Hohe Völkerverluste in Brandenburg - 40%

  • Es gab noch nie soviel Anfänger wie heute. Die Motivation ist anders als früher, heute schwingt doch neben einem Stück Weltverbesserung oft auch eine ziemlich naive Naturvorstellung mit. Dazu passen dann die ganzen FB Gruppen und Gurus auf YouTube. Das Ergebnis ist so erwartbar, wie die Klientel laut und medienaffin ist. Mir geht das Thema so auf den Sack, egal wo oder mit wem ich spreche, immer nur Bienensterben. Also meine nicht. Gibt gar aber gar keine anderen Aspekte mehr. Völlig eindimensional.


    Genervte Grüße,

    Uschi

    Imkern im Spannungsfeld zwischen Hoffnung und resignativer Reife

  • das wohl auch; und wahrscheinlich kann man heute aber leider nicht mehr die genaue Virenlast der dazumaligen Milben feststellen, mit hinreichender Sicherheit, um auf die Blockade der Immunabwehr der Bienen durch, zum Beispiel, Neonics zurückkommen zu dürfen und den Befund, dass Virenlasten auch in wildlebenden Hummelvölkern zugenommen haben?

    In einem der Vorträge auf der Internationalen Bienenkonferenz des BMEL in Berlin diesen Monat wurde erwähnt, dass es vor der Varroa ca. 16 verschiedene Stämme des Deformed Wing Virus gegeben habe. Davon sei jetzt praktisch nur noch einer übrig. Es hat definitiv starke Veränderungen in der Population der Bienenviren gegeben, seit die Varroa da ist.


    Es liegt nahe anzunehmen, dass es ursprünglich für die Viren nachteilig war, wenn sie sie zu aggressiv waren und ihre Wirtsvölker umbrachten. Doch durch den Zwischenwirt Varroa haben sich für Pathogene neue Möglichkeiten ergeben. Die aggressiven Varianten sind nun im Vorteil.


    Grüsse,

    Robert

  • Es gab noch nie soviel Anfänger wie heute. Die Motivation ist anders als früher, heute schwingt doch neben einem Stück Weltverbesserung oft auch eine ziemlich naive Naturvorstellung mit. [...]

    Genervte Grüße

    Da wurde jahrelang nicht nur über Bienensterben, sondern auch über Imkersterben lamentiert. Die Masse der "Jung"-Imker stammen doch aus den demografisch starken Babyboomer-Jahren. Diese Generation ist aber begleitet durch Anti-Pershing, -AKW, -Genmanipulation, Bioprodukte, WWF, BUND, Robin Wood, Greenpeace und die Grünen, da ist es doch toll, dass nicht mehr nur auf Ertragsoptimierung geschaut wird. Und nun werden die Jungimker genervt empfangen, weil sie Ideale in ihrem Hobby(!) haben?!? Schulung und Weiterbildung, da sind jetzt Verbände, Vereine und Altimker gefordert.

  • Es gibt mehr Imker, aber weniger Bienen. Ich hab lieber weniger Imker mit mehr Bienen. Ich find es aber grundsätzlich gut, wenn sich Leute mit Bienen beschäftigen. Ideale muß man schon haben, sonst wird's nix mit dem Imkern. Bienen sterben aber (medienwirksam) eher an zuviel denn zuwenig Idealismus. Und bei Schulungen und Weiterbildung könnte es bestimmt mehr und auch bessere Angebote geben, aber grundsätzlich besteht vom Anfänger eher eine Hol- denn von mir eine Bringepflicht. Das wird oft verwechselt und dann wird 'gefordert'. Ich glaube die meisten Imker haben eine Phase, wo sie jeden halbwegs Interessierten zum Jagen tragen möchten, aber das Fenster ist bei mir halt zu. Wer von mir was will muß artig guten Tag sagen und sich auch so gelegentlich nach mir richten. Wem das nüscht paßt, bitte.


    Beste Grüße,

    Ralf

    Imkern im Spannungsfeld zwischen Hoffnung und resignativer Reife

  • Es gab noch nie soviel Anfänger wie heute. Die Motivation ist anders als früher, heute schwingt doch neben einem Stück Weltverbesserung oft auch eine ziemlich naive Naturvorstellung mit. [...]

    Genervte Grüße

    Da wurde jahrelang nicht nur über Bienensterben, sondern auch über Imkersterben lamentiert. Die Masse der "Jung"-Imker stammen doch aus den demografisch starken Babyboomer-Jahren. Diese Generation ist aber begleitet durch Anti-Pershing, -AKW, -Genmanipulation, Bioprodukte, WWF, BUND, Robin Wood, Greenpeace und die Grünen, da ist es doch toll, dass nicht mehr nur auf Ertragsoptimierung geschaut wird. Und nun werden die Jungimker genervt empfangen, weil sie Ideale in ihrem Hobby(!) haben?!? Schulung und Weiterbildung, da sind jetzt Verbände, Vereine und Altimker gefordert.

