Hohe Völkerverluste in Brandenburg - 40%

  • Beim Lesen der alljährlichen Winterverlust-Berichte frage ich mich immer, ob die Bienen in Vorvarroazeiten auch gestorben sind? Also die ganzen Völker über Winter? Es hat den Anschein, als hätte es das gar nicht gegeben. Die Varroa ist immer schuld.

    Was für eine bequeme Erklärung.

    Hinschauen bei der Varroapopulation wird eingefordert, aber hinschauen um abweichende Gründe zu sehen ist verpönt.

    Es werden irgendwie immer mehr Windmühlen, von Jahr zu Jahr; langsam werde ich müde.

    Einmal noch: Es sind weit weniger als 100% der Völker die ursächlich an der zu hohen Varroapopulation eingehen.

    ..."ist mir noch nie passiert" sagte der erfahrene Imker, "aber..."

  • Beim Lesen der alljährlichen Winterverlust-Berichte frage ich mich immer, ob die Bienen in Vorvarroazeiten auch gestorben sind?

    Definitiv genau kann ich mich an 50 Jahre zurückliegende Imkerei erinnern, obwohl ich sicherlich schon als Kleinkind im Bienenhaus dabei war.

    Ich kann mich nie an einen Totalausfall bei meines Vaters Bienen erinnern. Dass von seinen circa 30 Völkern bis zu 10 % Ausfall waren das war Normalität, aber alles andere war unnormal.

    Vielleicht war aber auch mein Vater ein perfekter Imker.

    Die Zeiten waren eben besser wenn man es auch nicht glauben will.

    Vor einigen Jahren traf ich einen inzwischen verstorbenen Eierhändler die es früher in Niederbayern zuhauf gab und der erzählte mir, dass er für meinen Vater nach dem Kriege in München für 5000 Mark Honig verkauft hatte. Das war eine Unsumme Geld, die unsere kleine Landwirtschaft damals richtig vorwärts brachte und mein Vater so manchmal kleinere Grundstücke zukaufen konnte, da ein Tagwerk sprich 3407 m² circa 3000 Mark kostete.

    Derzeit bewegen sich die Tagwerk Preise in unserem Raum bei circa 20-30.000 € da könnte man mit dem Honigverkauf nicht mehr viel aufkaufen.

    Franz Xaver aus Niederbayern

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  • Ich hatte tasächlich auch einen Mäuseschaden. Schuld bin ich natürlich selbst.

    Immer schraube ich die Gitter fest. Nur an dieser Stelle kam ich am Hang nicht gut ans Flugloch heran und wollte fertig werden.

    Wird schon gutgehen hab ich gedacht und das Gitter behelfsmäßig mit Reißzwecken befestigt.

    Nun ist ein schöner Ableger tot weil ich 10 Minuten Zeit sparen wollte. Tolle Leistung! Passiert mir nie weider, aber das hilft den Bienen auch nicht mehr...


    Am selben Standort hat ein anderer Imker 3 Völker an die Mäuse verloren. Der hatte zwar das Flugloch erastmal mäusesicher verkleinert mit einem Keil, aber die Knopfaugen haben das Loch durch annagen der Segeberger Beute wieder vergößert. Der nimmt dieses Jahr auch Metallgitter.


    Wir stehen da schon ein paar Jahre ohne das was passiert ist. Und nu isses passiert....

    Am Ende wird alles gut. Und wenn es noch nicht gut ist, dann ist es noch nicht das Ende!

  • Beim Lesen der alljährlichen Winterverlust-Berichte frage ich mich immer, ob die Bienen in Vorvarroazeiten auch gestorben sind?

    Meine Oma hat mir erzählt, dass bei ihnen in Oberbayern in den fünfziger Jahren mehrere Imker wegen "so einer Milbe" aufgegeben haben. Ich habe dann ein wenig recherchiert und einen Imkerverein gefunden, der seine Sitzungsprotokolle seit Anbeginn aller Zeiten ins Internet gestellt hatte. Las sich erstaunlich aktuell: Große Verluste wegen der Milbe (damals Tracheenmilbe), Behandlungsmethoden, Diskussion eines Vereinszwanges für die Nicht-Vereinsimker, damit sie in den Genuss der neuesten Behandlungsinformationen kommen, Zuckerpreise (in den Nachkriegsjahren für Imker 3 kg/Volk subventioniert)... Leider finde ich den Eintrag nicht mehr.


    Gruß, Kikibee

  • Hier eine Stellungnahme von Dr. Bienefeld.

    Er meint, es hätte auch vor 100 Jahren schon Jahre mit hohen Bienenverlusten gegeben.

    Aber wir wissen doch, dass alle paar Jahre ein Jahr mit höheren Verlusten dabei ist. Und ich erinnere mich, dass letztes Jahr hier im Forum die "alten Hasen" schon gewarnt haben, dass wieder ein Varroa-Jahr kommt.

    Die Welt ist groß genug für die Bedürfnisse aller, aber zu klein für die Gier Einzelner (Mahatma Ghandi)
    Gruß
    holmi

  • Ja, war es anscheinend, denn auch bei uns klagen vereinzelt Imker über bis zu 80% Verlust. Ist aber nicht alles Varroa. Ich habe selbst ja jetzt auch über 10 % Verlust, aber nicht ein Volk wegen Varroa, sondern wegen Drohnenbrütigkeit. Bei den Zahlen sollten doch auch immer die Ursachen betrachtet werden. Abgesehen davon, das Wort "Bienensterben" dramatisiert so schön.

