QM-Bienenwachs

  • Ralf - mit dem Biothema hast du noch ne Möglichkeit eingebracht..
    Lasst euch doch von einer Biokontrollstelle zertifizieren. Da kauft man das wachs bei anderen Imkern und gibt es zu zugelassenen Umarbeitern. Sollte was schief laufen muss einer der beiden für das Problem gerade stehen...

  • Hm der Hardy ist auch zertifiziert ;) und wurde lange auch von BioKreis als DER Umarbeiter empfohlen und als ein BioImker gegen ihn vorging weil was nicht stimmte hat er ihn vor Gericht "fertig gemacht".


    Die Geschichte erzählt er immer wenn es ums Wachs geht ;)

    mein Fahrradlicht ist mit Lichtgeschwindigkeit unterwegs und ich ganz knapp hinterher

  • Das offenbart ja gerade und wieder einmal mehr die Unzulänglichkeit des bisherigen Systems: Die bisher verwendeten Siegel, Zertifikate etc. greifen zu kurz. Ihre Untauglichkeit wird regelmäßig in der Praxis unter Beweis gestellt: 2012 Kellmann-Skandal, der jetzige Skandal begann bereits 2 Jahre später: 2014 und konnte sich unentdeckt weitere 2,5 Jahre hinziehen usw.


    Wo liegt also eine Lösung?


    1. Die Hoffnung auf die abschreckende Wirkung von evtl. Gerichtsurteilen zu setzen, ist m.E. eine Illusion. Wenn diese eines fernen Tages überhaupt ergehen, wird ihre abschreckende Wirkung fraglich sein. a) durch den großen Zeitabstand und b) durch die Unsicherheit, ob Urteile wirklich so hart ausfallen, wie sich Mancher das jetzt wünscht. Die gerichtliche Praxis zeigt klar, das meist das Strafmaß nicht mit den Genugtuungsvorstellungen der Opfer übereinstimmt. Diejenigen, die nicht erwischt wurden, werden sich erleichtert zurücklehnen und ihr System ggf. perfektionieren. Die menschliche Rechtsgeschichte zeigt es eindeutig: Abschreckung durch harte Strafen führt keineswegs tendenziell zum Rückgang von Straftaten, eher im Gegenteil: zum Anwachsen krimineller Energie.
    2. Auch eine gesetzliche Regelung hat naturgemäße Grenzen und braucht außerdem sehr viel Zeit. Und ihr praktischer Erfolg entscheidet sich weniger an der Formulierung, als vielmehr an der freiwilligen Akzeptanz aller Beteiligten und dem staatlichen Aufwand, der zur Durchsetzung betrieben wird. ->
    3. I.d.R. kommt staatliche Kontrolle erst, wenn es (schon wieder) passiert ist - also in Bezug auf das Wachs: zu spät.
    4. Das Problem, wie das jetzt massenhaft verbreitete gefälschte Wachs wieder aus dem Kreislauf entfernt werden kann, wird weder durch Urteile, noch durch eine WachsVO gelöst.


    Wenn sich nun wirklich etwas ändern soll, ist deshalb ein grundhafter Umbau des jetzigen Systems notwendig. Dazu gibt es m.E. nur 2 Lösungsmöglichkeiten:


    - Entweder der Handel und die Arbeitsteilung bei Bienenwachs/MW kommen ganz zum Erliegen - jeder arbeitet nur noch für seinen Eigenbedarf oder


    - wenn wir die bisherige Arbeitsteilung aus Gründen der Vernunft, Arbeitsproduktivität, Qualität (ja, Qualität: Welcher Kleinimker z.B. könnte seine Kleinmengen an Wachs selbst sterilisieren?) beibehalten wollen: Die bisherige Arbeitsteilung wird durch ein QMS abgesichert, das real jedem Käufer die Eigenschaften der Ware garantiert, die der Deklaration entspricht: Bienenwachs = 100%. Alles andere ist etwas anderes - wie beim Honig - z.B. "Paraffin mit Boscalid und Bienenwachs" oder "Stearin mit..." oder "synthetisches Wachs nach dem Kohlenwasserstoffprofil von Bienenwachs" o.a.


    Vor diesen Tatsachen die Augen zu verschließen, bedeutet in der Konsequenz (gewollt oder ungewollt), das jetzige undurchsichtige und nachweislich skandalträchtige System zu reanaimieren und ihm zu einem unverdient langen Leben zu verhelfen und - nicht zuletzt - den Versuchen einer Qualitätsabsicherung in anderen europäischen Ländern in den Rücken zu fallen.
    Das sollten weder wir Imker, noch der DIB als deren Interessenvertretung, noch seriöse Umarbeiter wollen.

