Mein Gespräch mit dem Rapsbauer

  • Guten Abend zusammen,

    ich habe es in den Letzten Tagen geschafft, einen Kontakt zu finden, der Raps anbaut, bei mir in der Gegend. Raps ist recht selten hier. (Allgäu)


    Heute war ich jetzt bei den Typen mal dran und hab mit ihm gequatscht.
    Er hat eine Schweinemastanlage.
    Er Hat zwei Acker mit Raps.


    Einen von 11 ha, auf diesem wächst Pioneer PX115.

    Einen von 6 ha, darauf wächst Rapool Penn


    Beide werden zum Anfang der Blüte einmalig Abends mit BASF Cantus Gold in die Blüte gespritzt.


    So, und da hört meine Ahnung jetzt auf.

    Wie ist es mit diesen Rapssorten? Honigen die überhaupt noch?
    Wie ist es mit dem PSM? Ich würde erst 2, 3 Tage nach dem Spritzen anwandern.


    Über Antworten würde ich mich sehr freuen.
    Ich glaube  BernhardHeuvel , du kennst dich doch damit gut aus, oder?

    Liebe Grüße,
    Luis

    der dieses Jahr das Wander zum ersten mal ausprobiert.

    Mikrowellen-Essen aus biologischem Anbau lässt uns nur so leise aufstoßen, dass sich niemand belästigt fühlt.


  • ich war dies Jahr das erste Mal- wegen Guido Eich- auf einer Winter-Veranstaltung der Saatgut/PSM-Verkäufer. Es ist gut, auch mal die Problemlage der Bauern zu erfahren und die Zauberlehrlinge live zu erleben!

    Die Bauern bzw Betriebe an den 2 Ständen in MV versuchen die Behandlungen auf das Notwendige zu beschränken(nach Schädlingsbefall) und in die flugfreie Zeit zu legen. Bei Biobauern ist Raps eher selten vertreten. Und die Kohlhernie sorgte 2016 für größere Umbrüche, sowie längere Fruchtfolgen und Reduzierung der Rapsfläche. Die PSM-Verbote spielen dabei auchmit.

    Die Zeiten, indem der Raps 2 Schleuderungen brachte ist wegen der Hybridsorten vorbei, wenn man nicht mehrere Flächen mit unterschiedliche Sorten im Flugbereich hat.

    Imker sind Landwirtschaft! wir müssen mit den Landwirten reden.


    Gruß Fred

  • Hallo Luis,

    hier mal das Datenblatt zu Cantus Gold.

    Boscalid ist ein Fungizid und wird auch in Pollen und Honig gefunden. Dürfte aber nicht das einzige Mittel sein, mit dem gespritzt wird. Und

    gegen den Rapsglanzkäfer braucht man auch ein Insektizid. Das ist in der Beize, die systemisch inn der Pflanze wirkt, also in allen Pflanzenteilen.

    Die Welt ist groß genug für die Bedürfnisse aller, aber zu klein für die Gier Einzelner (Mahatma Ghandi)
    Gruß
    holmi

  • bienenfred

    Die Lage der Bauern verstehe ich vollkommen.

    Jeder alte Beruf muss heutzutage optimiert werden, um weiter existieren zu können bzw. am Markt unter den Wettbewerbern mithalten zu können. . Im Fall der Bauern ist es ertragsopti/maximierung.

    Für sie Verwendung von PSM bei bauern habe ich Verständnis.


    Ich wollte den Bauern auch nicht dafür kritisieren. Sondern lediglich in Erfahrung bringen, wie gefährlich dieses Mittel für die Grenzwerte in meinem Honig ist.

    Ich hätte mich vielleicht genauer ausdrücken müssen.


    holmi

    Der Bauer hat gesagt er spritzt nur damit.

    Er hat sehr erlich und bewusst gewirkt.

    Er sagte auch dass dieses Bienenverträgliche Mittel 8 -10 € mehr kostet pro ha. Aber das zahle er gerne weil er weis wie wichtig die Bienen sind.

    Finanziell hat der glaub auch keine Probleme. Er ist gerade mit seiner Mercedes V8 Limousine angekommen, als ich da war.


    Denkst du, dass es kritisch werden wird, unter den Grenzwerten zu bleiben, bei Einsatz dieses mittels nach der Flugzeit einmalig?

