Schwarm abspritzen?

  • Hallo, bin heute von unserem Pfarrer und unserem Vereinsvorsitzenden informiert worden, dass sich am Gemeindehaus ein Schwarm eingenistet hat. Äußerst ungünstige Stelle, in ca. 8 m Höhe im Winkel unter Dachtrauf zur Hauswand. Darunter Gebüsch, so dass man keine Leiter aufstellen kann (8 m mit Kiste wären mir auch zu hoch). Habe mal angeregt, dass die Feuerwehr mit dem Korb kommt, dann würde ich ihn runterholen. Aber das ist nicht sicher, könnte aber sein, weil es eine kirchliche Einrichtung ist.

    Nun lautet der Vorschlag eines Imkerkollegen, den Schwarm abzuspritzen und mit einem Tuch am Boden aufzusammeln. Ich habe schon Schwärme aus diffizilen Lagen eingeschlagen, aber dass man auch abspritzen kann, ist mir neu. Da stellen sich mir drei Fragen: 1. Reicht bei dieser Höhe der Wasserdruck dafür aus oder macht man den Schwarm nur nass? 2. Besteht wirklich eine nennenswerte Chance, dass der Schwarm so geschlossen fällt, dass ich ihn mit einigermaßen großer Königinnengarantie einsammeln kann? 3. Ist so ein nassgespritzter Klumpen Bienen überhaupt überlebensfähig? Offen gestanden, habe ich wenig Lust auf diese Aktion, aber hier ist ja Gemeinsinn gefordert. Hat jemand mit dem Abspritzen von Schwärmen Erfahrung, oder ist das nur so eine theoretische Idee? Für Erfahrungen und Ratschläge wäre ich dankbar, mit dem Pfarrer habe ich mich auf morgen nach meinem Feierabend, ca. 18 Uhr, vertagt. Gruß Steffen

  • Hallo, also, entweder hat sich der Schwarm "eingenistet", dann ist er in einen Hohlraum eingezogen oder baut am Dachkasten schon Waben, dann bekommst du den mit einem Wasserstrahl aus 8 m Entfernung (da hast du keinen Druck mehr, bei haushaltsüblichen Geräten) nicht runter, oder der Schwarm hängt da um sich zu sammeln und eine neue Wohnung zu suchen, dann kannst du dir das heute um 18 Uhr sparen, dann ist der schon lange weg.

    Ist schon ne komische Vorstellung, 8m mit Wasserstrahl, das geht nur mit nem C-Strahlrohr und dann ist nichts mehr zu retten...

  • mit einem Wasserstrahl einen Schwarm runterspritzen- solche Ideengeber sollte man mal für eine Minute vor ein Feuerwehrrohr stellen!

    da wird ein matchiger Klumpen Bienenelend ankommen, von dem die Mehrheit verrecken wird.

    Der Druck aus der Wasserleitung wird für die 8m kaum ausreichen.


    schon mal vom Schwarmfangrohr gehört? oder in Kombination dieses mit Sauger+ Aschefilter? Zur Not muß man das Gebüsch etwas lichten, um Handlungsfreiheit zu bekommen.

    Schwarmfang im Hohen Baum


    Gruß Fred

  • bienenfred : Deine Meinung = Meine Meinung, aber ich wollte diesen Vorschlag einfach klären, hätte ja sein können, dass ich falsch liege. Wasserschlauch zu wenig, C-Rohr zu viel Druck - sehe ich auch so.

    Schwarmfangrohr und andere Schwarmfangutensilien: Sollte sich mal unser Verein anschaffen, der auf einem Haufen Geld sitzt; ich als einzelner Imker brauche das Zeugs nicht so oft, an mich wendet man sich nur, wenn ganz diffizile Schwärme einzuschlagen sind :-(

    Jedenfalls ist der Schwarm noch da. Hatte gehofft, dass er sich verzieht. Ob er baut oder in einen Hohlraum eingezogen ist, weiß ich erst, wenn ich da oben bin. Habe erst vor zwei Jahren einen Schwarm aus einem Dachboden geholt, den der Hausbesitzer unzugänglich gemacht und rundherum isoliert hatte. Zusammen mit einem Dachdeckermeister (Jungimker) teilweise abgedeckt und einen Teil des Gebälks rausgesägt, damit wir einen kleinen Zugang hatten, innen schon jede Menge Wildbau, der Hausbesitzer hatte lange zugewartet, mehrere Stunden im Bienennebel ...

    Einen Kaffee noch, dann geht es so langsam los. Mal sehen, ob die Feuerwehr kommt.

    Gruß Steffen

  • Ist ja irgendwie löblich, wirklich.


    Ich muss bei sowas immer drüber nachdenken, wenn da mal einer abschmiert und es insgesamt so ein bisschen ungünstig läuft,

    wer zahlt die Berufsunfähigkeit oder oder oder?


    Also Hals- und Beinbruch!

