Wintereinbruch und seine Folgen

  • Hallo zusammen,

    Ich bin gestern Abend aus dem Urlaub zurück gekommen und heute das erste mal seit langem wieder bei den Bienen gewesen.


    Vor 14 Tagen hatten wir 25° in Oberfranken und es roch schon richtig nach Sommer. Die Natur ist explodiert und es hat einen richtigen Schub gegeben. Leider drei Wochen zu früh. Man weiß ja dass der April hart werden kann...


    Jedenfalls war ich gerade im Garten und alles steht in voller Blüte. Die frühe Kirsche ist schon abgeblüht. Schattenmorelle, Birne und Apfel stehen in voller Pracht und warten auf die Apis Mellifera.


    Bienenflug Null. Wir haben Nachtfrost, tagsüber 4° und eine leicht geschlossene Schneedecke und ich werde am Wochenende mal das Futter kontrollieren.


    Was bedeutet das aber für die Natur und meine Bienen? Gibt das eine normale Apfelernte und Honig, oder kann man das vergessen wenn es zu kalt ist um etwas einzutragen? Die Natur spielt verrückt, und mich macht es richtig traurig...

  • Da spielt doch nix verrückt, das ist für April völlig normal!

    Der April ist der zentrale Übergangsmonat zwischen den Hauptjahreszeiten und hat daher naturgemäß beide Gesichter im Potenzial.


    Alles, was nach dem Frost nicht welk/schwarz/braun wird, hat den Frost überstanden.

    Was also morgen Nachmittag noch gut ausschaut, wird gut in den Sommer kommen und auch Früchte bringen, denn danach dürfte es nicht mehr so kalt werden.

    Leider bleibt es aber noch eine längere Weile eher unterkühlt, wird wohl bis Mai dauern, bis wieder richtig warmes Wetter herrscht.


    Für die Bienen spielt das gegenwärtige Wetter keine Rolle, solange das Futter reicht. Honig wird erst später abgerechnet, nach Rapsblüte, Sommerblüte und Wald.

  • Ich habe vier Völker auf Zander stehen. Die frühe Kirsche ist schon abgeblüht und ich habe noch nicht einmal den Honigraum drauf weil es einfach drei Wochen zu früh angefangen hat zu blühen. Das ist irgendwie ein komisches Gefühl, den Garten in voller Pracht zu sehen und die Bienen haben noch keinen Honigraum drauf und den zweiten Brutraum noch nicht mal richtig angenommen und ausgebaut

  • Ich habe den Honigraum schon seit ein paar Wochen drauf. Ein paar Waben sind auch vollgetragen. Ich vermute Saalweide und die frühe Kirsche. Nun hoffe ich natürlich, dass die frühe Gabe des HR sich nun in keinen Nachteil verwandelt. Drei Zargen, bei der Kälte, da habe ich noch keine Erfahrungswerte.

    Grüße aus Mittelfranken.

  • Fördert dieses Wetter den Schwarmtrieb - oder bremst es ihn?


    Einesteils haben sie nix zu tun, andererseits wird das Futter knapp und sie müssen viel heizen. Was passiert da mit den SZ? Werden die weiter gepflegt oder ausgebissen?


    Ich kanns mir kaum vorstellen dass sie nun bei Vorräten von 5-8 kg gleich schwärmen wollen. Wie seht ihr das?

  • .... Gibt das eine normale Apfelernte und Honig,...?

    Wenn die Blüten Frost bekommen, gibt es kein Ernte. Lediglich aus bereits begatteten Fruchtknoten entwickeln sich Früchte.

    Wer wissen will, wie es um seine Früchte aussieht, der öffne Blüten und lege den Fruchtknoten frei (mit Daumennagel mache ich das). Ist der Fruchtknoten braun, ist die Blüte erfroren, ist er grün, ist alles "im grünen Bereich".

    Für die Bienen heißt das: Sie verbrauchen jetzt große Mengen Futter, weil sie große Brutflächen wärmen müssen. Man sollte aufpassen, dass keine Völker verhungern! Man sollte nie vergessen, die meisten Völker verhungern nicht im Winter, sondern bei der Durchlenzung. Und das ist jetzt!

