Buckfast in Dadant und Carnica in Zander. Warum?

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    Hallo,


    ich habe eine grundsätzliche Frage. Dadantler imkern (fast) immer mit Buckfastköniginnen und Zandler meistens mit Carnica. Warum ist das so? Gibt es Gründe warum Dadantler keine Carnicas verwenden? Gelegentlich, aber immerhin, arbeiten auch Zandler mit Buckfast. Würde Dadant mit Carnica nicht harmonieren? Worin ist der ausschlaggebende Unterschied zwischen den beiden Rassen, dass sie fast nur in den jeweiligen Beuten genutzt werden? Oder steckt da nur Aberglaube oder gar eine Modeerscheinung dahinter?


    Danke,



    Tom

  • In meinem -nicht repräsentativen- Bekanntenkreis gibt es alle Kombinationen, also auch Carnica in Dadant und Buckfast in Zander. Die Tendenzen in diesem Kreis:


    Sehr oft haben langjährige Imker eben schon Zander und haben sich darauf eingeschossen und ihre Arbeitsweise dafür optimiert und viel Material, das schon da ist. Weil die anderen in der Gegend auch alle Carnica haben (oder in mancher Gegend besser nicht rumposaunen, wenn nicht - siehe andere Beiträge zu Buckfast) bleibt man halt bei der Carnica wegen der einfacheren Standbegattung.


    Berufsimker haben lieber Dadant-Dickwaben zum einfacheren Entdeckeln und oft auch gute Zuchtlinien (fleißig, schwarmträge, gute Honigstapelung) von Buckfast, weil sie lieber Geld in gute Bienen als unnötige Arbeit in Kontrollen usw. investieren, auch wenn es gute Carnica ebenfalls gibt.


    Anfänger kaufen meist das neu, was sie beim Paten oder im Verein sehen (oft, aber nicht immer Carnica in Zander bzw. weiter nördlich DN) oder Dadant mit Buckfast, weil es moderner und angenehmer erscheint, wenn man vorher Bücher liest (Gerdes, Schwarz...)

    In der Natur gibt es weder Belohnungen noch Strafen. Es gibt Folgen.
    (Robert Green Ingersoll)

  • Hallo Sonnenblume,


    ich sehe es so, dass die 3B Beute, Biene und Betriebsweise zusammenpassen müssen. Wenn du dir die einschlägigen Bücher anschaust, wirst du feststellen, dass die bekannteren Zanderautoren alle mit Carnica, oder einer Carnicadominierten Landrasse imkern. Entsprechend sind die dort vermittelten Betriebsweisen auf diese Biene angepasst. Wenn du eine Buckfastbiene mit dieser Betriebsweise konfrontierst, wirst du nicht die optimalen Ergebnisse bekommen.


    Entsprechend gilt das auch für eine Carnica in einer Dadantbeute. Die Literatur hier geht von der Kombination Buckfast - Dadant aus. Wenn du mit der Carnica in Dadant imkerst, wirst du auch hier die Betriebsweise auf die Eigenheiten der Biene anpassen müssen und kannst nicht 1 zu 1, die in den Büchern beschriebenen Vorgehensweisen und Signale übernehmen.


    Letzlich git dies bereits bei verschiedenen Buckfastlinien. Wenn du Bienen von einem Züchter übernimmst, der den Dadantbrutraum mit 12 Waben voll ausnutzt, im Extremfall sogar noch einen Honigraum untersetzt, wirst du anders imkern müssen, als wenn die Bienen ausgelesen wurden, wenn sie bis zum Sommer auf 6-8 Waben Dadant geführt werden und erst zur Einwinterung den Brutraum füllen sollen.


