Sehr schwaches Volk als totaler Neuling

  • Hallo :)

    Kurz zusammengefasst:

    Ich bekam kürzlich von Jemandem der ebenfalls mit der Imkerrei vor Kurzem anfing sein einzig überlebendes Buckfast Volk mitsamt Kasten geschenkt (Er stieg auf Carnica um und wollte das nicht mischen). Grundsätzlich wollte ich schon lange mit der Imkerei beginnen aber das Volk in meinem Garten war jetzt doch eher etwas spontan. Jedenfalls extrem süß :oops: Gestern warf ich zum ersten Mal ein Blick in den Kasten noch bevor die Bienen ausgeflogen sind.

    Besetzt war nur eine Wabe und hier auch nur pro Seite jeweils ca. 1/4. Königin vorhanden. Hinzu kommt dass auch nur wenige Brutkammern geschlossen waren (alle recht dunkel also im späteren Stadium). Offene Brutkammern mit einer Larve intus konnte ich keine entdecken, wollte die Bienen jedoch auch nicht unnötig lange stören, war auch etwas windig und mir schien die Nähe zu den Bienen war eine eher einseitige Freude. Bei den umliegenderen Waben konnte ich teils glänzenden Nektar in den Waben entdecken, vom Gefühl her würde ich sagen das reicht der Hand voll als Nahrungsquelle. Außerdem sind sie auch schon tags zuvor ausgeflogen und haben Pollen heimgebracht, nach meiner Recherche normales natürliches Verhalten.

    Ich hab recht viel im Internet und mich auch hier im Forum belesen, jedoch würde ich einfach nochmals gern eure direkte Meinung hierzu hören. Was ich recherchiert habe ist, dass es in so einem Fall üblich ist die Bienen mit einer Wabe aus einem anderen Volk zu stärken, da ich jetzt noch nicht weiß woher sowas bekommen wäre für mich auch eure Meinung interessant, ob sich das Volk nach euren Erfahrungen auch ohne Eingriff noch entwickelt oder was am Besten zu tun wäre?

    Von der Lage her stehen die Bienen denke ich gut, lebe am Waldrand und davor ist reichlich Busch und Wiesenland ohne intensive
    landwirtschaftliche Eingriffe. Erst nach ca. 200m Luftlinie oberhalb fangen Äcker an, leider auch Maisfelder usw. Die Bienen stehen nach Süden (gen Mischwald) ausgerichtet im Halbschatten auf der Ostseite meines Häuschens.

    Fotos kamen mir beim ersten Durchsehen leider nicht in den Sinn. Grundsätzlich wäre es zwar schön schon dieses Jahr Honig von den Bienen zu erhalten aber ich strebe ein naturnahes Halten der Bienen an. Sprich zuerst die Bedürfnisse der Bienen dann meine Eigenen :)

    Schon vorab vielen Dank fürs Lesen und eure Antworten :)

    LG

    Bienenschnuffel

  • Frag einen Imker in Deiner Ecke, ob er eventuell ein oder mehrere schwarmlustige Völker hat was er schröpfen will. Mit etwas Glück bekommst Du ein paar hundert Gramm Bienen ohne Königin. Die fährst Du zu Dir nach Hause und kippst sie vor Dein Flugloch. Und danach bestellst Du Dir das Pfefferlebuch 'Imkern mit dem Magazin'.


    Beste Grüße,

    Ralf

    Imkern im Spannungsfeld zwischen Hoffnung und resignativer Reife

  • Grundsätzlich wäre es zwar schön schon dieses Jahr Honig von den Bienen zu erhalten aber ich strebe ein naturnahes Halten der Bienen an. Sprich zuerst die Bedürfnisse der Bienen dann meine Eigenen

    Hallo Bienenschnuffel,


    tolle Einstellung zur "Sache"! Wünsche Dir gutes Gelingen und viel Freude mit deinen Damen!


    Gruß Mario

    Kein Böses Wort, keine solche Tat könnten mich so hart treffen wie der ungläubige Blick meiner Hunde!

  • Erstmal würde ich mich bei dem Schenker bedanken. Da konnte er schön und einfach die letzten überlebenden Reste seiner Imkerei bei dir entsorgen.


    Da das Volk wohl nur wenige hundert Bienen fasst, würde die Verstärkung mittels Brutwaben nicht helfen, die bekommen die nie und nimmer warmgehalten - alternative Bienen - siehe Ralfs Beitrag.

    2 Fragen sind jetzt eigentlich bedeutend:

    - Warum sind die so schwach? Varroa? zu schwach eingewintert? Kein Platz zum brüten?...
    Die Fragen werden wir aber wohl nicht beantworten können, da die Vorgeschichte unklar ist. An der Rasse wird es aber nicht liegen.


    - Was tun?

    Warmhalten. Schied setzen und mindestens 4 Wochen in Ruhe lassen. Vielleicht kriegen die ja noch die Kurve. Honig sehe ich aber keinen.


    Du könntest dir aber auch eine zweite Kiste besorgen und einen Ableger von einem Imker. Wenn das "Völkchen" doch nicht die Kurve kriegt, so könntest du es mit dem Ableger in immernoch vereinigen.

