Kein Zuchtmaterial von der Belegstelle, sondern nur Drohungen

  • Ich habe zwei Neuimker in unserem Verein, die im Nachbarlandkreis (Brandenburg) im Einzugsgebiet einer Belegstelle sind.

    Soweit kein Problem, die Kollegen wären auch gerne bereit, Zuchtmaterial von der Belegstelle einzusetzen. Allerdings scheinen die da alles möglich zu machen, nur keine nennenswerte Königinnenzucht. Jedenfalls konnten die Imker von der Belegstelle gerade mal eine (!) Königin kriegen.

    Umso deutlicher drohen die Belegstellenbetreiber aber mit dem fetten Ordnungsgeld, dass das Brandenburgische Bienenzuchtgesetz vorsieht.

    Leider sagt das Gesetz nichts zur Versorgung der Imker mit Zuchtmaterial.

    Gibt es da eine rechtliche Handhabe? Können die Belegstellenbetreiber faktisch alle Imkerei in ihrem Einzugsgebiet auf diese Weise verhindern?


    Wolfgang

    I never loose - either I win or I learn (Nelson Mandela)

  • Hallo Wolfgang,


    na, ich würde ganz freundlich die eine Königin nehmen und Ruhe ist. Wer nichts gibt, der bekommt halt nichts oder irgendwas anderes... Oder?


    Die restlichen Bienen dürfen natürlich nicht deutlich anders aussehen.


    Gruß Jörg

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  • Bei dem Thema hatte ich die Letzten Tage lange gespräche mit Lfl und Rechtsanwalt..

    Hier kommen das Wettbewerbsrecht und das Zuchtrecht zusammen.

    Rein rechtlich gesehen reicht es aus wenn man die selbe Gattung hat die in der Belegstelle geführt wird.

    Verlangt die Belegstelle Genetisch gleiches material muss die Belegstelle Zuchtstoff abgeben und den Imkern die im Belegstellenradius stehen Zuchtmateral zur Verfügung stellen und eine Begattung auf der Belegstelle gratis ermöglichen, da sonst ein verstoß gegen das Wettbewerbsrecht vorliegen würde.

    Zum Thema Ordnungsgeld:

    Ordnungsgeld kann erst nach einem Räumungsbescheid verhängt werden (Räumungsfrist mindestens 14 Tage, alles andre wäre rechtswiedrig). Gegen diesen Räumungsbescheid kann jederzeit Wiederspruch eingelegt werden. Ein Bsv muss dann Feststellen ob die Königin (nicht die Drohnen, nicht die Arbeiterinnen) der selben Rasse angehören.

    Zwischen 1 August bis 31 März darfst du aber auch völlig legal Ligustica oder die Dunkle direkt an die Belegstelle stellen wenn du das willst, in diesem Zeitraum gilt der Schutzradius nicht! (Das kann ich jetzt definitiv nur für Bayern sagen).


    Sollte die Belegstelle nicht genug Königinnen erzeugen, oder eine Fehlbegattung nicht ausgeschlossen werden können könnt ihr beim zuständigen Lfl zweifel an der Sinnhaftigkeit der Belegstelle anmelden.

    Wenn nicht genug Königinnen erzeugt werden oder über 3 Jahre eine Fehlbegattung nicht ausgeschlossen werden kann ist es möglich, die Belegstelle auflösen zu lassen. Vor allem kommt noch hinzu, dass bei einer nachgewiesenen Fehlbegattung die Förderungen nicht mehr gewährt werden.

  • Hallo,


    ich würde die Schutzzone einer Belegstelle auf jeden Fall respektieren (sorry mit dem Begriff "Einzugsgebiet" kann ich nichts anfangen). Frag den Belegstellenleiter ob es OK ist, von der einen Königin nachzuziehen und dann die daraus resultierenden Völker am Standort zu belassen, oder ob es notwendig ist Dir einen Stand außerhalb der Schutzzone zu suchen. Hier lesen auch Belegstellenleiter oder ehemalige Belegstellenleiter mit, evtl. können die einmal beschreiben wie sie es bei Ihrer Belegstelle halten...

