Ablegerbildung // Brut- oder Königinnenableger

  • Hallo zusammen,


    ich bin seit einigen Wochen stolzer Besitzer meines ersten Volkes (Buckfast auf Dadant US 12) und möchte in den kommenden zwei Wochen gern einen ersten Ableger bilden.


    Ich schwanke dabei zwischen einem Brutableger und Königinnenableger.


    Nach Recherche im Netz und hier im Forum , ist mir der Ablauf beider Verfahren ausreichend klar, allerdings konnte ich bisher nicht allzu viel zu den jeweiligen Vor- und Nachteilen finden. Daher weiß ich nicht, welches Verfahren für meinen Fall, die bessere Wahl ist.


    Könnt ihr mir evtl. einen Rat geben bzw. etwas zu Vor-/Nachteilen der beiden Verfahren sagen?


    Besten Dank im voraus,

    Phil

    Anfänger mit 3 Buckfast Völkern auf 12er Dadant modifiziert.

  • Die einfachste und gleichzeig auch wirksamste Möglichkeit ist der Königinnenflugling (Königinnenableger auf alter Position), da er Lebensverlängerung der Altbienen und somit effektiv mehr Bienenmasse bietet. Suche die Königin und setze sie auf 1 Wabe mit ausschließlich offener Brut in eine neue Beute. Gib ein paar Mittelwände dazu. Dann tausch die Positionen. Falls keine Tracht ist, denk an die Futterversorgung. Nimm nach 1 Woche die nunmehr verdeckelte Brutwabe mit den dort eingezogenen Varroen aus dem Flugling heraus und gib sie zurück ins Muttervolk.

    Das Muttervolk zieht Weiselzellen an. Brich nach 4 Tagen alle bereits verdeckelten Weiselzellen und nach 9 Tagen alle Weiselzellen bis auf eine gut von Bienen belagerte. Warte, bis die Jungkönigin in Eilage geht, und behandle das Muttervolk gegen die Varroa, am besten mit gesprühter Oxalsäure.

    Der Königinnenflugling bietet den Vorteil der Lebensverlängerung der Flugbienen durch die Rückentwicklung zu Stockbienen. Dadurch hat man mehr Bienenmasse zur Verfügung.


    Falls du eine begattete Königin bekommen könntest, böte sich eine weitere Möglichkeit an: Flugling mit neuer Königin. Du bereitest eine neue Beute vor mit 1 Leerwabe und einigen Mittelwänden, keine Brutwabe! Die neue Königin wird unter Futterteig neben die Leerwabe gegeben. Anschließend tauschst du die Positionen. Die Flugbienen fliegen jetzt zu und müssen die neue Königin annehmen. Gleichzeitig bleibt das Muttervolk aber weiselrichtig. Auch hier wird die Lebensdauer der Altbienen durch die Rückentwicklung zu Stockbienen verlängert. Der Vorteil hier: Das Begattungsrisiko entfällt und man kann eine optimal gezogene Königin zusetzen. Kleiner Nachteil: Eine Varroabekämpfung ist hier nicht möglich, da sich die neue Königin im Flugling erst etablieren muss und da das Muttervolk nicht brutfrei wird.


    Der Königinnenableger und der Brutableger mit wenigen Brutwaben auf neuer Position bieten nicht diesen den Vorteil von scheinbar mehr Bienen. Der Brutableger mit wenigen Brutwaben auf neuer Position am gleichen Stand wird wegen des Flugbienenverlustes darüber hinaus auch noch schlecht versorgt, was für die Nachschaffung ungünstig ist.


    Falls du aber Honig ernten möchtest, bleibt nur die Vermehrung über kleinen Brutableger oder Kunstschwarm auf neuer Position. Für den kleinen Brutableger solltest du eine schlupfreife Weiselzelle oder eine begattete Königin parat haben, für den Kunstschwarm eine Königin, begattet oder unbegattet.


    Gruß Ralph

  • :daumen:

    Ergänzung:

    Behandlung des Fluglinien mit begatteter Königin per OX-Bedampfung in der Phase mit noch sicher offener Brut geht schon...

    "Wer die Leidenschaft als Jugendsünde abtut, degradiert die Vernunft zur Alterserscheinung".
    Hans Kasper

  • :daumen:

    Ergänzung:

    Behandlung des Fluglinien mit begatteter Königin per OX-Bedampfung in der Phase mit noch sicher offener Brut geht schon...

    Das gefährdet aber die noch nicht etablierte Königin. Ich würde von einem Flugling mit fremder Königin mindestens 14 Tage keine Waben ziehen, schon gar nicht, um sie zu besprühen.

    OS-Bedampfung? Gefährdet die fremde Königin nicht, wäre optimal, ist aber leider nicht zugelassen.


