Honig trennt sich , was nun ?

  • Hallo,


    ich möchte meinen im Eimer aufbewahrten Honig "auftauen" , mit dem Rapido bearbeiten und anschließend abfüllen.

    Jetzt musste ich beim Öffnen des Eimers feststellen, dass der Honig sich getrennt hat.

    Auf dem grob auskristallisierten Honig befindet sich eine fast flüssige 2cm hohe Schicht.

    Der Wassergehalt dieser Schicht beträgt 17,2% (Refraktometer ist geeicht!).

    Warum ist das so und viel wichtiger .......

    trennt sich der Honig nach dem zerschlagen der Kristalle erneut ?

    Nur noch Backhonig ?

  • messe mal als allererstes mit einem anderen Refraktometer.

    Versuche das Gerät nach Anleitung zu kalibrieren.

    Versuche dann mal bei 20°C zu messen (Gerät und Honigprobe sollten 20°C möglichst genau haben, Lagerung von beidem über 24h bei 20°C reicht).


    Die meisten Geräte der Preisklasse bis 100,- EUR messen ohne weitere Maßnahmen nur sehr eingeschränkt richtig.

    Bei vielen funktioniert die Temperaturanpassung nicht richtig.


    Eine Trennung des Honigs wie du sie beschreibst, kann eigentlich nur bei viel zu hohen Lagertemperaturen über längere Zeit oder relativ hoher Feuchte des Honigs passieren.

    Um einen dermaßen trockenen Honig (wenn schon die flüssige Schicht nur 17% hat, muss der Rest noch wesentlich trockener gewesen sein) in zwei Schichten aufzutrennen, müsste man den Honig schon sehr lange sehr warm gelagert haben.


    Kannst du das ausschließen wette ich, dass dein Refraktometer grob falsch misst und dein Honig in Wirklichkeit viel feuchter ist. Ich tippe sehr stark darauf, dass das bei dir der Fall ist.


    Gruß

    hornet

  • Der Honig lagerte im Keller (8 bis max. 14 C Winter/Sommer).

    Erste Messung , direkt nach dem Schleudern, ergab 16.6%.

    da war die Welt noch in Ordnung ;)

    Zum Refraktometer : ja , nicht geeicht , sorry !!! Falsche Wortwahl !!!

    Kalibriert und mit denen von zwei weiteren Imkern verglichen.

    In der Frühtracht hatte ich Robinie , kann die sich so absetzen ?

    Ich kann mir das mit dem hohen Wassergehalt nicht vorstellen.

    Die Konsequenz wäre .......... Backhonig oder Honigweinherstellung ?

  • Wassergehalt ist gut, wenn er auch gut riecht, ist er verkäuflich. Wenn es meiner wäre, würde ich ihn gut durchrühren, dann komplett auftauen. Man kann ihn dann flüssig verkaufen oder Impfen und cremig rühren.

    Auftauen geht z.B. mit der Apitherma im Spitzsieb oder mit dem Melitherm. Auftauschrank ist nicht so gut, da sich die groben Kristalle schlecht auflösen.

    Gruß Ralph

  • In der Frühtracht hatte ich Robinie , kann die sich so absetzen ?

    Robinie ist doch eine der heimischen Honigsorten, die bei Sortenreinheit flüssig bleiben kann. Kann es sein, dass der Honig nie ganz kristallisiert war? Er wäre dann nicht separiert sondern nur teilweise kristallisiert.

    Dann musst du nur zusehen dass du ihn wieder vollständig verflüssigt bekommst (wie Kleingartendrohn beschrieben hat) und alles ist gut. Ggf. kannst du ihn danach mit einem feinkörnigen Honig animpfen, so dass er kontrolliert kristallisiert.

  • So ähnlich sah mein Honig auch vor kurzem aus: er war einfach noch nicht ganz durchkristallisiert und hatte oben noch einen nicht auskristallisierten Bereich. Ich habe ihn dann auf 30 Grad aufgewärmt, abgeschäumt, dann mit dem Rapido gerührt incl. 5 % Impfhonig vom letzten Jahr (Raps) und noch mal 1 Tag stehen gelassen, dann abgefüllt.
    Alles gut.

  • Ich muss erwähnen , dass ich den Honig direkt aus der Schleuder in den Hobbock gekippt habe , ohne umrühren , ohne vermengen.

    Ich mache das jetzt wie Ihr geschrieben habt. Impfen inklusive !!!

    Bin wieder optimistisch !

    Vielen dank !

  • Ein Honig aus einer flüssigen Schicht oben und kristallisierten Bereichen unten ist IMMER ein Honig mit Phasentrennung aufgrund falscher Behandlung. Wärme, Feuchtigkeit oder beides oder nicht erfolgte Homogenisierung (Durchmischung). Es ist IMMER ein Zustand, der der Haltbarkeit des Honigs sehr abträglich ist. Wenn überhaupt, sollte man den nur noch mit einem sehr knappen MHD verkaufen.