    "Wer die Leidenschaft als Jugendsünde abtut, degradiert die Vernunft zur Alterserscheinung".
    Hans Kasper

  • Warum meinen eigentlich so viele, dass man unbedingt jeden Schwarm runterholen müsse?


    Warum kann man nicht einfach mal einen Schwarm Schwarm sein lassen? Selbst wenn er gerade ganz ungünstig für Menschen hängt, nach einige Stunden, höchstens Tagen ist er doch von alleine weg? Er schwärmt doch freiwillig, es ist Bien pur und sooo schlecht sind die Chancen gar nicht, dass er an einer nicht störenden Stelle einzieht und wenigstens 2-3 Jahre gut lebt und sich sogar weiter vermehrt.


    Obwohl ich gar nicht danach suche, aber halt vielleicht einen Blick für sowas habe, finde ich andauernd "wilde" Bienenvölker. Und einige beobachte ich nun schon länger und die überleben fast alle mindestens 2, einer nun schon sicher das 3. Jahr. Und ich KANN unterscheiden, ob es das selbe Volk ist, oder ob eines abgestorben und danach ein neuer Schwarm eingezogen ist!).


    In der Natur ist die Überlebenszeit selbst ohne Milbe wahrscheinlich auch nicht viel anders. In dieser Zeit hat er sich schon mehrmals geteilt und vermehrt, mehr will die Natur doch gar nicht.

    Ich halte diesen Zwang, möglichst jeden Schwarm einfangen zu müssen teilweise schon für arg übertrieben.


    Dass ein Schwarm in unserer ausgeräumten Landschaft (=kaum alte Bäume mit große Höhlen) und mit der vom Menschen hier angesiedelten Varroamilbe eingeschränkte Überlebenschancen hat, teilt der Bien doch mit unendlich vielen anderen (Wild)tierarten, ohne dass dort auch so ein Bohei drum gemacht wird.


    Setzt euch lieber dafür ein, dass alte Bäume stehen gelassen werden und nicht in einer völlig überzogen interpretierten Verkehrssicherungspflicht schon vorsorglich abgesägt werden.


    Wenn ich dann sehe, wieviele Schwärme völlig unbemerkt abhauen und irgendwo verschwinden, steht der Stress, den viele sich wegen der paar bemerkten Schwärme machen, auch in einem ganz anderen Licht.


    Ich fange auch Schwärme, die ich bemerke und die gut hängen, nur um ihrer selbst willen, weil ich habe auch so mehr als genug Völker. Aber wenn sie nicht gut hängen, dann lass ich es einfach sein, frei nach "man muss nicht über jedes Stöckchen springen, das einem jemand (oder das Schicksal) vorhält".


    Gruß

    hornet

  • Operation am Freitag begonnen, am Samstag dann gelungen (ich brauchte nicht nur Feuerwehr, sondern auch einen Zimmermann), Patient während des Abtransports verbraust. Der Schwarm hatte mit Wabenbau bereits begonnen. Er wäre also nicht mehr weitergezogen. Seine Entfernung war technisch sehr schwierig und dauerte daher sehr lange, zu lange für diesen heißen Tag.


    Ich bin überhaupt keiner, der jedem Schwarm hinterherjagt, ganz im Gegenteil. Meine Völkerzahl habe ich im Griff. Aber ich hole Schwärme, bei denen ich meine, dass sie sich den falschen Platz ausgesucht haben. Etwa, wenn sich ein Schwarm im Dachstuhl des Gemeindehauses einnistet, daneben befindet sich der Kindergarten. Ich habe die meisten Völker im Dorf, bin Bienensachverständiger und Vorstandsmitglied im Verein, deshalb werde ich genauso wie die Feuerwehrleute oder dieser Zimmermeister tätig. Das nennt sich Ehrenamt und Gemeinsinn. Gibt es auf dem Lande noch. Sonst zeigen die Leute berechtigterweise auf Dich, wenn später Kinder im Kindergarten gestochen werden oder beim Dorffest im Hochsommer Festbesucher oder wenn irgendwann die Bienen im Gemeindesaal fliegen würden. Es gibt ganz einfach öffentliche Plätze, wo Bienen stören.


    Da ist es für mich keine Frage, mitzuhelfen, auch wenn ich bin, dass es "mein" Schwarm nicht sein kann: Alle meine Völker hatten heute jüngste Eier.


    Ich sehe es so: Bienenhaltung ist nicht nur ein Vergnügen (das soll sie selbstverständlich zuvörderst sein), sondern zieht auch Pflichten nach sich. So kann es beispielsweise nicht sein, dass man seine Völker, sobald man sie abgeschleudert hat, in Wohnortnähe sich selbst überlässt, bis sie behandelt werden müssen. Solange mit Schwarmbildung zu rechnen ist, ist nach meiner Auffassung in Wohnortnähe Schwarmkontrolle Pflicht. Wer dazu keine Lust hat, soll sich einen anderen Standplatz suchen, 5 km entfernt von besiedelten Flächen. Gibt's kaum noch. Also? Schwarmkontrolle oder rechtzeitige Ablegerbildung oder oder oder. Es gibt viele Möglichkeiten.


