Queenkiller selbstgemacht? - Annahmeschwierigkeiten durch Anwendung von BeeBoost in Kombination mit Brutfreiheit

  • Hallo Liebe Närrinen und Narren der Betriebsweisen, Liebe Varroabehandler und Kunstschwarmbildner,


    ich hab hier ein paar Fakten und nun auch eigenen Beitrag zum Thema Zusetzproblematik.

    Es geht um Völker, die im Herbst oder Spätsommer längere Zeit ohne Königin und brutlos sind aber nicht drohnenbrütig.


    Es wurde hier bereits schon mal vor 8 Jahren von Rudi Maurer beschrieben, dass es mit diesen Kandidaten ein paar Auffälligkeiten gibt, insbesondere killen die alles, was man ihnen als Königin vor die Nase setzt, wohl auch ganz egal, in welcher Form: Ableger, KS, Direktzusatz - und das bei nachweislich Weisellosigkeit.


    Zitat von ihm:


    Tja, und so ähnlich hatte ich das auch nun im Eigentest:


    Mein erster Einsatz BeeBoost. Ich dachte an die Brutscheune, ich hatte keine/wollte keine Altkönigin für ein Skalvini-Versuch oder Untersetzmanöver einsetzen, daher Brutscheune Doppeldecker mit 20 Waben Dadant, zuerst mit 2 BeeBoost ob der doch kräftigen Bienenmasse, die eher > 2 Völkern entspricht. Nach 9 Tagen kurz zwei Tage raus, Zuchtstoff rein, am Folgetag BeeBoost wieder dazu zur "weiselrichtigen" Weiterpflege. Sie sollten wehrhaft bleiben, sammeln, sich versorgen und nicht abfliegen in die Nachbarschaft.

    Taten sie auch alles, und keine Zelle nachgeschafft gehabt.


    OK. Brutscheune aufgelöst.

    Teil 1 verblieb vor Ort, 3 helle schöne Leerwaben (allerdings aus der Scheune), MW, Beeboost kurz noch wieder dazu 1 Tag. Königin in Eilage war unterwegs im Rahmen eines Königinnentausches unter Forianern.

    Zugesetzt im Käfig 4 h nach Entnahme des BeeBoost. Weg, tot. Weisellos. Zugehängte Probe eindeutig, die haben sie angenommen. Aber sie heulten nicht, hatten recht ordentlichen Trachtflug, hingen in der Beute herum, auch an den Wänden. kein Sterzeln, kein Brausen, kein Herumgerenne draußen am Flugloch.

    Wieder legende Königin, Zuhängen im Kafig, diesmal blieben sie ohne weiteren BeeBoosteinsatz weisellos. Am Folgetag Königin zwar freigefressen aber noch im Käfig, befreit. Eingeknäuelt, abgestochen.


    Teil 2, an anderen Stand gebracht, nackte Bienenmasse. 4 h im Schwarmkorb ohne Königin. Einlaufenlassen in eine neue Beute, 3 Leerwaben (ja, aus der Scheune...), MW, Königin mit einmarschieren lassen, sah alles normal und problemlos aus.

    Niente, tot, weisellos, Weiselprobe auch angenommen, aber ebenfalls die Ruhe selbst, kein Geheul, Flug fast unauffällig, teils sogar Pollen eingetragen, nicht viel aber stetig.

    Zweite Königin legend, aus der Nachbarkiste entnommen, rübergesetzt, im Käfig.
    Ihr ahnt es.... Nix, tot, weisellos.


    Noch ein Teil: nicht aus dieser Brutscheune, ein frischer Kunstschwarm aus jungen Bienen, nachmittags eingeschlagen, MW und 3 Leerwaben (ja, aus der Brutscheune) ein gebrauchtes BeeBooststäbchen dort zugehängt, am Folgetag kam die Königin, einen Tag Versandzeit im Käfig rein,

    tot, weiselloos,

    auch die haben eine Probe bekommen und angenommen,

    diese heulten allerdings und benahme sich auch sonst voll weisellos, Sterzeln, alle beim Öffnen Popo hoch, Suchen und Hektik, Gesterzel am Flugloch usw, Baustopp (unter BeeBoost einen Tag hatten sie losgelegt)

    Diesem Teil hab ich gestern nochmal eine eigene gezogene in Eilage im Käfig angeboten. Weil sie sich nach dieser längeren Zeit nach dem eintägigen BeeBoost jetzt recht beispielhaft interessiert und freundlich am Käfig benahmen, draufsaßen und sterzelten, habe ich sie zum Freifressen reingehängt, Leerwaben wieder entnommen und Jeah: Die haben sie mal heute noch gehabt und waren auch ganz anders drauf, weiter gebaut aber immer noch recht laut ungewöhnlicherweise.


