Alter Stock bewohnt, wie geht es weiter?

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    Hallo an Alle,

    mein Mann ist Einsteiger in der Imkerei, besucht auch bei einem Verein einen Kurs und hat nun binnen kurzer Zeit die gesamte Familie angesteckt, also imkere ich nun mit und unsere große auch. Diese Woche hatten wir unser erstes Abenteuer.

    Wir haben für unsere zwei Ableger einen tollen Standort gefunden an dem vor einigen Jahren schon mal ein Imker stand, leider hat er diesen nicht mehr aufräumen können. Also bewaffnet mit Schwerlasttüten wollten wir dort aufräumen, denn der Specht hat die alten Styroporbeuten total zerlöchert.

    Im Gegensatz zu der vorherigen Information war dann doch eine der alten Beuten bewohnt, huch!

    Dort herrschte fleißiger An- und Abflugverkehr. Unsere Theorie war das das bestimmt ein jüngst abgegangener Schwarm sei. Mein Mann entschied sich dafür mal nachzusehen wie groß denn die Menge an Bienen ist die dort wohnen. Leider ist die oberste Zarge trotz aller Vorsicht kaputt gegangen.

    Wir fanden viel Wildbau und darunter eine Zarge mit alten Rähmchen auf denen wohl Brutgeschäft herrscht. Was nun? Zumachen und einen erfahrenen Imker fragen ging nicht mehr. Also haben wir eine unserer Zanderbeuten geholt, Boden und eine Zarge leer daneben gestellt und den hochstehenden Wildbau mit Honig und teilweise Brut abgenommen.

    Die Rähmchen hat mein Mann im Dreierpack, weil er Angst hatte alles zu zerbrechen, einfach auf den Gitterboden unserer Beute gestellt. Wir konnten ja so schnell das Maß der Rähmchen nicht ändern. Von den alten Rähmchen waren so viele da das sie jetzt aufrecht stehen. Vom Wildbau hat er die Bienen abgefegt in den Stock hinein. Danach haben wir eine Zarge mir neun Rähmchen Mittelwand und einem leeren oben drauf gesetzt. Deckel drauf und fertig. Schon nach einer halben Stunde hatte sich das Volk beruhigt und am Flugloch sterzelten ein paar Bienen.

    Lange, für uns aufregende Geschichte. Nun zu den Fragen. Da die Bienen da wohl schon länger gewohnt haben und wir Ihnen durch diese Aktion einen Teil der Vorräte und Brut geklaut haben, müssen wir nun schon füttern? Wie bekommen wir das Volk dazu ins „obere Stockwerk“ zu ziehen, denn ein großer Teil der Waben ist fast schwarz und es passt ja auch nicht. Sollten wir das Volk jetzt schon irgendwie behandeln? Können wir „gefahrlos“ unsere Ableger (die wir jetzt erst am Sonntag bekommen) daneben/ in die Nähe stellen? Natürlich hat mein Mann in seinem Kurs einen erfahrenen Ansprechpartner aber der ist natürlich erst wieder ab Nächstem Sonntag zu erreichen. Wir haben bestimmt viele Fehler gemacht aber bitte bedenkt bevor Ihr schimpft, wir haben bisher noch nicht einmal eigene Bienen. So nun hoffe ich auf viele gute Ratschläge und sage schon mal vielen Dank.


    P.S. Ich habe zwei Fotos vom Wildbau mit Bienen dazu gestellt, misste nur das große stark verkleinern, ich hoffe man sieht was

  • Hallo,


    uih, wie spannend zum Einstieg.

    Und dann kein Internet, keinen zum Fragen, Hirn einschalten und was tun - :cool:


    Ist doch gar nicht mal schlecht. Wenn die alten Rähmchen da unten nun halbwegs ordentlich stehen, dann haben sie vernünftige Wabengannen bzw den halbweg richtigen Abstand, und dann sollten die oben ausbauen. Da geht dann auch die Königin rauf und stiftet.


    Füttern müsst ihr aktuell nicht, da kommt genug rein, das sollte ohne Probleme gehen.

    Ich würde bereits in einigen Tagen bis 1 Woche nachsehen, oben die Waben ziehen, nach Neuausbau gucken und nach der Königin suchen. Dazu solltet ihr vorher die obere Zarge anheben, ein Königinnenabsperrgitter zwischen die beiden einlegen und dann erst vorher von unten Rauch durch das Flugloch gegeben haben. (Vorher bereits, sonst haut Euch die Königin nach dem Öffnen oben und bei der Durchsicht evtl erst wieder ab in die tiefere Etage!)