    Es würde mich deswegen nicht verwundern, wenn so mancher Versuch z.B. Carnica in Dadant zu führen wieder eingestellt wurde, weil halt Biene und Betriebsweise nicht zusammenpassen. (Entsprechend Buckfast auf Zander) Was nicht heisst, dass ein erfahrener Imker, der seine Bienen zu beobachten gelernt hat, nicht auch solch ungewöhnlicheren Kombinationen erfolgreich nutzen kann. Für einen Anfänger spielt es möglicherweise auch nur eine geringe Rolle, weil er nicht umlernen muss. Es mag aber schwierig sein, einen Imkerkollegen im Umfeld zu finden, der einem weiterhilft, wenn auch so gar nichts mehr wie im Buche funktioniert.


    Gruß

    Ludger

  • Der Biene ist es vollkommen egal in welchem Hohlraum und auf welcher Wabe sie gehalten wird.

    Sie verfolgt immer nur ein Ziel; Vermehrung!

    Die eine Variation hat etwas mehr die andere vielleicht etwas weniger Schwarmtieb, aber auch innerhalb....

    Was die allermeisten Imker nun nicht mögen, ist, dieser mal weniger oder mehr steuerbare Schwarmtieb.

    Neben der Auslese in der Zucht, und nebst der Betriebsweise, steht nun die Beute als Werkzeug im Fokus der Schwarmverhinderung.

    Dieses Werkzeug BEUTE kann die fälligen Schwarmkontrollen sehr vereinfachen und damit Zeitlich sehr verkürzen, oder sogar in ihrer Anzahl verringern (mit einer schwarmträgen Biene).

    Dies ist unbedingt Variationsabhängig. ( Alles Melif...!:))

    Das was ich mir in einer Dadantbeute ( es gibt Jungens die arbeiten auch sehr erfolgreich mit einer modifizierten Zanderbeute... aber immer mit einer schwarmträgen Biene) mit einer Buckfast erlauben kann, geht mit ziemlicher Sicherheit nicht mit einer Carnica, und schon garnicht mit LANDRASSE.:)

    Die Carnica braucht meines Wissens, aufgrund ihres Vermehrungstriebes, eine andere Behandlung die auch eine andere Beute favorisiert.

    Es ist nunmal nicht egal, ob ich 2 Zanderwaben schröpfe oder 2 Dadantwaben ( Buckies brauchst halt nicht schröpfen), oder sogar eine ganze Zarge als Zwischenableger abtrennen muß, um den Schwarmtrieb vielleicht doch noch einzubremsen. (oder Leiter zurecht machen)

    Soviel dazu, aber da sind ja auch noch leichtere Honigräume, besser händelbare Honigrähmchen... und besser abzutrennende Trachten.

    Als Anfänger ist dieses Wirrwar der unterschiedlichen Beuten schlicht unüberschaubar und nicht einschätzbar.

    Zum Nachbarn gehen und abkupfern, beinhaltet leider auch die Möglichkeit sich dort schnellstens die ganz gerne verschwiegenen Nachteile (es gibt ja nicht viel Ehrliche die freimütig zugeben sich auf dem Holzweg zu befinden) erstmal kostenlos einzuheimsen!

    Es wäre nicht das Erste Mal, daß (mit immensen Kosten verbunden!) größere Imker, Warre oder Zander oder... zu Kleinholz machen, die Variation wechseln, und oder Beuten mit großen Rämchen anschaffen, dies aus Gründen reiner Arbeitsersparnis und gesteigerter Rendite. (leider geben einige den Fehler immer noch nicht zu!)


    Duck und wech

    12er DD, und Buckies, gaanz sicher!

    Der Pessimist sieht die Schwierigkeit in jeder Möglichkeit!

    Der Optimist sieht die Möglichkeiten in jeder Schwierigkeit!

    W. Churchill

  • Hochinteressant! Danke euch für die Erklärungen.


    Könnte man hier vielleicht gegenüberstellen, welche Eigenschaft eine Carnica gegenüber einer Bucki hat? Am liebsten ohne, dass ein Glaubenskrieg ausbricht. Aber es müsste doch komkrete entscheidende Unterschiede geben. zB, habe ich mal gehört, dass die Buckis im Winter dazu neigen durchzubrüten, die Carnica früher in den Brutstop übergeht.

