Merkwürdige Ausblühungen

  • Hallo zusammen,

    ich komme gerade etwas frustiert vom Etikettieren aus dem Honigkeller. Mein Sommerhonig weißt merkwürdige Ausblühungen auf und stehe etwas auf dem Schlauch. Das es schonmal bei sehr trockenen Honigen zur Blütenbildung kommt, weiß ich und hatte ich auch schon, aber so...und besonders so regelmäßig noch nie.




    Nahe zu alle 500 Gläser weisen die gleiche "Spur" am Rand auf...mal mehr mal weniger. Praktisch kein Glas der 4 Chargen ist unbetroffen.

    Die Gläser sind größtenteils neu und gespült. Auch die Rückläufer weisen das gleiche Bild auf.


    Bei dem Honig handelt es sich um Sommerhonig, wohl mit einiges an Linde mit einem Wassergahalt zwischen 17,3 und 18,5%.

    Geschleudert Anfang Juli, gesiebt durch Grobsieb, Feinsieb und Spitzsieb. Nach 5 Tagen abgeschäumt und direkt mit 2-3% Frühtracht angeimpft.

    Am nächsten Tag nochmals abgeschäumt und abgefüllt.

    Jetzt, gute 5 Wochen später, sieht die Ernte so aus:(

    Gelagert im Keller bei ca. 17°C. Natürlich aufrecht und nicht bewegt.

    Geschmacklich und von der Konsistenz kann ich nicht klagen...feinsteif, wenn auch feine Kristalle auf der Zunge spürbar sind.


    Bei den 180 125g Gläsern konnte ich das wenigstens noch mit dem Gewährstreifen der blühenden Landschaften kaschieren, bei den Pfundgläsern stehe ich aber auch dem Schlauch. Ein, zwei neue Wiederverkäufer kann ich damit wohl auch nicht überzeugen.


    So und nun an die Honigexperten: Was ist da schief gelaufen und ist es noch irgendwie optisch zu retten?

    Ich habe mal ein paar Gläser in den Heizungsraum gestellt, um mal zu schauen was passiert.


    Grüße

  • Ausblühungen sind etwas Normales und Zeichen guter Honigqualität. Vermeiden lassen sie sich nämlich nur durch Maßnahmen, die die Honigqualität mindern (Auftauen)

    Einzig die Form ist ungewöhnlich. Da ist wohl irgendetwas entlang des Glases, was als Kristallisationskeim wirkt.


    Hier gibt es nichts zu retten - alles bestens. Es gilt nur den Kunden zu erklären, dass das ein Qualitätsmerkmal ist.


    Wolfgang

    I never loose - either I win or I learn (Nelson Mandela)

  • Das sehe ich wie Wolfgang; mglw. aufgrund der Glasbeschaffenheit eine "Spur"; ist nicht qualitätsmindernd. Das ist nur optisch; vielleicht etwas Luft mit abgefüllt...


    Erklär's halt, wenn Du selbst verkaufst - jedes Gespräch mit Kunden ist wertvoll...


    Rainer

  • Hallo beemax und WFLP ,


    beim Direktverkauf mache ich mir da keine Sorgen. Der ein oder andere kennt ähnliches bereits. Meine Sorge gilt den Kunden, die ich nicht persönlich erreiche.

    Ich habe ein Veranstaltungshaus als Abnehmer und würde gerne noch die ein oder andere Bäckerei oder ähnliches finden, auch als Abnehmer für die nächste Saison mit aufgestockten Völkerbestand. Das stelle ich mir mit qualitativ gutem Honig, aber mit kosmetischen Mängeln schwierig vor.

    Als Honiglaie würde ich da schon komisch gucken.


    Meine erste Vermutung war, das an der Stelle die "Naht" aus der Glasproduktion ist. Die Gläser weisen eine Naht auf, an der ich mich zum etikettieren meistens richte. Ist aber auch nicht so. Warum das auch so regelmäßig ist, kann ich mir nicht erklären...zumal der Honig ja noch nicht mal sooo trocken ist. Ich war damit eigentlich eher unzufrieden.

    Ich tippe eher darauf, dass mein Keller fast zu kalt ist...für die Haltbarkeit gut, fürs optische nicht. Nach zwei Stunden im Heizungsraum unterm Dach (ca. 25°C) sieht das ganze schon deutlich besser aus.

    Ich werde dann wohl einfach bedarfsgemäß kartonweise die vor dem Verkauf über Nacht auf Betriebstemperatur bringen. Ich warte aber erstmal ab wie es sich verhält, wenn die Versuchsgläser zurück in den Keller wandern.


    Grüße

  • Hallo Chris,

    Ich sehe das genauso wie Wolfgang. Eigentlich ist es undramatisch.

    Bei mir kommt es bei besonders trockenen Honigen oft und wenn ich den Honig noch warm (Melitherm) abfülle. Vielleicht ist diese Spur die Kontaktstelle zum Nachbarglas?

    Gruß Jörg

  • Zum Nachbarglas müssten dann aber vielleicht 2 oder 4 Spüren sein.

    Wie hast du denn die Gläser gespült?

    Kann es sein, dass es die "Wasserspur" vom Trocknen der Gläser ist? Sonst hätte ich auch keine Idee für die gleichmäßige Optik.

  • Hallo,


    solche Spuren habe ich beim hellen, gerührten Frühlingshonig teilweise auch. Erklären kann ich mir das nicht, vor allem den

    geraden, senkrechten Verlauf.