    Den verblieben beiden, immer noch weisellosen Königinnenkillern habe ich nichts mehr gegeben außer einmal belarvte Näpfchen zugesteckt, die sie auch pflegen,

    und dem anderen eine Brutwabe.

    Insbesondere ein Teil davon wäre Auflösungskandidat gewesen. Nach dem gefühlten Dauerverlieren beim "Schiffeversenken" habe ich das nicht gewagt. Egal ob aufsetzen, abfegen und Zufliegen lassen, Ableger an die Stelle etc. ich befürchtete, das wird ein Faß ohne Boden.


    Allerdings Teil 3 aus dieser Brutscheune wieder, auch an anderen Stand verbracht, daraus 3 Begattungseinheiten erstellt, jedoch nur auf MW, ca ein Pfund pro Einheit, 1/8 BeeBoost für einen Tag bis zum Schlupf der Anwärterinnen; raus und 3 h später junge, frisch geschlüpfte zulaufen lassen.

    Das hat geklappt und die sind jetzt seit einer Woche immer noch da drin, ein Teil schleppt bereits fett Pollen. Bauen brav.



    Mein Fazit:


    Völker mit langer Phase ohne Königin und ohne Brut ist mit BeeBoost nicht geholfen, im Gegenteil könnte das künstliche Pheromon zusätzlich zu einer nicht mehr echten Form der Weisellosigkeit führen.

    Pseudoweisellos

    Auf jeden Fall hat das Mittel evtl. Nachwirkungen und ist großzügig lang vorher zu entfernen. Reste in Beutenteilen/ Wabenwerk?

    In diesem Zustand sind die Völker nicht drohnenbrütig, zwar weisellos aber nicht mit allen typischen Anzeichen.

    Je nach Stadium geht gar nichts mehr oder nur noch in Form von Brutgabe mit Nachziehen lassen.

    Auch in Portionen in andere Einheiten verbracht, geht die Problematik weiter.


    Zu Bedenken ist, dass nicht nur Pheromon der Königin die Ovarialausblidung der Bienen hemmt, auch junge Brut tut das. Zur Afterweiselbildung kommt es hier allerdings nicht, jedoch sind die Völker auch nach BeeBoost-Entnahme der Überzeugung, sie bräuchten keine Königin mehr.

    Oder sie sind auf das künstliche Coctail geprägt und nehmen nichts anderes mehr an.


    Langer Thread,

    ich hab heut Quasselwasser getrunken


    Gruß


    Marion,


    noch BeeBoost übrig, möchte jemand?

    "Wer die Leidenschaft als Jugendsünde abtut, degradiert die Vernunft zur Alterserscheinung".
    Hans Kasper

  • Danke, Marion, echt interessante Beschreibung.


    ... und wieder mal lässt sich die Natur durch Chemie nicht überlisten, sondern findet eigene Wege (zynisch gesagt: in diesem Fall, das fragliche Volk nach BeeBoost in letzter Konsequenz ins Nirwana zu schicken).


    Entwickeln eigentlich Afterweiseln eine Art Königinnen-Pheromon? Immerhin werden ja beileibe nicht alle Arbeiterinnen zu Afterweiseln. Wie viele eigentlich? Welche? :confused:


    Gruß, iJörg

    Eine Fischsuppe aus einem Aquarium zu machen, ist leichter als ein Aquarium aus einer Fischsuppe.

  • Sehr interessant. Bei den weiselrichtigen Brutsammlern habe ich so etwas noch nicht beobachtet, sind aber auch noch nicht allzuviele gewesen. Immerhin benehmen sich alle Brutsammler anormal zur Königin: Sehr wenig oder keine Eilage (=schlechte Fütterung), evtl. Nachschaffungs-/Schwarm-/Umweiselungszellen. Das könnten auch schon Vorstufen zum Königinnenmord sein.

    Akut wird das Problem mit dem Sammler-Sammler: Den habe ich mit BeeBoost ausgestattet, damit sie ruhig bleiben und gut verteidigen. 2016 habe ich BeeBoost im Sammler-Sammler nicht verwendet und konnte die Bienen problemlos über das Flugloch einem kleineren Ableger zuführen. Ob das in diesem Jahr nun gelingt, ist fraglich. Ich werde die Bienen dem Ableger zur Sicherheit in kleinen Portionen zuführen. Falls die Königin trotzdem abgestochen wird, werde ich keine weitere Königin opfern.

    Gruß Ralph

  • Hallo Marion,

    ich habe selbst noch nie mit BeeBoost gearbeitet. Aber in der Gebrauchsanleitung steht, dass eine Überdosierung zu Annahmeschwierigkeiten führen könne. Außerdem wäre es von Vorteil, wenn das Kunstpheromon an entlegeneder Stelle positioniert wird.

    Die Annahmeschwierigkeiten würden sich ja mit deiner Beobachtung decken.