    So könnte man/ich den "Glaubenskrieg" zwischen Bucki und Carnicaliebhaber besser nachvollziehen.


    Vielen Dank, ich bin sehr interessiert.



    Tom

  • Carnica: mittelgroße Biene mit dunklem Panzer, dichter Behaarung und grauen Filzbinden. Schnelle Entwicklung im Frühjahr, aber auch früh im Sommer wieder zurückgehend. Überwinterung in schwachen Kolonien, überwintert mit geringer Zehrung. Sanftmütig und wabenstet. Gute Frühtrachtbiene. Schwarmträgheit und Brutfreudigkeit durch intensive Auslese. Manchmal ausgeprägte Schwarmlust. Nachlassen des Brutgeschäfts bei Trachtlücke.


    Buckfast: Kunstrasse, lederbrauner erster Hinterleibsring, sehr brutfreudig. Langsamerer Start im Frühjahr, längeres Brutgeschäft im Sommer. Schwarmträge, sanftmütig, wabenstet. Kreuzung mit Carnica führt nicht zu Stechern.


    Quellen: Lampeitl: Bienen halten. Zander/Böttcher: Haltung und Zucht der Biene.

  • Buckfast brütet nicht durch. Dies ist unerwünscht und von den Züchtern so auch nicht gewollt.

    Ich halte die Buckfast in Zander (auf einer Zarge) und das geht genauso gut.


    Bruder Adam hat seiner Zeit die Dadant-Beute dem Englischen Vereinsmass gegenüber bevorzugt. In seinen Büchern hat er die Gründe hierfür beschrieben.


    Ich kann mich dem Dieter (Wasgau Immen) nur anschliessen. Es kommt auf die Betriebsweise an und mit welcher man, nach eigener Einschätzung und Erfahrung her, am besten fährt.


    Die Unterart ist wurscht, es sei denn, man bevorzugt eben die Eigenheit einer bestimmten Art.


    Die Rassediskussionen bei den Bienen sind eher Nebenkriegsschauplätze. Da geht es meist nicht um die Imkerei an sich. Da fühlen sich eher Menschen persönlich angegriffen, aus welchem Grund auch immer. Und natürlich gibt es auch viele Nachplapperer, ohne eigenes Denken.


    Auch bei den Buckfast-Leuten entwickelt sich langsam ein offensives Denken und die verständnisvolle Defensive lässt langsam nach. Beide Unterarten können und dürfen nebeneinander existieren. Wer damit ein Problem hat, sollte noch einmal seine Intoleranz angehen.

  • Du kannst Carnicabienen aus allen möglichen Kästen schwärmen lassen. Null problemo.

  • Die eine Variation hat etwas mehr die andere vielleicht etwas weniger Schwarmtieb, aber auch innerhalb..

    du schreibst oder gibst wieder:

    Schwarmträgheit und Brutfreudigkeit durch intensive Auslese (laut was weiß ich)

    Mmmh!

    Stimmt, aber nur in Reinzucht!

    Laß der Natur mal freien lauf....und besorge vorsichtshalber eine Leiter. (auch bei überwiegendewr Luftherrschaft)

    Ein Buckfast hält (bei überwiegender Luftherrschaft:)) bis min F3 was sie verspricht.

    Nicht Hörensagen weitersagen, ausprobieren wäre schon besser....

    12er DD, und Buckies, gaanz sicher!

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    Der Optimist sieht die Möglichkeiten in jeder Schwierigkeit!

    W. Churchill

  • wasgau immen

    Mindestens F3? Das hieße F4 & 5 wären theoretisch auch noch möglich.

    Oder braucht man dazu fast Belegstellenbedingungen?

    Wie viele Völker braucht es denn für eine überwiegende Luftherrschaft?