    Ich denke einen "Anspruch" auf Zuchtmaterial hast Du nicht.


    Gruß

    Franz

  • Ich denke einen "Anspruch" auf Zuchtmaterial hast Du nicht


    Wenn die Belegstelle nur eigenes Material im Schutzkreis dultet muss sie dir Zuchtmaterial gratis zur verfügung stelllen, ggf auch Königinnen.

    Alles andre wäre ein Wettbewerbsverstoß und kann richtig teuer werden.

  • Richtig :)

    Rein von der rechtlichen seite steht allerdings geschrieben:

    In den im Anerkennungsbescheid festgelegten Umkreis um eine Bienenbelegstelle dürfen keine
    Bienenvölker verbracht werden, es sei denn, diese entsprechen der von der Bienenbelegstelle
    gewählten Zuchtrichtung. (gilt wiederrum nur für Bayern, bitte fürs eigene Bundesland nachlesen)


    Das heißt du dürftest mit jeder Carnica in ein Carnicaschutzgebiet wandern. Wird allerdings die Königin still umgeweiselt und Fehlbegattet fällt das unter höhere Gewalt, da man die Königin ja nicht in das Schutzgebiet gebracht haben. ;)

    Selbst wenn die Belegstellenmenschen Stress machen - ein halbwegs geübter Anwalt findet 1001 Schlupflöcher und Gegenangriffspunkte. Da die ganzen verordnungen und Gesetze nicht sonderlich gut sind.



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  • ... Ein Bsv muss dann Feststellen ob die Königin (nicht die Drohnen, nicht die Arbeiterinnen) der selben Rasse angehören.

    Zwischen 1 August bis 31 März darfst du aber auch völlig legal Ligustica oder die Dunkle direkt an die Belegstelle stellen wenn du das willst...

    Hier muss ich noch mal etwas klugscheißern... Vielleicht ist das ja für einen (Nichtimker-) Juristen von Wert.


    Es geht bei uns nicht um verschiedene Bienenrassen, sondern nur um verschiedene Unterarten!


    Und egal, was im Endeffekt rechtlich richtig ist - man kann sich das Leben auch unnötig schwer machen. Und dazu zähle ich auch so ein unkooperatives Verhalten der Belegstellenbetreiber. Sicher müssen die Schutzzonen beachtet werden, aber so eine Umweiselung darf nicht zu Lasten der örtlichen Imker gehen!


    Gruß Jörg

  • Das ist ja eine kuriose Geschichte...

    Also ich bin ja auch in Brandenburg im Belegstellenbereich und bekomme da immer wieder subventionierte Königinnen (kosten dann 18 statt 30 € wie ich meine).

    Interessant aber die Interpretation, dass man dann Anspruch auf kostenlose Nutzung der Belegstelle oder Bezug von Zuchtmaterial haben sollte...das ist natürlich auch ein heisses Eisen...


    Angeblich darf ich aber noch die F1 selber ziehen; F2 geht aber nicht mehr.


    M.

  • Erstmal vielen Dank für die Hinweise.

    Die Belegstellenbetreiber dulden nur eigenes Zuchtmaterial in der Schutzzone. Ob das rechtens ist, kann ich nicht prüfen. Aus der Belegstellenverordnung geht nichts hervor.

    Das Brandenburgische Bienenzuchtgesetz sagt dazu:

    "Im Schutzbereich dürfen außer den Drohnenvölkern der Bienenbelegstelle nur solche Bienenvölker gehalten werden, die der für die Bienenbelegstelle bei der Anerkennung festgelegten Zuchtherkunft entsprechen."

    Die Belegstelle kann also alle anderen Herkünfte verbieten.


