Fragwürdiges Wachs ausschleusen

  • ich habe im Frühjahr 80 Kilo eigenen Wachs umarbeiten lassen und auch meinen eigenen Wachs wiederbekommen - wurde mir jedenfalls so bestätigt.

    nun würde ich die Mittelwände gerne untersuchen lassen, wisst ihr wo man das machen kann??

    Danke und Grüße aus Werder

  • Aus dem Text hinter dem link

    "Der Imkerbund ruft deshalb alle Imker, die derartige Mittelwände gekauft haben, dazu auf, sich zu melden. Zudem rät der D.I.B., Waben mit verfälschtem Wachs auf keinen Fall in den Wachskreislauf einzubringen."

    3 Völker, Langstroth Flachzarge / 8 Frame, Honigraum FlowHive

  • [Jetzt poste ich meinen Beitrag einfach nochmal, in der Hoffnung dass das mit dem Einfügen der Bilder diesmal klappt. hartmut vielleicht könntest Du den bzw. die vorherigen Posts ab #55 dann löschen, um den Fluss zu erhalten. Danke Dir.]


    Hallo liebe Kollegen,


    Ich werde weiter berichten.


    Viele Grüße

    ich bin Euch ja noch was schuldig.


    Motiviert durch BernhardHeuvel  in diesem Faden möchte ich hier erzählen wie die ganze Geschichte bei mir weitergegangen ist. Um das Bild rund zu machen, hole ich aber ein bisschen aus.


    Es geht hier um Mittelwände aus offensichtlichem „Schrottwachs“, das ich im Juni 2015 bei einer Imkerei in Oberschwaben gekauft habe, lt. Artikelbeschreibung „aus unverfälschtem Bienenwachs“. Schon bei der Anlieferung war auffällig, dass die MW-Pakete in Klarsichtfolie eingeschweißt waren, und die MW darin nass waren und merkwürdig rochen. Ich könnte mir heute in den A**** beißen, dass ich sie damals nicht reklamiert und zurückgeschickt habe. Beim Verarbeiten fiel mir des Weiteren auf, dass die MW für mein Empfinden ungewöhnlich zäh waren, denn sie ließen sich bei 30°C problemlos um 180° „falten“, ohne dabei zu brechen. Beim Einlöten der MW nach ca. 9 Monaten Lagerzeit im Keller fiel mir ein weißer Belag auf, dem ich aber keine weitere Bedeutung beimaß.




    Die MW wurden erstmals in der Saison 2016 eingesetzt, und zwar in Honigräumen, in Ablegern und zur „Wabenhygiene“ in den Wirtschaftsvölkern. Die folgenden Fotos sind von Mai 2016.


    Viele Waben zeigten ein Bild wie nach einem Schuss mit der Schrotflinte:



    Manche Waben zeigten zwar kein optimales Brutbild, aber doch immerhin zusammenhängende und weitgehend geschlossene Brutflächen. Nach meiner Interpretation ist die auf dem folgenden Foto gezeigte Wabe i.O.:




    In den Honigräumen waren die Waben in meinen Augen unauffällig, bei genauerem Hinsehen fielen aber doch teilweise deutlich propolisierte Zellwände auf. Um dieses Bild zu beurteilen fehlte mir die Erfahrung:



    Im Frühsommer 2016 gebildete Brutableger zeigten ein extrem merkwürdiges Verhalten: Bei vielen von ihnen klappte die Nachschaffung nicht. Diejenigen, bei denen eine Königin geschlüpft war und begattet wurde, wuchsen nicht richtig, oder die Königin kam abhanden. Es war eine Tragödie. Von den eingewinterten Völkern überlebten nur 50% den Winter. Mir fehlte allerdings die Erfahrung um zu bewerten, ob das Folge meiner imkerlichen Anfängerfehler war, oder ob es etwas mit dem Wachs zu tun hatte.


    Anfang April 2017 dann wieder dasselbe Bild bei den Brutwaben, für die ich ausgebaute Honigwaben vom Vorjahr verwendete:






    Zusammenbrechende Waben habe ich übrigens nicht gehabt.


    Zu diesem Zeitpunkt, und nachdem hier im IF vermehrt über dieses Thema berichtet wurde, fühlte ich mich in meinem Verdacht Schrottwachs in den Völkern zu haben zunehmend bestätigt, und es reifte in mir der Entschluss, den Mist schnellstmöglich „kurz und schmerzlos“ auszuschleusen. Da ich nicht sicher war, welche Waben betroffen sind, war mein Plan ALLE Waben austauschen. Zu dem „wie“ hatte ich diesen Faden eröffnet. Mehrfach wurde mir eine TBE kurz vor der letzten Honigernte empfohlen, was ich für einen sehr guten Ansatz zur Wabenhygiene und zur Varroabekämpfung halte. Vor allem der richtige Zeitpunkt, aber auch die Notwendigkeit der Maßnahme überhaupt wurden hier kontrovers diskutiert.