    Für dich sind "naive Naturvorstellungen" gleichbedeutend mit "Idealen"? Na vielen Dank...


    Und dass hier irgendjemandem vorgeworfen wurde, "nicht mehr nur auf Ertragsoptimierung zu schauen", das habe ich bisher wohl überlesen.

  • Dann hast Du vermutlich noch ganz andere Sachen überlesen.


    Beste Grüße,

    Ralf

    Ich hab das zitiere Zitat nicht als solches begriffen und falsch (dem falschen!) geantwortet! 'Naive Naturvorstellung' und 'Ideale' sind natürlich nicht das gleiche. Das war ja genau mein Punkt. Danke Re-Mark!


    Beste Grüße,

    Ralf

    Imkern im Spannungsfeld zwischen Hoffnung und resignativer Reife

  • Es gab noch nie soviel Anfänger wie heute. Die Motivation ist anders als früher,

    ...

    Diese Generation ist aber begleitet durch Anti-Pershing, -AKW, -Genmanipulation, Bioprodukte, WWF, BUND, Robin Wood, Greenpeace und die Grünen,

    ...

    Und nun werden die Jungimker genervt empfangen, Schulung und Weiterbildung, da sind jetzt Verbände, Vereine und Altimker gefordert.

    Es ist an beiden Standpunkten etwas dran, ich kann zumindest in beiden etwas wiederfinden, in einem mehr, im anderen weniger. In Fussballforen wird oft der Traditionsbegriff ins Rennen geworfen. Tradition bedeutet, das Feuer weiter zu geben und nicht die Asche zu verwalten. Das ist eine einfache Definition, nicht amtlich aber sehr bildlich und plausibel.


    Ich behaupte mal, wir sind zur Zeit irgendwo dazwischen. Leider durch zuviele Gurus, Fanboys/-girls und schnell vergängliche Mode(n) traktiert.

    Die Verbände und Vereine tun eigentlich schon etwas, man muss die Angebote nur nutzen. Nicht jeder Vortrag ist nur ein "nice to know" Vortrag. Oft sind Vorträge auch als Schulung/Weiterbildung gedacht und geplant, nur dass sie nicht immer so deklariert sind 8)

    Die letzte zwei, an denen ich teilgenommen habe, waren brechend voll. Unter den Zuhörern waren bei einem auch etliche Nicht-Imker, die sich einfach nur informieren wollen.


    Das Thema Völkersterben war auch beim Vortrag in WST ein Punkt...

    Unterm Strich kam raus, dass es offenbar eine Verkettung selektiv willkürlicher und unglücklicher Kommunikation gepaart mit einem "systematischen Messfehler" war (wenn man die Kriterien einer Umfrage als Messverfahren betrachtet), die das Thema so derbe aufgeblasen haben.

    De Vortrag war dann auch als Fehlerananlyse basierend auf einer anonymen Umfrage (angelehnt an Mayen). Wenn man das alles gesehen hat, wie die Teilnehmer mit ihren Bienen rumgefuhrwerkt haben, uss man sich nicht wundern. Ich gehe davon aus, dass die Antworten authentisch waren, bei so etwas hat niemand Grund, falsche Angaben zu machen. Man man, was da ans Licht kam... Da waren sicher die Hälfte der Antworten garantiert nicht von Jung- oder Neuimkern, wenn man die Verfahrensdweise gelesen hat...


    Gruß Andreas


  • Ich hab lieber weniger Imker mit mehr Bienen.

    Mehr Imker führen hoffentlich wieder zu mehr Bienen. Aber eine breitere Verankerung der Imkerei in der Gesellschaft tut den Bienen bestimmt gut.

    aber grundsätzlich besteht vom Anfänger eher eine Hol- denn von mir eine Bringepflicht.

    Völlige Übereinstimmung. Aber schon das "Holen" wird vielfach schwer gemacht.

    Beste Grüße,

    Das klingt viel besser als die genervten Grüße:). Auch von mir beste Grüße

  • Die Nerverei ist ja gegenseitig ... die gestandenen Imker tun die 1001 Ideale der Neuen ab .. die Neuen lamentieren über die Verbohrtheit der Alten ....


    Ich hab Hochachtung vor jedem erfahrenen Imker, der schon lang dabei ist, weil ich weiß - die Tatsache, dass der noch immer dabei ist, ist Ausdruck dessen, dass der viel investiert hat, viel gelernt hat - z. B. mit Varroa zu imkern, mit intensiver Landwirtschaft klar zu kommen. Und dann werde auch ich als Neue akzeptiert ... auch weil ich nicht nur "alles besser weiß" , sondern mitmache. Und wenn ich als Kassier den verhassten Sepa-Einzug hinkriege, dann schaut sich mein altgedienter Imkerpate auch meine Versuche mit großen Waben, Schied und TBE wohlwollend an ...


