Rechtsicherheit/Versicherungsschutz bei der Honigvermarktung als Privatimker

  • Guten Tag, liebe Forumsgemeinde!

    Möchte heute nochmals die aktuellen Themen zur Rechtsicherheit eines Privatimkers zur Diskussion freigeben. Leider haben meine bisherigen Recherchen keine befriedigenden Ergebnisse geliefert. Hatte in den letzten Wochen versucht, dem speziellen Thema "Produkthaftpflicht" eines Vereinsmitgliedes des "Landesverband Württembergische Imker" zu ergründen - leider ohne Erfolg. Man trifft auf eine "Wand der Verschlossenheit" sowohl beim Ortsverein (dort herrscht eher Ahnungslosigkeit), beim Landesverband wird zuerst auf eine fehlende Mitarbeiterin verwiesen (Mutterschutz) doch dann meldet sich die Kollegin, dass Versicherungsbedingungen generell nicht ausgehändigt werden. (Einsicht vor Ort nach Terminvereinbarung wäre evtl. möglich). Der Versicherer Gaede&Glauerdt verweist wiederum auf den Landesverband bzw. Ortsverein und begründet dies mit Datenschutz!


    Meine Rechercheergebnisse lassen jetzt vermuten, dass die Absicherung über den Verein (bzw. Landesverband) in Sachen Produkthaftpflicht nicht besteht! Damit hat jeder Privatimker eine "offene Flanke", die zu einem finanziellen Desaster führen kann. Nur 2 Fakten:

    1) Ohne Produkthaftpflicht besteht auch kein passiver Rechtschutz (= Abwendung ungerechtfertigter Ansprüche)! Das bedeutet, dass jeder Käufer eines Honigs die Möglichkeit hat, über seine private Rechtschutzversicherung einen Anwalt mit einer Einlassung zu beauftragen (Grund ist jetzt erstmal zweitrangig). Der private Imker kann allerdings einen Anwalt über seine private Rechtschutzversicherung nicht beauftragen, da die Privatrechtschutz den Honigverkauf nicht abdeckt. Fazit: Anwalt muss aus eigener Tasche bezahlt werden - und das wird teuer!

    2) Haftpflichtschaden-Beispiel: Auch schon öfter erwähnt ist der Fall, dass bei dem Transport eines Honigglases durch Schlag gegen den Deckelrand Glassplitter abplatzen könnten. Sollte aus irgendeinem dummen Zufall sich damit ein Kleinkind verletzten, dann "Prost Mahlzeit". Auch hier benötigt man einen Anwalt zur Abwendung ungerechtfertigter Ansprüche bzw. die Verteidigung bei einem möglichen Streit vor Gericht. Dies würde ganz klar die Existenz des Privatimkers bedrohen!


    Die alteingesessen Imker werden jetzt sicher sagen: "Oh mein Gott, macht der ein Theater"

    - Leider nein!! Denn wir leben leider nicht mehr in der guten alten Zeit, wo man einfach "Alle-Fünf-Hat-Gerade-Sein-Lassen", sondern heute verklagt ja jeder jeden. (Der Versicherungsbeitrag muss sich ja schließlich auch lohnen).


    Auf folgende Lösungsansätze bin ich gestoßen. Diese möchte ich gerne ebenfalls diskutieren:


    1) Der BIV (Bayrische Imkerverband) bietet anscheinend eine umfassende Versicherungsleistung für seine Mitglieder an?

    * Ist das noch so?

    * Kann man da aus Baden-Württemberg Mitglied werden?

    2) Für gewerbliche Imker gibt es umfassende Versicherungsmöglichkeiten - gibt es so etwas auch für private Imker?

    * Ist also die private Absicherung des Produkthaftpflichtrisikos möglich?


    Hoffe, es ergeben sich hier einige neue Informationen im Forum!

    Es grüßt der Thomas aus dem " Schwarzen Wald"

  • Die Buckfastimker hatten ein Jahr eine Versicherung in welcher die Produkthaftpflicht eingeschlossen war. Damit wurde auch geworben. bei der genauen Überprüfung damals stellte ich fest dass diese auch bei Gaede&Glauerdt besteht.


    "Auch ist es möglich, das Versicherungspaket um den Einschluss der Haftpflichtversicherung inkl. Produkthaftung und erweiteter Produkthaftung rund um Ihre imkerlichen Risiken (Personen- und Sachschäden) zu erweitern."


    Bei den geringen Beiträgen kann sich ein Landesverband halt keinen kompetenten Geschäftsführer leisten.


    Remstalimker

    Im Netz ist gut auf hohem Niveau imkern.:daumen::lol:

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  • Die Versicherung der Verbände über Gaede & Glauerdt scheint einheitlich zu sein. Auch bei uns in MV ist (siehe den Verweis von Joachim) die Produkthaftung eingeschlossen.


    Wolfgang

    I never loose - either I win or I learn (Nelson Mandela)

  • ... sondern heute verklagt ja jeder jeden. (Der Versicherungsbeitrag muss sich ja schließlich auch lohnen).

    Gibt es für den Fall 1) bzw. Fall 2) reale Beispiele?


    * Auch hausgemachte Marmelade oder ähnliches stellt den Produzenten ja vor ähnliche Probleme. *

    3 Völker, Langstroth Flachzarge / 8 Frame, Honigraum FlowHive

  • Vielen Dank für die rege Beteiligung. Auf diese Merkblätter bin ich auch schon gestoßen. Als ich dann nach den genauen Versicherungsbedingungen gefragt habe, wurden mir die Unterlagen leider verweigert. ( Begründung: Datenschutz etc.)


