Hohe Völkerverluste in Brandenburg - 40%

  • Andererseits war dieser Winter wiedermal ein Winter und keine Mischung aus Herbst und Frühling, d.h. es gab viele Wochen mit Frost. Wer da das falsche Winterfutter (Tauhonige) in den Völker hatte, oder viel zu schwache Völker einwinterte, der hat jetzt ebenfalls leere Beuten.

    Für Brandenburg gilt das eher nicht. Das war kein kalter Winter.


    Wolfgang

    Doch

    Na, in welcher zugigen Ecke dieses Landes lebst Du denn, oder kennt Ihr Brandenburger keinen Winter mehr?
    Ich behaupte ja nicht, dass das ein ausgeprochen milder Winter war, aber kalt war er nicht.


    Wolfgang

    I never loose - either I win or I learn (Nelson Mandela)

  • Da wurde das Todesurteil M - E Juli schon ausgesprochen und der Vollstreckung kann das Volk nicht mehr entgehen?

    Es kommt auf die Biene, den Befallsgrad und die Behandlungsform an. Wenn die Biene bereits in der Lage ist, den Anstieg des Varroabefalls klein zu halten, muss es im September noch nicht zu spät sein. (Eine Blockbehandlung mit Oxalsäure ist zu dem Zeitpunkt sicherlich sehr spät)


    Wenn man Anfang September hingegen (auch) bei hohem Befall die Brut komplett entnimmt, womit mangels schlüpfender Jungbienen, die noch halbwegs gesunden Bienen aus Juli weiterbrüten und nicht abgehen; kann es danach durchaus noch gelingen, das Volk neu aufzubauen und gesunde Winterbienen zu erzeugen. Frühtrachtrekorde wird ein solches Volk aber sicherlich niemals einbringen.


    Wenn aber die kranke Brut im Volk zum Schlupf kommt, altert mit dem Schlüpfen dieser Bienen auch die Bienengeneration davor (und geht ab). Die zwar jungen, aber kranken Bienen sind anders als die Generation davor, nicht mehr in der Lage, gesunde neue Brut aufzuziehen. Damit ist das Schicksal eines solchen Volkes tatsächlich besiegelt. (Deswegen ist ein Oxalsäureblock meiner Meinung nach zu spät - die Brut kann schlüpfen. Bei einer ersten Ameisensäurebehandlung zu diesem Zeitpunkt werden zusätzlich die Bienen zu stark geschädigt, weshalb diese erst recht nicht in Frage kommt.)


    Ich habe in solchen Fällen (nach der Heidewanderung) den Fegling zusätzlich mit Milchsäure behandelt und auf eine Fangwabe verzichtet. Die Bienen sollten sofort gesunde Brut aufziehen und nicht noch eine knappe Woche an die Fangwabe vergeuden. Den Brutteil habe ich auslaufen lassen, ebenfalls mit Milchsäure entmilbt und die Feglinge wieder verstärkt. Auf diese Weise konnte ich die meisten Völker (ca. 80%) ins nächste Jahr mitnehmen.


    Gruß

    Ludger

  • Das hat nichts mit dem Alter zu tun, sondern mit der eigenen Persönlichkeit, zumindestens spiegelt das meine Käuferschicht in den letzten Jahren wider.

    "Nichts" wuerde ich nicht sagen... Ich meine mich dunkel zu erinnern, dass einer der wichtigsten Faktoren, wenn es um Bienengesundheit oder Völkerverluste geht, die Gesundheit des Imkers ist...

    Quelle war AFAIR ein Vortrag, evtl von Guido Eich? oder Jens Radtke?


    Meines Erachtens nehmen viele die Varroabekämpfung auf die leichte Schulter und sind immer zu spät dran mit ihren Behandlungen, obwohl das zu verwendende Equipment passen würde.

    Falsche Entscheidungen treffen, das ist nicht das gleiche wie "die leichte Schulter". Oft sogar das Gegenteil. Zuviel Gedanken gemacht und falsche Prioritäten gesetzt (z.B. den Bienen die "Säuretortur" zu lange ersparen wollen o.ä. ...)