    Gruß Ralph

  • Plastefuchs : Noch eine Ergänzung zum Flugling mit neuer Königin: Das Muttervolk ist nach ca. 14 Tagen wieder optimal mit Flugbienen versorgt. Wenn es vor der Ablegerbildung trachtreif war, ist es nach diesen 14 Tagen auch wieder. Du kannst dann also sogar noch gut Honig aus der Linde ernten. Der Flugling bietet möglicherweise noch eine kleine Ernte aus der Winterlinde.


    Gruß Ralph

  • Nach wieviel Tagen sollte sich die neue Königin bei dieser Methode aus dem Ausfreßkäfig befreien können ?

    Bei wem verbleibt ein aufgesetzter Honigraum oder wird dieser 50/50 geteilt?

    Kann man beim Flugling auch mehr Leerwände in den Brutraum einhängen, damit der Aufbau beschleunigt ist und die Legeleistung der neuen Königin schon ausgenutzt werden kann, bevor die neuen Mittelwände ausgebaut sind?

    Somit kann man einerseits die Anzahl der für den Bau notwendigen Bienen kleiner halten und andererseits können schon Vorräte eingesammelt und eingelagert werden. Die Königin hat dann aber auch noch ausreichend Platz zum Stiften.


    Liebe Grüße Bernd

  • die Königin wird befreit - Futterteig sollte nach 1 Tag weg sein, ist die Königin zulange im Käfig kann es auch passieren , das die Füsse von den Bienen angenagt werden.


    die EINE Leerwabe dient als Fangwabe


    Honigraum mit Waben bekommt der Flugling, er hat die Sammelbienen, wenn keine Tracht muß er gefüttert werden! Dadurch das keine Brut gepflegt werden muß, leben die Bienen länger und können sammeln und den BR ausbauen. Für zuviel Brut fehlen die Pflegebienen.


    HR mit MW/Waben der Brutling - da schlüpfen die Bienen- und der Brutbetrieb geht ohne Unterbrechung weiter -> brauchen Platz.


    Gruß Fred

  • ... für den Kunstschwarm eine Königin, begattet oder unbegattet.

    Klasse Erklärung!


    Wie genau bildest Du den Kunstschwarm mit einer unbegatteten neuen Königin?

    Wie stark soll der Kunstschwarm sein?

    Kellerhaft?

    Wie lange muss die Königin im verschlossenen Zusetzkäfig bleiben bzw. ab wann lässt Du sie ausfressen?


    Gruß, iJörg

    Eine Fischsuppe aus einem Aquarium zu machen, ist leichter als ein Aquarium aus einer Fischsuppe.

  • ....Gefährdet die fremde Königin nicht, wäre optimal, ist aber leider nicht zugelassen.

    Da haben`s die Schweizer wieder echt gut, ja.


    "Off-Label-Use" nennt sich das in der Therapie, wenn ein Wirkstoff die offizielle Zulassung nicht hat für eine bestimmte Erkrankung,

    leider auch hier oft nur, weil die letzten Beweise und Studien zum offiziellen OK fehlen,

    man aber weiß, dass es funktioniert, hilft bzw sogar heilt, der Betroffene anderes nicht nutzen oder nehmen kann warum auch immer.


    Tja, und dann macht man das. Aufklären, dokumentieren, durchführen, freuen.

    Die Alternative heißt Befall und krank oder Tod - ich überlege da meist recht kurz und verreise dann.

    Die Schweiz ist echt schön.

    :p_flower01::liebe002::cool:

    "Wer die Leidenschaft als Jugendsünde abtut, degradiert die Vernunft zur Alterserscheinung".
    Hans Kasper

  • Die Königin wird sofort unter Futterteig freigegeben. Am Folgetag muss der Käfig kontrolliert werden, ob die Königin frei ist. Wenn nicht, lässt man sie jetzt einlaufen. Wenig Rauch!

    Ich würde den Honigraum 50/50 teilen.

    Man kann den Flugling auch komplett mit Leerwaben bilden.

    Gruß Ralph

  • Variante1: Die Kunstschwarmbienen werden angefeuchtet und in ihrem Gefäß kräftig geschwenkt. Die Königin wird in Honigwasser getaucht und einfach dazu gegeben.

    Variante2: Der Kunstschwarm wird weisellos in eine Kunstschwarmkiste/Schwarmfangkiste/MWK/EWK gegeben und die Weiselunruhe wird abgewartet. Die Königin wird in Honigwasser getaucht und durch das Flugloch zugesetzt.


    Die Stärke des Kunstschwarms richtet sich nach dem Zeipunkt der Bildung und nach dem Beutentyp. Je später desto größer, bei Holzbeuten größer als bei Styroporbeuten.

