Hohe Völkerverluste in Brandenburg - 40%

  • Die Tage hat mich mich mein Nachbar angerufen.

    Er hat kaum noch Bienen in seinen Kästen und fragt, ob ich ihm Bienen und Brutwaben abgeben mag.

    Mir sträuben sich die Haare bei dem Gedanken jetzt meine Völker zu schröpfen,

    Seine Völker haben die Ruhr.

  • Seine Völker haben die Ruhr.

    Völker haben jetzt keine Ruhr mehr. Wenn sie die Beute jetzt immer noch verkoten, ist es Amöbenruhr oder Nosema. Es sind dann also ansteckende Krankheiten! Geschwächte Völker mit Nosema müssen abgetötet werden. Amöbenruhr kann sich selbst heilen durch Abgang der alten Bienen, falls der erste Brutsatz durchkommt. Was genau nun vorliegt, kann über das Internet nicht beantwortet werden. Am besten einen BSV hinzuziehen.

    Gruß Ralph

  • Mir sträuben sich die Haare bei dem Gedanken jetzt meine Völker zu schröpfen,


    Seine Völker haben die Ruhr.

    Die Bitte ist doch sinnlos! Wenn Du jetzt schröpfst, hat nicht nur er, sondern auch Du heuer einen Totalausfall..
    Er muss eben wieder neu aufbauen. Ableger zur rechten Zeit sind da sicher besser geeignet, als jetzt wertvolle Brut in kranken Völkern zu vernichten.

    Hans

    Die Glücklichen sind neugierig. (F. W. Nietzsche)

  • Wenn der BSV oder ein anderer Kundiger vor Ort Nosema ausschließen sollte, dann kann der Nachbar noch folgendes tun, um wenigstens etwas zu retten:

    1. Das derzeit noch stärkste Volk, nach Möglichkeit ohne Amöbenruhr, möglichst aber mit etwas Brut, in eine saubere Beute setzen und auf 2 Waben schieden. Thermoschiede verwenden, in Holzbeuten von 2 Seiten. Außerhalb des geschiedeten Bereichs keine weiteren Waben. Amöbenruhr erkennt man an gelben dünnflüssigen Verkotungen.

    2. Die anderen Völker dazu fegen. Diese Bienen werden sich mit den Bienen im geschiedeten Bereich vereinen und sich gemeinsam die beste Königin aussuchen.

    3. Sauberes Futter geben, keine Futterwaben!

    Er kann natürlich auch 2 oder mehr neue Völker auf diese Weise bilden, das ist in seinem Ermessen. Es gilt jedoch: Je kleiner das Summenvolk, desto geringer die Chance auf einen Honigertrag.

    Gruß Ralph

  • Kann sich jemand an die Zeit erinnern, in welcher es zwar Varroen zu Tausenden in den Völkern gab aber keine verkrüppelte Bienen?

    :thumbup::thumbup::thumbup: ...eine Diskussion, die gemieden wird, wie der Teufel das Weihwasser!


    Mein Eindruck ist sowieso, dass wir verlernt haben die Erkenntnisse und Ansichten der vergangen Zeiten für die Analyse unserer gegenwärtigen Problem zu nutzen.

    "Moral ohne Sachverstand ist naiv und manchmal gefährlich."

  • Kann sich jemand an die Zeit erinnern, in welcher es zwar Varroen zu Tausenden in den Völkern gab aber keine verkrüppelte Bienen?

    Ich kann mich erinnern und habe auch bis heute extrem selten verkrüppelte Bienen im Volk. Vielleicht liegt es an meiner Betriebsweise.


    Gruß

    Werner

  • Kann sich jemand an die Zeit erinnern, in welcher es zwar Varroen zu Tausenden in den Völkern gab aber keine verkrüppelte Bienen?

    :thumbup::thumbup::thumbup: ...eine Diskussion, die gemieden wird, wie der Teufel das Weihwasser!

    Ich erinnere mich nicht, dazu imkere ich noch nicht lange genug. Aber Szenarien, die solche Befunde erlauben sind recht leicht aufzustellen.

    1. natürlicher niedriger Virusbefall ohne Varroa ist für die Völker nicht kritisch (wird deshalb auch nicht beobachtet)

    2. Varroa ohne Virus-Sekundärinfektion ist für die Völker wesentlich besser zu überstehen.

    3. Varroa überträgt den Virus, wirkt als Vektor und führt dadurch zu mehr und stärkeren Virusinfektionen unter den Bienen

    4. Untersuchungen zur Verbreitung der Viren innerhalb der Bienenpopulation sind relativ jung.


    Um tausende Varroen in den Völkern, ohne verkrüppelte Bienen zu sehen, reicht es wenn dieses milbenbelastete Volk keine Virusinfektion hatte. Hat es keine Virusinfektion und bringen die Milben auch keine Virusinfektion mit, kann der Virus durch die Milben auch nicht multipliziert werden.

