Was macht so ein Drohn den ganzen Tag?

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    Hallo werte Bienenkenner und -innen,



    da sitze ich grade so vor einer der beiden Beuten mit Kunstschwärmen und freue mich, dass Räubergitter und Adam-Fütterer wohl tatsächlich die Räuberei eingedämmt haben, da kommt ein total lauter und paddeliger Drohn angeeiert und klettert in die Beute, etwas später noch einer und so weiter (ich habe noch nicht so viele von ihnen gesehen, und bin beeindruckt ;) ).


    Da fange ich an zu überlegen und frage mich: was machen die denn so den ganzen Tag? Soweit ich weiß können sie nur Nahrung aufnehmen wenn sie gefüttert werden, und eigentlich sollen sie doch losziehen, begatten und dann von uns gehen.


    Wo also ist der Zweck von Drohnen die auf Tour gehen, dabei Energie verbrauchen und dann wieder in die Beute zurück kehren?
    Tun sie das nur weil sie keine unbegattete Königin getroffen haben?
    Wer weiß mehr?


    Neugierige Grüße von
    brumli

  • Stell Dir die als eine Truppe von testosterongesteuerten Halbstarken vor: pennen bis 10.00 Uhr, beim Aufsteh´n: Hunger! schreien -> die Schwestern eilen dienstbeflissen herbei und füttern, ab 10.30 Uhr: Auf Jungs, zur Disco! Nix los hier, weiter zur nächsten... ab 15.00 Uhr begeistert, abgetanzt und - selbstverständlich: hungrig zurück zu den dienstbeflissenen, fürsorglichen Schwestern; am nächsten Tag desgleichen...

    Irgendwann haben die Schwestern die Nase voll und sagen: Nein!


  • Kann es nicht abgesehen davon, dass sie vergnügungssüchtige Testosteronbömbchen sind auch noch sein, dass sie im Volk andere sinnvolle Funktionen haben?
    Dämmen sie vielleicht, oder wärmen sie sogar?
    Sie leben im Stock ja in einem ganz bestimmten Quartier - direkt am Flugloch auf der ersten Wabe, die meist als Pollenlager dient – oder hinten an der Rückwand. Da liegen sie in einer recht geschlossenen Schicht, bis sie ausfliegen.

    So völlig nutzlos? Ich kann das irgendwie nicht ganz glauben...

    Hans (Geschlechtsgenosse der so gescholtenen)

    Die Glücklichen sind neugierig. (F. W. Nietzsche)

  • brumli Ja, so ist das wohl, nach allem was ich gelesen habe - der Drohn ist der Callboy des Bienenvolkes und seine Bestimmung ist einzig und allein das Begatten der Königin. Womit er ganz und gar nicht nutzlos ist, denn ohne ihn gäbe es keine eierlegende Königin und somit keine Fortpflanzung des Volkes (was war zuerst - der Drohn oder das Ei?? :-) ). Der Vergleich von ribes mit der Disco ist treffend - die Jungs treffen sich in Gruppen an sogenannten Drohnensammelplätzen (an der Bar) irgendwo im Revier und spähen nach der nächsten Königin (= "flotten Biene"...) die auf ihrem Hochzeitsflug vorbei kommt. Kommen sie dann "zum Schuss", würden die Menschen das wohl als den schönsten Tod auf Erden bezeichnen ;-) (hier unterscheidet sich das Leben des Drohns glücklicherweise von dem des normalen discobesuchenden Menschendrohns...) - klappt's nicht, geht's nach Hause zu Mama und den lieben Schwesterlein und das Spiel beginnt tags drauf von Neuem.

  • Hallo,


    tja, andere sinnvolle Funktionen... es wurde immer mal vom Heizen geredet und das hört man auch ständig, ist aber nachgewiesenermaßen nicht so, aktiv heizen ist nicht, das tut die Arbeiterin.


    Jedoch scheinen die Jungs und deren Aufzucht und Bewirtung dem Volk ganz ausgesprochen wichtig zu sein. Denn da geht einiges an Energie für drauf. Mit anderen Worten: das kostet Honig!

    Ist aber für die Leute mit den Honig-Dollarzeichen in den Äuglein ggf. eine Milchmädchenrechnung jetzt zu sagen: Dann erst recht Drohnenbrutschnitt in Radikalform, bringt mehr! Denn bei der Relevanz, die die Aufzucht hat, ist es offensichtlich ein Grundbedürfnis, bei Schnitt wird also automatisch mehr Arbeiterinnenbrut aufgezogen? Wo kann man das nachlesen bewiesenerweise? Wieviel Energie kostet die Reparatur der Reparatur der ....?