    Die Welt ist groß genug für die Bedürfnisse aller, aber zu klein für die Gier Einzelner (Mahatma Ghandi)
    Gruß
    holmi

  • Also mich hat es nun auch sehr beschäftigt, woran es nun lag und komme immer wieder auf das Wetter: Dieser affenwarme September und dann diese schlagartige Abkühlung und der kalte, nasse und lange Jahresausklang.


    Laut Stockwaage hatten wir 29 Grad am 13.9.2016 und zuletzt 24,5 Grad am 29.9.2016. Danach ging es nur in den Keller bei viel Regen.

    Mit 12 Grad waren der 28.10.2016 und 18.11.2016 noch die wärmsten Tage. Luftfeuchten zumeist um 98% also mehr oder minder Regen die ganze Zeit.


    Die sind praktisch bis Mitte Februar und damit über 4 Monate kaum raus gekommen. Ich habe im Oktober nur zwei und im November nur einen und auch nur sehr mäßige und sehr kurze (1 Stunde Sonnenloch) Flugtage registriert.


    Denke, dieser "goldene Herbst" hat einfach gefehlt, sie mussten sehr schnell auf Winterprogramm umstellen und das hat wohl kräftig Stress gemacht. Zumindest bei meinen kranken Völkern konnte ich das nicht mit Varroa-Befall korrelieren obwohl ich in diesem Winter sehr gründlich entmilbt und gezählt habe und es da eben ausnahmsweise recht gut weiss.

    Allerdings hat es auf der Schattenseite eben vier Völker erwischt; also zwei mehr als auf der Seite, wo die Sonne aufs Flugloch scheint und die Bienen immer etwas früher fliegen als auf der anderen. Womöglich haben die "Schattenvölker" die eine Stunde Sonne dadurch dann verpasst und hatten nicht mal diese wenigen Flugfenster. Kombiniert mit Varroa (mein Spitzenlastvolk (siehe Grafik: http://www.hymenoptera.de/imke…kWinterbehandlung2016.JPG) hat es auch hingerafft und das hatte wie das nebenan auch schon die ersten Kotspritzer Anfang Dezember auf den Oberträgern!


    Aber alles nur Mutmaßung; fragt mich noch mal wenn ich 100 bin und auf ein langes, erfahrenes Imkerinnenleben zurückschauen kann...dann sage ich Euch was ich damals, 2016, hätte besser machen sollen ;)


    M.

  • Aus der Ferne ist normalerweise gut klugscheißen...

    Nun habe ich aber ausnahmsweise auch mal aus direkter und erweiterter "Nachbarschaft" von Verlusten zwischen 30 - 40% und höher beim Arbeitskollegen aus dessen Revier (anderer Landkreis) gehört, während ich über meine bislang zunehmend quietschfidelen Völker staune. Immer im Hinterkopf bedenkend, dass der Winter noch nicht wirklich vorbei ist!


    Ich habe jetzt zu Beginn meines vierten Imkerjahrs den zunehmend festeren Eindruck, dass die Varroa mittlerweile als Grund "geschluckt" und verinnerlicht worden ist. Es kann gar nichts anderes mehr sein - nicht weil es tatsächlich nichts anderes sein kann, sondern weil es nichts anderes sein darf.

    Daran hat "man" lang und intensiv gearbeitet. Schlimmer aber finde ich, dass nach dem, was ich dazu vernehmen konnte, ab dem Urteil "Varroaschaden!" das selbständige Denken auch für die Zukunft individuell eingestellt wird und ganz allgemein zu sehr auf andere Leute aus den unendlichen Weiten des Internets gehört wird.


    Es gibt manchmal Faktoren, die sich neutralisieren, andere steigern sich negativ, manchmal auch positiv. Aber für die Frage nach Gründen von Völkerverlusten ist die Antwort fast immer 42! - in diesem Fall 42 = Varroa... :/


    Gruß Andreas

  • Ich habe jetzt zu Beginn meines vierten Imkerjahrs den zunehmend festeren Eindruck, dass die Varroa mittlerweile als Grund "geschluckt" und verinnerlicht worden ist. Es kann gar nichts anderes mehr sein - nicht weil es tatsächlich nichts anderes sein kann, sondern weil es nichts anderes sein darf.

    Daran hat "man" lang und intensiv gearbeitet. ...

    Ja, da hat man viel Mühe investiert und Geld von Seiten der Industrie, doch nun ist es den Imkern derart eingebläut, dass sie nur noch mantrahaft "typisch Varroa" wiederholen, wenn man von Verlusten spricht.

    Und es ist doch komisch, dass typische Vergitungsschäden, wie Orientierungslosigkeit von den Bieneninstituten ebenfalls als Varroaschaden deklariert werden! Nee, eigentlich ist es nicht komisch, sondern passt ins Gesamtkonzept.

    Die Welt ist groß genug für die Bedürfnisse aller, aber zu klein für die Gier Einzelner (Mahatma Ghandi)
    Gruß
    holmi