    Wenn die Königin sicher oben ist (Ausbau, Stifte, Brut UND Königin), dann lasst das Abspergitter so drin, in spätestens drei Wochen sind unten alle restlichen Brutflächen geschlüpft und ihr könnt den alten Kram wegnehmen.


    Bis dahin ist der Imkerpate ja auch wieder bei Fuß.


    Viel Erfolg!


    Dieses Volk wird Euch besonders ans Herz wachsen. :p_flower01:

    "Wer die Leidenschaft als Jugendsünde abtut, degradiert die Vernunft zur Alterserscheinung".
    Hans Kasper

  • Edit:


    Herzlich willkommen beim Sammelplatz der Bienenbekloppten!


    Die neue Beute steht am bisherigen Platz der alten und die alte ist mit allen Resten weggeräumt, so hoffe ich mal? Sollte!! Denn die fliegen ja zum alten Standplatz.


    Zum Hineinstellen der alten Rähmchen in die untere Zarge:

    je voller und lückenfreier hineingepackt, desto besser, denn sonst gibt es wieder Wildbau in den Zwischenräumen. Da kann man aber jetzt nix machen. Behalten wollt ihr davon eh nix. Es wird nur mühsam, das rauszubekommen oder ranzukommen. ggf vorsichtig trennen.


    Die Leerwabe oben ist in der Mitte? Das wäre von Vorteil, da zentral und besser als Brutnestfortsetzung nutzbar. Königinnen lieben Leerwaben, besonders Fremdwaben werden oft hurtig bestiftet. Also gucken, was geht, Königin dann oben festsetzen. (s.o.)


    Auch die Drohnen passen nicht durch das Absperrgitter! Sind viele mit oben eingesperrt, dann müsst ihr ab und zu mal hochheben, Deckel öffnen und die Jungs freilassen bitte! Die verrecken sonst im ASG, das ist bäh.


    Wenn das ASG eingelegt ist: dann hat sie oben ab Tag x gestiftet, ab ASG kann sie unten nicht mehr, oben wäre ab Tag 7 verdeckelt. Vor der Verdeckelung habt ihr also einen Tag, an dem die wenigste geschlossene Brutmenge (mit Varroamilben drin) in der Kiste ist.

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    Das wäre eine Option, die dann zu behandeln, wenn kein Honig mehr von denen geerntet werden soll. Sprühen von Oxalsäure z.B.

    Es wäre auch eine Überlegung, zu diesem Zeitpunkt die Waben mit Restbrut unten ganz wegzunehmen, die ansitzenden Bienen abzufegen in den Neuteil und diese Altwaben mit Brut und Varroas drin zu vernichten/einzufrieren oder einzuschmelzen. Dann sind die Bienen nackt bzw nur mit offener Brut und man kann am besten alle Milben erwischen.


    Alternativ wäre ein Verstellen der unteren Zarge möglich, Bienen auf alten Waben, falls noch ziehbar 1 x abschütteln in die neue zweite Zarge, die an diesem Platz stehen bleiben soll. Es bleiben noch Pflegebienen an den alten Brutwaben sitzen, das reicht.

    Diese untere Zarge mit dem Altbestand dann auf einen neuen Boden woanders hin stellen. Brut auslaufen lassen und danach brutfrei behandeln und wieder mit dem neuen Teil vereinigen.

    Dieser Teil zieht sich aber nach Verstellen eine Königin nach, weil sie weisellos sind, keinen Kontakt mehr zur Königin haben, da müssen die Nachschaffungszellen entfernt werden, damit keine Jungkönigin schlüpft vor dem Wiedervereinigen.


    Oder aber: Neue Queen schlüpfen lassen (rechnen) und dann alles am gleichen Platz abfegen aufeine Zarge mit neuem Wabenwerk/ Leerwaben. Ergibt noch ein Jungvolk.

    Habt ihr Leerwaben?


    Viel zum Überlegen


    Gruß


    Marion

    "Wer die Leidenschaft als Jugendsünde abtut, degradiert die Vernunft zur Alterserscheinung".
    Hans Kasper

  • Hallo,

    vielen Dank für die Antworten.

    auf die Idee mit dem Absperrgitter wäre ich so nicht gekommen.