    Auch wenn es jetzt hart klingt, aber da ich die Ursachen nicht kenne, würde ich das Völk auflösen/abschwefeln (gerade ist mal wieder ein positiver AFB-Fall in meinem Flugkreis), die Kiste reinigen und damit zu einem Imker fahren und mir einen Ableger/Schwarm besorgen - damit hättest du mehr Freunde.

  • Sehe das ähnlich wie Chris. Vermutlich mangelt es dem Volk vor allem an Bienen zum Wärmen der Brut, vielleicht auch an einer guten Kö.

    Hatte 2016 auch 2 solche Fälle, spät gebildete Ableger, die ich 2015 zu schwach eingewintert hatte statt sie zu vereinigen. Einer hat dann noch minimal Sommertracht gebracht. Da er im Herbst 2016 immer noch schwach war, habe ich die Kö abgedrückt und ihn schließlich mit einem anderen Volk vereinigt. Den zweiten habe ich, als bis Mai 2016 das Brutnest immer noch winzig war und die wenigen hundert Bienen nicht ausflogen, schweren Herzens abgeschwefelt, da ich eine Krankheit als Ursache nicht ausschließen konnte.

    Karl

    Etwa 12 Völker auf Dadant an etwa 4 Standorten. "Bienenrasse":roll:: Bunte Mischung aus Carnica und Buckfast.

  • Der Rat von Ralf scheint der einzig richtige. Von selbst kann sich so ein Volk nicht entwickeln, nicht einmal in einer Styroporbeute. Falls du in Styropor imkerst, würden zur Verstärkung ca. 200g Bienen ausreichen, falls in Holz, ca. 500g.

    200g Bienen ist die beidseitige Besetzung einer DNM-Wabe, 500g entsprechend von 2,5 DNM-Waben.

    Gruß Ralph

  • . ..Den zweiten habe ich, als bis Mai 2016 das Brutnest immer noch winzig war und die wenigen hundert Bienen nicht ausflogen, schweren Herzens abgeschwefelt, da ich eine Krankheit als Ursache nicht ausschließen konnte.

    Das wäre nicht nötig gewesen. Nachdem (!) der erste große Brutsatz in den normalen Völkern geschlüpft ist (im April, erkennbar an der Zunahme der Volksstärke), kann man den Platz des Minivölkchen mit einem starken Volk tauschen. Dieses gibt dann seine Flugbienen (Großteil Winterbienen) an das Minivolk ab. Dadurch dass im Minivolk keine Brut schlüpft, entwickeln sich die zugeflogenen Bienen zurück zu Stockbienen und leben länger. Im Spendervolk wären sie dagegen bald gestorben.

    Das Spendervolk muss mit einer Wasserwabe versorgt werden, da es auch die Wasserholer verliert und viel Brut zu pflegen hat. Ansonsten übersteht das Spendervolk das gut und hat nach ca. 14 Tagen den Verlust ersetzt.

    Gruß Ralph

  • Vielen Dank für eure Antworten und Ratschläge! Schon was gelernt :)

    In der Tat würde ich das Volk sehr ungern vernichten und es durch ein Neues ersetzen.

    Zur Geschichte des Volkes weiß ich, dass dies schon im Herbst schwach war und lt. eines anderen Hobby-Imkers den Winter wahrscheinlich nicht überstehen würde, jedoch starb dann sein anderes Volk und dieses hat überlebt. Varroabehandlung wurde im Herbst durchgeführt. Ich hab die Pollenschublade unten sauber gemacht um so den Varroafall messen zu können jedoch weiß ich nicht ob die wenigen Bienen mir hier klaren Aufschluss geben, die Puderzuckermessmethode möchte ich bei der Handvoll Bienen und eh aktuell regnerischer Wetterlage mal lieber nicht durchführen.

    Die Box ist übrigens aus Holz jedoch mit einer Styroporinnenwand zusätzlich vor Kälte geschützt. Ein Trennschied habe ich leider nicht vorliegen, muss ich mal schauen ob ich ein passendes Brett finde und zurecht sägen kann.

    Was den Schenker angeht finde ich das in der Tat nicht allzu dankenswert. Letztlich wiegt das vermeintliche "Geschenk" bei Weitem nicht auf was damit versucht wird zu begleichen und dieser meinte wäre erstmal ein Selbstläufer. Ich bin mir aber recht sicher dass dieser schon weiß was er mir da geschenkt hat und von einer schwer zu rettenden Handvoll Bienen war nicht die Rede. Auch die Geschichte des Volkes musst ich mir aus vorherigen Erzählungen seiner Bienen selbst zusammenknüpfen. Naja eine "Enttäuschung" ist das "Ende einer Täuschung" daher zumindest nun etwas schlauer und doch.. Schade.
    Jedenfalls habe ich diese Bienen nun und möchte den Lieben ein guter Halter sein :)

    Den Rat mit den Bienen zugeben werde ich dankend befolgen. Auch das Buch bestelle ich mir. Desweiteren hab ich gestern schon den örtlichen Imkerverein hier angeschrieben ob ich dort einem Imker etwas zur Hand gehen kann um das nötige Wissen zu erwerben. Bisher jedoch keine Antwort. Ansonsten imkert recht professionell der Vater eines guten Freundes. Vielleicht klappts ja da mit den Bienen.