    Grüße Steffen

  • Nö.

    Hat man definitiv nicht.
    Man hat aber vielleicht was falsch verstanden?


    Ich stehe da völlig konträr solcher Auffassung gegenüber und halte sie vielleicht eher für ein bisschen zu stark öko-romantiklastig wie so vieles heute.

    Alles Natur usw.

    So einfach ist es aber leider nicht. Wir und alles andere, was kreucht und fleucht, leben in einer nicht mehr natürlichen Landschaft. Klar schaffen es viele Spezies, sich da durchzuwurschteln, eine Nische zu besetzen oder kommen sogar mit unserer Kulturlandschaft recht gut zurecht oder sind sogar Kulturfolger.


    Für die wenigen Schwärme, die irgendwo einziehen und durch weiteres Schwärmen ggf nochmal die Schadschwelle unterschreiten und ins zweite oder dritte Jahr gelangen, müssen etliche übelst eingehen. Zig kommen erst gar nicht wo auch immer in die Pötte, die meisten sterben den Hunger- oder Varroatod. OK, das tun auch viele beim Imker, es werden sogar etliche zu Tode behandelt oder fehlbeimkert. Ich möchte aber mal behaupten, egal wie doof der Durchschnitt sich auch anstellen würde, die Statistik spricht da immer noch gegen das Fliegenlassen.


    Die Thematik Faulbrut, Räuberei und Krankheitsweitergabe bzw. Keimzelle für Wiederausbrüche und frustrane Sanierungsbemühungen lasse ich dabei hier jetzt noch außen vor, ist aber auch ein deutliches Thema.


    Nichts anderes will der Bien, immer noch. Sich vermehren und ausziehen und sein Glück versuchen, ja klar. Ob das nun der Himmel auf Erden ist und nur weil natürlich, vollautomatisch immer gut, sei in Frage gestellt.


    Wir als Halter und Imkerschaft, die sich damit auskennen, sollten Verantwortung zeigen und Sachverstand. Uns wenigstens versuchen zu kümmern. Ich bin auch nicht dafür, für jeden Schwarm Kopf und Kragen zu riskieren, gar nicht. Je nach Situatin, Zeit und Ort muss das Schiksal eben seinen Lauf nehmen. Aber bitte keine Ausrede, wenn es nicht geht, sondern doch eher mit Bedauern, einem mehr als guten Wunsch auf den Weg und mit dem Wissen um die äußerst geringen Chancen. Ausnahmen bestätigen wie immer die regel, bleiben aber weiterhin solche!


    Wir könnten beispielhaft auch sofort aufhören, Katzen kastrieren zu lassen, denn das ist ja nur Natur, nichts anderes will die Katzenschaft, sich vermehren und ausziehen, einen neuen Platz zu finden, um das Überleben kämpfen, frei sein. Im nächsten Jahr vielleicht krank und schwach die nächsten zwei Würfe auf die Welt bringen und von denen überlebt nochmal wer irgendwo und schlägt sich durch. Bevor der ausgemergelt, verwurmt und in jungen Jahren überfahren wird, hat er sich doch bereits wieder weiter vermehrt und es kann für die Art weiter gehen, nichts anderes will die Art.

    Das ist eben Natur

    oder?

    "Wer die Leidenschaft als Jugendsünde abtut, degradiert die Vernunft zur Alterserscheinung".
    Hans Kasper

  • Jeder Imker, der mal der Erledigung beiwohnen durfte, fühlt sich scheiße. Die anderen sind Bienenhalter oder was auch immer. Ist Ok , just for the records.


    Beste Grüße,

    Ralf

    Imkern im Spannungsfeld zwischen Hoffnung und resignativer Reife

  • Montag- war wieder Schwarmtag in MV, voll im Schleuderstress nach dem verregneten Sonntag .

    die Bucki machte den Anfang mit 8m im alten Birnbaum- also das Schwarmfangrohr vom Vorjahr rausgeholt, bei den Versuchen ihn aus einer Astgabel zu bekommen, legte dann die Carnica-Schwärmerin von 2016 nach und zeigte, wie sich ein Schwarm hinhängen sollte, der ein neues zu Hause will- 2m hoch- 3kg in der Kiste.

    Nach 2x Bienenregen verduftete sich der Schwarm, bevor ich mit der Brutwabe ankam. Verfolgung erfolglos nach 1500m abgebrochen, nach dem ein Angler betätigte, das er über den See des nächsten Dorfes machte. Aber wenigstens weiß ich jetzt, da ich nur noch 3 andere Imker am 2km-Kreisrand habe.

    Jetzt gehts noch weiter schleudern, die Wanderzeit muß nachgearbeitet werden.

    Gruß Fred