Auf Wildbau sitzendes umquartieren

  • Hallo!


    Wie schon erzählt, kümmer ich mich seit kurzen um die Völker eines Bekannten, der nach einem allergischen Schock ein wenig die Freude an seinen Bienen verloren hat.

    Er hat seine (inzwischen sechs) Völker im zweiten Jahr und ist sehr alternativ eingestellt.

    Seine möglichst eingriffsfreie "Betriebsweise" (Erweitern, mal einen Schwarm pflücken, etwas Honig entnehmen, und sich ansonsten daran zu erfreuen, zu beobachtetn was passiert) stellt mich immer wieder vor völlig neue Herrausforderungen, die ich bei meinen Bienen immer erfoglhreich verhindert habe:
    Unter anderen hat es auch mit Naturbau versucht und dafür mit Rähmchen ganz ohne Mittelstreifen oder Dreiecksleiste erweitert.

    Denke ihr könnt Euch vorstellen, wie das das ausgegangen ist...


    Außer bei einem Volk hab ich inzwischen bei allen den angefangenen Wildbau draußen und sie sitzen jetzt komplett auf "richtigem" Wabenwerk bzw. Mittelwänden.


    Das "Problemvolk" hatte er jedoch letztes Jahr als Schwarm komplett mit Leerrähmchen einquartiert, da er es spannend fand, zu sehen, was passiert:

    Es hat dort im schräg über fast alle Rähmchen Wildbau errichtet.

    Inzwischen beginnt er einzusehen, das es Vorteile hat, wenn man auch mal in ein Volk hineinsehen kann...


    Natürlich würde ich dieses Projekt so schnell wie möglich angehen.

    Allerdings hab ich noch keine wirklich zündende Idee, wie ich das bewerkstelligen soll...


    Das Volk ist m.M. sehr sicher abgeschwärmt und füllt nicht mal eine komplette Zarge (norw. Maß).


    Folgende Ideen hätte ich:

    1.Einfach Zarge mit LW/MW aufsetzten und auf Kooperationsbereitschaft hoffen:

    Falls sie freiwillig mit dem Brutnest hochgehen, Absperrgitter rein (und Zargentausch).

    Glaube nur nicht recht daran, daß sie hochgehen wollen...


    2.So Auffüttern und warten.

    Dann sollten sie ja eigentlich spätestens im Frühjahr im oberen Raum sitzen und ich kann die obere Zarge entfernen.

    Allerdings bin ich etwas unsicher, ob für den Mickerling zwei Zargen im Winter nicht zuviel sind.


    3.Doppelkönigskäfig basteln und versuchen, so die Königin abzufangen.

    Das Weisellose Volk sollte ja dann eigentlich leicht zu handhaben sein:

    Die alte (oder neue) Königin in neuer Zarge auf dem Bodenbrett zusetzen (event. über einen kl. Ableger )und den alten Brutraum zum auslaufen über AG aufsetzten.


    So ganz überzeugt bin ich von keiner Variante.


    Vielleicht jemand eine bessere Idee?

    Wie würdet Ihr das machen?


    Ließe sich ein freiwilliger Umzug beschleunigen, indem ich es ihnen im Wildbau "ungemütlich" mache?

    (Z.B. Zarge schräg stellen, neue Zarge untersetzten und den Wildbau mit Glasdach "beleuchten,...)


    Viel Grüße,

    Fjordimker


    PS: Die Völker sind varroafrei.

    Behandlung spielt also keine Rolle!

  • Solange Brut da ist, bekommt man die Bienen nicht freiwillig aus dem Wabenwerk raus. Es "ungemütlich" machen, reicht da nicht.

    Die Variante 3 habe ich wiederholt beim Systemwechsel von 1/1 auf 1,5 DNM eingesetzt. Klappt probemlos.

    Wenn du dabei fütterst wird unten schnell ausgebaut. Nach Auslaufen der Brut oben alle Bienen nach unten fegen (dabei kommt es ja auf Schäden am Naturwabenwerk nicht mehr an).