    Laut

    diesem Link hier

    ist solcher Honig sogar nicht mehr verkaufsfähig, auch wenn er noch gut riecht.


    So pauschal würde ich das nicht sagen.


    Man muss auch unterscheiden, um welchen Honig es sich handelt und ob die festere Schicht unten sehr grob strukturiert oder fein ist:


    Wenn grob: Es ist vermutlich ein flüssiger Honig mit Tautrachtanteilen, der einfach stehen gelassen und nicht (cremig)gerührt wurde. Dann ist dieser Zustand also erst mal normal, aber auch dieser Zustand senkt die Haltbarkeit und erhöht die Gärgefahr. Der Fehler war dann, dass man diesen Honig nicht cremig gerührt hat, was aber legitim ist. Nur sollte man solchem Honig dann lieber kein allzulanges MHD geben.


    Wenn fein: Es war vermutlich ein cremig gerührter Honig, dann ist eine Phasentrennung aber ganz sicher Folge von zu warm oder zu feucht oder beidem. Oder der Honig ist einfach schon uralt. Und dann ist dieser Honig schon sehr viel bedenklicher, als die grobe Variante. Ich weiß nicht, ob man solche Honig wieder richtig cremig hinbekommt oder ob er nicht doch dazu neigt, sich relativ schnell erneut zu entmischen. Ich würde solchen Honig (bereits cremig gerührter Honig, der sich wieder getrennt hat) jedenfalls nicht mehr regulär verkaufen.

  • Eine Trennung des Honigs wie du sie beschreibst, kann eigentlich nur bei viel zu hohen Lagertemperaturen über längere Zeit oder relativ hoher Feuchte des Honigs passieren.


    Um einen dermaßen trockenen Honig (wenn schon die flüssige Schicht nur 17% hat, muss der Rest noch wesentlich trockener gewesen sein) in zwei Schichten aufzutrennen, müsste man den Honig schon sehr lange sehr warm gelagert haben.....

    .....

    Wenn fein: Es war vermutlich ein cremig gerührter Honig, dann ist eine Phasentrennung aber ganz sicher Folge von zu warm oder zu feucht oder beidem. Oder der Honig ist einfach schon uralt.


    Nein - definitiv nein.

    Und auch im Link von Aumeier und Co steht definitiv zum Thema Impfen einfach die immer wiederholte flasche Anleitung zum Impfen, dazu später, gefühlt das achtundneunzigste mal.


    Ich hatte das jetzt auch zum allerersten mal bei einer Abfüllung. Die Zusammensetzung des Honigs ist diese Jahr eine deutlich andere, schon der Geschmack zeigte das, jedoch habe ich keine Analyse. Der Unterschied war einfach schon bei der späten Früh-/Sommerernte eine nicht spontan startende Kristallisation, wie sonst gewohnt, obwohl sie reichlich Obstzugang hatten. Der Honig war recht dunkel im Eimer und schmeckte deutlich würziger als die bisherige Frühtracht, auch Löwenzahn war deutlich mit im Buket.


    Ich hatte nun erstmalig eine feinflockige Phasentrennung in den Gläsern erst ca. 3-4 Wochen nach Abfüllung und nach Impf-Abfüllvorgang wie bisher auch immer, jedoch mit einem eigenen Frühsommerhonig und nicht wie sonst mit Raps- oder sehr rapslastigem Frühtrachthonig.


    Zum Thema Kristallisation aus "Das große Honigbuch" v. Helmut Horn und Cord Lüllmann (vergriffen und nur noch zu unerschwinglichen Preisen zu bekommen als "Bibel" zum Thema Honig leider unverständlich)

    Zitat


    Honige mit hohem Fructosegehalt kristallisieren sehr langsam und neigen nach erfolgter Kristallisation zur Erweichung und Entmischung. Dabei sinken die Kristalle des Traubenzuckers ab und werden von einer dunklen fructosereichen Flüssigkeit, der sogenannten "Mutterlauge" überlagert. Derartige Honige sind nicht absetzbar, da sie den Anschein verdorbener Ware erwecken.

    ....

    Honige mit Wassergehalten zwischen 15 und 18% zeigen eine ausgeprägte Kristallisationstendenz, während bei Honigen mit Wassergehalten von mehr als 18% die Neigung zur Kristallisation infolge der sinkenden Zuckerkonzentration absinkt. Letzeres gilt auch für Honige mit niedrigem Wassergehalt, die aufgrund ihrer hohen Viskosität länger flüssig bleiben, eine feine, weiche und streichfähige Kandierung zeigen in der Regel Honige mit einem Wassergehalt zwischen 17 und 18%, .....


    Die Kristallisation des Honigs wird auch sehr stark von der Temperatur beeinflusst. Niedrige Temperaturen wirken hemmend auf die Kristallisation, da sich durch die erhöhte Viskosität des Honigs die Diffusionsgeschwindigkeit der Molekühle verringert. Bei höheren Temperaturen kristallisiert Honig unter Bildung grober Kristalle....