    ...dann waren es die Wespen, Mäuse oder Viren!


    Was ja auch nicht ganz falsch ist. Zur Erinnerung: die Bienen sterben nicht an Blutverlust (ok, Hämolymphe...), wenn Varroamilben an ihnen saugen, sondern letztendlich an den dabei übertagenen Viruserkrankungen.

    Und natürlich werden Völker von Wespen oder Mäusen geschädigt (vielleicht noch nicht im September), und wenn sie bereits von Varroa bzw den übertragenen Viren geschwächt sind könnte das durchaus manchmal den Ausschlag geben.



    Grüsse,

    Robert

  • Ich habe es schon mal hier beschrieben, das ist zwischen normaler Imkerei und Spättrachtimkerei auch in der Varroabehandlung Unterschiede gibt und geben muss.


    Generell behandle ich alle Völker Mitte bis Ende Juli und warte keineswegs den September ab um hier mit arbeitsintensiven, volksschädigenden Brutwegnahmen der Varroa Einhalt zu gebieten.

    Aufgrund langjähriger Erfahrungen behaupte ich, dass es nie ein zu früh, aber immer ein zu spät in der Varroabehandlung gibt.

  • Na, in welcher zugigen Ecke dieses Landes lebst Du denn, oder kennt Ihr Brandenburger keinen Winter mehr?
    Ich behaupte ja nicht, dass das ein ausgeprochen milder Winter war, aber kalt war er nicht.

    Vielleicht nicht im langjährigen Rückblick, aber im Vergleich zu den letzten paar Wintern davor war der letzte Winter relativ kalt (wenn auch nicht lang). Der lokale See hier (Glienicker See) war komplett zugefroren, es wurde mehrere Tage lang Schlittschuh gelaufen, und das Eis war richtig dick.

    Das kommt nur noch alle paar Jahre vor, also (relativ zu den anderen noch nicht lange vergangenen Wintern): kalter Winter.


    Und im Gegensatz zu dem Winter davor sind die Bienen auch nicht den Dezember über bis Weihnachten hin Pollen sammeln geflogen...


    Grüsse,

    Robert

  • Andererseits war dieser Winter wiedermal ein Winter und keine Mischung aus Herbst und Frühling, d.h. es gab viele Wochen mit Frost. Wer da das falsche Winterfutter (Tauhonige) in den Völker hatte, oder viel zu schwache Völker einwinterte, der hat jetzt ebenfalls leere Beuten.

    Genau so ist es. Leider auch bei mir. Und ich gebe zu: ja, auch dass die Bienen zuviel Tauhonig statt Sirup drin haben ist meine Schuld. Ich hatte zwar vorher von möglichen Problemen durch Blatthonig glesen bzw. gehört, aber den Ernst der Sache unterschätzt.

    Ja, es gibt enorme Verluste, nur offen werden sie nicht zugegeben.


    So, ich gehe jetzt Wachs schmelzen ... Waben aus Völkern, die den Frühling leider nicht erlebt haben. Es wartet viel Arbeit auf mich.


    Die Verluste sind da, und ich habe schon den Eindruck, dass sie zumindest hier in meiner Region auch offen zugegeben werden.


    Auch das mit der wartenden Wachsarbeit sieht bei mir genauso aus.


    Grüsse,

    Robert


  • Ich habe es schon mal hier beschrieben, das ist zwischen normaler Imkerei und Spättrachtimkerei auch in der Varroabehandlung Unterschiede gibt und geben muss.

    Aufgrund langjähriger Erfahrungen behaupte ich, dass es nie ein zu früh, aber immer ein zu spät in der Varroabehandlung gibt.

    Zu spät ist man schnell, da gebe ich dir recht.