    Einige der sehr aktiven „alten Hasen“ hier im IF hatten mir von meinem Vorhaben abgeraten und gemutmaßt, die Waben seien doch gar nicht schlecht, und alles beruhe auf einem gefühlten Unwohlsein meinerseits: „Hätten die Völker den letzten Winter überlebt, wenn das Wachs sooo schlecht ist?“ „Dein Wachs war vielleicht nicht zu 100% rein, aber keineswegs toxisch. Der empirische Beweis dafür sind Deine lebenden Bienen.“ „Nicht die hatten ja ein Problem, sondern Du!“ „Solche Gewaltaktionen macht man nicht zu Unzeiten und nur aus gutem Grund- und da gehört die Ideologie des Imkers nicht dazu. Die Bienen haben den Winter geschafft, sie hätten es auch bis 14 Tage vor der Lindenernte geschafft.“

    Manöverkritik an meine eigene Adresse: Es ist mir offensichtlich nicht gelungen, den Zustand der Waben durch meine Beschreibungen transparent zu machen. Hätte ich damals Fotos eingestellt, wäre es vermutlich zu anderslautenden kollegialen Ratschlägen gekommen. Es bewahrheitet sich: ein Bild sagt mehr als 1000 Worte.

    Ich entschied mich schließlich gegen eine TBE und anstatt dessen für ein sofortiges Umsetzen der Völker auf neue, „saubere“ Mittelwände. Die Brutwaben habe ich über ASG auslaufen lassen und dann entnommen.

    Und so bin ich vorgegangen: Bei jedem Volk habe ich an die Stelle des unteren Brutraums eine Zarge mit Mittelwänden und einen Baurahmen gegeben. Die ansitzenden Bienen jeder einzelnen Brutwabe habe ich in die Zarge mit den Mittelwänden abgestoßen, die Brutwaben selbst in andere Zargen gehängt. Die Zargen mit den Brutwaben und den Honigraum habe ich über ASG aufgesetzt. So gibt es keinen Brutsammler und auch keine Brutpause, denn alle Bienen verbleiben in ihrem Volk.


    Johannes


    Das Ausschleusen der Waben und das dadurch bedingte Chaos in den Völkern waren ein Kraftakt für die Bienen und für mich, der mich in diesem Jahr viel Honig und auch nochmal ein Wirtschaftsvolk durch Königinnenverlust gekostet hat. Besonders schmerzhaft war, dass ich wirklich ALLE, also auch die Waben aus den Honigräumen eingeschmolzen habe, da ich die Herkunft der Mittelwand nicht bei jeder einzelnen Wabe sicher identifizieren konnte. So habe ich jetzt den ganzen Keller voll mit mutmaßlich mehr oder weniger fragwürdigen Wachsblöcken, die ich sicher nicht mehr für Bienen einsetzen werde.


    Für den Neustart mit „sauberen“ Mittelwände habe ich von meinem Imkerpaten Starthilfe erhalten, wofür ich ihm extrem dankbar bin. Er betreibt eine eigene Wachsstrecke und lässt sein (!) Wachs umarbeiten. Ich selber habe mir vorgenommen, kein Wachs mehr zuzukaufen, sondern meine MW zukünftig konsequent aus eigenem Wachs selbst zu gießen.


    Aus meiner heutigen Sicht hat es sich gelohnt, dass ich das problematische Wachs sofort und konsequent aus den Völkern genommen habe: Nach dieser Sanierung konnte ich in 2017 schließlich aus 3 verbliebenen Völkern 6 zusätzliche Brutableger bilden, die sich auf dem sauberen Wachs prächtig zu starken Jungvölkern entwickelt haben. Auch die 3 Wirtschaftsvölker stehen inzwischen wieder sehr gut da, allerdings als Einzarger: Die Brutwaben waren bei der letzten Durchsicht vor 3 Wochen „von Holz zu Holz“ bebrütet, mit nur ganz vereinzelten Leerzellen, so wie es in gesunden Völkern sein sollte. So habe ich gute Hoffnung auf ein besseres Bienenjahr 2018.


    Das Jahr 2017 war für meine Bienen und mich kompliziert und knifflig. Das Thema „TBE mit weiselrichtigem Brutsammler“ möchte ich dann nächstes Jahr angehen.


    Euch allen vielen Dank für's Mitdenken und für Eure Unterstützung bei der Meinungsbildung. Und viel Erfolg mit Euren Völkern.



    Grüße


    Johannes

  • ribes


    Also "hinter dem Souterrainfenster" ist ja nun nicht wirklich direktes Sonnenlicht. Probier es mal aus und lege ein Stück NAturbau (irgendeine Wabenzunge von unter dem Rähmchen findet sich doch schnell) in die richtige direkte Sonne.

    Das habe ich nun ausprobiert, allerdings wieder nicht im Freien, sondern im Wintergarten, seit August 2017. Ergebnis:

    Eine Naturbauzunge, die etwa 1 -2 Wochen nach Errichtung entnommen wurde und noch fast weiß war: kein Ausbleicheffekt.

    Eine Naturbauzunge, die etwa im selben Baualter entnommen, aber bereits braun angefärbt war (Propolis): Ausbleicheffekt sichtbar, aber noch immer dunkler als v.g. weiße Zunge.

  • Nochmals besten Dank für den eindrucksvollen Bericht, insbesondere die Bilder, die das Dilemma dokumentieren.


    Wer so etwas sieht, muss sofort auch an gepanschtes Wachs denken. Zurzeit sind diese Befunde nur unzureichend bekannt bzw. verbreitet.


    Ich wünsche Dir und Deinen Bienen eine erfolgreiche Saison 😊


    Rainer