Flügeldeformationsvirus

  • Hallo Allerseits,

    eine Frage: Habe ich das richtig verstanden, dass dieser Virus nur via Varroa zu den verkrüppelten Flügeln etc. führt?

    Ich könnte also, dem einten Volk welches betroffen ist, die Brut entnehmen, mit Milchsäure einsprühen und einem anderen Volk zugeben ohne dass eine Ansteckung oder Verschleppung dieser Krankheit passiert?

    Lg's

    Susanne

  • die Brut entnehmen, mit Milchsäure einsprühen und

    Hallo Susanne,


    Hoffe da melden sich erfahrene Imker in Punkto Chemie.... ich für meinen Teil hab nur mal gehört dass Milchsäre bei verdeckelder Brut nix bringt....


    Gruß Mario der mit Säuren nix "am Hut hat"

    Kein Böses Wort, keine solche Tat könnten mich so hart treffen wie der ungläubige Blick meiner Hunde!

  • Mit der Milchsäure kann man im Idealfall einen milbenfreien Bienenbesatz auf der Wabenoberfläche erreichen. Die Milben in den Zellen bleiben. Damit bleibt auch deren Virenlast, die man dann beim Schlüpfen der (vermutlich ebenfalls kranken Bienenbrut) schön im anderen Volk verteilt.

    Wenn es blöd läuft, opferst du ein neues Volk dem Virus, um ein paar gesunde Bienen aus der verseuchten Brutwabe zu retten, da die kranken Bienen sowieso dem anderen Volk nichts bringen werden.

    Das ist wie bei der Brutscheune, wo man auch die am schlimmsten verseuchten Fangwaben besser einschmelzen sollte, auch wenn es schwer fällt, die Brut darin auf Verdacht zu töten.

    In der Natur gibt es weder Belohnungen noch Strafen. Es gibt Folgen.
    (Robert Green Ingersoll)

  • Sorry, aber bei deiner Formulierung ist es möglich, dass du Brut des eingespühten Volkes oder eingesprühtes Volk ohne Brut zugeben willst.


    Ich verstehe unter "Brut entnehmen", dass die Brut noch in der Wabe ist und dann demnächst schlüpft. Dann wären die Milben noch mit in der Brut und somit s.o, wenn du die Brut dem anderen Volk zugibst.


    Wenn du die brutfreien, eingesprühten Bienen des Volkes zugeben willst, sind die Viren immer noch in den Bienen vorhanden, werden sich aber zunächst schlechter verbreiten. Es gibt aber durchaus auch begründeten Verdacht, dass eine Verbreitung von Bienen zu Biene ohne Milben möglich ist. Außerdem hast du dann auch die ganzen verkrüpplten Bienen dabei, wenn du sie nicht zufliegen lässt und durch das Behandeln die Bienen geschwächt.


    Somit bleibt für mich: Wenn es wenig Bienen sind, ist der Nutzen durch Verstärkung überschaubar, aber das Risiko bleibt. Wenn es viele Bienen sind, ist die eingebrachte Virenlast höher und das Risiko für die Zukunft damit auch.

    Was du somit in jedem Fall verhindern solltest, ist ein Zusammenbrechen des Volkes neben den anderen Völkern. Dann betteln sich die unbehandelten Bienen aus dem Seuchenvolk ein.

    In der Natur gibt es weder Belohnungen noch Strafen. Es gibt Folgen.
    (Robert Green Ingersoll)

  • Ich dachte gelesen zu haben, dass diese Viren nur bedenklich sind, wenn sie via Lymphe, also Milbenbiss in die Bienen kommen. Diese Viren seien bei allen Völkern zu finden. Aber werden nur schädlich durch Varroa....!?!?

  • Ich dachte gelesen zu haben, dass diese Viren nur bedenklich sind, wenn sie via Lymphe, also Milbenbiss in die Bienen kommen. Diese Viren seien bei allen Völkern zu finden. Aber werden nur schädlich durch Varroa....!?!?

    Diese Viren gab es bereits in den Biens, als die Varroamilbe noch nicht hier war.
    Etwa zwanzig Jahre Varroaanwesenheit, bei bis zu zehntausend Varroen je Bien führten zu keinem Virenproblem...
    Was also ließ sie zum Problem werden, die Viren,

    auch schon bei einem Bruchteil der früheren Milbenlast?

    Ich weiß dass ich nicht weiß. (Sokrates)

  • Die Viren werden von angesteckten Ammenbienen durch den Futtersaft an die Larven weitergegeben. Die Larve wird also bereits zur kranken Biene und steckt ihrerseits die Larven an, die sie pflegt.