    Ja, die neue Beute steht direkt neben dem alten Standort, sie um die 40 cm zu verschieben haben wir in der Aufregung ganz vergessen. Der ganze alte Kram ist natürlich weg und somit gibt es da nichts anderes zu bewohnen.

    Eine Leerwabe hatten wir nicht, nur neun Rähmchen mit Mittelwänden und eine ohne, für evtl. Drohnenbrut nach außen gesetzt.

    Die ganze Aktion war am Mittwoch, am Sonntag kommen die zwei weiteren Ableger, dann werden wir auch wieder nach diesem Volk schauen, evtl. nur von außen um Ihnen noch etwas Ruhe zu gönnen.

    Ach ja, wir wohnen in Niederkassel zwischen Köln und Bonn


    Viele Grüße Verena

    Je größer der Dachschaden, desto besser der Blick auf die Sterne.

  • Als Gefankenanstoß möchte ich einbringen, ob man ein Überlebensvolk überhaupt gegen Varroa behandeln sollte, denn sie haben ein biologisches Gleichgewicht mit dem Parasiten erreicht.

    Dazu sind allerdings noch einige Sachen mehr zu beachten, die an anderer Stelle in der Diskussion besser aufgehoben sind. ( Suchfunktion Behandlungsfrei)

    Es wäre überaus schade, wenn man sich dies durch eine wie auch immer geartete chemische Behandlung kaputt macht.


    Sofern man diesen Weg weitet beschreiten möchte, ist jedoch dieser Standplatz für andere Behandlungsvölker tabu.


    Liebe Grüße Bernd

    Pushen wir uns nicht an den Stöckchen dieser Welt, bewegen wir Baumstämme, auf denen wir stehen.

  • Als Gefankenanstoß möchte ich einbringen, ob man ein Überlebensvolk überhaupt gegen Varroa behandeln sollte, denn sie haben ein biologisches Gleichgewicht mit dem Parasiten erreicht.

    Weil irgendwo ein Schwarm wieder in den alten Rotz eingezogen gezogen ist, redest Du von 'Überlebensvolk' und rätst blutigen Anfängern zu behandlungsfreier Imkerei? Ernsthaft?


    Beste Grüße,

    Ralf

    Imkern im Spannungsfeld zwischen Hoffnung und resignativer Reife

  • Moin, moin,


    ich würde vielleicht erstmal zur groben Ermittlung des Befalles anhand des Totenfalles oder besser einer Bienenprobe raten, und danach entscheiden, was ich wann täte, in Sachen Varroa.

    Einfach umsiedeln und nicht behandeln wäre jedoch auch im Falle eines tatsächlichen Überlebensvolkes in der Hand eines erfahrenen Imkers ein hohes Risiko, weil man ja nicht viel über den Stressstatus des Volkes weiß...

    Gruß Clas


    Gruß Clas

    "Ach, das Risiko...!" sagte der Bundesbeamte für Risikoabschätzung abschätzig...

  • Meine Güte, welch ein Schmarrn,


    tut mir leid aber da geht mir denn auch die Containace flöten.

    Gleichgewicht mit dem Parasiten... wenn ich das schon höre bei der Varroa.

    Macht doch mal einen Feldversuch mit Wauwau und Miezekatze: Freigänger, 5 Jahre ohne Wurmkur. Lebt noch?


    Das sind Imkeranfänger, das zum einen. Da ist ein Volk unklarer Herkunft und Aufenthaltdauer in dreckig-ungeeignetem Zeug zum anderen. Es wird erstmal nicht gezählt, Geguckt und Gegrübelt, da wird behandelt und gut ist. Tolles Erlebnis, wenn die erfolgreich umgewohnt und betüddelt dann an der Milbe dahinsiechen.


    Die ziehen aus der bisherigen BEhausung um (vermutlich sind sie aber auch noch gar nicht lang dort drin, Schwarm?). Dann hat sich jedweder Gedanke an ein besseres Zurechtkommen mit der Varroa sowieso erledigt.


    Und der Rest ist auch fast ausschließlich Wunschdenken. Aus dem Stadium bin ich raus, schon länger.

    Hatte auch mal eins von einem Altimker, der erkrankt war, glaubhaft noch nie seine Bienen mit irgendwas behandelt habe.

    Die sind dann eingegangen, ratet mal woran...