    Bis wann sollte die Zugabe mit den Bienen erfolgen? Und da ich aktuell keinen Trennschied habe die Frage ob ich den Kasten irgendwie besonders schützen soll beispielsweise alte Decke + Plane drüber? Flugloch würde ich natürlich freilassen :)
    Ich hab zwar ein Blech mit Steinen als Regenschutz darüber gelegt, dennoch ist er der Witterung recht intensiv ausgesetzt. Auch ist der Kasten nicht optimal dicht: Luge ich durchs Flugloch kann ich einen Lichtschlitz erkennen.

    Mit dem Aufstocken weiterer Bienenkästen möchte ich zumindest aktuell noch etwas warten bis ich einigermaßen weiß was ich da tue oder am Besten bei einem Imker mithelfe :)
    Appropo meine Wohnhaft ist in 73553 Alfdorf, sofern das hier zufällig Jemand aus der Gegend liest, vielleicht hat dieser ja Interesse an einer helfenden Hand :)

  • Ja Hallo bei den Bienen-Bekloppten,


    schöne Bescherung :-? - so sollte einem Anfäger nicht am Startpunkt widerfahren.


    Jetzt hast Du einen Problemfall, einen Patient zur Intensivpflege. Es wäre in der Tat schön, wenn dieser Vater des Freundes sich das einmal anschaut bei Dir und dann hoffentlich sofort entscheidet, was er da tun kann für Euch.


    Es fehlt an Bienen und Ralf hat völlig Recht mit seinem Ratschlag. Wenn dieser Imker einige Völker hat, dürfte ihm die Spende nicht schwerfallen, und dann geht es mal wieder vorwärts mit denen.


    Du hast auch noch nicht geschrieben, mit welchem Beutenmaß Du imkerst.

    Was ein Schied ist, weißt Du offensichtlich bereits. Du kannst auch ein Rähmchen, welches in Deine Beute passt, entsprechend mit einer dünnen Holzseite o.ä. betackern und als solches benutzen, es sollte umlaufbar sein.

    Rähmchen sind doch ohnehin in der Kiste noch drin, die leer sind oder?


    Und sonst, lesen, lesen, lernen bis der Kopf raucht.

    Am besten noch ein Volk oder einen Schwarm aufstellen, denn auf einem Bein steht sich nicht gut.


    Deine Intention in allen Ehren (ich hatte sie auch mal) aber Bienen ohne Honig gibt es eigentlich keine :wink:

    drin lassen geht sogar meist gar nicht ohne weiteres


    Gruß


    Marion

    "Wer die Leidenschaft als Jugendsünde abtut, degradiert die Vernunft zur Alterserscheinung".
    Hans Kasper

  • Hallo Bienenschnuffel,

    ich würde dir auch empfehlen, falls noch nicht geschehen, das Flugloch einzuengen , damit das Völkchen nicht ausgeraubt wird. Den Ritz in der Beute würde ich auch von außen abdichten, Bienen mögen keine Zugluft . Das Dach sollte auch isoliert sein, damit die Wärme nicht entweicht. Solange sie Pollen eintragen, ist Hoffnung, dass sie es schaffen. Ich wünsche dir viel Erfolg.

    Willst du Gottes Wunder sehen, musst du zu den Bienen gehen.

  • Kurz zusammengefasst:
    ...Er stieg auf Carnica um...


    Kann es sein, das dein Bekannter bei diesem "Umstieg" noch einen Großteil der Brutwaben behalten hat?

    Das du also nur einen kleinen Königinnen - Ableger bekommen hast?

    Dann besteht zumindest noch Hoffnung, daß sich dein kleines Völkchen gut weiterentwickelt, auch ohne Nachhilfe.

    Kannst ja mal nachfragen.

  • Das du also nur einen kleinen Königinnen - Ableger bekommen hast?

    Dann besteht zumindest noch Hoffnung, daß sich dein kleines Völkchen gut weiterentwickelt, auch ohne Nachhilfe.

    Nee, das spielt keine Rolle. Zu klein ist zu klein. Bienen dazu und das bald, sonst ist zu spät auch zu spät.


    Beste Grüße,

    Ralf

    Imkern im Spannungsfeld zwischen Hoffnung und resignativer Reife

  • Das sehe ich auch so!

    Der Beschreibung nach besetzen sie zwei Seiten zu 1/4, keine wesenltiche Fläche mehr gedeckelt, was also noch schlüpfen würde,

    das ist ja ein Jammer.


    Und ja, die tragen Pollen ein,


    allerdings seh ich das nicht unbedingt als voll automatisches Hoffnungszeichen

    "Wer die Leidenschaft als Jugendsünde abtut, degradiert die Vernunft zur Alterserscheinung".
    Hans Kasper