    Interessant ist aber, dass die weiße Ausblühung auch da zu sehen ist, wo das Glas zum etikettieren leicht gekippt wurde

    und der Honig kurz vom Glas weg- und später wieder hingelaufen war. So eine Art Halbkreis quasi, hab leider grad

    kein Foto.


    Spannend zu beobachten, aber nicht zu ändern und schon gar nicht tragisch. Vielleicht zu vermeiden? Ich glaube nicht.


    Grüße

    Roland

  • Hallo,


    ich gehe davon aus, dass es sich um Schaum handelt.


    Im zeitigen Frühjahr, insbesondere beim Rapshonig sind vor allem im Zuge des Umtragens im Stock viele Jungbienen am Werk, bei denen die Futtersaftproduktion noch auf ziemlich hohem Niveau läuft. Entsprechend hoch ist der Eintrag an Eiweißstoffen in den Honig. Beim Schleudern, das eine mechanische Bearbeitung des Honigs darstellt, (grob vergleichbar mit Sahneschlagen oder Eiweiß schaumig rühren) entstehen schaumige Eiweißformen. Dieser Schaum setzt sich normalerweise an der Oberfläche ab und wird abgeschöpft. Beim Frühjahrshonig ist aber meistens der Glukoseanteil so hoch, dass die Kristallisation innerhalb weniger Tage einsetzt und der Honig sehr schnell eine Konsistenz bekommt, bei der dieser Schaum nicht mehr aufsteigen kann. Die Folge davon ist, dass der Schaum immer dann aufsteigt, wenn er eine Chance dazu bekommt, z. B. wenn der Honig zum Abfüllen erwärmt wird. Dann bilden sich diese Schaumspuren an der Oberfläche. Die Form der Schaumbildung, die sich später im Glas zeigt, ist natürlich auch beeinflusst durch die Art des Abfüllens.


    Nach meiner Erfahrung steigt der Schaum auf und kann abgeschöpft werden, wenn man den Frühjahrshonig ohne ihn zu überwärmen durch ein beheiztes Spitzsieb oder ein Melitherm lässt. Dann wird der Honig durch die Wärme, die sich auch noch im Eimer hält, sehr flüssig und der Schaum kann aufsteigen und abgeschöpft werden. Den Effekt kann man verstärken, indem man mit Hilfe einer Decke oder Ähnlichem die Abkühlzeit etwas verlängert. Die Erwärmung kann selbstverständlich auch in einem Wasserbad oder Wärmeschrank durchgeführt werden.


    Blütenbildung halte ich bei den beschriebenen Wassergehalten und Temperaturen für wenig wahrscheinlich.


    Viele Grüße

    14301

  • Nahe zu alle 500 Gläser weisen die gleiche "Spur" am Rand auf...mal mehr mal weniger. Praktisch kein Glas der 4 Chargen ist unbetroffen.

    Die Gläser sind größtenteils neu und gespült. Auch die Rückläufer weisen das gleiche Bild auf.

    Hallo Chris,

    es gibt also, so entnehme ich Deiner Schilderung, auch wenige Gläser ohne diesen Streifen.

    Ich sehe die Ursache in der Art der Trocknung der Gläser nach dem spülen. Ich vermute, dass die Gläser in schräger Stellung zum Trocknen aufgestellt waren und sich wenige kaum sichtbare Kalk-Rückstände aus dem letzten Spülwasser während des Trockenvorgangs in einem Streifen abgelagert haben. Daran haben sich Honigkristalle gebildet.

    Gruß Eisvogel

    Man tut was man kann, hieß es früher. Heute glauben alle sie müssen tun was sie nicht können. P. Sloterdijk

  • Hhmmm,

    also verschiedene Theorien.

    14301 Das mit der Schaumbildung klingt interessant, aber bis er wirklich durchkristalisierte vergingen vermutlich schon so zwei Wochen. Ein paar Gläser hatte ich in Urlaub mit und da war er noch zähfließend...natürlich auch kühl gelagert.


    Gegen die Blütenbildung spricht meines Erachtens der Wassergehalt. Wirklich trocken ist anders. Vielleicht reichte es aber zusammen mit Kalkablagerungen vom Trocknen.

    Eisvogel Die Gläser kommen aus der Spülmaschine kopfüber auf Zewa in den Karton. Da könnte natürlich am Rand noch etwas ablaufen. Dazu passen würde, dass es immer am oberen Glasrand beginnt.


    Ich werde mal ein paar Versuche mit kurzen antauen bei 30° durchführen. Etikett drüberkleben ist schwierig - die sind bei mir transparent.


    Also nächstes mal noch Klarspülgang oder wie macht ihr das?


    Danke und Grüße

  • Sind die Gläser zu kalt zum Abfüllen des warmen Honigs?

    Wir stellen mit dem Wärmeschrank 1 Tag vor Abfüllen die Heizung im Abfüll-Kellerraum an-, die Glaskartons kommen aus einem kühleren Raum, werden geöffnet, und im Raum verteilt, damit auch die Gläser auf Raumtemperatur kommen - ca 22-25°C. Nach dem Abfüllen werden die Kartonstapel mit einer Decke abgedeckt, damit es langsam abkühlt auf ca 15°C, wenn die Heizung aus ist..

    Wenn du Platz hast, stelle ein paar Leergläser mit in den Wärmeschrank, um der Ursache näher zu kommen.

    Nachträgliches bißchen Erwärmen im Glas fördert Trennphasen.

    Gruß Fred