Zwei Königinnen in einem Stock

  • Hallo, ich habe eine - zugegeben noch hypothetische - Frage. Aber wenn das Problem tatsächlich eintreten sollte, ist es zu spät, um noch zu fragen. (Es darf auch geschmunzelt werden.)

    Ich habe bei einem Bekannten, der 15 km entfernt wohnt und selbst kein Imker ist, ein Volk auf seinem Flachdach aufgestellt, weil er gerne den Honig aus "seinem" Flugkreis essen möchte. Nun sind wir beide beruflich gut ausgelastet und haben es in den vergangenen zweieinhalb Wochen nicht fertig gebracht, an einem Tag mit erträglicher Witterung einen Termin für eine Durchsicht zu vereinbaren (ohne ihn komme ich nicht aufs Dach). Da das Volk recht stark ist und ich es mit einzargigem Brutraum führe, befürchte ich inzwischen Königinnennachwuchs. Angesichts der aktuellen Witterung dürfte eine junge Königin zunächst in der Beute bleiben.

    Wenn ich nun am kommenden Wochenende (da wird die Durchsicht klappen, es sei denn, es regnet wieder einmal oder es ist bitterkalt) den Brutraum öffne und verlassene Königinnenzellen vorfinden sollte, kann ich davon ausgehen, dass die junge Kö ihren Jungfernflug noch nicht hinter sich hat und ich gehe auch davon aus, dass noch kein Schwarm mit der alten abgeflogen sein wird. Was ist aber in einer solchen Situation zu tun? Weil ich zu dieser Durchsicht alles für einen solchen Fall notwendige dabei haben möchte (und beim Schreiben am besten selbst nachdenken kann), melde ich mal hier.

    Da meine Königinnen nicht markiert sind, könnte es möglich sein, die alte und die junge zu unterscheiden, bin mir da aber nicht sicher. Immer öfter denke ich, ich sollte meine Königinnen doch markieren.

    Hilft es dann, das Volk einfach zu teilen, dabei jeden Teil mit einer Königin auszustatten? Und einen Teil abzuwandern? Gefühlsmäßig würde ich sagen, dass ich besser den Teil mit der alten Königin mitnehme, obwohl ich lieber den mit der jungen mitnehmen würde, weil dann das verbeibende Altvolk weiterhin unterbrechungslos Honig produzieren würde? Unterbinde ich so garantiert den Abflug des designierten Schwarms?

    Wie gesagt - hypothetisch. Ab wenn es wirklich so passieren sollte, müsste ich vermutlich sogleich eingreifen.

    Beste Grüße Steffen

  • Lieber Steffen,


    so ein hypothetisch:


    Wenn das Wetter so ist, dass Du reingucken möchtest, dann wäre es wohl zu spät, denn dann wären die ggf. schon raus. Die warten nicht auf Dich.


    Wobei Öffnen der Beute und Herumhandtieren darin kann ganz prima einen Schwarm auslösen: alles startklar, auf einmal kommt Bewegung in die Mädels und es eherbet sich ein gar lautes Gesummse um den durchsehenden Imker. Dann stünde selbiger ganz dröppelig da, käme sich ein bisschen überfahren bis verar.... vor - aber glaub mir, ein ganz wunderbares Gefühl!!

    Danach weißt Du auch sicher, dass nur eine Junge noch im Kasten ist (mindestens eine...)


    Eine Jungkönigin bei der Durchsicht zu finden, sollte denn noch nix raus sein und Zellen geschlüpft sein, ist für einen Anfänger und auch für den ausgefuchsten Schulaugen-Langjährigkeits-Ich-kann-eh-alles-Imker eher eine Glückssache: die sind noch klein und ganz schlank, die Kiste ist voll bzw die Waben. Vergiss es!


    Königinnen Zeichnen ist eine gute, übernahmewürdige Idee in der Imkerei. Bitte ganz viele Drohnen anmalen/ zeichnen, damit kann man schön üben. oder ein gutes Zeichenrohr kaufen.


    Viel Erfolg


    Marion,

    auch schon an der Kiste im Schwarm gestanden, jepp

    "Wer die Leidenschaft als Jugendsünde abtut, degradiert die Vernunft zur Alterserscheinung".
    Hans Kasper

  • bei einem Bekannten, der 15 km entfernt wohnt und selbst kein Imker ist, ein Volk auf seinem Flachdach aufgestellt, weil er gerne den Honig aus "seinem" Flugkreis essen möchte...

    ...einen Termin für eine Durchsicht zu vereinbaren (ohne ihn komme ich nicht aufs Dach).

