten werden nicht die letzten sein. Es gibt aber einen Schutz: Weniger Billigimporte von Pflanzen. Kein Pflanzenverkauf in Super- und Baumärkten. Die Gärtner vor Ort würde es freuen.

    Gruß

    Harald

    Es wird in jedem Jahr Frühling, nur wann?