    Und dann werden aus mehr Imkern auch mehr Völker!

    Gruß Marion


    Gärtnerin mit Hang(garten) zur Selbstversorgung, Informatikerin, neugieriges Gscheidhaferl - 123viele.de

  • Hi,

    Ich behaupte mal, wir sind zur Zeit irgendwo dazwischen. Leider durch zuviele Gurus, Fanboys/-girls und schnell vergängliche Mode(n) traktiert.

    Die Verbände und Vereine tun eigentlich schon etwas, man muss die Angebote nur nutzen. Nicht jeder Vortrag ist nur ein "nice to know" Vortrag. Oft sind Vorträge auch als Schulung/Weiterbildung gedacht und geplant, nur dass sie nicht immer so deklariert sind 8)

    Die letzte zwei, an denen ich teilgenommen habe, waren brechend voll. Unter den Zuhörern waren bei einem auch etliche Nicht-Imker, die sich einfach nur informieren wollen.


    Zu viele Gurus? Schnell vergängliche Moden? - So what? Guckt doch mal in das eine oder andere hundert Jahre alte Imkerbuch oder -zeitschriften. Die Diskussionen zwischen Naturbauanhängern und Mittelwandverwendern, die Frage ob Magazin oder Trogbeute, oder ob friedliche Bienen auch vitale Bienen sind, all das sind alte Themen.

    Ist wie im Bienenvolk: die Arbeiterinnen darin haben zwanzig verschiedene Väter, und sie zeigen unterschiedliches Verhalten. Manche rackern sich in zwei Wochen zu Tode, andere faulenzen etwas mehr und leben mehr als doppelt so lange. Manche fliegen im Frühjahr schon unterhalb 8°C raus, andere erst bei über 12°C. Manche fliegen in den Apfel, andere in den Raps. Die Abweichungen untereinander sorgen dafür, dass das Volk trotz sehr unterschiedlicher Witterungs- und Blühverläufe überlebt.


    Ich war vorletzte Woche auf der vom BMEL (Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft) zusammen mit dem D.I.B. organisierten Internationalen Bienenkonferenz in Berlin. Zwei Tage, drei Vortragsprogramme parallel. Teils auf deutsch, teils auf Englisch.

    Bei den Schlussworten sagte einer der Redner: vor zehn Jahren wäre so eine Konferenz noch undenkbar gewesen. Bienenforschung sei so eine Art Orchideenfach gewesen. Davon ist jetzt keine Rede mehr.


    Wenige Wochen vorher war ich auf dem Oberlausitzer Bienenfachtag in Ebersbach-Neugersdorf, kurz vor der tschechischen Grenze. Nicht unbedingt zentral gelegen. Aber: es war gerammelt voll, die Halle leicht überbelegt!


    Das gleiche letztes Jahr auf dem Imkertag in Weissach, auch dort wurden erste Überlegungen laut, das der Veranstaltungsort zu klein wird.


    (Der Berliner Imkertag an der FU hatte dagegen noch ziemlich viel Luft nach oben, aber das werden wir auch noch hinkriegen...)



    Bzgl Tradition: Jede Menge Brennstoff im Feuer. Klar, manches frische Holzstück qualmt, andere brennen zu schnell ab, aber insgesamt sehe ich da ein loderndes Feuer, und nicht etwa einen Haufe Asche mit ein paar Glutstückchen.


    Ich habe normalerweise keine besonders positive Sicht auf die Dinge. Aber zur Imkerei in DE (bzw. evtl. in Europa) kann ich nur sagen: die
    ist so lebendig wie sie nur sein kann. Wenn man die Imkerei als Bienenvolk betrachtet, dann würde ich sagen: Durchlenzung erfolgreich!

    (Schädlinge oder Pestizide könnten es natürlich trotzdem jederzeit umbringen, aber der Winter ist jedenfalls überstanden und das Brutgeschäft im vollen Gang.)


    Grüße,

    Robert



  • Robert, da sind wir gar nicht so weit auseinander, entgegengesetzt sind wird eher nicht. Dass es altbekanntes Wissen mit neuen wissenschaftlichen Betrachtungen und Ergebnissen ist, ist klar. Wäre auch schlecht, wenn das nicht so wäre 8)


    Es geht doch gar nicht um den Wissenstand an sich, sondern darum, wie dieses "Wissen" manchmal ahnungslos aber "bis aufs Blut" verteidigt, und teilweise mit haarsträubenden Behauptungen untermauert wird. Nur weil man das, was der Guru gesagt oder geschrieben hat, noch nicht mal vollständig gelesen hat. Oder weil man selbst gar keine Bienen hält, an denen man das angelesene Anscheinswissen auch mal praktizieren konnte. Oder weil man eben nur ein TrittbrettfahrerIn einer kurzlebigen Mode ist, das dafür umso intensiver...