    Ich weiß, das hängt natürlich von der Völkerdichte bzw. Drohnendichte im Umkreis ab -

    aber kann man das prozentual ungefähr beziffern?

    Kann ein "Kleinimker" (bis 10 Völker), vorausgesetzt er schneidet die Drohnen nicht, sondern fördert sie aktiv, eine wirkliche Lufthoheit erreichen? Innerhalb weniger Jahre?

    Du kannst Carnicabienen aus allen möglichen Kästen schwärmen lassen. Null problemo.

    Ich bin überzeugt, das kriegt man auch mit Buckfastbienen locker hin. Selbst in Dadant ;)

    Immer eine Frage des Handlings...

    Bei der Frage, sie nicht schwärmen zu lassen, sind Kasten & entsprechende Biene hingegen schon von Bedeutung... Und da scheinen Buckis und Dadant mit die beste Wahl zu sein.. Und das sage ich als "Basiszucht"-Landrassen-Imker mit dem von dir so geliebten Zandermaß ^^


    Liebe Grüße

    Methap

  • Er "könnte" Gebrauchsbelegstellen benutzen.

    Er "könnte" es mal mit Mondscheinbegattung versuchen.

    Er "könnte" sich mit Kollegen (im Landesverband zb.) zusammentun.

    Er "könnte" auch "weiter" jammern....

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    W. Churchill

  • Ich habe derzeit beide Bienen am Stand auf DNM 1,5, was in der Wabenfläche ungefähr Dadant entspricht. Ich habe die Völker in 2016 gleich geführt und konnte keine besonderen Unterschiede feststellen. Von den beiden Spitzenvölkern mit über 100kg Ertrag war das eine ein Buckfastvolk, das andere ein Carnicavolk. Beide Völker waren im vergangenen Jahr nicht schwarmtriebig.

    Über den Durchschnitt gesehen ließ sich der Schwarmtrieb bei der Buckfast etwas besser steuern, was aber wohl nichts mit der Beute zu tun hat. Das gleiche gilt für einen bei der Carnica deutlich unruhigeren Wabensitz.

    Ich halte deshalb die Bemühungen um eine Begründung der Zuordnungen Zander-Carnica und Dadant-Buckfast für verfehlt. Das Ganze hat seinen Grund einfach in der Tradition.

    Gruß Ralph

  • Ich habe die Völker in 2016 gleich geführt....


    So....haben andere (...) auch schon versucht zu vergleichen! Objektiv betrachtet, sagt das, lieber Ralf, leider nix aus, außer das du Imkern kannst!

    Besser wäre es 2 Profis unter gleichen Bedingungen und über mehrere Trachten (Standort!) mit mindestens 50 Völkerrn antreten zu lassen.

    Mal sehen wer unter dem Strich mehr Zeit zum Kaffetrinken, und mehr in den Hobos hat.

    Oder mal einem der Granden zuhören... (Ich bin keiner!)

    LG

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    W. Churchill

  • auch Buckfast schwärmen, wenn nicht ausreichend Raum vorhanden.

    Die Betriebsweise Angepasster Brutraum funktioniert mit Carnica und Buckfast- auch mit nur einem Brutraum DNM (oder Zander), 4 Zargen/Volk werden mindestens gebraucht.

    Der Unterschied ist bei meinen Standorten etwa 1 Brutwabe DNM und bei Trachtpausen reduziert die Buckfast nicht das Brutgeschäft, was man als Standimker ohne Trachtband beachten muß. Aber bei solchen Regenzeiten wie 2016 in Bayern leiden alle Bienen.


    In der F2 und folgenden hast du bei beiden Rassen entsprechende Varianzen.

    Wenn die "Lufthoheit" im 2-4km Distanz durch einen einzigen anwandernden Imker gefährdet ist, hast du nicht genug Völker ;) Es geht also nur in der Gemeinschaft oder über Belegstellen halbwegs definierte Anpaarungen zu bekommen.