Ganz ohne Chemie?

  • Sorry Leute, bei mir klingt da raus, dass wir jetzt künstlich unsere Völker klein halten sollen, damit die gut und ohne Chemie über den Winter kommen.

    Das halte ich für völligen Schwachfug!

    Viele Bienen heißt nicht zwangsläufig viele Milben.

    Aber großer Bruteinschlag heißt mehr Milben!

    Völker, die schon Varroa-Vorgeschädigt sind versuchen z.B. gegen die Milbe anzubrüten und verschlimmern die Lage damit noch.

    Andere große Völker kommen gut mit der Milbe zurecht, vor allem mit einer guten Sommerbehandlung und (ggf.) der richtigen Winterbehandlung zur richtigen Zeit! Dies kann auch ganz ohne Chemie passieren (Bannwabe, Salvini, Fangwabe, TuB, TBE, etc.)

    Und wer (zu) kleine Völker hat, kann sich auf eine Enttäuschung im Frühjahr einstellen.

    Nicht umsonst wird immer wieder darauf hingewiesen, dass Völker im Herbst neben einer möglichst geringen Varroa-Last eine gewisse Größe und genügend Futter haben sollten, dass die durch den Winter kommen.

    Mir sträuben sich da echt die Nackenhaare, wenn ich das lese.

    Ich möchte auch im Frühjahr noch meine Völker haben!

    Und das geht einfacher mit etwas größeren Völker als mit zu kleinen!

    Ich hab lieber etwas größere Völker im Herbst und kann zuversichtlich ins Frühjahr gehen als zu kleine Völker, die die Wärme nicht mehr ausreichend halten können, dadurch keine Brut mehr gezogen werden kann, bei denen Schimmel in der Kiste entsteht/entstehen kann, bei denen die Varroa oder eine Winterbehandlung dem Volk im Winter den Rest gibt.

    Grüße aus HH Andreas


    Man kann sich den ganzen Tag aufregen :evil: ------- Ist aber nicht verpflichtet dazu :cool:

  • Was sind zu große und kleine Völker ?

    Das lässt sich ja noch abschätzen, z. B. das Volk A besetzt bei mir jetzt (10 bis 12 °C Tagestemperatur, 5 bis 8 °C Nachttemperatur) 10 Wabengassen und wirft pro Tag 8 bis 10 Milben ab. Daneben steht Volk B, das ebenso 10 Wabengassen besetzt und 0,5 Milbe tägl. abwirft. Und dann stehen da Volk C und D mit je 6 bis 7 Wabengassen Bienenbesatz, die jew. 1 und 4 Milben täglich fallen lassen.


    Wie verträgt sich das mit der Hypothese, dass große Völker mehr Milben produzieren ? - Kann sein, muss es aber nicht. Die Windeldiagnose ist ohnehin sehr fehlerbehaftet, kann nur Ausreißer detektieren.


    Und sobald Bienen selbst gegen den Milb arbeiten, stimmen die Korrelationen "große Brutnester = viele Milben und umgekehrt" nicht mehr. Jedes Volk ist anders, differenzieren ist gefragt, denke ich.

  • 6 Zargen Mini Plus sind ca 60 Liter Volumen. Und die haben Bienenmasse, die eine Dadantkiste füllt. Also sitzen die eng und sehr wärmehaltig. Die Brüten der Varroa davon. Ist doch alles bekannt. In dem Augenblick, in dem weniger Brut angelegt wird, da geht das Problem los. Ich muss nur wissen, welches Volk da betroffen ist. Wenn ich bei so einem Volk zu sachte (z.B. Thymol) oder 4 Wochen zu spät behandle, verliere ich das Volk.

    Bannwabe laut Büchler setzt rechtzeitigen Beginn voraus. Deshalb muss man Völker beproben und gegebenenfalls aus der Honigproduktion nehmen.


    Gruss

    Ulrich

  • Sorry Leute, bei mir klingt da raus, dass wir jetzt künstlich unsere Völker klein halten sollen, damit die gut und ohne Chemie über den Winter kommen (..)

    Wer English versteht, kann ja mal dem Link folgen, ist halt die Evidenz basierte, forschende Wissenschaft .. andererseits werden die stark fliegenden annekdotischen 'Wahrheiten' und Imker-Latein nicht so schnell aussterben ..

    Aloha ❀ Markus F.

    ✦ Liebe deine Bienen wie dich selbst - Liebe ist Verantwortung eines Ichs für ein Du, hierin besteht, was in keinem Gefühl bestehen kann, die Gleichheit aller Liebenden.

  • Sowas hat der Karl aber nicht verdient, mein Freund!

    Im Gegenteil, ich halte den Karl für viel offener und liberaler und fortschritlicher --

    Aloha ❀ Markus F.

    ✦ Liebe deine Bienen wie dich selbst - Liebe ist Verantwortung eines Ichs für ein Du, hierin besteht, was in keinem Gefühl bestehen kann, die Gleichheit aller Liebenden.

