Bücherskorpion frisst offenbar Varroa-Milben aber reduziert die Milben nicht

  • Danke Melanie,


    Ein sehr interessantes Plakat! Ich fand diese beiden Punkte spannend:


    "A DNA test(10) confirmed that while some chelifers had fed on varroa, there was no evidence of varroa feeding in 87%
    of the chelifers tested (Figure 4)."


    Da müsste man also erst Bürcherskorpione züchten, die bevorzugt Varroa fressen, bevor man Hoffnung haben kann.


    Und dann leider die ernüchternde Befallsquote der mit Bücherskorpionen "behandelten" Versuchsbeuten:


    In chelifer-treated hives, chelifer numbers declined to a mean of 88 chelifers/hive and mean varroa numbers were
    46 mites/100 bees.


    Nicht nur, dass es nicht gelungen ist, die anfänglich hohe Besatzzahl mit Bücherskorpionen zu halten. Eine Befallsrate von 46% ist dramatisch, die hierzulande üblichen Schadschwellen liegen abhängig von der Jahreszeit bei 1-3%. Selbst die deutlich höheren Werte, die in den USA als Schadschwelle propagiert werden, liegen mit 10% deutlich darunter. Schade, ich hatte eigentlich gehofft, dass der Effekt der Skorpione größer wäre.


    Gruß

    Ludger

  • Finde ich auch sehr interessant. Besonders, dass scheinbar vor mehr als 100 Jahren diese Viecher in Europa schon vorkamen:


    This species can live with honey bees and were common in skep hives throughout parts of Europe (5)(6)


    Die Referenz kenne ich zwar, habe aber das Volume 8 online nicht finden können. Hat das vielleicht jemand irgendwo herumliegen?


    (5) Alfonsus A 1891. Deutsche Illustriete Bienenzeitung 8: 503-506

  • Es geht ja nur um 10 Völker für den Versuch, sodass auch gewisse Zufallseffekte nicht auszuschließen sind. Ich sehe da aber noch ganz andere Dinge in den Zahlen:

    unbehandeltes Volk: von weniger "Startpopulation" bei den Milben im April erreicht es einen höheren Wert im September.

    Trotz eines sehr niedrigen "Startwertes" mit dem Chemisch behandeltem Volk steigt der Wert bis zum September auch ziemlich weit. Die Steigerung in % ist viel höher als bei den beiden anderen Gruppen.

    Nur anhand dieser absoluten Varroa-Befalls-Zahlen könnte man somit auch den Schluss ziehen, dass der Bücherskorpion die Vermehrung bremst und das chemische Mittel auch nur sehr begrenzt hilft. :rolleyes:


    Wenn ich die geringe Probenzahl ansehe und die (mehr oder weniger exponentielle) Vermehrung der Milben, die nicht berücksichtigt wird (Man müsste zum Vergleich mal ein Modellsystem von April bis September mit den beiden Startwerten im April durchrechnen), dann zeigt diese Studie aus meiner Sicht nur, dass die Bücherskorpione sich anhand eines durchgeführten Tests auf Varroa-DNA-Rückstände in zwei Gruppen teilen lassen: Varroafresser in den letzten vier Wochen und Nicht-Varroafresser in den letzten vier Wochen. Alles andere ist (im Vergleich zu dem, was ich beim Studium gelernt habe) ohne weitere Tests zu wenig belegt.


    Und damit mal wieder zu unserem Lieblingsproblem: Wie viel Forschung ist wirklich noch unabhängig und welchen bewussten oder unbewussten Einfluss auf das Studiendesign nimmt der Auftraggeber, der finanziert. Veröffentlichung stammt jedenfalls von hier: http://www.plantandfood.co.nz/page/about-us/investment/

    In der Natur gibt es weder Belohnungen noch Strafen. Es gibt Folgen.
    (Robert Green Ingersoll)

  • Im alten Bienenhaus hatte ich da auch mal welche, aber da ja heute alles steril sein sollte, haben sie wohl keinen Lebensraum mehr.

    Gruß Reinhard / Lehre mich die wunderbare Weisheit,daß ich mich irren kann.(Teresa v. Avila)

  • ich habe den Bücherskorpion auch nur bei alten Beuten gesehen- da gibts genügend Spalten und Winkel. Dazu kommt das mein Vater nur Thymolpräparate verwendete, die ich seit 2 Jahren nicht mehr verwende- nur noch AS und OS. Seit dem war er nicht mehr zu sehen.