    Mikrowellen-Essen aus biologischem Anbau lässt uns nur so leise aufstoßen, dass sich niemand belästigt fühlt.


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  • ...Und gegen den Rapsglanzkäfer braucht man auch ein Insektizid. Das ist in der Beize, die systemisch inn der Pflanze wirkt, also in allen Pflanzenteilen.

    Wollte mich zugunsten des Forenfriedens ja zu solchen Theman nicht mehr äußern, aber wenn ich so einen veralteten Blödsinn lese...<X


    1. Ist hier die Rede von der Blütenbehandlung! Da ist der Rapsglanzkäfer kein Schädling mehr, da er keine Knospen mehr zerbeißen muß um an den Pollen zu kommen! Er ist in der Blüte sogar ein nützlicher Bestäuber! Wenn, dann wird gegen Schotenschädlinge gespritzt. Der Erfolg ist hier jedoch recht fragwürdig, da die Dauerwirkung nicht ausreicht um zu dem meist späteren Befall noch zu wirken. Also durchaus plausiebel, nur das Fungizid zu spritzen. Eher möglich/sinnvoll noch etwas Dünger mitzunehmen.

    2. Die Neonics in der Beize sind längst Geschichte. Da is nichts mehr mit systemisch wirkendem Insektizid. (Wenn man überhaupt dran glaubt, dass das vorher mal bis zur Blüte in relevanten Maß der Fall war.) Deshalb hat man jetzt auch ein paar zusätzliche Überfahrten mit Pyrethroiden im Herbst...

  • Die Zeiten, indem der Raps 2 Schleuderungen brachte ist wegen der Hybridsorten vorbei, wenn man nicht mehrere Flächen mit unterschiedliche Sorten im Flugbereich hat.


    Das hat weniger mit Hybridsorten, sondern mit dem allgemeinen Zuchtziel einer gleichmäßigeren Abreife, also auch einer gleichmäßigeren Blüte zu tun. Das hat man mit modernen Liniensorten genauso.

  • Einen von 11 ha, auf diesem wächst Pioneer PX115.

    Einen von 6 ha, darauf wächst Rapool Penn

    Das sind aktuelle Sorten mit sehr guter Leistung. Warum sollen die weniger Nektar bringen???

    Moderne Sorten kommen auch mal mit widrigeren Umständen/Jahren klar und bringen trotzdem noch gute Erträge und somit auch noch Nektar wenn alte Sorten längst am Ende wären. Auch sind die neueren Sorten nicht mehr so krankheitsanfällig und wesenlich regenerationsfähiger, was PSM auch noch einspart.

  • Beide werden zum Anfang der Blüte einmalig Abends mit BASF Cantus Gold in die Blüte gespritzt.

    Evtl. noch ein Hinweis für Argumente der Spritzung am Abend:

    Neben dem Bienenschutz hat das den ganz wesentlichen Vorteil, dass die Pflanzen meist nicht mehr so prall im Saft stehen, was sie elastischer macht und (gerade bei den beiden hier genanten großwüchsigen Sorten) die Durchfahrverlußte (es wird in den Fahrgassen weniger umgeknickt) verringert.

    Weiterhin ist die Luftfeuchtigkeit meist deutlich höher, was die Verdunstungsverlußte beim Spritzen veringert. Somit kann mit geringeren Aufwandmengen gearbeitet werden, bzw. man hat auch tatsächlich die volle Wirkung, statt dass das teure Zeugs "in der Atmosphäre landet".

    Auch der Wind läßt Abends nach, auch wenn das bei der Blütenspritzung nicht so entzscheidend ist, wie bei anderen Anwendungen, da sehr grobtropfig apliziert wird, um eine bessere Bestandsdurchdringung zu erreichen. Man will nämlich - auch wenn "Blütenspritzung" anders klingt - hauptsächlich die Stängel treffen, statt der Blüten.

  • Wenn die Rapshonigerträge zurückgehen, solltet Ihr mal darauf achten wieviel bzw. wie oft Raps noch in der Fruchtfolge steht.


    Ich selber baue statt alle drei Jahre nur noch alle sechs Jahre Raps an.