    Das heisst nicht, dass der Virus zu der Zeit hierzulande nicht existiert hätte, aber ich schließe aus dieser Beobachtung, dass er vermutlich nicht so weit verbreitet war, wie heute. Hinzu kommt, dass man oft nur sieht, wonach man sucht. Wenn man nicht nach deformierten Flügeln sucht, wird man sie auch leicht übersehen. Oder man sieht sie und schließt, dass das eine von den Milben "angeknabberte" Biene ist - schließt also auf einen direkten Schaden durch die Milben und denkt nicht an eine Virusinfektion.

    Ich halte es aber für wahrscheinlicher, dass die Virusinfektionen mit DWV und APV tatsächlich zu Anfangszeiten der Varroa seltener waren als heute und erst im Laufe der Jahre, im Schlepp der sich ausbreitenden Milben auf nahezu alle Bienenvölker (und alle Milbenpopulationen) verteilt worden sind.

    Denn mit diesem Modell kann man auch unterschiedlich stark krankmachende Milbenpopulationen beschreiben. Eine gesunde (im Sinne von nicht mit Virus infizierte) Milbe, ist wesentlich weniger gefährlich für ein Bienenvolk, als eine, welche den Virus in sich trägt.

    Vergleichbar etwa mit einem Zeckenbiss. Eine einfacher Zeckenbiss ist für einen Menschen ziemlich unproblematisch. Eine mit Borelien oder FSME infizierte Zecke hingegen ist eine ganz andere Geschichte. Auch bei Zecken beobachtet man, dass sich die Populationen mit Borrelien immer weiter ausbreiten. Warum sollen ähnliche Verbreitungswellen in der Kombination Virus-Varroa in den frühen Varroajahren nicht auch abgelaufen sein?

    Das heisst nicht, dass wir andere Faktoren, die sich negativ auf die Gesundheit unserer Bienen auswirken, aus den Augen verlieren sollen. Das heisst auch nicht, dass die Milbe ja gar nicht so schlimm sind, es sind ja die bösen Viren schuld.

    Aber - die Viren sehen wir nicht, die Milben schon. Gegen den Virus direkt gibt es keine Medikamente. Es bleibt also nur, den Überträger der Viren im Griff zu behalten. So wie man in Borreliosegebieten mit fast jedem Zeckenbiss zum Arzt geht, bleibt uns in der Kombination mit DWV und APV nur ein penibles Ausschalten der Vektoren.

    Also Augen auf und genau hingesehen. So wie in den frühen Jahren vermutlich Viruserkrankungen übersehen wurden, weil man die Symptome nicht zuordnen konnte, übersehen wir möglicherweise jetzt auch Symptome, oder ordnen sie falsch zu.

    Zu Anfang des Wachsskandals sind auch zuerst handwerkliche Fehler beim Einlöten der Waben, für die zusammenbrechenden Waben verantwortlich gemacht worden. Im Augenblick werden im Gegenteil alls "unerklärlichen" Effekte im Brutnest, auf Wachsprobleme geschoben.

    Das erinnert an die Sache mit den zwei Königinnen in einem Bienenvolk. Die zweite sieht man nicht, denn wenn man eine gesehen hat, sucht man nach der zweiten nicht mehr weiter.


    Gruß
    Ludger

  • Kann sich jemand an die Zeit erinnern, in welcher es zwar Varroen zu Tausenden in den Völkern gab aber keine verkrüppelte Bienen?

    Ich kann mich erinnern und habe auch bis heute extrem selten verkrüppelte Bienen im Volk. Vielleicht liegt es an meiner Betriebsweise.


    Gruß

    Werner

    Nicht auszuschließen. Wenn du zulässt, dass ein am Virus erkranktes Volk stirbt, merzt du damit auch den Virus aus. -Anders als bei einer einfachen Umweiselung, mit einer "varroaresistenten" Königin, von manchem als genetischer Tod des Volkes gesehen, stirbt bei einem Sterben des ganzen Bienenvolkes auch der Virus. Übrig blieben Milben ohne Viren, wenn du dann noch weit genug von anderen Imkerkollegen entfernt bist, kannst du womöglich ganz gut mit Milbenbefall imkern.


    Gruß

    Ludger

  • Lt. Genersch ist der DWV ein sehr altes Virus (Millionen Jahre), das in nahezu jeder Biene zu finden ist, jedoch nicht in krank machender Menge und grundsätzlich nur in Brust und Hinterleib, nicht im Kopf. Virus und Biene sind im Laufe der Jahrmillionen aneinander angepasst.

    Die Varroa hat im Gegensatz zur Biene angeblich die Eigenschaft, dieses Virus sehr stark zu vervielfachen. Wenn die Varroa dann die Larve ansticht, injiziert sie damit auch das Virus in sehr hoher Menge und die Larve wird krank. Die schlüpfende Biene trägt dann das Virus in sehr hoher Konzentration in allen Körperteilen, auch im Kopf. In der Folge kann die Biene (geistig) behindert sein und Krüppelflügel haben.

    Gruß Ralph

  • Kann sich jemand an die Zeit erinnern, in welcher es zwar Varroen zu Tausenden in den Völkern gab aber keine verkrüppelte Bienen?

    Ich kann mich erinnern und habe auch bis heute extrem selten verkrüppelte Bienen im Volk. Vielleicht liegt es an meiner Betriebsweise.


    Gruß

    Werner

    Ja die sind bei mr auch relativ selten zu beobachten.