QM-Bienenwachs

  • In diesem Faden wurde verschiedentlich die Zertifizierung von Bienenwachs und ein entsprechende Gütesiegel angesprochen, zuletzt in #84:
    https://www.imkerforum.de/showthread.php?t=53889


    Irgendwann wird sich die Aufregung über den aktuellen Wachsskandal gelegt haben und vieles vergessen sein - so glauben viele und hoffen einige. Der Ruf nach Qualitätssicherung für echtes, von den Bienen selbst geschwitztes Wachs wird nicht mehr gehört werden und alles kann so weiter gehen wie bisher? Kleinkinder spielen so Verstecken: Augen zu! - Und das Problem ist weg, ohne daß man sich groß anstrengen mußte?
    Ich meine: Nein. Die immer höhere Schlagzahl der Wachsskandale lehrt, daß es grundhafte Änderungen geben muß. Schnellstmöglich sogar, bevor verfälschtes Wachs massenhaft ohne jede Kontrolle und Einflußmöglichkeit in den Kreislauf eingeschleust wird.
    Dazu gehören betriebsinterne Sicherungsmaßnahmen bei Imkern wie Umarbeitern ebenso, wie ein Qualitätssiegel für Echtes Bienenwachs mit einem Auditierungssystem, wie es in fast allen industriellen Branchen üblich geworden ist. Nur bei der Wachsverarbeitung ist das bisher eigenartigerweise nicht etabliert. Welche Wachslabel zuverlässig auf Unverfälschtheit des Bienenwachses anlaßbezogen oder sogar verdachtsunabhängig - also routinemäßig - untersuchen, weiß ich nicht. Das EU-Biolabel offenbar nicht, denn ich erhielt die telefonische Auskunft eines renommierten Zertifizierers, der bisher noch nie die Unverfälschtheit hat untersuchen lassen und überdies nur bei 5% aller Kontrollen überhaupt Analysen (auf Rückstände von Akariziden) durchführen läßt.
    Die Praxis zeigt überdeutlich, daß es eben nicht reicht, wenn Kontrollen erst veranlaßt werden (können), wenn Völker verstorben sind und die Strafverfolgungsbehörden schließlich von hinreichendem Tatverdacht und Verdunkelungsgefahr überzeugt wurden.
    Verdachtsunabhängige Kontrollen dagegen gehören zwingend zu Auditierungssystemen bzw. ließen sich etablieren, wenn die Imkerschaft auf entsprechenden (muster-)vertraglichen Vereinbarungen bestünde. Der Ehrliche hat damit kein Problem und wenn sich genug daran beteiligen, wird es auch nicht so teuer wie Mancher argwöhnt. Das Argument, daß Bienenwachs schließlich schon immer gefälscht worden sei, ist nur ein Scheinargument und darf angesichts der heutigen Nachweismöglichkeiten nicht mehr ziehen.
    Makaber klingt es in den Ohren von wachspansch-geschädigten Imkern, wenn sie von Kollegen den Hinweis hören: Eigener Wachskreislauf/-strecke! - weil sie dann automatisch den unausgesprochenen Nebensatz hören: Selber schuld! oder: Warum kaufst Du MW bzw. billig ein (wobei der Preis nicht vor Panschereien zu schützen vermag). Solche Hinweise führen aber zu Streit und Spaltung in der Imkerschaft. Lachen tut dabei der Dritte, nämlich Unehrliche aus dem Kreis der Umarbeiter, der seine Geschäfte weiter im Trüben imkerlicher Unentschlossenheit und eigenbrötlerischer Duldsamkeit treiben will.
    Man kann nur hoffen, daß sich die Imkerschaft dessen bald bewußt werden und über ihren Dachverband DIB/Vertreterversammlung ihre bisher ablehnende Haltung zum Gütesiegel für Bienenwachs endlich revidieren wird. Sie hatte ihren langjährigen Vorsitzenden Dr. Schieferstein in dieser Frage ja sr. Zt. schmählich auflaufen lassen, wie ich mir anhören mußte. In diesem Faden soll es darum gehen, wie ein solches Zertifizierungssystem angelegt werden müßte.
    Konzeptionell sind die Risiken fair zu verteilen, wobei die Versäumnisse der Vergangenheit auf beiden Seiten - Imker wie Umarbeiter - zu berücksichtigen sind. 100%ige Sicherheit wird es wohl nie geben, aber die Chance auf mehr als jetzt.