    Wolfgang

    I never loose - either I win or I learn (Nelson Mandela)

  • Zarge drunter mit MW und mittig zwei bienenfreie Waben mit offener Brut. Nach zwei Stunden schaust Du nach und wenn die Königin unten sitzt (ziemlich sicher) sagst Du laut 'Ätsch Du Aas!' und legst ein ASG auf die untere Kiste. Dann mußt Du ein wenig füttern. Alle paar Tage oben mal öffnen, damit die Drohnen raus können. Nach drei Wochen ASG raus und 'ne Bienenflucht rein. Den Block Wildbau stellst Du Deinem ganz auf Natur eingestelltem Freund heimlich irgendwo warm & bienendicht in den Keller, dann ist der auch den ganzen Winter nicht einsam.


    Das die Völker varroafrei sind halte ich für einen Witz. Und falls sie auf den Waben mit offener Brut Weiselzellen bauen, erklärt das auch die Volksgröße. Und frag Deinen die Natur so liebenden Freund mal, ob er, wenn er gaaaaanz genau hinhört, das leise Wimmerm vom Naturschwarm hört, der grade irgendwo in einem Versorgungsschacht mit dem Kammerjäger kommuniziert. Wenn er nix hört: Das ist so leise wegen dem Schaum.


    Beste Grüße,

    Ralf

    Imkern im Spannungsfeld zwischen Hoffnung und resignativer Reife

  • Solange Brut da ist, bekommt man die Bienen nicht freiwillig aus dem Wabenwerk raus. Es "ungemütlich" machen, reicht da nicht.

    Die Variante 3 habe ich wiederholt beim Systemwechsel von 1/1 auf 1,5 DNM eingesetzt. Klappt probemlos.

    Wenn du dabei fütterst wird unten schnell ausgebaut. Nach Auslaufen der Brut oben alle Bienen nach unten fegen (dabei kommt es ja auf Schäden am Naturwabenwerk nicht mehr an).


    Wolfgang

    Ich möchte bei meinen 3 Beuten die BR von 1,0 in 1,5 DNM Zargen tauschen.

    Ich hatte es eigentlich vor am Wochenende mittels TBE zu machen.

    Nun muss ich dazu sagen, die beiden Jungvölker sind Kunstschwärme von Mai diesen Jahres mit 1,0 DNM frisch ausgebauten BW.

    Nur das andere Volk sitzt auf dunklen älteren Brutwaben .

    Kann ich es bei den beiden ehem. KS so machen, wie Wolfgang es beschrieb ? Über ASG Brut auslaufen lassen und wie muss ich dann füttern ? Bin ich zu spät dran im Jahresverlauf ??

    Etwas verwirrt BB

  • Kann ich es bei den beiden ehem. KS so machen, wie Wolfgang es beschrieb ? Über ASG Brut auslaufen lassen und wie muss ich dann füttern ? Bin ich zu spät dran im Jahresverlauf ??

    Etwas verwirrt BB

    Ja, klar. Zu spät ist das nicht, wenn genug Bienenmasse da ist. Ich mache die Umstellung auch im Rahmen der TBE im Juli.

    Gefüttert wird wie bei der Spätsommerpflege üblich mit verdünnter Zuckerlösung (1:1 oder noch ein wenig dünner) in kleinen, aber stetigen Gaben.


    Wolfgang

    I never loose - either I win or I learn (Nelson Mandela)

  • Mit wie vielen 1,5er MW würdest Du starten, bei einem Volk, welches derzeit auf sieben 1,0er BW sitzt ? Mit Schied ?

    Die Futterwaben wieder oben drauf stellen ?

    Ganz langsam lichtet sich das Chaos meiner schlaflosen Nächte ein wenig in meinem Kopf...

  • Mit sechs oder sieben. Beide Zargen mit Schied. Ich würde sie sogar mit der Kiste drauf und ASG einfüttern, und die 1,0 dann Ende September drunter setzen (dann natürlich ohne ASG). Dann kannst Du im Frühjahr in der 1,5er alles so lassen und nur die leere untere 1,0er Kiste wegnehmen.


    Beste Grüße,

    Ralf

    Imkern im Spannungsfeld zwischen Hoffnung und resignativer Reife

  • Danke für Eure Antworten!


    In dem Zustand an die Königin ranzukommem ist mein großes Problem!


