Bienenverhalten

  • Wir hatten bei uns am WE super Wetter und die Bienen waren hyperaktiv. Der ganze Garten hat laut gesummt. Mein Nachbar hatte dann am Sonnabend nichts Bessere zu zun, als um die späte Mittagszeit mit einem lauten benzinbetriebenen Gerät auf seiner Seite in der Nähe meiner Stöcke Rasen zu mähen. Geschieht ihm recht, das er fluchtartig das Gelände verlassen mußte - mir wurde davon nur berichtet, bei mir hat er sich nicht beschwert. Nun mußte ich aber auch dringend mein Gras abmähen, dazu nehme ich aber eine normale Sense. Da sie die erfahrungsgemäß aber auch nicht sonderlich mögen, habe ich gestern Vormittag die Distanz augetestet, bis ich von einer Kamikazefliegerin auf die andere Seite vertrieben wurde. Mußte das Unterfangen dann aber dann auch abbrechen und was anderes arbeiten. Ging auch ganz gut, bis ich dann mit einer manuellen Heckenschere auf Knien meine Beetränder versäubert habe (mindestens 7m entfernt), wollten sie nicht. Umgraben, Jäten und Hacken haben sie mir dann bis zum frühen Abend erlaubt. Pferdemist auf ihrer Gartenseite der Beuten verteilen, ca. 2m hinter der obersten, haben sie auch nicht geduldet, Gras zusammenharken auch nicht. Also erstmal Abendbrotpause. Dann Mistbeet ausheben und Erde verteilen. Ich habe dann am Ende meine Imkerbluse übergezogen, weil ich fertig werden wollte, aber eine Dame hat mich stets und ständig verwarnt und ist mir bis zur Dämmerung nicht von der Seite gewichen. Wo lag das Problem? Am Schock vom anderen Tag, am Stich vom Morgen und weil sie mich damit vielleicht als Feind markiert haben oder waren sie generell schlecht drauf? Still halten hilft übrigens nicht, langsam weggehen auch nicht, sie setzen sich mutwillig und laut ins Haar. Bin etwas ratlos, hatte gestern zum ersten Mal so ein Verhalten. Habe die Beuten gestern nicht angerührt. Mache das momentan immer Donnerstags zur Schwarmkontrolle.

    Hat jemand einen Rat?


    Gruß,

    Annette

  • Es gib die Beobachtung, dass die Bienen im Raps aggressiver sind als sonst. Das wäre bei sonst günstigen Bedingungen (schönes Wetter, Tracht) eine Erklärung. Ich habe das auch schon festgestellt, aber nicht so ausgeprägt.


    Wolfgang

    I never loose - either I win or I learn (Nelson Mandela)

  • Hallo Annette,


    klingt weder für Dich noch für Deinen Nachbarn wie ein schöner Frühlingsnachmittag mit freundlich summenden Bienen im Garten ...


    Ja, es stimmt, dass Bienen durchaus allergisch auf Rasenmäher oder andere Motorengeräte mit tiefen Frequenzen in ihrer Stckumgebung reagieren können. Hier hilft z.B. mähen bei Nicht-Flugwetter.

    Auch kann sich eine einmal aufgekommene miese Stimmung noch für Stunden hinziehen, was Deiner Schilderung entsprechen könnte. Aber spätestens am nächsten Tag sollte das vorbei sein.


    Es kann aber auch natürlich sein, dass Deine Bienen wirklich schlecht drauf sind. Das kann - gerade im Moment - z.B. an der schlechten Trachtsituation liegen (Hunger macht aggressiv!). Auch aufkommende Gewitter können ihren Teil beitragen.


    Zu guterletzt kann es sich aber auch wirklich um aggressive Bienen (sog. "Stecher") handeln. Das gibt sich leider nicht von allein. Sprich: wenn Deine Erlebnisse so bleiben wie oben beschrieben, versuche (unter entsprechendem Schutz) das aggressive Volk zu identifizieren. Dieses muss dann - je nach Volksstärke und Situation - entweder umgeweiselt oder aufgelöst werden. So mache ich es jedenfalls (als Stadtimker mit einer Schule als Nachbarn, der gerne in seinem nicht so großen Garten sitzt und werkelt).


    Good luck, iJörg

    Eine Fischsuppe aus einem Aquarium zu machen, ist leichter als ein Aquarium aus einer Fischsuppe.

  • Okay, ich habe ein aggressives Volk, das ich auch gerne umweislen möchte, sobald ich eine begatte Kö von 2016 auftreiben kann. Wenn nicht, dauert es noch länger. Ich weiß aber nicht, ob die Verfolger aus dieser Beute kamen, hatte eher den Eindruck, sie lauerten in eine Ecke, aus der dann plötzlich immer eine auftauchte. Bisher durfte ich mich der Beute nur nicht ungeschützt direkt von vorne nähern. Es ist aber mein stärkstes Volk. (Kann man davon trotzdem Ableger machen oder lieber nicht?)


    Futter haben sie alle genug, habe gerade am Donnerstag für ein Gesundheitszeugnis an allen etwas rumgekratzt. So ganz schlecht ist die Tracht bei mir auch nicht, es gibt noch etwas Obstblüte und massenhaft Gartenblumen.


    Die Wetterlage war schon komisch am Wochenende, und nach Anbruch der Dunkelheit saßen auch überall noch Grüppchen vor dem Flugloch.

    Wie gesagt, ich selbst bearbeite meinen Garten bis auf wenige Ausnahmen ohne Elektrogeräte, aber letzten Sommer haben sie sograr den Schredder in einiger Enfernung aber in Sichtweite toleriert.