    Aber nicht nur ein Spättrachtimker kann in die Situation kommen, spät im Jahr noch etwas gegen die Milbe tun zu müssen. Man bricht sich ein Bein. Ein Projekt im Hauptberuf hat absoluten Vorrang. Die Witterung spielt für die Ameisensäurebehandlung nicht mit. Ein Gerät wird nicht rechtzeitig geliefert. Ein einem lieber Mensch braucht Hilfe. usw.


    Es läuft nicht immer alles nach Plan. Und in genau solchen Fällen, ist es wichtig zu wissen, wie man den Bienen noch helfen kann, auch wenn der Zug nach dem Standartplan bereits längst abgefahren zu sein scheint. Da hilft es niemandem, wenn wir mantramäßig wiederholen, die Varroabehandlung muss im Juli -spätestens Anfang August gemacht werden.


    Dazu ist es notwendig, dass wir flexibler in der Behandlung werden. Ein fester Plan funktioniert nur, solange die Randbedingungen zum Plan passen. Vielleicht müssen wir diagnostisch stärker werden? Lernen, nach Situation (der Bienen) und nicht nach Plan zu behandeln? Dazu müssten wir mehr als ein Behandlungsschema beherrschen und uns klarwerden, welche Auswirkungen unsere Behandlungen haben. Aber den Bienen würde es helfen und uns manches Mal Frust ersparen.


    bitte kein Schema F mehr. (außer vielleicht für Anfänger im 1. oder 2. Jahr)

    Gruß

    Ludger

  • Bienen sterben aber nicht wegen eines kalten Winters!

    Nein, tun sie nicht. Aber ein kalter Winter kann den Ausschlag geben.


    In meinem Fall versuche ich die Verluste aktuell so zu erklären:

    - unzureichende Varroabehandlung (aus verschiedenen Gründen, aber ganz sicher nicht wegen "auf die leichte Schuldter nehmen"), dadurch schwache Völker

    - eine Blatthonigtracht im August, September wie ich sie bisher nicht kannte. Tritt hier wohl nur alle paar Jahre auf. Meine Bienen haben sich quasi selbst eingefüttert, ich habe nicht ausreichend gegengesteuert.

    - heftiger Wespenflug bis in den Dezember. (die Mistviecher sind auch bei unter fünf Grad noch ein- und ausgeflogen, als die Bienen schon nicht mehr mobil waren. Kann mir keiner erzählen, dass das gar keinen Schaden/Stress bedeutet.)

    - echte Wintermonate (also nicht immer wieder Flugtage im Dezember und/oder Januar wie in den Jahren davor)


    Die Kombination macht es. Du kannst natürlich sagen, ich hätte halt rechtzeitig behandeln und korrekt einfüttern müssen, und du hättest recht.

    Trotzdem ist es wahrscheinlich so, dass die geschwächten Völker ohne die Scheisserei aufgrund des Blatthonigs deutlich bessere Chancen gehabt hätten. Und der (im Vergleich zu den Vorjahren) kalte Winter hat den Blatthonig stärker wirken lassen. Meine Schuld bleibt es so oder so. Jedenfalls in diesem Kontext hier, von Imker zu Imker. In einer anderen Situation/einem anderen Gesprächspartner gegenüber kann sich das ganz anders anhören, und es wäre trotzdem die Wahrheit.


    Grüsse,

    Robert

  • Im letzten Jahr gab es bei uns kein Gramm Sommerhonig.

    Durch eine schwere Krankheit meines Sohnes war ich von Mitte Juli bis Ende August völlig aus dem Konzept meiner normalen Varroabehandlung und ständig in Krankenhäusern und bei Ärzten unterwegs und konnte ihn nicht alleine lassen.

    Durch diesen Umstand war ich gezwungen Mitte Juli einen Streifen Tymovar zu verwenden. Nach drei Wochen habe ich den Streifen ausgewechselt und durch einen neuen ersetzt und zwischendurch einen Eimer Apiinfert aufgesetzt.

    Zum Glück hatte ich im Frühjahr die ersten beiden Drohnenrahmen ausgeschnitten.

    Ich denke, ich habe zu diesem Zeitpunkt diese zwei Monate 5 Minuten Arbeitszeit pro Volk

    aufgewendet.