    Hast du denn auch schon positive Effekte von BeeBoost gehabt? Oder ist dein Fazit - Finger weg - ist viel zu riskant? Ansonsten freue ich mich über weitere Dosierungsanleitungen ;)


    toi toi toi für die Bienen
    Ludger

  • Moin Marion,


    ich hatte vor zwei Wochen nen Wirtschaftsvolk, welches ne tolle Königin hatte, diese aber in der Bannwabe vom Wagner umgeweiselt wurde. Die neue Königin konnte ich aber nicht finden und so hatte das Volk nach einer weiteren Woche (wollte gucken, ob die Königin doch irgendwo war) die ersten Zellen doppelt und dreifach belegt mit Stiften - drohnenbrütig.


    Ich habe daraufhin (da ich noch recht viele Königinnen habe) mich zu einem Experiment hinreißen lassen und eine volle Mini-Plus Zarge mit vielen Bienen samt Zewa und kleinem Loch aufgesetzt. Am nächsten Tag mal geschaut. Keine Leichen sah gut aus. Gestern dann die erste Durchsicht - nach einer Woche. Königin war nicht mehr im Mini-Plus, Stifte ca. 2 - 3 Tage alt. Dann unten geschaut. Und da war sie - schön munter auf den Waben am laufen. Bischen schnell, aber sie war da und auch ein paar Stifte.


    Daher meine Frage, hast du ggf. auch mal versucht, die Königin mit einem Ableger bzw. über Mehrwabenkästen in diese Völker zu bekommen? Ich habe damit gute Erfahrungen gemacht.


    Gruß

    Frank

  • Ich hatte in diesem Jahr versucht, 2 Völker in Umweiselungslaune mit Kieler Begattungskästen umzuweiseln. In beiden Fällen wurde die Königin getötet, die wollten selbst umweiseln. In besonderen Situationen ist die Umweiselung per Begattungskasten also nicht sicher.

    Beide Völker konnten aber erfolgreich umgeweiselt werden durch Verstellen und einem Ableger zufliegen lassen. Im Zweifelsfall halte ich deshalb das letzere Verfahren für sicherer, wenn auch aufwändiger.

    Gruß Ralph

  • Daher meine Frage, hast du ggf. auch mal versucht, die Königin mit einem Ableger bzw. über Mehrwabenkästen in diese Völker zu bekommen? Ich habe damit gute Erfahrungen gemacht.

    Lieber Hobbit , nicht nur Du... Liegt auch in der Natur der Sache. Wenn Du ne Horde Leibwächter um Dich rum hast, wirst Du vermutlich auch nicht mit nem Messer erstochen. Das 1x1 hat beetic glaube ich schon hinter sich.


    Ich hatte in diesem Jahr versucht, 2 Völker in Umweiselungslaune mit Kieler Begattungskästen umzuweiseln.

    Umweiselungslaune! Wenn Mutti im Sterben liegt, hat die große Blonde mit dem guten Duft in Deinem Wohnzimmer nix zu suchen ;)


    Aber bitte lasst uns bei dem BeeBost bleiben... bitte! Es geht nämlich hier um...? BeeBoost :) Es gibt einfach Themen (siehe Scalvinikäfige) die wir auch zähneknirschend nicht mit Nebenkriegsschauplätzen zerreden dürfen.


    Gruß/Danke

    Flo

  • Lieber Florian Gehringer ,


    wo bitte habe ich auf die Scalvinis angesprochen? Beetic beschrieb, wie sie versucht hat eine mit Beebost verseuchte Horde zu beweiseln. Nicht genannt wurde die Variante mit vielen Begleitbienen - sprich Kieler, Ableger oder Mini-Plus. Das hab ich halt angemerkt. Daher wollte ich wissen, ob sie das auch versucht habe, da ich damit selbst schon drohnenbrütige Völker wieder fitt bekommen habe.


    Gruß

    Frank

  • nochmal bitte das Zitat von Rudi dazu lesen. Es ging da um ein Phänomen im Herbst betont und bei Völkern:

    - lange ohne Königin und ohne Brut aber nicht drohnenbrütig

    Und auch er bestätigt, dieses Phänomen ebenso nach Einsatz von BeeBoost beobachtet zu haben.

    Er schreibt außerdem, dass diese Killer egal wie mit dem Verhalten weiter machen. Bei Verstärkungsgabe, Angebot eines Ablegers mit Königin am alten Platz auch.

    Ich hatte bereits genug versenkt, wozu noch diese Variante vor Ort bestätigen: dazu sind mir die Königinnen zu schade. Sie bleiben als Fremdtrupp wohl so feindselig, das sie zugeflogen auch die Königin mit Selbstanteil angreifen?


    Es geht hier nicht um ein "simples" Einweiselungsproblem, sondern vermutlich speziell um diesen Zustand, der Umweiselung so einer Truppe praktisch unmöglich machen kann.

