Hohe Völkerverluste in Brandenburg - 40%

  • Hallo Holmi,


    ich darf Dir aber den Vortrag von Dr. Büchler auf dem letzten IFT in Erinnerung rufen. Die Bienen können viel kompensieren. Auch Gift. Auch Varroa. auch Krankheiten.

    Einige Sachen können wir kaum beeinflussen. Aber wir sollten schon versuchen, daß Sachen die wir beeinflussen können, auch beeinflußt werden. Das Wetter z. B. kennen die Bienen schon seit Millionen von Jahren. Das kann es in diesem Ausmaß nicht sein.

    Außerdem wollen wir vielleicht auch nicht wahrhaben, daß die wilden Honigbienenvölker vor 1000 Jahren auch schon jede Menge Totalausfälle hatten. Man konnte es nicht sehen. Wenn es nicht so wäre, gäbe es neben dem Hauptschwarm nicht noch zahlreiche Nachschwärme. Warum haben Familien heute nicht mehr 14 Kinder?

    Das Gefährliche an der Varroa sind die Krankheiten im Huckepack. Folglich ist es dann doch wieder diese Milbe.

    Ich glaube Franz Xaver schrieb, daß, seit sein Zeitplan steht, er keine ( oder so gut wie keine?) Ausfälle mehr hatte.

    Und trotzdem, es ist nicht immer die Varroa.


    Gruß

    Ulrich

  • Du hast recht Ulrich, es gibt Sachen, die wir nicht beeinflussen können. Aber die Bienen unterstützen können wir. Doch wenn ich z.B. lese, Völker wegen Mäuse verloren, dann ist das eindeutig die Schuld des Imkers und DAS kann er beeinflussen. Kein Volk sollte wegen Mäuse sterben müssen.

    Die Welt ist groß genug für die Bedürfnisse aller, aber zu klein für die Gier Einzelner (Mahatma Ghandi)
    Gruß
    holmi

  • Bei mir haben die Mäuse versucht, die Fluglöcher an den Flugkeilen sich zu vergrößern. Waren süße Nagespuren.

    Die Welt ist groß genug für die Bedürfnisse aller, aber zu klein für die Gier Einzelner (Mahatma Ghandi)
    Gruß
    holmi

  • Und das sind welche Krankheiten?

    Insbesondere die Viruserkrankungen

    Deformed Wing Virus (DWV), Acute Paralysis Virus (APV), die beide ziemlich häufig in de Völkern vorkommen, aber erst zu ernsthaften Schäden führen, wenn sie durch den Biss der Milben massenhaft verbreitet werden (und auch in andere Körperteile der Biene gelangt, als über normale Ansteckungswege)


    Ich zitiere mal aus einem Kurs von Dr. Rosenkranz (2006)


    Deformed Wing Virus :

    Ohne Varroa-Befall * bei uns relativ harmlos,

    mit starkem Varroa-Befall * Abtöten der verdeckelten Brut (Ausräumen durch die Bienen) bzw. Verkrüppelungen beim Schlupf
    der Jungbiene (verkürzter Hinterleib, verkrüppelte Flügel).


    Acute Paralysis Virus:

    Ohne Varroa-Befall * bei uns relativ harmlos,

    mit starkem Varroa-Befall * führt er zu Symptomen ähnlich der Europäischen Faulbrut (tote und verdrehte Maden in der Zelle, später
    schleimige Masse und lockerer Schorf)


    Gruß

    Ludger

  • Deformed Wing Virus (DWV), Acute Paralysis Virus (APV), die beide ziemlich häufig in de Völkern vorkommen, aber erst zu ernsthaften Schäden führen, wenn sie durch den Biss der Milben massenhaft verbreitet werden (und auch in andere Körperteile der Biene gelangt, als über normale Ansteckungswege)

    Obgleich diese Viren unsere Bienen bereits bewohnten, als die Varroen noch nicht da waren, gab es die Krankheitsbilder nicht.
    Und dann waren die Varroen lange da, mit vielen Tausend Stück je Volk, aber immer noch nicht diese Krankheitsbilder; die kamen viel viel später...
    Sagte Rosenkranz etwas dazu/darüber?

    Gruß
    Manne

    Ich weiß, dass ich nicht weiß. (Sokrates)

  • Manne,

    Entschuldigung, aber diese Argumentation geht so nicht.