    Meine Vorstellungen dazu für mustervertragliche Regelungen bzw. Zertifikatsvorgaben:


    1. Wachsaufkauf: Jeder Lieferant hat die Unverfälschtheit und Rückstandsfreiheit seiner Wachslieferung eidesstattlich zu erklären (Strafbewehrung: 10-facher Ankaufserlös) und durch Analyse eines zertifizierten Labors und Identitätsbeweis nachzuweisen. Bei Imkern im Umkreis von ...km wird statt dessen die eidestattliche/mit dem 10-fachen des Ankaufserlöses strafbewehrte Garantieerklärung abverlangt darüber: bei wem und wann sie Fremdwachs bezogen haben, das in den angelieferten Wachsblöcken enthalten sein könnte, welche Akarizide u.a. Chemikalien sie wann mit Kontaktmöglichkeit zu diesem Wachs einsetzten. Dem Ankäufer steht es frei (wenn er sich zum Ankauf entschließt und nicht doch lieber die Finger davon läßt), die jeweiligen Angaben durch ein zertifiziertes Labor überprüfen zu lassen, wobei er und der Ablieferer gemeinsam die zu untersuchende Wachsprobe entnehmen und den Zertifizierer informieren. Jede Partei bekommt 50% der gemeinsam gezogenen Probe ausgehändigt. Bestätigt die vom Aufkäufer veranlaßte Laboranalyse die Angaben des Lieferanten, hat er keinen Erstattungsanspruch der Analysekosten. Weist die Anlyse Abweichungen nach, trägt der Anlieferer die Analysekosten und hat das 10-fache des Ankaufsererlöses dem Aufkäufer als Vertragsstrafe zu zahlen. Der Zertifizierer entscheidet, ob und wie die beanstandete Charge weiter zu behandeln ist (Vernichtung bei irreparabler Grenzwertüberschreitung bzw. Verfälschung, bienenunzugängliche Ausschleusung o.a.). Die Kosten dieser Maßnahmen trägt der Anlieferer auf erste Anforderung.


    2. MW-Verkauf durch Umarbeiter an Händler bzw. Imker: Garantie zertifikatsgerechter Lieferung unter Beifügung der entsprechenden Analyse eines zertifizierten Labors (chargenbezogene Rückstandswerte quantitativ und Unverfälschtheit), fälschungssichere Verpackung mit rückverfolgbarer Chargierung. Dem Käufer steht es frei, die jeweiligen Angaben durch ein zertifiziertes Labor überprüfen zu lassen... (s.o.)


    3. Unabhängig davon führen die Zertifizierungsstellen ein zuverlässiges Auditierungssystem der teilnehmenden Umarbeiter und Händler mit entsprechenden Kontrollen incl. verdachtsunabhängigen Laboranalysen ein, wie das in anderen industriellen Bereichen bspw. in der Pharmaindustrie üblich ist. Die Gebühren für das vom DIB zu vergebende Wachssiegel legt der DIB eigenständig fest, ebenso
    die Eckpunkte der Zertifizierung, Kontrollhäufigkeit (anfänglich dichter, später nach Ausschleusung nenneswerter Falschwachsmengen evtl. nachlassend) etc..

  • Vor Weihnachten kommt in manchen Regionen traditionell Knecht Ruprecht. Der findet immer klare Worte und faßt manchmal recht grob zu. Manchmal verspätet er sich - warum nicht auch diesmal?
    Die Termine für die Vertreterversammlungen findet jeder Imker hier:
    http://deutscherimkerbund.de/Kalender.php?site_id=5


    p.s: Wie Beemax sehr treffend sagt (#85): Wir Imker sind nicht nur nicht ganz unschuldig am Skandal, sondern liefern die Hauptsache: Die Ware!
    https://www.imkerforum.de/showthread.php?t=53889&p=525596#post525596
    In Strafverfahren wird tätige Reue belohnt. Warum nicht auch hier?


    p.s.2: Wer Mitglied im Dib ist und wer bis wann Anträge stellen darf und wer das höchste Organ beim DIB ist, das alles und noch viel mehr steht hier:
    http://deutscherimkerbund.de/u…vor/Satzung_DIB._2013.pdf

    Dieser Beitrag wurde bereits 3 Mal editiert, zuletzt von ribes () aus folgendem Grund: p.s.