    Reservekönigin für die Methode mit dem Doppelkäfig gibt es leider keine.

    Mal eben eine schicken lassen ist hier auch nicht so einfach.

    Könnte auf die Schnelle also nur eine aus einem anderen Volk kidnappen....

    Da kommt die Idee mit den Lockwaben gerade recht!

    Dann werd ich mal hoffen, die abgeschwärmten Restzvölker haben inzwischen wieder genug Brut, um zwei Waben entnehmen zu können...:rolleyes:


    Nach Auslaufen der Brut oben alle Bienen nach unten fegen (dabei kommt es ja auf Schäden am Naturwabenwerk nicht mehr an).

    Die Aktion, den über 7-8 Rähmchen gehenden Wabenblock zu zerstückeln, würde ich mir eigentlich gerne ersparen...

    Auch, weil in der Zeit wohl keine Tracht mehr zu erwarten sein wird und ich keine Räuberei auslösen möchte.


    Hatte daran gedacht, den brutfreien Raum event. mit einer zwischengesetzten Leerzarge zum Ausräumen aufzusetzten.

    Wenn er erst mal sauber ist, sollte er doch eigentlich bald von alleine bienenfrei werden.


    Den Block Wildbau stellst Du Deinem ganz auf Natur eingestelltem Freund heimlich irgendwo warm & bienendicht in den Keller, dann ist der auch den ganzen Winter nicht einsam.

    Das hört sich nach einer kleinen Bosheit nach meinem Geschmack an!:evil:

    Zu meiner Schande muss ich aber gestehen, daß ich nicht kapiere, welche Folgen das hätte....:/

    Was passiert denn da?

    Und falls sie auf den Waben mit offener Brut Weiselzellen bauen, erklärt das auch die Volksgröße.

    Und nochmal steh ich auf dem Schlauch...

    :/

    Da wäre dann doch eine stinknormale (negative) Weiselprobe!?!

    Weisellos dürften sie aber nicht sein:

    Sie verhalten sich relativ ruhig und tragen auch brav Pollen ein.

    Denke, die geringe Stärke liegt nur daran, daß sie geschwärmt sein dürften.

    Das sind die anderen Völker ja ebenfalls.

    Die sind ja leider auch nur unwesentlich stärker.

    Und frag Deinen die Natur so liebenden Freund mal, ob er, wenn er gaaaaanz genau hinhört, das leise Wimmerm vom Naturschwarm hört, der grade irgendwo in einem Versorgungsschacht mit dem Kammerjäger kommuniziert. Wenn er nix hört: Das ist so leise wegen dem Schaum.


    Bei ums hängen die wohl eher in irgendwelchen Felsspalten.

    Ohne Kammerjäger.


    Er hatte letztes Jahr Glück:

    Von zwei Völkern zufällig auch zwei Schwärme gefangen und gedacht, das klappt immer so.

    Heuer ist das ganze gründlich schief gegangen:

    Der Gesamtzustand an Stand ist erbärmlich und ein Paradebespiel dafür, daß gut gemeint das Gegeteil von gut gemacht ist...

    Das sieht er aber inzwischen selbst langsam ein.

    Das die Völker varroafrei sind halte ich für einen Witz.

    In Norwegen gibt es weite Gebiete die (noch) von der Varroa verschont geblieben sind.

    Bei uns im Großraum kommt sie seit einigen Jahren vereinzelt vor.

    Die Vorschriften zur Wanderung sind bei uns sehr streng.

    Er hat die Völker ganz bewußt aus einer varroafreien Gegend geholt und die nächsten Völker sind Luftline rund 10km weg (Berge ü1000m dazwischen).



    ingrid:

    Eigentlich hab ich ja kein Problem damit, wenn sich jemand an ein Thema ranhängt.

    Aber die Problematik mit dem Wildbau und ein Wechsel des Rähmchenmaßes sind irgendwie doch verschiedene Paar Schuhe...

    Vielleicht wäre das in einem eigenen Thema bessser aufgehoben.

    So wird das ganze ein wenig unübersichtlich...


    Viel Grüße,
    Fjordimker

  • ........sorry, hast Recht.