    Annette

  • Für eine schnellere Lösung kannst Du auch einen Brutableger aus einem anderen Volk bilden und diesen an die Stelle des Stechers stellen.

    Dann fliegen dem zumindest schonmal die alten (aggressiven) Flugbienen zu und der Stecher (den Du abseits stellst) wird leichter zu bearbeiten.


    Beim Stecher kannst Du dann also die Königin abdrücken, nach 9 Tagen alle Nachschaffungszellen brechen und dem dann entweder aus einem anderen Volk eine Brutwabe mit jüngster Brut zum Nachschaffen zuhängen oder aber das nun hoffnungslos weisellose Volk vor das Flugloch des Ablegers kehren und die komplett verdeckelte Brut dem reinhängen. Dann ist es nur noch eine Frage der Zeit bis Ruhe ist.


    Gefällt Dir die nachgeschaffte Königin nicht, kannst Du später immer noch in Ruhe umweiseln.


    Gruß, iJörg

    Eine Fischsuppe aus einem Aquarium zu machen, ist leichter als ein Aquarium aus einer Fischsuppe.

  • Es gibt jemanden, der gerne was von den Stechern haben will, weil sie angeblich so produktiv sein sollen. Habe überlegt, ob ich, statt ihm davon ein paar Waben zu geben, die Kö mit dem Restvolk gebe. Also vielleicht so:

    1. Komplette Beute verstellen und neue Beute mit einer abgefegten Brutwabe oder zwei an den alten Platz. Dann fliegen da alle Flugbienen rein.

    2. Dann versuchen, die Stechkönigin zu finden und zu markieren. Bisher habe ich sie nicht finden können, es sind so viele, und sie stechen auch durch den Schutz. Beiße zwar die Zähne zusammen, bin aber leider immer noch nicht immun. Dann bis auf zwei Brutwaben alles mit ansitzenden Biene in die neue Beute am alten Platz, damit dort auch Pflegebienen sind.

    3. Die alte KÖ in eine Ablegerkiste setzen, dazu zwei Brutwaben mit ansitzenden Bienen und mit Futter und Leerwaben auffüllen und weggeben. Vielleicht zwischendurch woanders hinstellen, oder ist das nicht nötig?


    Dann aber doch noch mal die Frage: Ist man einmal gestochen, ist man dann für den Rest des Tages als Feind markiert und sollte lieber duschen und was anderes anziehen? Oder reicht es, die Stichstelle abzuwaschen? Handschuhe kann ich leider nicht so oft waschen, die sind dann sicher immer Feind, bis ich mich mal wieder erbarmt habe..

    Annette

  • Ich finde es keine gute Idee, solche Stecher weiter zu geben. Letztendlich wird solche Genetik dann doch - via Drohnen und Ableger - weiter verbreitet. Ich glaube kaum, dass das der Akzeptanz, der sich die Imkerei derzeit erfreut, zuträglich ist. Ich würde es nicht machen.


    Ich kenne die Halbwertszeit der Pheromone nicht genau, Erfahrung sagt mir, dass es nach eine Kaffee/Tee/Bierpause alles wieder okay ist.


    Gruß, iJörg

    Eine Fischsuppe aus einem Aquarium zu machen, ist leichter als ein Aquarium aus einer Fischsuppe.

  • Noch mal zum Brutableger: Dem Brutableger aus einem anderen Volk fehlen aber die Pflegebienen, oder übernehmen die Flugbienen dann die Pflege?

    Büße ich eventuell die Ernte aus dem Volk ein oder nicht?

    Kann der Stecher am Stand bleiben oder muß er verstellt werden?

    Schwarmverhinderung muß ich bei dem Volk sowieso betreiben, bis jetzt geht die Stimmung in dieser Hinsicht aber noch.

    Hat die verdeckelte Brut nicht die Gene der Stecher? Erst wenn die neue Kö aktiv ist bekomme ich neue Gene. Dann würde ich max. 4-6 Wochen eher vernünftige Bienen da herausbekommen. Wenn ich vielleicht vorbestelle, kann ich Ende Mai/Anfang Juni vielleicht eine ordentliche erwerben, da weiß ich dann, was ich habe.

    Gruß,

    Annette

  • Ich glaube, der will nicht wirklich Geld ausgeben, und ich brauche im Moment meine gesamten 5 Völker (Schwarmzeit ist auch noch nicht vorbei, da kann noch viel passsieren). Und ein wenig experimentierfreudig bin ich auch, sonst lerne ich ja nichts ... Aber Du bringst mich auf eine Idee - als Gegenleistung könnte ich Brutwaben tauschen. Mal sehen.


    Annette

  • Die beiden Jörgs haben gute Ratschläge gegeben. Mach es wie in 6 beschrieben oder wie in 10. Alles andere ist Quälerei.

    Und es ist auch nicht richtig, dass alle Stecher außergewöhnlich vital sind.

    Ein Bienenschwarm ist keine Naturkatastrophe...

  • Ich glaube, der will nicht wirklich Geld ausgeben, und ich brauche im Moment meine gesamten 5 Völker (Schwarmzeit ist auch noch nicht vorbei, da kann noch viel passsieren). Und ein wenig experimentierfreudig bin ich auch, sonst lerne ich ja nichts ... Aber Du bringst mich auf eine Idee - als Gegenleistung könnte ich Brutwaben tauschen. Mal sehen.


    Annette

    Hallo Annette.

    Brutwaben oder Bienen tauschen geht gar nicht, oder habt ihr beide ein gültiges Gesundheitszeugniss???

    Gruß Josef

    Buckfast . 10 Völker . DNM Holzbeuten 13 ner Zargen . Dadant US Frankenbeute. Königinnenzüchter.