  • Das kann man nur unterstreichen!
    Und ob das Qualitätsm'mentsystem ein ISO 900x ist, wie in dem zitierten Faden erwähnt, sei dahingestellt. Wichtig ist, dass die Interessengemeinschaft der Imker, einschl. derer Vertretung DIB die Angelegenheit in die Hand nehmen.


    Die Eigenumarbeitung ist m.E. fester Bestandteil des Systems. Damit entzieht man dem Kreislauf Substanz.


    Was dann noch bleibt, muss wieder qualitativ stimmen. Dazu bedarf es die 3 typischen Säulen eines QM, betreffend
    Produkt, Prozess und System. Im ergänzenden Wirken dieser drei Mechanismen liegt m. E. Die Lösung.


    Entscheidenden Einfluss haben die Rohstofflieferanten, die ja gleichzeitig auch Kunden sind. Überspitzt formuliert: Kein Rohstoff - kein Produkt - kein Kunde - kein Geschäft.


    Natürlich ist das so nicht ganz real; denn der Kreislauf hat viele Quellen und Abnehmer. Dennoch hat der Imker viel zu bieten und sollte dafür ehrliche Qualität verlangen können.


    Im Zeitalter der Trickserei, wo z. Bsp. namhafte dt. Autohersteller Qualität und Kundenorientierung kontinentweise definieren, erscheint eine solche Redlichkeit mglw. als völlig abwegig, aber das ist eine Frage des Standpunkts.


    Warum darf die Lieferantengruppe des wichtigsten Rohstoffs nicht als gleichzeitig wichtigste Kundengruppe transparente Qualität fordern?


    Das will mir nicht in den Kopf !


    Beste Grüße


    Rainer


  • Entscheidenden Einfluss haben die Rohstofflieferanten, die ja gleichzeitig auch Kunden sind. Überspitzt formuliert: Kein Rohstoff - kein Produkt - kein Kunde - kein Geschäft.


    1. Der DIB hat ja bereits dazu aufgerufen: Vorerst kein Wachs in den Kreislauf geben, bis die Angelegenheit geklärt ist! Auch wenn Manche meinen, die "Funktionäre" wüßten nicht, was sie tun, dieser Aufruf war richtig. Befolgen wir ihn wenigstens und rufen möglichst Viele dazu auf.
    2. Wäre es denkbar, im Vorfeld einer Zertifizierung Kollegen aus einer noch zu schaffenden "Streikkasse" (Solidaritätsbeitrag an den DIB) auszuhelfen bzw. über Gaede&Glauert eine "Wachsausfallversicherung" für die Streikdauer zu organisieren? Das Aufkaufwachs ginge ja nicht verloren, sondern bliebe als Sicherheit am noch zu vereinbarenden Ort hinterlegt.
    3. Weitere Schritte müssen folgen beim Aufbau eines konsequenten QM-Systems. Wer ist sachkundig + macht Entwürfe oder wenigstens Rahmenvorschläge? Wir dürfen gespannt sein, ob und welche Umarbeiter sich an der Diskussion darüber beteiligen werden. Von allein wird nichts...

  • Moin,
    woher soll ich wissen, was in dem Wachs drin ist, welches ich aus Altwaben erschmolzen habe, welches umgetauschte Mittelwände enthält?


    Sicher kann man sich nur bei eigenem Entdecklungs- und Baurahmenwachs sein. Gut, ich schmelze das immer extra ein - aber es ist höchstens ein Viertel des jährlichen Gesamtaufkommens. Also ist es nur sinnvoll, das garantiert saubere Wachs zurückzubehalten.


    Meiner Ansicht nach kann es nicht Sinn der Sache sein, alles selbst zu machen - wo soll man da anfangen? Zertifizieren nutzt wenig: Alle sind heute irgendwie zertifiziert - die Qualität insgesamt ist gefühlt schlechter geworden, weil alle sparen müssen. Irgendwann ist der Knochen dann abgenagt.