  • Ein QMS/Zertifikat erfordert eigentlich eine Individualisierung - zumindest des Herstellers, idealerweise jeder Charge. Die Stempelung von Packpapierpaketen - ob mit oder ohne aufgepapptem Briefmarken"siegel" (mit KontrollNr., die keine ist, wie wir vom FBA wissen) - ist hierfür keine akzeptable Möglichkeit.


    Auch zum Berufsimkertag in Celle wurde lediglich diese Frage aufgeworfen, aber von keinem der Umarbeiter oder Walzmaschinenhersteller beantwortet. Sollte das im Zeitalter von Laser, Mikrobeschichtung, individuell einstellbaren Klebern bzw. Mikrochips so schwer sein? Was spräche bspw. dagegen:


    1. zunächst einmal die Prägewalzen jeder MW-maschine mit einem offen sichtbaren Signet UND nach einem Codierungssystem in einzelnen Wabenzellen so zu verändern, daß zumindest diese Maschine/Hersteller an jeder damit produzierten MW ablesbar ist - sowohl auf den ersten Blick am Signet, als auch auf den zweiten, nur Eingeweihten zugänglichen Blick auf den Code?


    2. Die Prägewalzen am Beginn jeder Charge mit ablösbaren Füllungen einzelner Zellen nach v.g. Code zu individualisieren, so daß man später jede MW chargengenau zuordnen kann?


    3. Oder sind Mikrochips/MW-Paket oder gar /MW denkbar, die zudem ähnlich einem Pfandsystem bei Altwachseintausch vom Imker zurückgeliefert werden und so den Vorteil böten, die Herkunft seines eingelieferten Altwachses einigermaßen sicher belegen zu können?


    Damit seien die Maschinenbauer, Verfahrenstechniker und nicht zuletzt die walzenden Praktiker gefragt.

  • Man sollte auch auf dem Boden der Tatsachen bleiben :)
    Die meisten deiner Ideen sind leider nicht umsetzbar.
    Ich besitze zum beispiel 3 Sätze Walzen, gefertigt in China, in Russland, und in Deutschland. Wie willst du allein bei den 3 Herstellungsländern eine einheitliche Gravur erreichen, somit müssten Walzen unter eine Handelskontrolle oder Handelsbeschränkung liegen. Alles was ins Wachs geprägt wird wird von der Biene überbaut - ist also dann auch nicht mehr nahweisbar.
    Alle Stempel, Siegel oder alles was auf Papier ist kann man fälschen.
    Eine Ablösbare Füllung in die Zellen? bei jeder Mittelwand? Das ist weder realistisch noch bezahlbar, da du nie sagen kannst, wo auf der Walze der Anfang der neuen Mittelwand ist.
    Mikrochips? Dann braucht man gleich noch nen Aluhut um vor der totalen überwachung geschützt zu werden - oder ernst gemeint, man kann auch im Elektronikbereich alles fälschen.
    Und nachdem in meinem Lebenslauf eine Ausbildung als Elektriker, eine Fortbildung zum Techniker, und ein Studium zum Maschinenbauingenieur steht glaube ich, dass ich da halbwegs kompetent antworten kann.
    Sobald man das Wachs aus der Hand gibt muss man dem Umarbeiter vertrauen, vertraut man ihm nicht sollte man ihm sein Wachs nicht geben und selbst umarbeiten.


    Ich mache hier mal keine Eigenwerbung.. .
    Ich bin halbwegs begabt in Metallbearbeitung und Elektronik. Für 4000 Euro (Material und Arbeitskosten) baue ich einen Vollautomaten der 30 Kg Wachs zu fertigen Mittelwänden die Stunde schafft. Das kann sich jeder Verein Leisten, oder man arbeitet im Verein mal zusammen und baut sich die Kiste selbst, soooo viel ist da nicht dabei.
    Und bitte keine Anfragen, ich bin in den Saisonvorbereitungen und nehme keine Aufträge mehr an - also selbst bauen! :)
    Ich habe für meinen Betrieb 2 Anlagen angeschafft mit der Ich die Echtheit von Wachs zu 99,999 Prozent bestätigen kann, aber auch nur weil ich die Teile günstig bekam, und auch im Hobby-bzw. Privatbereich brauchen kann. Derartige Geräte wird sich kein Umarbeiter ins Lager stellen, zu teuer, zu komplex, zu aufwändig.