    Zum Abschätzen des Wertes dieser Imker-Globalversicherung muss allerdings das "Kleingedruckte" geprüft werden! Denn lt. den Merkblättern zählen nur die Regelungen in den Versicherungsbedingungen und nicht die in den Merkblättern. Den Unterschied - und das kann entscheidend sein - möchte ich gerne kennen und beurteilen können!

    Es grüßt der Thomas aus dem " Schwarzen Wald"

  • Richtig Hausecke: Die "erweiterte Produkthaftpflicht" betrifft jeden Hersteller und ganz besonders Produzenten von Lebensmitteln. Hausgemachte Marmelade natürlich ebenso wie Honig!


    Fallbeispiele gibt es viele und man denke nur an die Rückrufaktionen von namhaften Herstellern wie z.B. Nestle etc. Doch solche dramatischen Fälle bedarf es garnicht um dem Privatimker sein "Häuschen wegzunehmen" (Verlust des Vermögens im Schadens- oder Streitfall). In der Honigschulung des DIB lernt man ja auch, von jeder "Honigabfüllung" (Charge) eine Probe aufzubewahren. Diese ist genau zu dokumentieren - im Fall der Fälle wird diese Probe zum Nachweis benötigt. Doch wird in der Regel der Privatimker ein solches Verfahren gegen seine Produkte finanziell garnicht "überleben" es sein denn - er hat eine passende Versicherung.


    Kennt denn jemand einen Anbieter für solche "Privat-Imker-Versicherungen"?

    Es grüßt der Thomas aus dem " Schwarzen Wald"

  • Richtig Hausecke: Die "erweiterte Produkthaftpflicht" betrifft jeden Hersteller und ganz besonders Produzenten von Lebensmitteln. Hausgemachte Marmelade natürlich ebenso wie Honig!


    Fallbeispiele gibt es viele und man denke nur an die Rückrufaktionen von namhaften Herstellern wie z.B. Nestle etc.

    Ja genau diese großen Fälle meine ich nicht. Das große Unternehmen verklagt werden ist ein gutes Business. Der Ruf den sie zu verlieren haben, ist einfach zu viel Wert.

    Zeig mir doch mal einen link, zu einem "Kleinproduzenten" der eine Klage bekommen hat. Ich kann da nichts dramatisches finden.

    3 Völker, Langstroth Flachzarge / 8 Frame, Honigraum FlowHive

  • Hallo,


    ich kann dazu nur etwas aus dem Dienstleistungsgewerk beitragen. Echte Vermögenschäden/Folgeschäden zu versichern ist oft nicht üblich, also endet es am Produkt selbst. Schäden die das Produkt selbst verursachen kann (Folgeschäden) kann sich jeder vorstellen, sind quasi grenzenlos. Entsprechend sehen auch die jährlichen Beträge aus. Nur wenige Versicherer in Deutschland tragen solch Risiko, also ich kann mir nicht vorstellen, das es aktuell für die Imkerei in Deutschland ein ausreichendes Paket gibt um alle versicherungstechnische Belange abzudecken.



    grüße Stefan

  • Echte Vermögenschäden/Folgeschäden zu versichern ist oft nicht üblich, also endet es am Produkt selbst. Schäden die das Produkt selbst verursachen kann (Folgeschäden) kann sich jeder vorstellen, sind quasi grenzenlos.

    Bei Honig ist das aber doch recht überschaubar. Von den genannten Glassplittern abgesehen fällt mir da wenig ein und eine gesetzliche Haftung setzt ja immer ein Verschulden voraus.


    Wolfgang

    I never loose - either I win or I learn (Nelson Mandela)

  • Soviel ich weiß spielt eben gerade bei der Produkthaftung das Verschulden des Herstellers keine Rolle. Es gilt die Gefährdungshaftung, d.h. man haftet schon allein durch das "Inverkehrbringen".


    Hausecke: Möchtest Du Dich mit der Nachfragerei beruhigen? Wenn Du einen publizierten Fall mit Aktenzeichen finden willst, kannst Du Dich bestimmt kostenpflichtig in eine Juristendatenbank einloggen. Der gesunde Menschenverstand sagt einem, dass es diese Fälle der Einlassung gibt. Ob diese zu juristischen Erfolgen geführt haben, lässt sich an dieser Stelle nicht herausfinden. Anwaltskosten zur Abwehr solcher Einlassungen entstehen auf jeden Fall!

    Es grüßt der Thomas aus dem " Schwarzen Wald"

  • Stefan: Produkthaftpflicht-Versicherungspakete lassen sich gut Online berechnen und sind von den Kosten her auch noch tragbar. (Auf den ersten Blick ca. 100 - 200 Eur Jahesprämie bei einem kleinen Jahresumsatz aus imkerischer Tätigkeit) Leider sind die Versicherungen die ich gefunden habe eben nur für Gewerbetreibende gedacht.

    Es grüßt der Thomas aus dem " Schwarzen Wald"

  • Hausecke: Möchtest Du Dich mit der Nachfragerei beruhigen? Wenn Du einen publizierten Fall mit Aktenzeichen finden willst, kannst Du Dich bestimmt kostenpflichtig in eine Juristendatenbank einloggen. Der gesunde Menschenverstand sagt einem, dass es diese Fälle der Einlassung gibt. Ob diese zu juristischen Erfolgen geführt haben, lässt sich an dieser Stelle nicht herausfinden. Anwaltskosten zur Abwehr solcher Einlassungen entstehen auf jeden Fall!

    Nein, mir fehlt die Vorstellungskraft, was dort praktisch kommen könnte oder bei anderen schon zu großen Problemen geführt hat. Bei allen meinen Autoversicherungen kann ich mir das vorstellen. Und auch ohne kostenpflichtige Angebote, gibt es genug veröffentlichte Fälle.

    3 Völker, Langstroth Flachzarge / 8 Frame, Honigraum FlowHive