    Grüße Ralf

  • 1. Der DIB hat ja bereits dazu aufgerufen: Vorerst kein Wachs in den Kreislauf geben, bis die Angelegenheit geklärt ist! Auch wenn Manche meinen, die "Funktionäre" wüßten nicht, was sie tun, dieser Aufruf war richtig. Befolgen wir ihn wenigstens und rufen möglichst Viele dazu auf.
    2. Wäre es denkbar, im Vorfeld einer Zertifizierung Kollegen aus einer noch zu schaffenden "Streikkasse" (Solidaritätsbeitrag an den DIB) auszuhelfen bzw. über Gaede&Glauert eine "Wachsausfallversicherung" für die Streikdauer zu organisieren? Das Aufkaufwachs ginge ja nicht verloren, sondern bliebe als Sicherheit am noch zu vereinbarenden Ort hinterlegt.
    3. Weitere Schritte müssen folgen beim Aufbau eines konsequenten QM-Systems. Wer ist sachkundig + macht Entwürfe oder wenigstens Rahmenvorschläge? Wir dürfen gespannt sein, ob und welche Umarbeiter sich an der Diskussion darüber beteiligen werden. Von allein wird nichts...



    woher soll ich wissen, was in dem Wachs drin ist,
    ...
    Sicher kann man sich nur bei eigenem Entdecklungs- und Baurahmenwachs sein.


    Wie an anderer Stelle schon bemerkt, ist der Verdünnungsefekt nicht zu unterschätzen. Ausgehend davon, dass Fremdstoffe unterhalb der Schadschwelle enthalten sind ( andernfalls hätte man es ja schon bemerkt - s. aktuelle Schadensbilder!), werden die mit der Zeit abgerichtet, wenn nichts mehr untergemischt wird.


    Zitat

    Zertifizieren nutzt wenig: Alle sind heute irgendwie zertifiziert - die Qualität insgesamt ist gefühlt schlechter geworden, weil alle sparen müssen.


    Grüße Ralf


    Gefühlt heißt, dass Du nicht sicher bist. Die "postfaktische" Argumentation hilft nix. Fakten lassen sich messen und dann weiß man, was drin ist.
    Und zertifizieren, da gebe ich dir recht, ist heute postfaktisch schon negativ besetzt. Wenn aber als weiterer Mechanismus des DIB z. Bsp. nach Beteiligung am Auditsystem eine Positivliste auf der Homepage des DIB mit den zertifizierten Umarbeitungsbetrieben erscheint, wird die Motivation zum ehrlichen Service gesteigert. Oder würdest Du dann bei jemand umarbeiten lassen, der nicht auf der Liste steht ?


    Beste Grüße


    Rainer

  • Es gibt schon Antworten auf fast unser gesamtes Problem...
    Jeder darf sich mal die 2008/84/EG für Lebensmittelzusatz zur Hand nehmen.


    Darin wird angeführt: Gelbes Bienenwachs ist Wachs, das durch Einschmelzen von Waben der Honigbiene Apis melifera L. in heißes Wasser und Entfernung von Fremdstoffen gewonnen wird


    Wir wurde nun die Bezeichnung Bienenwachs in Verbindung mit E901 definiert? Hierzu gab es eine Frage die wie folgt beantwortet wurde:


    4.1. Biosynthesis
    According to the EU specifications, beeswax is produced by the domestic worker bee Apis
    mellifera L. (EC, 1996). In other parts of the world beeswax may also be produced by A.
    cerana and A. florae as well as other honeybee species. Production takes place at wax gland
    complexes consisting of three cell types: epithelial cells, oenocytes and adipocytes, which act
    synergistically to secrete wax. The secretion of wax is a constant process and begins in 1 week
    old honey bee workers, peaks after 2 weeks of age and thereafter decreases (Cassier and
    Lensky, 1995).


    http://www.efsa.europa.eu/site…es/main_documents/615.pdf



    Mit dieser Definition, behaupte ich, jedes Gericht müsste diese -in Streitfragen zu einem Produkt mit der Bezeichnung Bienenwachs- genau so anwenden.
    Dies lassen wir nun über ein MdEP prüfen -könnte ja auch der DIB machen bzw. seine Rechtsanwälte damit beschäftigen... Aber ne, der Kollege Maske fängt gerade lieber einen Kleinkrieg mit mir an, da ich so frei bin und mich selbst an die Politik wende :wink:

    Gruß Markus


    Ubi apis, ibi salus 
    Wo Bienen sind, dort ist Gesundheit

  • Diese Wünsche sind praxisfremd und dürften dazu führen, dass noch mehr gutes Wachs dem Kreislauf entzogen wird, da immer mehr Klein- und mittelgroße Imker diesen Aufwand scheuen und sicherheitshalber nichts mehr in den Kreislauf einbringen. Möglich wäre höchstens die Untersuchung von großen homognenisierten Mengen und der Verkauf von untersuchtem Wachs (Mittelwänden) mit entsprechendem Gütesiegel. Dass die Kosten der Untersuchung dann auf die Verbraucher umgelegt werden, ist selbstverständlich und gerecht. Das wird aber höchstens neben der bisherigen Praxis funktionieren, nicht anstatt. Bei der hier geforderten Vorgehensweise käme von mir kein Krümel Wachs mehr in den öffentlichen Kreislauf. Beim Kauf von Mittelwänden könnte jeder Imker dann selber entscheiden, welche Qualität er haben möchte. Sollten die Mittelwände aus untersuchtem Wachs eine große Nachfrage haben, werden auch langfristig viele Mittelwände in dieser Qualität angeboten.

    Wenn jemand etwas vorgekaut serviert haben möchte, muss auch immer jemand da sein, der es ausspuckt oder -k...


  • 3. Weitere Schritte müssen folgen beim Aufbau eines konsequenten QM-Systems. Wer ist sachkundig + macht Entwürfe oder wenigstens Rahmenvorschläge? Wir dürfen gespannt sein, ob und welche Umarbeiter sich an der Diskussion darüber beteiligen werden. Von allein wird nichts...


    Moin Gottfried,


    das lässt sich machen - siehe e-mail Briefkasten.


    Beste Grüße


    Rainer

  • Bei der hier geforderten Vorgehensweise käme von mir kein Krümel Wachs mehr in den öffentlichen Kreislauf. Beim Kauf von Mittelwänden könnte jeder Imker dann selber entscheiden, welche Qualität er haben möchte. Sollten die Mittelwände aus untersuchtem Wachs eine große Nachfrage haben, werden auch langfristig viele Mittelwände in dieser Qualität angeboten.


    Das (!) ist entscheidend. Solange keine Beurteilung von unabhängiger Stelle existiert, "optimiert" jeder seine Ökonomie. Mit einem QM-System kann man zwar auch keine 100%ige Garantie geben, aber es wird für die "Optimierer" langfristig deutlich schwerer. Und die schwarzen Schafe lassen sich erkennen.


    Der eigene Wachskreislauf stört den Prozess nicht - er begünstigt diesen: Es wird Produkt dem Kreislauf entzogen, d.h., es gibt weniger Bedarf seitens der Imkerschaft. Und das was dann bleibt, muss qualitätsgerecht sein. Die Definition, die Markus eingestellt hat, kann mit analytischen Fakten belegt werden. Man muss nicht kaufen, kann alles selbst machen. Wenn ich aber kaufe, weil es in meinen Ablauf besser passt, möchte ich die Gewissheit, dass es Bienenwachs ist und nicht eine Mischung aus Paraffin, Mikrowachsen und was noch alles.


    Dass dies teuer werden wird, ist auch klar. Aber - ich bezahle gerne mehr, wenn ich weiß, dass die Qualität i.O.


    Beste Grüße


    Rainer

  • Noch am Rande, der DIB hat sich nun tatsächlich bemüht über das bmel eine der HonigV vergleichbare WachsV anzuregen... ob es das wirklich braucht oder doch schon alles klar ist, wird sich zeigen.

    Gruß Markus


    Ubi apis, ibi salus 
    Wo Bienen sind, dort ist Gesundheit

  • Diese Wünsche sind praxisfremd und dürften dazu führen, dass noch mehr gutes Wachs dem Kreislauf entzogen wird, da immer mehr Klein- und mittelgroße Imker diesen Aufwand scheuen und sicherheitshalber nichts mehr in den Kreislauf einbringen.