    :roll::roll:

    "Wer die Leidenschaft als Jugendsünde abtut, degradiert die Vernunft zur Alterserscheinung".
    Hans Kasper

  • Als Gefankenanstoß möchte ich einbringen, ob man ein Überlebensvolk überhaupt gegen Varroa behandeln sollte, denn sie haben ein biologisches Gleichgewicht mit dem Parasiten erreicht.

    ...

    Es wäre überaus schade, wenn man sich dies durch eine wie auch immer geartete chemische Behandlung kaputt macht.

    Unabhängig vom Sinn oder Unsinn für einen Anfänger, sich diesen Fragen und Problemen zu stellen.

    Warum sollte eine einmalige Behandlung bei einem "Varoa-Überlebensvolk" dem Volk, diese Eigenschaft wieder rauben? Oder brauchen in dieser Art von Gleichgewicht die Bienen sogar die Varoa?

    4 Völker, Langstroth Flachzarge / 8 Frame, Honigraum FlowHive

  • Habe das Gefühl, ihr habt das beste aus der Situation gemacht! Gut so!


    Grundsätzlich kann man kleinere Rähmchen recht leicht auf ein größeres Wabenmass umbauen. Du benötigst nur einen Oberträger deines Wunschformates (bei euch Zander) pro Rähmchen. Diesen verschraubst du mit dem Oberträger des alten Rähmchen, und schon kannst du es in deine Beute einhängen. Statt schrauben, kann auch mit Draht das Rähmchen am Oberträger (an den Ohren) befestigt werden. Bei marodem Material ist das natürlich schwieriger. Da die Rähmchen dann natürlich immer noch zu klein sind, wird im Leerraum zur Zarge hin idR Wildbau errichtet. Es ist natürlich auch nur als Übergangslösung gedacht.


    Ich wünsche euch viel Erfolg und dass die Kö nach oben geht!


    /e.: Varroatolerante Bienen sind ein spannendes Thema und durchaus Realität. Dennoch kann ich euch nicht empfehlen bereits jetzt das Volk unbehandelt zu lassen, denn am Ende führt das meist zum Tod des Volkes. Hausecke : die Behandlung von varroatoleranten Völkern ist insofern kritisch, da man davon ausgehen muss, dass das Gleichgewicht Varroa-Biene ein fragiles ist. Eine Varroabehandlung ist immer ein enormer Stressfaktor für die Bienen und das Ökosystem Bien. Bedenke das in den Anfängen der Varroabehandlung die Behandlung mit AS und Oxalsäure als Chemotherapie bezeichnet wurde. Der Begriff hat sich wohl wegen seinem negativen Touch nicht gehalten. ;)

    Dieser Beitrag wurde bereits 1 Mal editiert, zuletzt von rugnuza ()

  • Ich habe auch überlegt ob wir die Schublade einschieben um zu sehen wie akut eine eventuelle Behandlung ist. Da aber die Rähmchen direkt auf dem Gitter stehen ist die Frage ob die Belüftung noch gut genug ist, vor allem da es hier jetzt tagsüber teilweise schon 23 Grad sind.

    Da sehr viel wilder Bau da war und ein Teil davon schon etwas dunkler, denken wir das das Volk schon länger da lebt, aber die Antworten einfach nicht;).

    Oder ist der dunkle Wildbau evtl. von einem anderen Volk? Schließlich stehen die Beuten seit ca. 10 Jahren ungenutzt da. Beim Abbau haben wir wenig tote Bienen unten drin gefunden.

    Am Sonntag holt mein Mann die zwei Ableger vom Vereinsmitglied ab und diese Völker sind behandelt, ich glaube wir trauen uns nicht die nicht mehr zu behandeln.

    Je größer der Dachschaden, desto besser der Blick auf die Sterne.

  • Jup das kann sein. Hab selber schon solche Waben gehabt, kohlrabenschwarz, jedes Jahr kam wieder ein Schwarm. Ich denk mal wenn die Völker im Herbst sterben und im Mai kommt schon wieder ein neuer Schwarm, hat die Wachsmotte gar nicht genug Zeit zu werkeln weils ja zu kalt ist. Die Möglichkeit überlebender Völker besteht natürlich trotzdem.


    Ist das Flugloch normal weit geöffnet und nicht durch die Rähmchen total blockiert kannst du bedenkenlos die Windel einschieben. Ich habe die ganzjährig drinne und setze in Zukunft auf dauerhaft geschlossene Böden. Das hat man jahrhundertelang vor der Varroa genauso gemacht.