  • "Let the bees tell you!" [Br. Adam]

    Sorry, OT, aber das wird heute mein Zitat des Tages ;) Das was Schiffer da beschreibt, nachdem ihn einige Bienen anfliegen ("Die sind sogar sehr wachsam, ... sind die nicht so weichgespült, ... das kenne ich von Wildvölkern, die sind in der Kommunikation wesentlich besser, weil die Kommunikation nicht durch die ganzen Rähmchen voneinander getrennt ist") darf und durfte ich auch ganz oft erleben - meine Bienenvölker sind scheinbar sogar trotz Rähmchen in der Lage besser zu kommunizieren als es dem Imker manchmal lieb ist ;)

  • Sorry, OT, aber das wird heute mein Zitat des Tages ;) Das was Schiffer da beschreibt, nachdem ihn einige Bienen anfliegen ("Die sind sogar sehr wachsam, ... sind die nicht so weichgespült, ... das kenne ich von Wildvölkern, die sind in der Kommunikation wesentlich besser, weil die Kommunikation nicht durch die ganzen Rähmchen voneinander getrennt ist") darf und durfte ich auch ganz oft erleben - meine Bienenvölker sind scheinbar sogar trotz Rähmchen in der Lage besser zu kommunizieren als es dem Imker manchmal lieb ist ;)

    Mir ist eine höhere Angriffslustigkeit häufiger bei Völkern aufgefallen, die viele Milben haben, das hatte nichts mit der Wabengröße zu tun. Durch das ständige pieken sind die dann gereizt. Nach Varroabehandlung konnte man wieder in Badehose an die Völker.


    Inhaltlich haben sich viele hier mit dem Herrn S. auch fachlich auseinander gesetzt, meine Auffassung zu ihm lasse ich mal da stehen, wo die Schiffer-Thesen ausführlichst und mehrfach besprochen wurden, das würde diesen Thread auch sprengen. An dieser Stelle nur soviel, der Mann ist aus guten Gründen sehr umstritten, einfach mal die Suchfunktion bemühen.


    Schöne Grüße- Matthias

    "Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht." Afrikanisches Sprichwort

  • Es ist schon eine "Gabe", mit ein paar Blicken auf die Bienen in einem kaum durchdringlichen Wabenbau in, um und unter Altholz zu erkennen und mehrfach zu diagnostizieren, dass keine Milben auf den Bienen sichtbar sind (Anmerkung: Sie sitzen überwiegend an den Bauchschuppen!), damit das Volk als "gesund und milbenfrei" einzustufen. Ich bin immer wieder verblüfft über mein Unwissen. ;)


    Es war keine Brut vorhanden, wenn ich es richtig verstanden habe, d.h., offensichtlich ein jüngster Schwarm, der naturgemäß eher eine geringe Milbenlast trägt. Oder ein Volk nach stiller Umweiselung mit Brutpause, was in die gleiche Richtung wirkt - Reduktion der Milbenzahl. Darauf deutete auch die überschaubare Bienenmenge.


    Und die Mähr, dass wehrhaftes Verhalten auf eine Fähigkeit zur Milbenreduktion hindeute, eine "natürliche Bieneneigenschaft" durfte auch nicht fehlen.


    Jeder sieht immer nur das, was er erwartet. Darum unterliegt die "Schiffer'sche Wissenschaft" einer "bias", einer angepassten erwartungsgemäßen Interpretation der Sachlage. Es gibt aber offensichtlich Viele, die diesem Wunschdenken folgen mögen - eine "moderne Sichtweise", passt doch so gut ins Weltbild.

  • Packt mal die Gold-Waagen wieder ein ... ^^ war auf jedem Fall eine gute Aktion :thumbup:

    Wer das "Gequatsche" im Video nicht ausblenden kann (war ja auch nichts neues dabei), kann ja den Ton ausschalten........Aber a bisel kompliziert, war ihr Vorgehen schon.

    Ansonsten, eine gute Aktion.


    Lg Sulz.....Der offenbar schon "schiffer-resistent" ist.

  • Moin,

    wir sind uns glaube alle einig, dass wir als Imker froh wären, wenn wir keine Medikamente bzw. organische Säuren in die Beuten kippen müßten, damit unsere Bienenvölker überleben, sprich in erster Linie mit der Milbe und den nachgelagterten Problemen (Viren, etc.) zurecht kommen. Von AFB und kleinem Beutenkäfer spreche ich jetzt mal nicht.

    Ein Weg, den Bernd hier im Forum beschrieben hat, ist die Züchtung einer Biene, die mit der Milbe klar kommt.

    Es gäbe natürlich auch die Möglichkeit, die Bienen mit Ox-Staub zu behandeln, was deutlich schonender für die Bienen ist, da es nicht durch ihren Organismus geht, gibt dafür in Deutschland aber keine Zulassung.

    Ein anderer Weg, den Seeley in seinem Video erklärt, kann über kleinere Völker in einer kleineren Beute führen, bei dem weniger Honigertrag aber auch das Schwärmen ein Teil des Prozesses ist.