    Das ist ja der Sinn der Übung: Gutes Wachs dem Markt entziehen, damit es nicht für Panschereien mißbraucht werden kann (zumindest solange kein akzeptables QMS existiert) und Rohwachs mit Risikopotential vom Markt fernhalten bzw. nach Entdeckung einziehen. Die Risikoverteilung dabei kann man diskutieren. Mein Vorschlag baut darauf, daß zuerst der Lieferant selbst (d.h. auch der Imker) das Risikopotential seiner Lieferung kennen und beurteilen müßte und erst in einer zweiten Stufe der Aufkäufer das Risiko beurteilt anhand des Fragebogens zu MW-Lieferanten und Akariziden. Beide Seiten tragen damit verknüpfte Risiken, sonst wäre das alles nur Lyrik.
    Beispiel: Wer in den letzten 3 Jahren einem in Verdacht geratenen Umarbeiter MW abkaufte, wird das Wachs dieser Altwaben von allein niemendem zum Kauf anbieten - wegen des damit verbundenen Entdeckungsrisikos. Tut er es doch, wird der Aufkäufer bei wahrheitsgemäßer Fragebogenauskunft kein Wachs von ihm aufkaufen wollen. Besteht der Lieferant darauf, greift Stufe 3: die Analyse. Die bringt es dann an den Tag. In weiteren Stufen griffe dann das QM-System bei dem vom Aufkäufer belieferten Umarbeiter, wenn es eines Tages dann installiert ist. Schon die QM-Kontrolle seiner Buchführung würde Ausgaben zum Aufkauf von Panschmaterialien offenlegen. Der Erwerb von Rohwachs außerhalb des QM-Systems, gar von Synthesewachs aus dem Hamburger Hafen würde bereits routinemäßig entdeckt. Man müßte nicht erst warten, bis ein Skandal ruchbar wird, die Kripo sich eingearbeitet hat und schließlich doch Kontrollen beauftragt sind.
    Freilich besteht weiter das Risiko von Falschangaben im Imker-Fragebogen. Wer so geschickt lügt, daß er sich nicht verdächtig macht und der Aufkäufer Aufwand scheut, die Fragebogenangaben zu überprüfen durch Kontrollabfrage bei dem im Fragebogen angegebenen MW-Lieferanten, dessen verfälschtes Altwachs kommt dann ungeprüft bis zum Umarbeiter durch. Wenn der das Rohwachs blind abnimmt und die Eingangskontrolle (und damit die Chance auf Rückpaß zum Aufkäufer) versäumt und es ihm dadurch die (QMS-verpflichtende) Analyse seiner kochenden homogenisierten Wachs-charge versaut, dann trägt er das damit verbundene Risiko. Soll er auch, schließlich hat er jahrelang dazu geschwiegen, während die Panschpraxis in seiner Branche Einzug hielt. Ob er sich selber am Panschen beteiligte, kann dann dahinstehen; sein Endprodukt soll und muß ab sofort das sein, was er deklariert. Dabei kommt er noch gut weg angesichts der ihm vorgeschalteten Risikoträger.
    Es kann und darf m.E. nicht länger sein, daß das Risiko allein bei den MW-kaufenden Imkern belassen bleibt.

    Dieser Beitrag wurde bereits 1 Mal editiert, zuletzt von hartmut () aus folgendem Grund: Rechtliche Gründe

  • DIB hat sich nun tatsächlich bemüht über das bmel eine der HonigV vergleichbare WachsV anzuregen...


    Wer zu langsam fährt, wird überholt. Von der Realität, von den Fakten, vom Markt...
    Ganz gleich, ob und wann eine WachsVO kommt und was dann darin steht: Wenn wir Imker wollen, daß sich für uns etwas ändert, dann müssen wir selbst das bewirken; auf allen denkbaren Ebenen. Da kann eine rechtliche Regelung nur ein Element sein, das ohne QMS nichts wesentliches an dem bisherigen Mißverhältnis ändert.
    Ich halte die Krokodilstränen darüber, daß Bienenwachs "nicht juristisch definiert" sei, nicht für echten Herzenskummer, sondern immer mehr für Heuchelei oder zumindestens naive Leichtgläubigkeit. Das Argument der fehlenden Definition eines Begriffes, der schon vom Wortlaut her eigentlich keiner Definition bedarf, paßt eigentlich nur in die Verteidigungsstrategie eines Wachspanschers, wenn man ihn ertappt hat. Man muß
    bei einer rechtlichen Fixierung des Begriffes sehr genau darauf achten, daß dadurch nicht noch Sollbruchstellen entworfen werden, über die sich eine Umarbeiterpraxis einschleichen kann, die mglw. bereits weiter verbreitet ist als viele wahrhaben mögen.
    Wenn WachsVO, dann nur mit klarer Beweislast, die der Umarbeiter/MW-Verkäufer zu tragen hat und einem Umarbeiter-finanzierten Fonds, aus dem die gutgläubigen Nutzer von verfälschtem bzw. vergiftetem Bienenwachs entschädigt werden. Mag dieser Fonds von Beiträgen der Umarbeiter und dem einzuziehenden Eigentum gespeist werden, das für Umarbeitungsbetrügereien genutzt wurde. Das wären Forderungen, die manch Imker vom DIB gerne hören würde...