    Das liegt daran, dass der Anbau einiges an Attraktivität verloren hat. Neben den in der Beize fehlenden Neonics, was einen zusätzlichen und schlechter wirksamen PSM-Aufwand im Herbst bedeutet, der noch dazu immer weiter Resistenzen fördert, sind auch einige Herbizide durch zusätzliche Auflagen in unserem kleinstrukturierten Gebiet praktisch nicht mehr zu gebrauchen. Das alles macht den Pflanzenschutz recht aufwendig, so dass der Deckungsbeitrag auch ohne die zusätzlichen Lohnkosten (ist bei mir nur Hobby, weshalb ich die nicht wirklich rechne) stark in Mitleidenschaft gezogen wird. Und wirkliche Lust auf die jetzt schon herbstlichen Insektizidexzesse hab ich auch keine.

  • Die Neonics in der Beize sind längst Geschichte.

    Wird zur Zeit ungebeizter Raps gesät? Also, ich meine, letzten Herbst?

    Es wird ohne Insektizide gebeizt.

    Fungizide sind noch drin, aber die werden sowieso bereits im Herbst gespritzt, da die Wirkung nur sehr kurz ist und die zu diesem Zeitpunkt benutzten Fungizide auch eine wachstumsregulierende Wirkung haben, was die Winterfestigkeit erhöht.


  • Die Bauern bzw Betriebe an den 2 Ständen in MV versuchen die Behandlungen auf das Notwendige zu beschränken(nach Schädlingsbefall) und in die flugfreie Zeit zu legen. Bei Biobauern ist Raps eher selten vertreten. Und die Kohlhernie sorgte 2016 für größere Umbrüche, sowie längere Fruchtfolgen und Reduzierung der Rapsfläche.

    Das kann ich hier für MV nicht bestätigen. Raps wird in kaum veränderter Menge angebaut. Weil ich die Flächen für die Biozertifizierung protokollieren muss, habe ich da für meinen Flugkreis eine gute Übersicht. Ich habe gerade entdeckt, dass auf einer Fläche mit nur einem Jahr Unterbrechung Raps angebaut wurde. Kein Wunder gibt es hier Kohlherniefälle.

    Was die Erträge anbelangt kann ich nicht klagen. Bis zu 30 kg Frühtracht sind drin.


    Wolfgang

    I never loose - either I win or I learn (Nelson Mandela)

  • Vielen Dank für die vielen Antworten, aber jetzt steige ich nicht mehr ganz durch...


    Wie wirkt sich das was er spritzt jetzt tatsächlich auf die Völker aus?



    Viele Wandern an den Raps und machen das auch immer wieder, aber viele Raten auch massiv davon ab, wie kommt das zustande?

    Gruß

    Mikrowellen-Essen aus biologischem Anbau lässt uns nur so leise aufstoßen, dass sich niemand belästigt fühlt.


  • weil Raps zweischneidig ist. Ist wie in einem anderen Bereich, den du gut kennst:

    Hohe Gewinnchancen sind immer auch verbunden mit hohen Risiken!


    Raps ist eine Massentracht, bringt viel und sehr beliebten Honig. Aber er kann auch zu großen Schäden an den Völkern führen, eben durch die Pflanzenspritzmittel aller Art. Auch Pilzmittel sind schädlich für die Bienen.


    Die Schäden können reichen von

    -toten Völkern über

    -Verluste vieler Flugbienen hin zu

    -Brutschäden und

    -für den Imker nicht direkt sichtbaren versteckten Schäden (Bienengehirne werden geschädigt mit vielen negativen Auswirkungen) und

    -chronischen Dauer- und Spätschäden (giftiger Pollen wird erst Tage und Wochen später tatsächlich verzehrt) sowie

    -Folgeschäden (geschädigte Bienen ziehen auch neue Bienen nur mit schädlichen Einschränkungen auf).


    Jeder Imker muss wissen, was ihm wichtiger ist.


    In unserer Gegend ist es egal, man kann sowieso nicht entkommen. Es gibt überall Rapsfelder eingestreut. Nicht die Massen wie in Norddeutschland, aber es dürfte keinen Standort geben, in dessen Flugkreis (bei Raps sicherlich 5km Radius und mehr) nicht mindestens ein oder zwei Rapsschläge sind.


    Gruß

    hornet