Ganz ohne Chemie?

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    Na, die Thematik ist doch interessant und ein Dauerbrenner...


    Esoterisch wird es halt, wenn man sich hinstellt und auf moralische Art und Weise sein tun und die "erwünschte Handlung des Gegenübers" versucht zu erklären... Und in den Bereich ordne ich dann halt auch gewisse Ansichten über die Welt ein, sprich was, wann, wie, wo "natürlich" oder "natürlicher" sein soll und weshalb besser oder schlechter.


    Ich sehe zur Zeit darin keine wirkliche, endgültige Lösung für die Varroaproblematik, aber mit Sicherheit ein weiterer Angriffsvektor, im Behandlungskrieg gegen diese...

    Ich kann mich da ein paar Worte eines Mitbegründers des schweizerischen Bienengesundheitsdienstes erinnern. So ungefähr in eigenen Worten:

    Wir wissen leider noch zu wenig über die verschiedenen Fähigkeiten, welche zur Varroatoleranz mit beitragen. Auch weiss man bei gewissen Fähigkeiten noch nicht, ob diese beispielsweise eher erlernt werden, oder ob sie vererbt werden. Und wenn man solche Fähigkeiten vererben kann, ist dann immer noch die Frage offen, ob diese in Konkurrenz zu bestehenden, erwünschten Fähigkeit stehen.


    Jedem, der an der Erarbeitung solcher Erkenntnisse mitwirkt, gebührt grosses Lob, meiner Meinung!


    Allerdings kriege ich den Eindruck, dass viele Leute, welche diesen Weg einschlagen, eher nach einem ergebnisorientierten Ansatz fahren. Dabei ist das Ergebnis wichtig und allenfalls, wie man dahin kommt. Das warum und wie wird aber nicht verstanden und nicht untersucht... Das ist schade...


    Und man darf ja auch erinnern:

    Varroatoleranz ist auch innerhalb von Züchterkreisen ein grosses Thema und bei denen, die ich kenne, zumindest mittlerweile ein Zuchtkriterium.

  • Damit das Thema in den vielen vielen Parallethreads nicht immer und immer wieder aufploppt und zerredet wird, möchte ich hier gern etwas zur Diskussion stellen.


    Hier mal eine freie Übersetzung aus dem Teil1 der Varroa Serie von Raindy Oliver http://scientificbeekeeping.com/the-varroa-problem-part-1/ , warum er meint es schwer ist varroa resistente Bienestämme zu etablieren

    1. Die VSB-Bestände sind „anders“ als die bisherigen Bestände, an die die Berufsimker gewöhnt sind und Produktionsköniginnen standen nicht ausreichend in reinrassiger Form zum Verkauf zur Verfügung.

    2. Einige Imker, die mit frühen Freigaben von VSB Völkern experimentierten, haben möglicherweise ungünstige Erfahrungen gemacht (obwohl zu diesem Zeitpunkt klargestellt wurde, dass eine solche Freigabe nur dazu dienen sollte, Imkerzuchtprogramme zu fördern).

    3. Die Milbenresistenz der Bestände wird in nachfolgenden Generationen schnell verwässert, wenn sie in einer nichtresistenten Drohnenpopulation begattet werden.

    4. Es wird solange nichts passieren, bis die Industrie die Züchtern/Imker unter Druck setzt, das sie sonst leider wenig Anreiz haben, die zusätzliche Arbeit zu erledigen, solange das Angebot an Königinnen weiterhin unter der Nachfrage nach einer verfügbaren Königin bleibt.

    5. Die Züchter wollen von den hervorragenden und bewährten Linien ihrer Königinnen nicht loslassen, da es ein großes Glücksspiel als auch eine beträchtliche Anstrengung ist, um die Drohnenpopulation zu verschieben und isolierte Paarungsplätze zu finden, in denen sie widerstandsfähige Bestände verbreiten können.

    6. Selbst wenn die Züchter sich anstrengen, wollen sie nicht riskieren, große Kunden zu ärgern, weil sie ihren Versprechen mit diesen Königinnen eventuell nicht einhalten können. (das konnte ich im Original nicht richtig deuten, da ich im Bereich Zucht erste inmal Honigproduktion ausklammern würde)

    7. Nach meiner Erfahrung erfordern die bestehenden VSB-Bestände in einer Hochsaison immer noch mindestens eine Behandlung (wenn nicht zwei), da kommerziell genutzte Bienenstöcke Brutfabriken sind und Brut gleich Varroa-Nahrung ist. Eine milbenresistente Kolonie kann in einem kleinen Hobbybienenhaus mit minimaler Bewirtschaftung gut abschneiden, würde jedoch eine Behandlung erfordern, wenn sie vor dem Mandelblütensaison bis zum Ende dieser für maximalen Brutanfall stimuliert wird. Wenn die Imker sie trotzdem behandeln müssen, warum bleiben Sie nicht einfach bei den Bewährten?

    8. Der Hauptgrund ist, dass sich niemand wirklich ändern will, bis die Umstände ihn dazu zwingen. In den vergangenen Jahren war es einfacher und profitabler, mit hochproduktiven kommerziellen Lagerbeständen fortzufahren, um Varroa mit ("off label") - Anwendungen kostengünstiger und wirksamer synthetischer Varrozide zu bekämpfen.


    Liebe Grüße Bernd

    Pushen wir uns nicht an den Stöckchen dieser Welt, bewegen wir Baumstämme, auf denen wir stehen.