    Und ich betone nochmal "kann", laut Video, laut Seeley.

    Ich glaube wir als Hobbyimker würden gerne auf ein wenig Honig verzichten, wenn wir dafür keine Mittel mehr gegen die Milbe benötigen.

    Leider vermisse ich dabei entsprechende Versuche und deren Ergebnisse. Immerhin ist das Interview von Seeley schon von 2017, aber so richtig gibt es keine veröffentliche Ergebnisse, dass Imker Bienenvölker im großen Stil (mind. 20-30 Stöcke für statistische Auswertung) besonder eng halten und diese unbehandelt durch den Winter kommen.

    Was laut Mike Palmer funktioniert ist die Möglichkeit, kleine Völker durch enge Aufstellung über den Winter zu bringen, indem sie sich gegenseitig wärmen. So hat er große Königinnen-Kolonien, auf die er im Frühjahr zurück greifen kann. Aber auch er behandelt gegen die Milbe, auch wenn er es gerne anders möchte (alles in "Interviews with Beekeepers" nachzulesen, wer denn Englisch kann;-))

    Was ich hingegen immer wieder mitbekomme, ist, dass zu klein eingewinterete Völker nicht durch den Winter kommen. Zu klein und vor allem nicht ausreichend gefüttert! Und das kann, auch laut Mike Palmer, in trockenen Jahren "natürlichen" oder "wilden" Bienen zum Verhängnis werden, weil die kein Futter mehr haben, die Brut zurück fahren, die Milbe sich dennoch weiter ausbreitet und dann heißt es zum Herbst hin "Game Over".

    Ich möchte hier nicht nochmal irgendwie eine Dikussion zum Schiffer-Tree aufwerfen, finde aber im Netz keine verwertbaren Daten und Erklärungen, wie viele solcher Behausungen erfolgreich aufgestellt wurden und auch tatsächlich über mehrere Jahre mit Bienen besiedelt wurden.

    Was ich hingegen finde sind Fehlschläge mit solchen Behausungen.

    So berichtet Gerhard Ohly von mindestens 2 Fehlschlägen in zwei aufeinander folgenden Jahren.

    Ebenfalls berichtet JP von JP's Abenteuerhof, dass seine Bienen nach besiedeln des Schiffer Trees im Frühjahr dort im Herbst wieder ausgezogen sind und sich mittlerweile ein Star in dem Kasten breit gemacht hat. Finde ich spannend, hilft uns aber hier nicht weiter.

    Was ich an dem Beitrag spannend finde, ist, das JP davon berichtet, dass laut TS etwa 70-80% der Völker den ersten Winter in dieser Baumhöhlensimulation überleben, alles ganz natürlich, alles natürliche Auslese nach den stärksten Völkern.

    Ich bin aber lieber ein Imker, der sich um seine Bienen kümmert, als ein Bienenhalter mit einer Baumhöhlensimulation, die eine Ausfallrate von 20-30% im Winter hat. Und da reden wir nur über das erste Jahr.

    Gibt es hier konkrete Erkenntnisse, Statistiken, wie es z.B. die Onlinumfrage vom Fachzentrum Bienenkunde Rheinland Pfalz, die sich auch mit Überwinterungsverlusten auseinander setzen (letzten WInter etwa 10-15%), gibt, in Bezug auf diese Baumhöhlensimulation?

    Ansonsten kenne ich viele Imker, die sich mit der Varroa-Toleranz-Zucht beschäftigen und bei denen es auch mal herbe Verluste gibt, wenn sie nicht behandeln, aber auch Völker, die mit der Milbe gut zurecht kommen.

    Hier ziehe ich den Hut vor denen, die sich mit viel Herzblut und Tatendrang den wirklichen Problemen dieser Zeit in Bezug auf unsere Bienen zuwenden und nachhaltige Lösungen erarbeiten!

    Grüße aus HH Andreas


    Man kann sich den ganzen Tag aufregen :evil: ------- Ist aber nicht verpflichtet dazu :cool:

  • Hamburger-Jung Spannende Informationen dazu findest Du bereits in diesem Thread: Stylex hat im Beitrag #345 auf einen Vortrag von Dr. Büchler hingewiesen, der einige wirklich interessante Ausführungen enthält. Manne hat zu Recht darauf hingewiesen, dass die letzten fünf Minuten das Sahnehäubchen sind (Beitrag #347).


    Ausserdem gibt es ja noch das Konzept von Kleingartendrohn mit dem weiselrichtigen Brutsammler. Ich habe dieses Verfahren selbst schon angewendet, völlig ohne Säureeinsatz. Völkerverluste musste ich in der Folge nicht verzeichnen. Man kann also nicht nur über die Selektion, sondern auch bei der Betriebsweise ansetzen. Verfahren, die heute schon funktionieren, existieren. Für mich waren die Ausführungen von Dr. Büchler zum Bannwabenverfahren interessant. Damit liebäugle ich – als eingefleischter und überzeugter TBE-ler – auch schon eine Weile …