    Wegen der Gurus:

    Letzte Woche in WST saß ein älterer Imker (älter als ich, max. 60J) neben mir, der stellte mir Fragen, als säße ich in einer Prüfung. Es kam mir wie eine Gesinnungsprüfung vor. Ich habe irgendwann nicht mehr zugehört, weil er für jede begründete Antwort ein negatives Urteil fand und mindestens einen namhaften Experten benennen konnte... Details spare ich, ist OT. Bis auf daß er gern in den Raps geht, damit hat er sich dann für mich endgültig disqualifiziert.


    Gruß Andreas

  • Ich geh auch gerne in den Raps. Trotzdem hab ich Bienen. Bei uns heißt das: Wenn der Bauer nicht schwimmen kann, dann liegt das an der Badehose.


    Beste Grüße,

    Ralf

    Imkern im Spannungsfeld zwischen Hoffnung und resignativer Reife

  • Hallo,


    Andreas, ich wollte auch keine gegensätzliche Position zu dir einnehmen. Habe nur Text von dir beispielhaft zitiert.

    (Seit der Umstellung auf die neue Forensoftware habe ich Probleme mit komplexeren Zitaten. Auch jetzt weiß ich nicht, wie ich das komplett
    zitierte Posting in einzeln zitierte Absätze aufteile...)


    Wollte nur ein wenig Perspektiven zurechtrücken, nicht speziell deine, sondern allgemein. Z.B. habe ich oft den Eindruck, dass vielen nicht bewusst ist, wie alt manche Konflikte sind. (In irgendeinem uralten Imkerbuch habe ich einen schönen Rant gelesen gegen die Imker, die die Vorteile von Mobilbau nicht einsehen wollen. Hätte aus einer modernen Diskussion zu Bienenkiste o.ä. stammen können, war aber hundert Jahre alt. Gleiches gilt für manche Texte gegen Pestidzide oder gegen Kunstdünger.)


    Oder die Sache "Altimker versus Neue", wie es auch z.B. bei Beenutzerin anklingt. Ich sehe diesen Gegensatz nicht so. Auf den diversen Veranstaltungen, auf denen ich war, war das Publikum komplett gemischt. Da waren junge Interessenten und alte Veteranen bunt durcheinander.

    Und auch sonst: ich kenne z.B. einen Imker mit mehr als 50 Jahren Imkererfahrung, der dem Ideal folgt, seine Bienen nur auf eigenem Honig zu überwintern, nie auf Zucker. Deshalb ärgert es mich sehr, wenn irgendjemand, in dem Fall zugegebenermaßen vorzugsweise Neuimker, den Eindruck erweckt, 'die alten Imker' wären nur auf Honig aus, und nur die neuen 'wesensgemäßen Imker' würden an die Bienen und die Natur denken.


    Oder umgekehrt: ein alter Imker bei uns im Verein verkrachte sich mit dem Rest der Welt. Unter anderem störte er sich daran, dass "die jungen ja alle nur noch auf Honig aus sind". Sobald sich zwei unterhielten ginge es ja nur um Honigertrag. Zum einen stimmte das so nicht, aber witzigerweise erzählte mir ein anderer älterer Imker, der den jetzt verkrachten Imker schon von ganz früher kannte: "Wir haben damals ständig unsere Honigerträge verglichen."


    Robert, da sind wir gar nicht so weit auseinander, entgegengesetzt sind wird eher nicht. Dass es altbekanntes Wissen mit neuen wissenschaftlichen Betrachtungen und Ergebnissen ist, ist klar. Wäre auch schlecht, wenn das nicht so wäre 8)


    Es geht doch gar nicht um den Wissenstand an sich, sondern darum, wie dieses "Wissen" manchmal ahnungslos aber "bis aufs Blut" verteidigt, und teilweise mit haarsträubenden Behauptungen untermauert wird. Nur weil man das, was der Guru gesagt oder geschrieben hat, noch nicht mal vollständig gelesen hat. Oder weil man selbst gar keine Bienen hält, an denen man das angelesene Anscheinswissen auch mal praktizieren konnte. Oder weil man eben nur ein TrittbrettfahrerIn einer kurzlebigen Mode ist, das dafür umso intensiver...

    Das Internet hat den Wissensaustausch (der durchaus auch schon vor hundert Jahren stattfand) enorm beschleunigt. Aber Moden gab es vermutlich schon immer. Einige wenige haben sich durchgesetzt und gehören jetzt zum etablierten Standard.


    Grüße,

    Robert