    Ich habe heuer im Frühjahr alle Völker ausgewintert und lasse hier keine Einwände gelten man hätte nicht Zeit oder ähnliches. Natürlich ist Flexibilität bei solchen außergewöhnlichen Sachen von Nöten.

    Heuer, so Gott will werde ich wieder meine übliche Methode mit Langzeit AS im Nassenheider Verdunster verwenden, da ich von dieser Methode absolut überzeugt bin.

    Falls ich selbst nicht die Zeit habe oder in der Lage bin meine Varroabehandlung im Juli zu beginnen, bzw. flexibel auf die mir zur Verfügung stehende Arbeitszeit zu gestalten, dann muss ich eben einen befreundeten Imker beauftragen oder meine Frau davon überzeugen, dass dies für die Bienen Überlebensnotwendig ist.

    Ich bin fest davon überzeugt, dass ich nur so meine Bienen gesund über den Winter bringe.

    Wäre ich ein Heidehonig oder ein Tannenhonigimker dann natürlich müsste meine Betriebsweise anders aussehen, denn da kann man nicht schon im Juli mit der Varroabehandlung beginnen.

    So einfach ist das!

    Franz Xaver aus Niederbayern

    Dieser Beitrag wurde bereits 3 Mal editiert, zuletzt von honigmayerhofer ()

  • Habe auch 50 % Völkerverluste zu beklagen in Wien. Aber da bin ich wahrscheinlich kein Maßstab . Von meinen 8 Völkern sind noch 4 übrig. Diese Jahr ist wohl Ablegerbildung angesagt.


    Eins war ein Miniplus das zu schwach eingewintert hat. Bei 2 Völkern Königinenverlusst und bei einem kaum mehr Bienenmasse vorhanden aber Kö noch da und stiftet aber das wird es auch nicht schaffen - sind einfach zuwenig Bienen. Hab sie ein eine Miniplus als Rettungsversuch gegeben

  • Moin,

    ich hab die Meldung und den Kommentar unseres Sprechers, ja, ich bin nun auch wieder "organisiert", in Radio 1 vernommen.

    Ich bin diesmal eher optimistisch.


    Allerdings konnte ich noch nicht so genau zählen - den einzigen Tag, wo wirklich hier Flugwetter war, hab ich in Bayern verbracht, bei meinem Zweithobby.

    Wobei ich sagen kann: Von den 7 Maganzinen leben alle - die sitzen ja auch schön warm und fliegen zuerst.

    Wagen 3 sind nur 4 Völker drin, habe aber alle schon fliegen sehen, nur nicht gleichzeitig.

    Im Kuntzschwagen leben wohl auch alle - also so 20... 22.

    Nur im Bienenhaus ist komisch - obwohl Südseite sind da meist nur 3... 4 am Fliegen. Es liegen aber überall Tote auf dem Flugbrett. Und wo Tote sind, ist meist auch Leben. Ich kann ja nicht immer vor der Front rumstehen - manchmal muss ich auch arbeiten gehen.


    Bei uns sind meist nur so um 8 ... 10 Grad - im Dorf vielleicht zweie mehr.

    Heute haben die ersten jedenfalls schon mal Pollen gebracht (wohl Haselnuss - was andres blüht noch nicht).


    Ich wünsche mir einfach nur zwei bis drei Tage mit Temperaturen über 16 Grad, dann kann ich seriös zählen und mal gucken, ob das Futter reicht. Solches Wetter ist aber laut meiner WetterApp nicht auf dem Schirm.

    Außerdem gilt immer noch: "Don't tuch the bees in the early spring."


    Mäuseschaden hatte ich vor Jahren auch schon, ist aber eher der Nachlässigkeit des Imkers geschuldet.

    Diesen Winter hatte ich erstmals ein Eichhörnchen, das in die im Wanderwagen befindlichen Beuten eindringen wollte - Abwehrmethode Maschendraht hilft auch hier.


    Grüße Ralf