    Das geht gar nicht auf Dauer, wenn du dort Bienen betreuen willst brauchst du freien Zugang (Schlüssel + evtl. Leiter). Von Mai bis Juni wegen einem Volk jede Woche zur Schwarmkontrolle und nebenbei noch Honigernten, sowie später zur Varroa Behandlung jedesmal einen Termin vereinbaren ist keine vernünftige Lösung. Der Aufwand für ein Volk ist eigentlich auch schon viel zu hoch. Mehr Völker über einen Leiterzugang abzuernten aber auch.

    Wenn dein Bekannter keine 2 m2 für einen kleinen Stand im Garten zur Verfügung stellen kann/will würde ich so einen Aufwand nicht betreiben wollen.

  • man sollte sich solche "Gemeinschaftslösung" bei der nur einer die Schlüsselgewalt hat auf Dauer überlegen, wenn bei Abwesenheit kein Zugang möglich ist. Da leiden die Bienen , wenn nicht zum notwendigen Zeitpunkt Behandlungen laufen oder notwendige Arbeiten gemacht werden können.

    Ich versuche mindestens 3-4 Völker auf einen Stadtstandort zu bekommen-Palette mit 4 Beuten- 6-12 wären wünschenswert. Ich möchte nicht länger anfahren als ich zum Arbeiten benötige.

    Standorte über Treppe sind anstrengend - über "Hühnerleiter" was für Hasardeure, ich kann mir keinen Ausfall von 4-12 Wochen wegen einem Unfall leisten. Einmal im Leben reicht.

    Ich habe vor einer Woche das letzte Volk aus einem Wagen mit einer solchen Leiter in einen Freistand gesetzt- im Wagen war nur ein HR möglich- für meine "faule" Imkerei brauchen meine Bienen 2-3 HR. Und auf akrobatische Balancekunststücke mit 30kg-HR auf einer Leiter verzichte ich gerne.


  • Die Folgen der Rahmenbedingungen sind nun mal da (schwieriger Zugang, Wetterbedingungen, Volksentwicklung).


    Die Möglichkeiten sind sehr begrenzt, wie beetic schon sagt. Ggf. sind WZ noch geschlossen und könnten entfernt werden - alles Glücksache.

    Eine ungezeichnete Königin zu finden, ist nicht unmöglich - würde ich Zeit investieren. Und dann Königinnenableger machen; aber nicht an dem Standort - aus dem kommen ursächlich die Probleme.


    Ein Schwarm geht dann eben ab; ist ja auch kein Unglück, wenn's nicht gerade Deine Zuchtmutter ist; Lernkurve - machst Du so nicht mehr.


    Gelernt: Standortzugang ist immer zwingend; Königin zeichnen hilft und zu bestimmten Zeitpunkten Kontrolle ist wichtig.


    Viel Erfolg


    Rainer

  • Au ja, ich bin als "Jungimker" auch schon einmal in einem abgehenden Schwarm gestanden. Dass das mit dem Öffnen der Kiste zusammenhing, war mir bis jetzt nicht klar. Wunderschönes, unvergessliches Erlebnis, der Besitzer des Volkes hatte der Alt-Kö die Flügel gestutzt, so konnte der Schwarm gleich wieder eintütet werden. Das Schönste dabei war, von tausenden von Bienen umbraust zu werden. Keinerlei Stechlust.


    Ja, im aktuellen Fall ein Missverständnis bei der Vorbesprechung. Dass dieses Flachdach nur durch das Haus zugänglich und damit ungeeignet ist, wurde mir gleich klar, als ich das Volk brachte. Aber da ich es schon mal dabei hatte, brachte ich es nicht übers Herz, gleich wieder damit abzurücken. Er ist der Architekt unseres neuen Hauses (worin er auch einen schnuckeligen Imkerraum mit extra Außentüre unterbrachte), die Planungs- und Bauphase waren eine sehr angenehme und interessante Zeit und er hat uns viel Geld erspart (blieb 10% unter den geplanten Baukosten und die waren schon sehr niedrig angesetzt). Also, an einen Rückzieher war nicht zu denken. Natürlich ist das ein großer Aufwand für ein Volk, aber er will den kompletten Honigertrag des Volkes abnehmen, das ist ein bisschen mehr als die Spritkosten.


    Inzwischen habe ich natürlich alle meine anderen Völker durchgesehen und die denken noch nicht ans Schwärmen. Das stimmt mich optimistisch, dass die Sache doch noch gut ausgeht. Das Volk wird übrigens nach der Honigernte auf meinen Heimatstand zurückkehren - dort wird dann behandelt. Vielen Dank für eure hilfreichen Antworten.


    Gruß Steffen