Bienen auf eigenem Grund im NSG

  • Hallo Imkerfreunde,


    das man in NSGen direkt, also als NSG ausgewiesenen Plätzen keine Beuten aufstellen darf, ist klar.

    Wie wäre es jedoch, wenn man in genau einem solchen, im Nachgang (nach Erwerb des Hofs), als NSG ausgewiesenen Gebiet, einen Hof hat und genau auf dem

    Grund dieses Hofs seine Kisten aufstellt?


    Um es mal gleich vorweg zu nehmen, freue ich mich über freundliche, vielleicht sehr genaue Kommentare, was das Thema angeht.


    Beste Grüße und ein noch schöneres Wochenede!

  • Hi beeg,

    ich weiss, Vergleiche hinken, aber bei mir war es auf einem meiner Grundstücke so:

    Ich habe eine alte Streuobstwiese geerbt und meine Beuten dort hingestellt. Etwa nach 5 Jahren bekam ich Post, dass meine Wiese in ein neu zu schaffendes NSG integriert werden soll. (Natura 2000- Projekt der EU, Trockenrasen für Orchideen) Ich könne Einspruch einlegen dagegen.

    Tat ich nicht. Man versicherte mir, die Bienen könnten unbehelligt stehen bleiben. Und so isses auch bis heute.

    Die Zuwegung (ein Feldweg) ist weiter für mich befahrbar. Zusätzlich geht 1x/ Jahr eine Schafherde durchs komlette NSG, um Buschbildung zu verhindern. Die stören mich nicht, im Gegenteil. Außerdem ging vor Jahren mal ein Trupp Arbeiter im Vollschutz durch das NSG und hat die kompletten Herkulesstauden eliminiert.

    Grüße an alle


    Michael




    -Das größte Geheimnis ist, ein Genie zu sein, aber niemand außer einem selbst weiß es-

    (Mark Twain) Donald Duck

  • Tachchen


    Wieso sollte man Bienen nicht ins NSG stellen dürfen. Normalerweise gibts für jedes NSG ein sehr genaues Konzept über Schutzziele und/oder -zweck des NSG, zu schützende Planzen/Tiere/Biotope etc. Wenn du diese zu schützenden Pflanzen/Tiere/Biotope nicht zerstörst und/oder mit deiner Bienenhaltung veränderst, spricht erstmal nix gegen Bienenhaltung. Ich habe z.B. nen Stück Wald in einem NSG. Das besondere daran ist die Abwechslung von Wald und Wiesen, auf denen irgendein Blümlein blüht, auf und von denen ein seltener Falter lebt. Das behindert aber z.B. nicht die forstwirtschaftliche Nutzung durch mich. Erstens haue ich den Wald sowieso nicht komplett ab, zweitens entnehme ich nur im Winter einzelne Bäume. Schutzziele Falter und Blümchenschutz erreicht, Nutzung trotzdem nicht ausgeschlossen.

    Also informier dich mal über die Ziele des NSG bei dir und dann kannst du ja nochmal hier fragen.


    Grüsse, Robert

  • Bienen im NSG sind heikel.


    NSG bedeutet ja, keinerlei Eingriffe in die Natur. Es gibt verschiedene Abstufungen, aber die Diskussion ist auf jeden Fall schwierig.


    Streng genommen ist das Aufstellen von Kisten ein Eingriff.


    Seltsamerweise ist das Bewirtschaften von Ackerflächen nicht immer ein Eingriff...


    In der Praxis kommt es stark auf den Sachbearbeiter an.


    Es fallen auch so Argumente, dass die Bienen den anderen Tieren die Nahrung wegnehmen würden.


    Einfacher ist es, einen Platz neben dem NSG zu ergattern und die Vorzüge des NSG (vielfältiges Pollen-Angebot im Flugkreis) zu geniessen ;-)

  • Hallo Joew!


    Ich muss dir wieder widersprechen.

    Was und wer soll mich daran hindern, dass ich meine eigenen Bienenvölker auf mein eigenes Grundstück in einem Naturschutzgebiet stelle?


    Wo steht das, wenn du das hier behauptest?


    Der Sachbearbeiter macht nur das, was im Gesetz steht und die Allgemeinheit so bestimmt hat per demokratischer Abstimmung.


    Aus dem Eigentum ergeben sich Pflichten UND Rechte.

    :p_flower01:

    Grüße Luffi


    Nicht weil es schwer ist, wagen wir es nicht, sondern weil wir es nicht wagen, ist es schwer. :u_idea_bulb02:

    (Lucius Annaeus Seneca - römischer Politiker, Dichter und Philosoph - * 4 v.Chr, † 65)

  • Also in Berlin und auch aus Teilen von Brandenburg sind mir sehr wohl Fälle bekannt wo die Bienenaufstellung im NSG aufgrund möglicher Konkurrenz zu Solitärbienen untersagt wurde. Allerdings waren das oft Fälle wo der Flächeneigentümer eben nicht privat war. Ggf. Muss man eben gutachterlich prüfen lassen ob da Probleme zu erwarten sind und ob das verbot verhältnismäßig ist. Der Gedanke aber dass es ja mein Grundstück ist und einem deshalb keiner Vorschriften machen darf stimmt so halt nicht....allerdings müssen eben die Vorschriften auch gut begründet sein. Schau in die Schutzgebietsverordnung was da wie geregelt ist...sofern die Bienen nach der NSG-Ausweisung Einzug halten, bedarf das oft der Genehmigung und dann hängt es vom Sachbearbeiter ab wie der das sieht. Kann aber Debatten geben...


    M.

  • Dass sich aus Eigentum Rechte ergeben ist unbestritten.