  • Starke Völker, die auch mal aus der Brut gehen, sind das beste Mittel gegen die Varroa. Warum gibt es denn Imker, ich gehöre nicht dazu, die Ohne Behandlung auskommen. Weil sie imkerliche Maßnahmen durchführen, die man sich angeeignet hat und die konsequent durchgeführt werden.

    Alle Toleranzzucht bleibt meiner Meinung nach nur Stückwerk, sobald nur ein Volk auf dem Stand aus der Reihe tanzt, kann sich das ins Gegenteil umwandeln, weil man glaubt varroatolerante Bienen zu haben. Den letzten Abschnitt schreibe ich unter Vorbehalt, weil es sicher andere Meinungen gibt.

    Gruß Reinhard / Lehre mich die wunderbare Weisheit,daß ich mich irren kann.(Teresa v. Avila)

  • Wenn man mit VSB Bienen ganz genauso imkert wie früher, hat man nichts gewonnen.

    Jedes neue Auto wird auch angepasst gefahren, also warum nicht auch bei VSB-Bienen seine Arbeitsweise anpassen?

    Nur wegen der eigenen Überheblichkeit Bienen sind ja gleich Bienen?


    Reinhard solange in unseren Köpfen dieses "JA ABER" ist sehe ich keine Change, alles andere ist händelbar.


    Liebe Grüße Bernd

    Pushen wir uns nicht an den Stöckchen dieser Welt, bewegen wir Baumstämme, auf denen wir stehen.

  • " Wo varroatolerante Völker entstehen "

    Danke für den Link!

    Beim Lesen habe ich mich entspannt zurück gelehnt: Meine Völker habe ich dieses Jahr auch noch nicht geöffnet. Sie fliegen stark und sie bringen viel Pollen, mehr muß ich jetzt noch nicht wissen (hier ist die Weide am Verblühen, wilde Pflaumen sind noch nicht aufgeblüht).

    "Damit ein Skeptiker geboren wird, müssen tausend Gläubige wüten." [Cioran]

  • Warum gibt es denn Imker, ich gehöre nicht dazu, die Ohne Behandlung auskommen. Weil sie imkerliche Maßnahmen durchführen, die man sich angeeignet hat und die konsequent durchgeführt werden.

    Hä? Was soll daran behandlungsfrei sein?

    Ich weiß, dass ich nicht weiß. (Sokrates)

  • Auch wenn hier eine Weile nichts geschrieben wurde, möchte ich doch meine beiden Varianten der chemiefreien Imkerei schildern:

    A: Bienenhaus 7 HBB: Brutentnahme nach Bienenfan.de mit 2 Mal 2 Leerrähmchen/2 Leerwaben/ 2 Leerrähmchen nach Zwischenschleuderung Ende Juni seit 2015; Ergänzung Genetik durch unbegattete Weiseln und Schwärme,

    B: Vom Amtstierarzt genehmigte Resistenzzucht im Nachbardorf seit 2018:

    Standbegattung; 4,9 mm Zellen; Wabenanordnung Lüftenegger/Housel; 7 mm Rähmchenabstand; Warmbau; 5 Kuntzsch Eigenbau-Magazine(Flugloch 10cmx0,8 cm, Bretter sägerauh, Gitterboden mit Windel); seltenes Öffnen - keine Schwarmkontrolle; Ablegerbildung mit Schwarmweiselzellen oder Zucht aus dem Eistreifen nach basiszuechter.de; keine Drohnenbrut schneiden; selten Rauch-stattdessen Wassersprühflasche; Bearbeitung nach Mondkalender von Matthias Thun/ Drescher; alle ein/zwei Wochen Windelkontrolle; eine Linie stammt von einer unbegatten Königin von Werner Egger ab und die andere Linie sind lokale Bienen

  • Auch wenn hier eine Weile nichts geschrieben wurde, möchte ich doch meine beiden Varianten der chemiefreien Imkerei schildern:

    A: Bienenhaus 7 HBB: Brutentnahme nach Bienenfan.de mit 2 Mal 2 Leerrähmchen/2 Leerwaben/ 2 Leerrähmchen nach Zwischenschleuderung Ende Juni seit 2015; Ergänzung Genetik durch unbegattete Weiseln und Schwärme,

    B: Vom Amtstierarzt genehmigte Resistenzzucht im Nachbardorf seit 2018:

    Standbegattung; 4,9 mm Zellen; Wabenanordnung Lüftenegger/Housel; 7 mm Rähmchenabstand; Warmbau; 5 Kuntzsch Eigenbau-Magazine(Flugloch 10cmx0,8 cm, Bretter sägerauh, Gitterboden mit Windel); seltenes Öffnen - keine Schwarmkontrolle; Ablegerbildung mit Schwarmweiselzellen oder Zucht aus dem Eistreifen nach basiszuechter.de; keine Drohnenbrut schneiden; selten Rauch-stattdessen Wassersprühflasche; Bearbeitung nach Mondkalender von Matthias Thun/ Drescher; alle ein/zwei Wochen Windelkontrolle; eine Linie stammt von einer unbegatten Königin von Werner Egger ab und die andere Linie sind lokale Bienen

    Das hört sich nicht nach einem Konzept oder einer Betriebsweise an, sondern an wild aneinandergereihten Ausdrücken, die in den letzten zwanzig Jahren im Zusammenhang mit behandlungsfreier Imkerei standen.


    Grüße vom Apidät

  • Tja, was nicht auf Linie ist ...


    Rolf

    Konfuzianer:

    "Man soll ein anständiges Menschenleben führen, aus dem einfachen Grund, weil man ein anständiges Menschenwesen ist."