    Ich bin schon wieder raus, mit einem Dankeschön an rase und Wolfgang für die Hilfe

    Vielleicht kann Hartmut es verschieben, im Falle es treten bei mir noch mal Fragen auf.

  • Wie jetzt? Gibt es wieder personalisierte Freds?

    Wenn das so ist, dann würde ich das sportlich sehe und gerade dort mal 1...2 DIN A4 Seiten dazwischen schieben....

    Alles gut!

    Hab wirklich kein Problem damit, wenn sich jemand mit ranhängt und jedem soll geholfen werden.

    Nur sind normales Umwohnen und Wildbau in meinen Augen zwei verschiedene Themen.

    Das macht es schnell unübersichtlich und später findet man Eure guten Ratschläge über die Suchfunktion kaum.


    Grundsätzlich erhebe ich aber keinerlei Anspruch darauf, meine Threads exklusiv zu nutzen.

    Jeder ist herzlich dazu eingeladen mitzuschreiben!

    Nur würde es mich natürlich freuen, wenn es dabei primär um das Thema Wildbau ginge...

    Aber ich hab genug Forenerfahrung, daß daß es mir auch keine schlaflosen Nächte bereiten würde, wenn alles völlig ins OT abgleiten würde und wir hier am Ende über Fußball und Kuchenrezepte diskutieren...

  • Hallo Fjordimker,


    Auch von mir aus auch noch eine Idee, falls das mit der eleganteren Lösung mit den offenen BW nicht klappt.

    Abtrommeln! Hab ich schon ein paar mal gemacht, als ich auch krassen Wildbau auf "gscheid" umsetzen wollte. Vorgehen: Deckel runter, Pappkarton oder Leerzarge oben drauf, am besten mit einem Spalt, dann siehst du die Bienen auch laufen. Dann gehts los, erstmal dir einen richtig guten Smoker bauen, grad dampfen muss er. Zum Flugloch heizt du den Bienchen ein, kannst auch die Zarge ganz vom Boden nehmen und auf Böcke stellen, dann is nach unten alles schön frei und die Arbeitshöhe ist besser. Und jetzt wird die Zarge maltretiert. Du und dein Kumpel, ihr nehmt euch jeder einen Stock oder Gummihammer und klopft schön auf die Kiste, sie sollen schon wissen dass ihr da seid. Geklopft wird auf die Zarge von der Stirnseite der Rähmchen her, damit die Schwingungen ins Wabenwerk laufen und zwar beginnend von unten und dann langsam nach oben. Dabei immer etwas Dampf geben von unten/ Flugloch. Nach wenigen Minuten geht da die Völkerwanderung los: die Bienen machen sich aus dem Staub und zwar ins nächste dunkle Loch, dass da ist dein Behältnis, was du oben aufgestellt hast. Ist der Bienenstrom am versiegen, kannst du die Zarge oder Pappkiste runternehmen. Fertig ist der Kunstschwarm inkl. Königin. Und den kannst du dann entweder einfach wieder mit eingelegtem ASG auf einer Extrazarge rückvereinigen oder machst gleich TBE.

    Hört sich vllt kompliziert an, aber das Trommeln an sich ist in 5-10 min durch. Google findet auch noch einiges zum Thema Volk abtrommeln :) Viel Glück!

  • @ragnuza: von der Methode "Abtrommeln" höre ich grad zum ersten mal. Geht das wirklich so einfach?

    Wenn´s so wäre, hätte ich heute schon um 8 was dazugelernt :thumbup: :)

    • Offizieller Beitrag

    Ja so ist das mit der Moderne,

    das alte Wissen geht verloren, ist nicht mehr Zeitgemäß und wird zu häufig als unnötiger Wissensbalast abgetan.

    Die Heideimker, als sie noch im Korb imkerten, haben durch "trommeln" manche gute Mark verdient ==> nackte Heideschwärme.

    Gruß Eisvogel

    Als ich mich zum imkern entschlossen hatte, fand ich mich ratlos vor diversen modernen Beuten-Systemen.

    Abbé Emil Warre 1948, 12. Auflage Bienenhaltung für alle, Übersetzt von Mandy Fritsche, 2010