    Die Bienen (Larve) werden von den Milben angestochen und geimpft. Da die Milbe Hamolymphe saugt, nimmt sie die Erreger auf und kann sie weiter verteilen. Regional verteilte Krankheiten wurden so weiträumig verbreitet, und die Milbe hat heute nicht nur einen Virus an Bord, sondern gleich mehrere verschiedene. Das hat 30 Jahre gedauert.

    Tollwut ist eine harmlose Krankheit, ausser man wird gebissen.


    Gruss

    Ulrich

  • Es muss mehr sein, als nur die Varroa und die damit verbundenen Vireninfektionen. Bei einem multifaktoriellem Geschehen ist es eben sehr schwer, die Auswirkungen aller Einzelparameter einzeln zu bestimmen und viel mehr noch die synergistischen Effekte. Das führt ja letztlich zur Argumentation der Pflanzenschutzhersteller mit den (ohnehin) zweifelhaften Versuchsanordnungen, die Winterveluste ausschließen, dass es nahezu ungefährlich sei.


    Einflüsse, wie Wetter - ein relativ heißer September - sind es nicht allein. Klar, dass bei einem überdurchschnittlichen Spätsommer die Brutkurve sich langsamer senkt und somit die Varroen eine willkommene Wiege finden. Aber ist es das alleine ? Ich glaube, wir überblicken es nur z.T. Wenn wir den milden Winter 15/16 mit berücksichtigen, wo die meisten Völker auf kleinem Niveau durchgebrütet haben und damit auch wieder den Varroen Gelegenheit zur Vermehrung geboten hatten, dann kann man als Konsequenz eine höhere Ausgangsbelastung für die vergangene Saison annehmen - mit entsprechenden Folgen.


    Aber das sind alles nur Teilaspekte. Ich stimme Ulrich zu - wir müssen das beeinflussen, was geht. Und da kann der Standort schon eine ganz wichtige Rolle spielen und und und


    Beste Grüße


    Rainer

  • Gestern Abend war bei uns der monatliche Imker-Stammtisch. Natürlich waren die Verluste Thema Nr. 1: Von 0 bis 100% war alles dabei. Selbst altgestandene Imker sind teilweise ratlos: "Alles so gemacht wie immer, noch nie Verluste und nun so etwas!"

    Also die für Brandenburg gemeldeten 40% stimmen auch bei uns ziemlich genau.


    Besonders brenzlig an der Geschichte finde ich, dass kein einziges Vereinsmitglied mehr irgendwelche Völker zum Verkauf übrig hat. Ich bin sehr gespannt, woher die beiden Imker mit Totalausfall und die drei Neumitglieder ihre Bienen herbekommen werden. (Hoffentlich nicht aus Italien...)


    Viele Grüße

    DOMMY

  • ... Ich bin sehr gespannt, woher die beiden Imker mit Totalausfall und die drei Neumitglieder ihre Bienen herbekommen werden. (Hoffentlich nicht aus Italien...

    Ich habe eher Angst vor Klauerei!

    Verlust gibt es ja immer mal, aber warum manchen Leuten wirklich alle Völker kaputtgehen ist mir wirklich schleierhaft. Zumindest die späten Ableger sollten doch auch ohne Behandlung im ersten Winter durchkommen.


    Gruß Jörg

  • ... Ich bin sehr gespannt, woher die beiden Imker mit Totalausfall und die drei Neumitglieder ihre Bienen herbekommen werden. (Hoffentlich nicht aus Italien...

    Ich habe eher Angst vor Klauerei!

    Verlust gibt es ja immer mal, aber warum manchen Leuten wirklich alle Völker kaputtgehen ist mir wirklich schleierhaft. Zumindest die späten Ableger sollten doch auch ohne Behandlung im ersten Winter durchkommen.


    Gruß Jörg

    Stimmt, an Klauerei habe ich selbst jetzt noch gar nicht gedacht: Meine Völker stehen glücklicherweise alle auf umzäunten Privatgrundstücken hier in der Stadt.


    Und "späte Ableger" wären in der Tat eine feine Sache - wenn man den welche machen würde!
    Praktisch keiner unserer alten Herren macht Reserveableger. Denen fällt es oft schon zusehends von Jahr zu Jahr schwerer, ihren Völkerstand zu halten.


    Meine vier Reserven sind auch erschöpft: Drei müssen bei mir entstandene Lücken füllen, einen wird meine Tochter bekommen, der eines ihrer beiden Völker eingegangen ist.


    Schönes Wochenende

    DOMMY