    Ich werde mal beim zuständigen Landesamt nachfassen



    Wolfgang


    I never loose - either I win or I learn (Nelson Mandela)

  • Das nenn ich mal einen lukrativen Ansatz: ich betreibe eine Belegstelle, schreibe allen Imkern drumherum vor, nur noch meine Bienen zu kaufen, oder eben das imkern zu lassen. Per Gesetz. Wenn mir wer nicht paßt, Pech gehabt, der darf keine Bienen kaufen und ist damit raus. Ätsch.


    :)


    Wo bekomme ich eine Belegstelle?


    Beste Grüße,

    Ralf

    Imkern im Spannungsfeld zwischen Hoffnung und resignativer Reife

  • Wo bekomme ich eine Belegstelle?

    Da musst Du Dir die Landesgesetze und -verordnungen anschauen.

    Üblicherweise bedarf es einer Ankennung durch das zuständige Landesamt. Mitreden dürfen meist auch die

    Forstbehörde und die regionalen Imkervereine bzw. der Landesverband.

    Außerdem muss ein Zuchtprogramm vorgelegt werden.

    Soweit ich sehe ein ziemlicher Aufwand.


    Neben der Finanzierung über den Weiselverkauf sähe ich noch einen anderen Vorteil: Man könnte damit die Wanderimker fernhalten.

    Momentan nerven die mich ziemlich, weil über 100 Völker in meinen Flugkreis stehen und die Tracht so üppig auch wieder nicht ist.


    Wolfgang


    I never loose - either I win or I learn (Nelson Mandela)

  • Ganz so einfach ist es wohl nicht- bis zum amtlichen Status haben Imker im Schutzradius Einspruchsmöglichkeiten, aber wenn der Status bestätigt ist, muß sich an die Regeln gehalten werden. Das kann dann auch heißen, während der Belegstellensaison abzuwandern, wenn man von der eignen Linie oder Rasse überzeugt ist oder als Anfänger in dem Gebiet mit der entsprechenden Linien/Rasse anfangen. Zuchtstoff kann man sich meist kostenlos holen, aber Pflicht der Belegstelle zur kostenlosen Versorgung mit Weiseln besteht nicht.

    In einem Trachtgebiet mit vielen Imkern im Flugkreis wirst du wohl kaum einen Belegstellenstatus erreichen können.

    Ich finde die Meuterei gegen die Belegstellen ziemlich hirnrissig, da in der Zeit auch gute Standbegattungen möglich sind.


  • Hallo Wolfgang,


    das eine Belegstelle Schutzbedürftig ist, sollte erstmal nicht anzuzweifel sein.


    Auch das ein Bienenhalter sich vor der Anschaffung informiert sollte vorausgesetzt werden.


    Lt. eurer Wanderordnung muss jedes Verbringen von Bienen beantragt werden.


    Ich bin mir sicher das die Anwanderung an den neuen Standort keinesfalls genehmigt werden würde.


    Somit wäre der Kollege erstmal aussen vor. Wenn ich alles bis hier richtig verstehe, hat er sich informiert


    und auch mit der Belegstelle Kontakt aufgenommen. Warum diese dann so knauserig ist, kann und will


    ich nicht verstehen. Das Recht haben sie aber auf Ihrer Seite. Der Kollege hat ja durchaus die Möglichkeit


    sich auf der Belegstelle gezogene Königinnen zu kaufen. Dies muss ja nicht direkt von der Belegstelle sein.


    Anderenorts wurden bei der Errichtung einer Belegstelle alle Imker kostenlos mit dem Zuchtmaterial versorgt als die


    Belegstelle eingerichtet wurde. Ein Anspruch dasrauf besteht aber ( zumindest bei den Inselbelegstellen ) nicht.


    Dort wird jegliche Bienenhaltung untersagt wenn nicht im Vorfeld bereits alles mit dem Belegstellenleiter


    geklärt wurde.


    Gruss Joachim