  • Ein QMS/Zertifikat erfordert eigentlich eine Individualisierung - zumindest des Herstellers, idealerweise jeder Charge. .


    ich finde, das hat es schon ganz gut getroffen. Von uns als Honigproduzenten wird doch auch ein nachhaltiger Beweis/Nachweis, in Form von Proben-Chargen usw. verlangt. Das ist auch nicht weiter spannend, viele Lieferanten von Flüssigkeiten usw. müssen per QS nachweisen und Chargen usw. aufheben auch wenn es kein tatsächliches Ende des Produktes gibt!





    gr. Stefan

  • Man sollte auch auf dem Boden der Tatsachen bleiben :)
    Die meisten deiner Ideen sind leider nicht umsetzbar.


    Es geht ja zunächst nur darum, Ideen zu sammeln. Wenn ich mir ansehe, daß bspw. bei Katzen eine 15-stellige Codierung im Körper mit RFID-Chip (ca. 25,- EU) Pflicht ist, wenn sie in das europäische Ausland reisen oder auch nur die elektronisch gesicherte Katzenklappe zu Hause öffnen sollen, dann erscheint es mir gar nicht mehr so unrealistisch, bspw. MW-Pakete chargengenau zu kennzeichnen und ein pfandartiges Altwachsaufkaufsystem (mit Mehrfachbenutzung des Chip) aufzubauen.


    p.s.: Wieso gibt es die Chippflicht nicht längst auch für Bienenimporte mit Freigabecode durch das Vet.amt des Herkunftsortes? Sind aus dem Ausland einreisende Katzen gefährlicher als Paketbienen?

    Dieser Beitrag wurde bereits 1 Mal editiert, zuletzt von ribes () aus folgendem Grund: p.s.

  • Und weißt du wie lange ich brauche den Chip zu ändern:) Der Neue Reisepass hat genau dieses System, noch bevor der erste Reisepass offiziell ausgegeben war konnte man auf dem Schwarzmarkt Rohlinge kaufen, hergestellt in Rumänien. Wie gesagt, man kann ALLES Fälschen, meist sogar mit minimalem Aufwand.

  • Schlupflöcher bleiben sicher überall. Es kommt darauf an, sie zu verkleinern und Aufwand + Risiko für den Fälscher zu erhöhen. Bei MW-Paketchips müßte der Fälscher erst einmal den nachzumachenden Code entschlüsseln, der ja beim Umarbeiter chargenweise wechselt und - dank QMS! - auch von diesem nicht ohne erhöhtes Risiko und Aufwand in seiner gesamten Dokumentation manipuliert und jederzeit verdachtsunabhängig kontrolliert werden kann.
    Beim Altwachsrückkauf kann ja der Händler neben dem Chip auch noch die Rechnung vom MW-Kauf verlangen, um sich noch besser vor Imkerfälschungen abzusichern. Wobei ich vermute, daß der Anzreiz für Fälschungen auf der MW-Anbieterseite sehr viel höher ist als auf Imkerseite. Die letzten Skandale zeigten deutlich, daß die kriminelle Energie sehr einseitig verteilt ist.

  • Von uns als Honigproduzenten wird doch auch ein nachhaltiger Beweis/Nachweis, in Form von Proben-Chargen usw. verlangt.


    Das ist in allen sensiblen Branchen üblich, selbst bei den Wachsherstellern. Alles was die verkaufen an


    - Pharmaindustrie
    - Kosmetikindustrie
    - Lebensmittelindustrie


    unterliegt einem Qualitätsm'ment, welches den Chargenbegriff, die zugehörige Analytik und Dokumentation umfasst.


    Nur der Imker, der braucht es nicht - der setzt auf Vertrauen und Eigenumarbeitung. Und der Honig ist ohnehin natürlich und unverfälscht - das weiß doch jedes Kind in Deutschland (Ironie aus).


    Die Diskussion in Celle ist doch sehr aufschlussreich und fordert eine Gleichstellung der Imker mit den o.g. Branchen. Erst einmal QM, dann die Kennzeichnung bearbeiten - Lücken gibt es immer...


    Beste Grüße


    Rainer

  • Wobei ich vermute, daß der Anzreiz für Fälschungen auf der MW-Anbieterseite sehr viel höher ist als auf Imkerseite. Die letzten Skandale zeigten deutlich, daß die kriminelle Energie sehr einseitig verteilt ist.


    Na , mit Deiner Vermutung könntest Du, zumindest in der Anzahl der versuchten Betrügereien, daneben liegen. In der Größe und der Auswirkung des einzelnen Falles sicher nicht aber möglicherweise in der Häufigkeit.
    Ich denke da nur an Steine in den Wachsblöcken, Kerzenwachs bei der Abgabe usw.


    mfg
    hartmut17

  • Ich denke da nur an Steine in den Wachsblöcken, Kerzenwachs bei der Abgabe usw.