    Die Rechte sind aber auch nicht unbegrenzt.


    So darfst Du zB nicht einfach Motoröl in Deinen Garten schütten. Nicht einmal dann, wenn es kein NSG ist.


    Was zulässig ist, hängt stark davon ab, was das Schutzziel des NSG ist. Und wie immer auf dem Amt, hat auch hier der Sachbearbeiter einen gewissen Ermessungsspielraum. Manchmal muss man dem Kind einfach nur einen anderen Namen geben, und plötzlich wird alles viel einfacher...


    Ich berichte nur von meinen Erfahrungen, als ich selbst einen Standplatz suchte. Das war allerdings kein eigenes Grundstück.

  • Was und wer soll mich daran hindern, dass ich meine eigenen Bienenvölker auf mein eigenes Grundstück in einem Naturschutzgebiet stelle?


    Wo steht das, wenn du das hier behauptest?

    Da fallen mir ziemlich viele Dinge ein die Dich hindern können. Der Grundsatz ist schon, dass man ersteinmal über das Eigentum frei verfügen kann, aber tatsächlich kann das Recht des Eigentümers durch Gesetze stark beschnitten werden. Grundlage ist §903 BGB:


    "Der Eigentümer einer Sache kann, soweit nicht das Gesetz oder Rechte Dritter entgegenstehen, mit der Sache nach Belieben verfahren und andere von jeder Einwirkung ausschließen. Der Eigentümer eines Tieres hat bei der Ausübung seiner Befugnisse die besonderen Vorschriften zum Schutz der Tiere zu beachten."


    Im §23 (2) Bundesnaturschutzgesetz steht:

    "(2) Alle Handlungen, die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des Naturschutzgebiets

    oder seiner Bestandteile oder zu einer nachhaltigen Störung führen können, sind nach Maßgabe näherer

    Bestimmungen verboten. .... "


    Es kommt also tatsächlich auf die Schutzziele des NSG an. Ist es ein NSG zum Schutz von Streuobstbeständen, sollte das Imkern und z.B. die Schafhaltung kein Problem sein. Ist es ein NSG zum Schutz eines seltenen Trockenrasenlebensraumes (inkl. Wildbienen), wird man als Imker schlechte Karten haben.


    Einige Bundesländer haben auch Belegstellenschutzgesetze. In einem bestimmten Umkreis um Belegstellen, kann man u.U. gezwungen werden nur mit bestimmten Rassen oder auch gar nicht zu imkern.


    Ein anderes Beispiel ist die Bienenseuchenverordnung. Man darf z.B. in einen Faulbrutsperrbezirk nach §11 (4) keine Bienenvölker oder Bienen in den Sperrbezirk bringen. Praktisch heißt das, dass im Sperrbezirk erst (neu) beginnen kann zu imkern, wenn der Sperrbezirk aufgehoben wurde. Das kann Jahre dauern.


    Übrigens schränkt §903 (2) BGB die Bienenhaltung in bestimmten Gebieten ebenfalls ein. Ich kann z.B. in einem reinen Wohngebiet keinen Stand mit 30 Völkern aufstellen, wenn dies nicht ortsüblich ist, sondern muss mich vielleicht mit nur 5 Völkern begnügen.


    Also, nur weil man Eigentümer von Grund und Boden ist, heißt das nicht unbedingt, dass man dort auch imkern kann. Sinnvoll ist es sich vorher schlau zu machen.

  • ... NSG bedeutet ja, keinerlei Eingriffe in die Natur ....

    Ich drifte hier OT, aber bei dieser Aussage rollen sich mir die Nägel.

    Diese Aussage ist leider grundfalsch!!! Eher das Gegenteil ist der Fall. In einem Naturschutzgebiet wird massiv in den Ablauf der Natur eingegriffen um den Zustand zu behalten bzw. zu einem bestimmten widernatürlichen oft kulturellen Zustand zu entwickeln. Ehrlicher Weise sollte man also von Kulturschutz sprechen und nicht von Naturschutz.


    Beste Grüße


    Dirk

    Wenn Du tot bist, weißt Du nicht, daß Du tot bist. Aber für Dein Umfeld ist es hart.

    Genauso ist es, wenn Du blöd bist.


    Ich halte die Erkenntnis für einleuchtend, dass alle Menschen frei geboren sind und nicht alle das überhaupt wollen.

  • Das mag der Fall sein wenn es eine Kulturlandschaft im NSG ist wie z.B. die Lüneburger Heide. Aber es gibt auch wirklich wilde Ecken im urtypischen Buchenwaldcharakter wo man eben mal wirklich nix machen darf und nix macht auch wenn es uns zuwider geht...man erinnere sich nur an den Borkenkäfer...das gab viel Geschrei.


    Wenn aber tagtäglich außerhalb der Schutzgebiete ganz ohne Geschrei Tonnen von Boden umgewälzt, verdichtet, zugebaut oder zugespritzt wird - dann wird damit die menschgemachte Landschaft erhalten.

    Auch nicht besser!


    M.

  • Liebe Melanie,


    da hast Du natürlich Recht. Ich formulierte überspitzt und überhastet. Damit ich aber trotzdem noch Rechthaberpunkte bekomme: das mit den Borkenkäfern war aber nicht im Buchen- sondern im Fichtenwald. :liebe002:

    Wenn Du tot bist, weißt Du nicht, daß Du tot bist. Aber für Dein Umfeld ist es hart.

    Genauso ist es, wenn Du blöd bist.


    Ich halte die Erkenntnis für einleuchtend, dass alle Menschen frei geboren sind und nicht alle das überhaupt wollen.