    Die Milben tragen lediglich dazu bei, dass sich der Virus zusätzlich direkt über die Milben noch schneller vermehren. Ist die Virenlast hoch, kannst du mit einem Schlag alle Milben entfernen, das Volk würde trotzdem nicht mehr gesunden und sterben.

  • Die Milben tragen lediglich dazu bei, dass sich der Virus zusätzlich direkt über die Milben noch schneller vermehren. Ist die Virenlast hoch, kannst du mit einem Schlag alle Milben

    entfernen, das Volk würde trotzdem nicht mehr gesunden und sterben.

    Und warum hat das zwanzig Jahre lang nicht funktioniert?

    Und was setzte es dann in Gang?

    Ich weiß dass ich nicht weiß. (Sokrates)

  • Die Milben tragen lediglich dazu bei, dass sich der Virus zusätzlich direkt über die Milben noch schneller vermehren. Ist die Virenlast hoch, kannst du mit einem Schlag alle Milben

    entfernen, das Volk würde trotzdem nicht mehr gesunden und sterben.

    Und warum hat das zwanzig Jahre lang nicht funktioniert?

    Und was setzte es dann in Gang?

    Hallo Hartmut.


    Bitte kläre uns doch auf.

    Wäre prima!

    :u_idea_bulb02:

    Grüße Luffi


    Nicht weil es schwer ist, wagen wir es nicht, sondern weil wir es nicht wagen, ist es schwer. :u_idea_bulb02:

    (Lucius Annaeus Seneca - römischer Politiker, Dichter und Philosoph - * 4 v.Chr, † 65)

  • Diese Viren gab es bereits in den Biens, als die Varroamilbe noch nicht hier war.
    Etwa zwanzig Jahre Varroaanwesenheit, bei bis zu zehntausend Varroen je Bien führten zu keinem Virenproblem...
    Was also ließ sie zum Problem werden, die Viren,

    auch schon bei einem Bruchteil der früheren Milbenlast?

    Die natürliche Auslese? Wenn "früher" ein Virus zu aggressiv war und seinen Wirt, das Bienenvolk, tötete, dann war Ende im Gelände. Dieser Virus starb oft mit aus. Heute werden gerade diese aggressiven Viren per Varroakurier in andere Völker getragen, wenn ein Wirtsvolk zusammenbricht.


    Ende März fand dieses Jahr in Berlin eine "Internationale Bienenkonferenz" statt, organisiert vom BMEL (Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft) und vom D.I.B..

    In einem der Vorträge erwähnte der Dozent, dass es vor der Varroa ca. 16 verschiedene Stämme des Deformed Wing Virus in unseren Bienenvölkern gegeben hätte. Inzwischen gäbe es im wesentlichen nur noch einen. Es hat also, alleine in der Population der Flügeldeformationsviren, eine starke Veränderung gegeben.


    (Weiss vielleicht jemand von Euch, der auch auf der Veranstaltung war, welcher der Vorträge das war? Der von Per Kryger?)


    Grüsse,

    Robert

  • Hallo Zusammen,

    ich kann zwar nicht über die Berliner Veranstaltung berichten, aber ich habe am 12.3.17 auf dem Hohenheimer Tag einen Vortrag gehört:

    "Bienenviren und ihre Bedeutung für die Imkerei (Dr. Marina Meixner, Kirchhain)"

    dabei wurde berichtet, dass der Flügeldeformationsviren als einzig bekannter Bienenvirus sich in der Varroa vermehrt und er sich daher sehr aggressiv im Volk ausbreitet kann.


    Außerdem wurde von Untersuchungen auf einer Insel in Hawaii berichtet, dabei wurde festgestellt, dass beim Auftreten der Varroa auf der Insel 4 Stämme des DWV bekannt waren. Nach einer bestimmten Zeit hatte sich der aggressivste Stamm durchgesetzt und drei andere Stämme sind praktisch verschwunden.

    Gruß Eisvogel

    Man tut was man kann, hieß es früher. Heute glauben alle sie müssen tun was sie nicht können. P. Sloterdijk

  • Das ist ja alles gut und schön. Wer oder Was aber hat diese Entwicklung in Gang gesetzt?

    Wofür werden die Wissenschaftler eigentlich bezahlt?
    Hinhalten können wir uns alleine.

    Ich weiß dass ich nicht weiß. (Sokrates)