    Gibt es darüber nachprüfbare Fakten (wie bei den letzten 3 Wachsskandalen) oder handelt es sich ebenfalls um eine Vermutung? Steine in Wachsblöcken sind zwar Betrug, aber sie verfälschen nicht irreversibel das Wachs. Und der Einlieferer kann ohne weiteres und mit vergleichsweise geringem Aufwand dingfest gemacht werden. Das ist im wesentlichen nur eine Frage der Einlieferungsdokumentation.
    Bei dem Kerzenwachs ist es schon schwieriger, zugegeben. Aber viele Stumpen abgebrannter Kerzen kann ein einzelner Imker gar nicht sammeln, ohne in die Zone wirtschaftlichen Verlustes zu geraten. I.d.R. muß er ja zuvor die Kerzen teuer neu kaufen, nutzbringend abbrennen, um genügend Fälscherstumpen zu gewinnen. Solcher Einkauf schmälert den erhofften Gewinn ganz gehörig im Vergleich zu den Großgeschäften mit den Erdölköchen aus mancher Herren Länder.

  • ...hinweisen, dass es eine solche Zerfizierung für echtes Bienenwachs bereits gibt. Im Rahmen der Biozertifizierung wird das nämlich gleich mitzertifiziert. Wenn sich alle in der Erzeuger- und Verarbeiterkette an die Vorgaben (auch nur der EU-Richtlinie) halten, kann es keine Verfälschung geben.

    Ein aktueller Blick auf die HP eines Edelmetall-Imkers zeigt: Selbst Bio-Zertifikate werden erteilt, nach Ablauf sogar erneut (hier im August 2016) und auch nicht zurückgezogen, trotz oder ungeachtet von staatsanwaltschaftlichen Ermittlungsverfahren gegen den Zertifizierten wegen des Vorwurfs von Wachspanscherei und den inzwischen öffentlich bekannten Tatsachenberichten von Imkern, die sich betrogen sehen.

    Das Bio-Zertifikat also scheint in Bezug auf die Unverfälschtheit und Unbedenklichkeit von Bio-Bienenwachs nicht einmal das Papier wert, auf dem es steht...


    p.s.: Abgesehen davon, hat man von Überprüfungen der Bio-Zertifikate in der nachfolgenden Erzeuger-/Verarbeiterkette dieses Zertifizierten bislang ebenfalls nichts gehört. Das bisherige Bio-Zertifizierungssystem ist ungenügend, das zeigt dieses Beispiel signifikant.

    Dieser Beitrag wurde bereits 1 Mal editiert, zuletzt von ribes ()

  • Bei den Bio-Proben wurde bisher nur nach Rückständen geschaut. Seit letztem Jahr werden auf einmal auch mögliche Verfälschungen geprüft.

    Hm der Hardy ist auch zertifiziert ;) und wurde lange auch von BioKreis als DER Umarbeiter empfohlen und als ein BioImker gegen ihn vorging weil was nicht stimmte hat er ihn vor Gericht "fertig gemacht".


    Die Geschichte erzählt er immer wenn es ums Wachs geht ;)

    Mir ist mittlerweile bekannt, dass er klein beigeben musste... Nicht nur einmal und bereits vor 2015/2016, aktuell auch wieder in mind. 3 Fällen...

    Nur Schade, dass da jeder Fall einzeln behandelt wird und es kein Sammelverfahren gibt.



    Mir sind aktuell Fälle bekannt bei denen trotz jahrelanger Biozertifizierung und eigener Wachsstrecke ein erhöhter Kohlenwasserstoffgehalt festgestellt wurde. Bisher hat es noch zu keinem Schaden für den Biostatus geführt, lediglich ein kompletter Wachsaustausch inenrhalb 12 Monate wurde zur Auflage gemacht.


    Mir sind selbst Fälle bei Demeterimkern bekannt, deren "Mittelwandbeauftragter" hatte sein Wachs artig beim Umarbeiter in Auadorf umarbeiten lassen. Da will aber komischerweise keiner in die Öffentlichkeit gehen und es wurde viel geschwitzt um das Problem wieder in den Griff zu bekommen.


    Aktuell sollte doch jeder gewarnt sein, warum machen die Umarbeiter/Händler dann trotzdem noch damit weiter wie wenn nichts gewesen wäre? Analysen zu Mittelwänden die bei einer Prüfung plötzlich 4,5% mehr Kohlenwasserstoffe haben wie es die Analyse versprach?

    Gruß Markus


    Ubi apis, ibi salus 
    Wo Bienen sind, dort ist Gesundheit