  • Die komplette Studie ist auf Researchgate hier zu finden. Es lohnt sich diese Studie genau anzusehen, es steckt eine tolle
    Idee dahinter:

    Es wurden Bücherskorpione in herkömmliche Magazinbeuten eingesetzt. Zum Ende der Versuchzeit wurden die wenigen verbliebenen Bücherskorpione mittels DNA Analyse untersucht. 4 von 30 Bücherskorpione hatten nachweislich Varroen ausgesaugt. Die Autoren stellen einen leicht geringeren Varroabefall bei den Versuchsvölkern gegenüber den Vergleichsvölkern fest, halten diesen aber nicht für signifikant.

    Die Studie beweist das Aussaugen von Varroen durch Bücherskorpione. Wir wissen aus eigenen zeitaufwendigen Versuchen, dass
    Bücherskorpione niemals bereits tote Milben aussaugen. Sie lassen sie liegen! D.h. die Bücherskorpione haben in diesen herkömmlichen Beuten Varroen erlegt. Und das ist sehr erstaunlich, weil wir wissen, dass Bücherskorpione ziemlich schnell aus solchen nicht modifizierten Beuten abwandern.

    Alles in allem ist diese Studie aus Neuseeland keine Meisterleistung, trotz der tollen Idee. Der Wissensstand war bereits viel weiter. Torben Schiffer hatte in seiner Staatsexamensarbeit längst darauf hingewiesen, dass Bücherskorpione aus herkömmlichen Beuten zügig abwandern. Und Ron van Toor
    war eigentlich im Bilde, er bezieht sich nämlich in seiner Studie auf die Staatsexamenarbeit von Torben Schiffer. Torben Schiffer selber nimmt
    auf seiner Seite Stellung zu dieser Studie (Im unteren Drittel der Seite).

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  • Im letzten Spätsommer habe ich zweimal mit Ameisensäure (erst 60%, dann 85%) behandelt. Da ich im November fast keinen Milbenfall mehr feststellen konnte, habe ich auf die Winterbehandlung mit Oxalsäure verzichtet.

    Ich imkere jetzt seit 3 Jahren und habe im Vergleich zu den Vorjahren, in diesem Frühjahr noch nie so wenige Varroen gehabt wie jetzt.

    Der Milbenfall in den Monaten März, April und zuletzt vorgestern beträgt bei allen Völkern 0 Milben pro Tag. Anders als früher, habe ich jedoch auf allen Windeln eine Menge Bücherskorpione gefunden.

    Jetzt frage ich mich und Euch, ob die Bücherskorpione den Milben doch erfolgreicher den Garaus machen, als bisher angenommen.

    Da ich die Bücherskorpione erstmals in allen Völkern gefunden habe, nachdem ich im vergangenen Winter erstmals keine Oxalsäurebehandlung vorgenommen habe, vermute ich dass dies eine wichtige Voraussetzung für die Entwicklung des Bücherskorpions ist.

    Hat jemand hier ähnliche Erfahrungen gemacht und gibt es eine Methode gibt, die Bücherskorpione dauerhaft in den Völkern zu halten?

  • Da ich die Bücherskorpione erstmals in allen Völkern gefunden habe, nachdem ich und im vergangenen Winter erstmals keine Oxalsäurebehandlung vorgenommen habe, vermute ich dass dies eine wichtige Voraussetzung für die Entwicklung des Bücherskorpions ist.

    Da Deine wissenschaftliche Untersuchung ja der oben genannten Studie augenscheinlich erfolgreich widersteht, würde ich vorschlagen Du dehnst das Experiment aus und lässt die Ameisensäure auch noch weg. Falls dann der Wirt der Varroa weg sein sollte... gibt ja gerade wieder günstige Kunstschwärme mit Potential den Bücherskorpion mal auf den kleinen Beutekäfer auszutesten.


    Entweder Du züchtest erfolgreich Bücherskorpione... oder VSH-Bienen... oder... halt am Ende nicht mal mehr stink normale Bienen nicht.

  • Hast Du das PDF auch angeschaut? Gesehen, dass der Varroabefall nahezu gleich zu den unbehandelten Völkern war? Auch gelesen, dass die Skorpione von den Bienen nicht dort geduldet werden wo sie gebraucht werden?


    Super, wenn man Skorpione im Schieber füttern kann... Na, dämmerts? Idee und Realität klaffen halt in dieser Sache zu weit auseinander... Leider