    In Abhängigkeit wie sich das Wetter weiter entwickelt, kann es aber eine hervorragende Honigernte geben. Die jetzige Kälte hat darauf keinerlei Einfluß.

    "Moral ohne Sachverstand ist naiv und manchmal sogar gefährlich"

  • Habe da mal eine etwas andere Folge des Wintereinbruchs zu vermelden:


    Und zwar stürzen sich die Bienen derzeit bei jedem Sonnenstrahl gierig ins Freie und suchen Wasser, Wasser, Wasser!


    Leider ist das Wasser extrem kalt (heute morgen war noch 1cm Eis drauf), daher geraten viele Bienen wie bei Reinigungsflügen im Februar oder März ins Wasser und kommen nicht mehr heraus.

    So extrem viele wie diesmal hatte ich noch nie in den Regentonnen.


    Wenn man sie noch zu Flugwetterbedingungen und innerhalb von höchstens 1-2 Stunden rausfischt und auf möglicht dunkle, sonnige Plätze legt, können sich die meisten wieder erholen und heimfliegen.


    Wie wäre es mal mit Schwimmfähigkeit als Zuchtziel?

    Wespen können erheblich besser schwimmen, sie ersaufen praktisch nie. Warum tun sich Bienen damit nur so schwer?


    Gruß

    hornet

  • Na Hornet, weil das Wasser zu kalt ist, da erstarren sie. Im Sommer können sich viele Bienen aus dem Wasser retten. Bei strahlendem Sonnenschein und 6°C Lufttemperatur kann ich auch gut die Wasserholer an der Tränke beobachten, aber jede Biene die im Schatten oder auf Beton landet erstarrt dort.

    Gruß Reinhard / Lehre mich die wunderbare Weisheit,daß ich mich irren kann.(Teresa v. Avila)

  • Genau so ist es ! Mglw. kommt es in Extremlagen zu einigen Ausfällen bei der Obstblüte...


    Die Bienen kommen damit zurecht, solange der Vorrat reicht! Der 1. HR war vorletzte Woche schon fast gefüllt - da können sie zehren und hoffentlich werden die FW in diesem Frühjahr mal vollständig geleert. Was macht der Bien, wenn er nicht an Tracht kommt ? - Er brütet ... und wächst.

    Daraus entstehen Jungbienen in Massen und die suchen Arbeit. Der Brutknick aufgrund der niedrigeren Tagestemperatur - so er denn nennenswert entsteht - hat aus meiner Sicht kaum Einfluss auf die Volksentwicklung. Insofern wird bei den Völkern, die schon einiges eingetragen haben, ein großes Potenzial bei der nächsten Warmperiode sichtbar, die entweder sammeln oder ggf. schwärmen.


    Hoffentlich Ersteres


    Rainer

  • Na Hornet, weil das Wasser zu kalt ist, da erstarren sie.

    ja Drobi, DAS ist mir schon klar, nur Wespen sind da offenbar *deutlich* agiler und robuster, die kommen auch bei kaltem Wasser in jeder Jahreszeit viel leichter, eigentlich fast immer wieder von selber raus. Also ich sehe da noch deutliches Zuchtpotenzial bei den Bienen :wink:

  • Bei uns blüht der Löwenzahn, ohne dass die Bienen nennenswert Nektar eintragen. Ein Rapsfeld auf ca. 250 m+NN ist auch schon kräftig am blühen, wovon die Bienen vermutlich nicht viel haben. Bei einem anderen auf ca. 320 m+NN dagegen gehen erst die ersten Blüten auf; falls es in einigen Tagen warm wird, könnten die Bienen da wohl noch einiges holen.

    Bei 6 von 7 kontrollierten Völkern konnte ich für die letzten 5 Tage ca. 2 kg Gewichtsabnahme feststellen. Also aufpassen!

    Karl

    Etwa 10 Völker auf Dadant an etwa 3 Standorten. "Bienenrasse":roll:: was sich bei Nachbarimkern so bewährt hat.

  • Hallo Rainer beemax,


    meinst du die Königin stiftet weiter? Bei Tiefsttemperaturen von -4Grad und ohne Nektareintrag kann ich mir gut vorstellen, dass die Kös aus der Brut gehen

    Es kommt nicht auf die tiefste Temperatur des nachts an, sondern auf die Tageshöchsttemperatur!