    Uwe Eicholz hatte das gestern noch in einem anderen Thread bestätigt und rät bei diesen komisch agierenden Völkern auch von Auflösungsversuchen etc ab wg der Vermutung, dass auch kleine Portionen königinnengefährlich bleiben können


    Bei Rudi verhielten sie sich komplett nicht mehr weisellos, obwohl sie es waren.

    Bei mir vom Verhalten her teilweise, nahmen aber die Weiselproben an.



    Ich hab einiges recherchiert, sehr informativ. Das kann ich Euch aber erst später hier präsentieren. Muss erst noch was tun... Ob es heute klappt, weiß ich noch nicht, darf nämlich theoretisch durchschuften


    Gruß


    Die mit den vielen Völkern ohne :-?

    "Wer die Leidenschaft als Jugendsünde abtut, degradiert die Vernunft zur Alterserscheinung".
    Hans Kasper

  • Mag nicht streiten Hobbit . Nicht gleich auf den Schlips getreten fühlen. Ich meine, dass Themen wie Scalvini und BeeBost (vorerst) einen Sonderstatus haben und wir uns alle am Riemen reissen müssen um die Threads sauber und schlank zu halten. Wie Marion selbst sagt ist ihr und den meisten anderen durchaus bewusst wie man eine Queen von da nach da kriegt im Normalfall. Nix für ungut...

  • Hallo Marion,

    wäre es nach deinen Anmerkungen bei einem definitiv weisellosen Volk wie z.B. einem Sammler-Sammler besser, Beeboost zu entfernen, eine Weiselprobe einzusetzen und die Bienen erst nach Anzucht von Weiselzellen in andere Völker zu geben? Wenn sie Weiselzellen anziehen, sollten sie nicht königinnenfeindlich sein. Was denkst du?

    Gruß Ralph

  • Vielleicht ist es auch sinnvoll, das Material für die Weiselprobe dem Volk zu entnehmen, dem die Bienen später hinzugefügt werden sollen. Dann werden sie schon einmal mit der fremden Genetik bekannt gemacht.

    Gruß Ralph

  • Hallo Ralph,


    meine haben eine Weiselprobe bekommen, und sie haben die Zellen angezogen.

    Nach Entfernung erfolgte einen Tag später eine erneute erfolglose Zusetzung.

    Das ganze in dreifacher Ausführung.

    2 x Butscheunen-KS-Bienen 8je eine Hälfte) und 1 x frischer KS, 1 Tag BeeBoost.


    Das mit der Genetik vertraut machen wird hier wohl eher nicht klappen, denn sie bevorzugen sowieso möglichst nahe Verwandschaftsgrade. Das lässt sich vermutlich sowieso nicht trainieren.

    In diesem speziellen Fall ist das Problem wohl zwar hier zu suchen aber nicht zu lösen. Denn die Bienen haben BeeBoost als einzige Pheromonquelle kennengelernt. Das war ihr Stockduft, das war ihre Königin.

    KEINE Königin kann so ähnlich riechen, denn natürliches Pheromon ist nochmal ein viel größerer Potpurri an Einzelstoffen.


    Ich meine, hier könnte des Pudels Kern liegen.

    Sie erkennen jedes Angebot als extrem fremdartig und unwürdig.


    Die Jungköniginnen durften zulaufen trotz einem Tag mit je 1/8 gebrauchtes BeeBoost für ca 1 Pfd Bienen. Jungköniginnen haben zum einen noch gar nicht so viel Duft, zum anderen nimmt die Kleinmenge Bienen wohl sowieso eher fast alles, was kommt.


    Gruß


    Marion

    "Wer die Leidenschaft als Jugendsünde abtut, degradiert die Vernunft zur Alterserscheinung".
    Hans Kasper

  • Hallo Ludger,


    zuerst einmal gilt ja: ein Stäbchen für ein Volk. Ich hatte zu Beginn pro Brutraum Dadant mit 10 Brutwaben drin eins. Befestigt mit kleinen Kabelbindern und diese dann mit Heftzecke am Rähmchen-Oberträger, und zwar so, dass das stäbchen nicht die Wabe berührt, sondern frei hängt. Das Ganze in der ersten, fluglochfernen Wabengasse.

    Nach 9 Tagen nur noch ein BeeBoost, kurze Pause zur Gabe von Zuchtstoff, wie gesagt.

    Letztlich ergab die Bienenmasse bei Auflösung zwei entsprechend große KS plus noch ca 1,5 kg weitere Bienenmasse für die Begattungseinheiten.


    Von daher glaube ich nicht an Überdosierung.


    Gruß


    Marion

    "Wer die Leidenschaft als Jugendsünde abtut, degradiert die Vernunft zur Alterserscheinung".
    Hans Kasper