    Man könnte hier noch mehr zitieren und man kann das Buch gar nicht fot genug zur Hand nehmen, jedoch sind das die wesentlichen Punkte, die Phasentrennung betreffend.


    Pauschal einen ausgeflockten Honig als Backhonig zu deklarieren ist also nicht korrekt.


    Meiner hatte 17%, ind der Phase 0,4% mehr.


    Ich habe alle Gläser wieder umgefüllt, den Honig erneut aufgetaut, und ihn geimpft mit 10% feinschmalzigem, cremigem Rapshonig einer hohem Qualität.

    Und nun isses echt gut!

    Das Ergebnis sehr schön weich-streichfähig und jetzt nach ausreichend langer Wartezeit auch als sicher stabil feincremig zu bezeichnen.


    Also:

    Man kann frisch bemerkt phasengetrennten Honig, wenn er nich aufgrund eines zu hohen Wassergehaltes in Trennung gegangen ist oder bereits sehr lange unbemerkt so steht und in der Oberschicht der Phase unklare Verhältnisse und noch höhere Wassergehalte nachweisbar sind, wieder in "ordentliche Cremigkeit" bekommen

    durch Auftauen und Impfen mit sehr glucosebetontem Honig.

    Fotos vorher /nachher:



    Zum Thema Impfen gleich noch weiter:

  • Das korrekte Impfen von Honig:




    Ich weiß, es gibt einen Aufschrei und ein "ja aber", jedoch: Auch hier Zitat aus der oben erwähnten Bibel des Honigs, "Das große Honigbuch" S. 72


    Zitat


    ...läßt sich die Kristallisation am besten duch den Zusatz eines "Starters" beeinflussen. Dabei wird der flüssige Honig mit etwa 10% eines feinkristallinen "Modellhonigs" beimpft ... Dieser Honig sollte zum leichteren Einarbeiten auf etwa 20° vorgewärmt sein. Die vollkommen homogene Verteilung des Starters im flüssigen Honig ist eine Voraissetzung für das Gelingen des Impfverfahrens....

    Nach Beendigung des Mischvorganges ist ein weiteres Umrühren nicht notwendig. Der Honig kann nun sofort abgefüllt werden. ...

    Unter optimalen Bedingungen beträgt die Kristallisation 3 Tage,.... In der Praxis wird daher mit einer Kristallisationsdauer von etwa 2 Wochen gerechnet. Dieses Impfverfahren ist für sämtliche Honige anwendbar und gewährleistet Stabilität der Kristallinen Konsistenz des behandelten Honigs über mehrere Jahre

    Nach Beendigung des Mischvorganges ist ein weiteres Umrühren nicht notwendig. Der Honig kann nun sofort abgefüllt werden. ...


    Bitte nochmal diesen Satz beachten!

    Sehr viele impfen nämlich und rühren dann wie bei einem Spontanstart der Kristallisation weiter. Das kann man zwar machen, man kann aber auch anderem Sport oder Freizeitbeschäftigungen nachgehen

    Ich mache das schon sehr lange immer so, weil es

    -einfacher ist,

    -der Zeitpunkt bestimmbar,

    -der Hobbok zum Rühren nicht ewig herumsteht,

    -Urlaube etc nicht den Rührvorgang unterbrechen, und ich

    -einfach abfüllen kann, wenn ich das will

    -mit vorhersehrbarem Ergebnis.


    Dass es wie oben beschrieben nun einmalig nicht geklappt hat lag:


    An der ungewöhnlich fructosehaltigen Tracht, ich gehe von einem Plus an Ahorn aus und evtl Lindenanteil, zusätzlich das sehr warme Wetter plus das Animpfen mit einer geringeren Menge wiederum eines Sommerhonigs.


    Als Konsequenz kommt bei mir nur noch Raps oder rapslastige Frühtracht als Impfhonig und eher 10% als 6% hinein, der Honig kommt dann sofort in den Keller meiner Eltern. Dann wird das wohl eine Eintagsfliege gewesen sein - muss ich nicht öfter haben.


    Bemerkung noch dazu:

    Ich fülle in ca 40 kg Aktionen um, so schlimm war`s nun also nicht, hat sich gelohnt

    "Wer die Leidenschaft als Jugendsünde abtut, degradiert die Vernunft zur Alterserscheinung".
    Hans Kasper

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  • Nein - definitiv nein.

    Und auch im Link von Aumeier und Co steht definitiv zum Thema Impfen einfach die immer wiederholte flasche Anleitung zum Impfen, d

    Hallo,am besten finde ich, dass man den Wärmeschrank auf 40 Grad stellen soll, aber aufpassen, damit der Honig nicht wärmer als 35 Grad wird. Wieso den Wärmeschrank nicht direkt auf 32 Grad stellen ? Das wäre aber zu einfach.

    Bis bald

    Marcus

    40 Wirtschaftsvölker auf DN 1,5, xx Miniplus, 20 Ableger Dadant, Zander und DN