    Bei Segeberger Styropor reichen Anfang Juni 200g Bienen aus, Erweiterung mit Leerwaben vorausgesetzt.

    Bei Holzbeuten würde ich zum gleichen Zeitpunkt den Kunstschwarm mit 500g Bienen bilden. Wichtig ist auch, dass der Kunstschwarm nicht am Herkunftsstand der Bienen aufgestellt wird, da ein Teil der Bienen zum Herkunftsvolk zurück fliegt.

    Die Kellerhaft sollte 3 Tage betragen. Wasser und Futterteig müssen in der Kiste sein.


    Die oben erwähnten 200g-Kunstschwärme habe ich auch schon auf sehr einfache Weise gemacht:

    In die Styroporbeute kommt eine Leerwabe und eine Mittelwand, die Königin wird im Käfig unter Futterteig mit Begleitbienen dazwischen gehängt.

    In die Leerwabe wird Wasser gegeben, Futterteig kömmt mit in die Beute.

    Leerwabe und Mittelwand werden mit einem Thermoschied gegen den Leerraum abgeschlossen. Eine Bienenflucht wird aufgesetzt, darüber eine Leerzarge, schließlich der Deckel. Das Flugloch bleibt verschlossen, das Bodengitter ist offen.

    Die Bienen werden von einem anderen Stand geholt und angefeuchtet in die Zarge über der Bienenflucht gegeben. Nach 3 Tagen wird das Flugloch geöffnet. Wenn die Bienen eingeflogen sind, werden Bienenflucht und aufgesetzte Zarge entfernt.

    Möglicherweise kann man die Bienen auch direkt in die Beute geben, habe ich aber bisher nicht gemacht.


    Eine weitere Möglichkeit ist der Freiluftkunstschwarm, hier im Forum beschrieben.


    Es gibt also viele Möglichkeiten, einen Kunstschwarm zu bilden. Kunstschwärme sind generell ziemlich unkritisch.


    Gruß Ralph

  • Die vereinfachte Variante der 200g-Kunstschwärme machst du nur mit begatteter Weisel? Die Bienen stammen von mehreren Völkern?

    Oder lässt du auch bei unbegatteter Weisel die Dunkelhaft weg und erteilst nur 3 Tage Flugverbot am neuen Standort?


    Gruß Fred

  • Bisher nur mit begatteter Weisel, die ich per Postwurfsendung erhalten hatte. Die Bienen können von mehreren Völkern stammen, müssen aber nicht. Ob das mit unbegatteter Weisel funktioniert, weiß ich nicht, glaube es aber nicht. Wenn die Bienen durch die Bienenflucht nach unten gehen, schwirrt der gößte Teil erst einmal in der verschlossenen Beute herum und sucht nach einem Ausgang. Erst nach und nach sammeln sich alle um die Königin. Eine unbegattete Königin ist dafür wahrscheinlich zuwenig attraktiv. Jedenfalls ist mir schon eine unbegattete im Käfig verhungert, da sich die Bienen nicht um sie kümmerten.

    Bei den anderen Arten, den Kunstschwarm zu bilden, ist die Königin gleich frei und kann zu den Bienen hinkriechen. Da sie nach Honig duftet, wird sie dort beleckt und gerne angenommen. Das funktioniert dann auch mit einer unbegatteten.

    Gruß Ralph

  • Plastefuchs : Das oben beschriebene Verfahren, wo man das Volk in Brut und Flugbienenteil aufteilt eignet sich zur Eindämmung des Varroabefalls während der Tracht (ohne Medikamente).
    Für einen Ableger/Volk, den/das Du dieses Jahr erst bekommen hast, solltest Du meines Erachtens damit bis Anfang Juli warten.


    Wenn Du jetzt im Mai oder Anfang Juni noch einen Ableger machen willst in Deiner Situation (Dadant, "frischer" Ableger), würde ich zu einem "normalen" Brutableger machen. Hierzu würde ich eine (jetzt) bis zwei (Ende Mai bis Juni) Waben mit hauptsächlich verdeckelter Brut und etwas junger Brut (für die Aufzucht der neuen Königin) nehmen.


    Vorteile sind:

    - Im Hauptvolk gibt es keine Brutpause & kein Begattungs-Risiko einer frischen Königin

    - mit der verdeckelten Brut nimmst Du zumindest einige Milben aus dem Hauptvolk. (Nicht vergessen: Ableger gegen Varroa behandeln)

    - Schwarmlust sollte bei rechtzeitiger Ablegerbildung nicht aufkommen. Falls doch schon wäre dann doch die komplette Brutentnahme die sicherere Variante :)


    Viele Grüße,

    Alex