    Beeindruckend ist dazu die Untersuchung von Seeley


    Die Unterhaltung derLümmels ist auch nicht umsonst, alleine Spritkosten für die Halbstarkenbrummer sind enorm: bei 4 Flügen täglich und Zahlen von 5 bis 15 Tausend Drohnen macht das um die 800.000 Flüge zu 8 kg Honig. Aufzucht nur ein Viertel, je nachdem.


    Gruß


    Marion

    "Wer die Leidenschaft als Jugendsünde abtut, degradiert die Vernunft zur Alterserscheinung".
    Hans Kasper

  • Oh, vielen Dank für all die unterschiedlichen Meinungen!:p_flower01:


    Am Ende geht es bei Mutter Natur ja doch immer nur um zwei Dinge: Überleben und Gene weitergeben.


    Deshalb habe ich auch keinen Zweifel daran, dass alles was so ein Drohn tut seinen Sinn hat, auch wenn wir ihn vielleicht (noch) nicht kennen.


    Hat jemand von Euch schonmal einen Drohnensammelplatz gesehen? Das stelle ich mir beeindruckend vor. Und wie mag es sich anhören wenn den ganzen Tag keine Königin vorbeigekommen ist und die armen Kerls total enttäuscht wieder nach Hause brummeln? Ich glaub dann würde ich auch erstmal gegen die Beute detschen. Schließlich ist die Stulle sicher auch längst aufgezehrt.


    Gut dass die Mädels da sind und sie wieder aufpäppeln für den nächsten Versuch :)


    Grüssle von

    brumlii

  • brumli J "..."Kommen sie dann "zum Schuss", würden die Menschen das wohl als den schönsten Tod auf Erden bezeichnen ;-) "..."

    Da dem Drohn zum Ende des Begattungsaktes das Geschlechtsteil herausgerissen wird, er dann tödlich verwundet auf die Erde fällt, um da dann ganz schnöde zu krepieren, möchte ich postulieren, dass nicht wenige Menschen (sogar Männer) dies als eher weniger erstrebenswerte Art des Ablebens sehen würden;)


    Beste Grüße


    Peter

  • Da dem Drohn zum Ende des Begattungsaktes das Geschlechtsteil herausgerissen wird, er dann tödlich verwundet auf die Erde fällt, um da dann ganz schnöde zu krepieren...

    Stimmt schon. Aber bis dahin war's schön... ;-) Ganz romantisch könnte man den Drohn auch als Märtyrer der Liebe bezeichnen... :love:

  • Ich glaube mich zu erinnern dass Georg Peukert mal sagte, sie tragen zum besseren klima bei - nicht durch Heizen ( das wird im Sommer eher weniger benötigt), sondern durch Kühlen, was sie als große Brummer gut beherrschen würden.

    Zudem würden sie auch das Volk "zusammenhalten" - angeblich soll ein Volk voller Drohnen weniger oder gar nicht in Schwarmstimmung kommen.


    Kann das hier wer bestätigen, der keine Drohnenbrut schneidet?

    Man muß keinen Wind machen, aber man muß segeln können.

  • Man muss das mit den Drohnen so sehen: Die sind nicht beschränkt, sondern hoch spezialisiert.

    Kommt bei Männern ja öfter vor.

    Mich erinnern die immer an die schöne Szene mit den Spermien aus Woody Allens "Was Sie schon immer über Sex wissen wollten..."


    Wolfgang

    I never loose - either I win or I learn (Nelson Mandela)

  • ...sie tragen zum besseren klima bei - nicht durch Heizen ( das wird im Sommer eher weniger benötigt), sondern durch Kühlen, was sie als große Brummer gut beherrschen würden.

    Zudem würden sie auch das Volk "zusammenhalten" - angeblich soll ein Volk voller Drohnen weniger oder gar nicht in Schwarmstimmung kommen.

    Das ist wohl beides in den Bereich der Legenden zu verweisen. Die Kühlung dürfte auch im Sommer weniger aufwändig sein als das Heizen. Letzteres überwiegt auch sommers rein quantitativ (v.a. Nacht-, Morgen- und Vormittagsstunden).

    Mein Imkerpate betreibt seit Jahren Schwarmimkerei und schneidet keine Drohnenbrut. Er ist jedes Jahr einer der Ersten im Verein, bei dem die Schwärme fallen, obwohl sein Stand klimatisch nicht am meisten begünstigt ist. Schon Ferdinand Gestung schreibt, daß der Bien geschlechtsreif = bald schwarmbereit ist, wenn er beginnt, Drohnen aufzuziehen. M.E. kann durch Drohnenbrutschneiden Schwarmstimmung etwas hinausgezögert bzw. die Jungbienen mit Bauarbeiten beschäftigt werden, so daß Schwarmgedanken wegen Vollbeschäftigung zunächst gedämpft sind. Zusammenhalt im Volk bewirken m.E. nicht die Drohnen, sondern die Kö. mit ihren Pheromonen.