Preisfindung geographisch ungewöhnliche Honige

  • Hallo Gemeinde,

    ich habe dieses Jahr vor mit zwei meiner Völker das Wandern auszuprobieren.
    Nachdem ich an unserem 'Hauptstand' den Löwenzahn mitgenommen habe, möchte ich dem Raps anwandern (ca. 60 - 80 km von Zuhause).
    Danach gehts weiter nach Memmingen, aufs Hausdach von der Familie meiner Freundin, da es in Memmingen sehr viele Linden gibt, die meiner meinung nach auch gut im Wasser stehen.
    Und zum Schluss nach hinter Kempten, dort habe ich Kontakt zu einem Imker hergestellt, der dort jedes Jahr zur Tanne färt, da kann ich die beiden Völker dazustellen.

    Nun habe ich mir Gedanken über den Preis gemacht.
    2015 haben wir den honig allgemein für 5,- das Pfund vertrieben. (Hoher Löwenzahnanteil)
    2016 sind wir auf 6,- das Pfund hoch gegangen (Hoher Löwenzahnanteil)
    Beide Jahre alles als Wald- und Blütenhonig vertrieben.

    Dieses Jahr habe ich dann wenn alles glatt läuft vier verschiedene Sortenhonige. Jetzt mache ich mir seit ein paar Tagen Gedanken über den Preis.
    Den Löwenzahn möchte ich weiter für 6,- das Pfund vertreiben.
    Beim Raps bin ich mir schon unsicher, da es bei uns im Gebiet sehr sehr selten Raphshonig giebt. Vllt auch 6,- das Pfund?
    Beim Stadt- bzw. Lindenhonig bin ich mir garnicht sicher.
    Und die Tanne ist mein größtes Problem. Im Internet findet man den DIB Tannenhonig für 12,- bis 15,- das Pfund.
    Allerdings würde ich mir als Kunde komisch vorkommen, wenn ich sagen wir mal 12,- für ein Pfund Honig bezahle, wenn ich anderen Honig beim selben Imker für 6,- bekomme.
    Dieser Gedanke hat mich auf die Idee gebracht, den Tannenhonig in halb Pfund Gläser abzufüllen und für diese 6,- zu verlangen.
    Natürlich zahl der Kunde da im Endeffekt das selbe, aber psychologisch gesehen schmerzt ihn das vermutlich nicht so, denke ich.

    Was meint ihr?
    Wie verkauft ihr Honig, der nur bei euch im Gebiet selten ist? z.B. Löwenzahl in Mittel- und Norddeutschland?
    Wie verkauft ihr Linde- und Tannenhonig?
    Das Tanne im Schwarzwald keine 12,- das Pfund kostet kann ich mir vorstellen. Aber bei uns ist das schon sehr sehr selten.
    Was haltet ihr von der 250 gramm Idee?

    Über einige Meinungen würde ich mich freuen!

    Liebe Grüße,
    Luis

    Mikrowellen-Essen aus biologischem Anbau lässt uns nur so leise aufstoßen, dass sich niemand belästigt fühlt.


  • Hallo Luis,
    Honig aus ausgesuchten Allgäulagen sollte etwas mehr bringen. Waldhonig ist von Natur aus teurer.
    Ich selbst habe solche tollen Lagen nicht. Ich mache meine Preisstaffelung über die Größen der Gläser bzw. über die Käuferschichten, die kaufen. Wenn Touristen im Spiel sind, bietet es sich an mit kleineren Gläsern und höheren Preisen zu operieren. Sie zahlen gerne etwas mehr wegen der Erinnerung oder des Besonderen und lieben kleinere Gläser während der normale Haushalt mit 500 g-Gläsern zu raisonablen Preisen gut bedient ist. Ein 500 g Glas ergibt bei einem Preis von 5,50€ so um die 5€ für den Honig, 10€ für das Kilo Honig. Bei 250 g-Gläsern zu 4,00€ ergeben sich 14€ pro Kilo, bei 125g-Gläsern für 3,00€ gut 20€ pro Kilo Honig. Für mich eine win-win-win-Situation aus zufriedenen ortsansässigen Familien inkl. gutem eigenen Gewissen, zufriedenen Touristen und zufriedenem bis sehr zufriedenem Imker.
    Deine Wanderei mit zwei Völkern bedeutet einen wesentlich höheren Aufwand und z.B. gerade beim Raps und beim Tannenhonig auch ein aus verschiedenen Gründen wesentlich höheres Risiko für die Bienenvölker. Ein insgesamt höherer Preis ist also durchaus berechtigt besonders, bedenkt man zusätzlich noch der größere Aufwand für Abfüllung und Vertrieb. Warum also nicht.
    Viele Grüße
    Wolfgang

    Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis ist in der Praxis größer als in der Theorie, also theoretisch.

  • 2 Völker zu je ca. 15kg Honig (Wetter/Schwarm berücksichtigt)
    4 Fahrten zu 140km
    7h Fahrzeit und Auf-/Abladen
    2h Kontrolle


    560km *0,30 Euro = 168,00 Euro PKW
    9h * 8,50 (Mindestlohn) = 76,50 Euro


    Sind wir schonmal bei 244,50 Euro


    30kg Honig = 60 Gläser = ca. 4,50 Euro Ausgaben. Da sind nun noch keine Kosten für Beuten/Völker/Schleuder usw. angesetzt.


    Selbst wenn du nun das Glas für 6 Euro anbietest bleiben dir dann 1,50 Euro je Glas und davon gehen noch weitere Ausgaben ab. Daher bitte nochmal genau Überlegen ob du deinen Bienen, dir und unserer Umwelt solch einen Aufwand für 2 Völker antun möchtest.
    Gerade auch die Wanderung in die Waldtracht ist nie sicher und am Ende stehts mit leeren Honigräumen da...

    Gruß Markus


    Ubi apis, ibi salus 
    Wo Bienen sind, dort ist Gesundheit


  • Du rechnest aber falsch: Der Mindestlohn gehört zu den kalkulatorischen Kosten. Auch der bleibt beim Imker.


    Wolfgang

    I never loose - either I win or I learn (Nelson Mandela)

  • Hallo,


    übertreibt es nicht, er wandert mit nur zwei Völkern, weil er es einfach mal ausprobieren will. Da ist doch überhaupt nicht die Rede davon, dass diese Wanderung bereits wirtschaftlich sein muss.


    Die zwangsläufig hohen Kosten pro Volk sind bei so einer Aktion nichts anderes als seine Investition in die Zukunft - er lernt wandern. Das ist wie einen Kurs besuchen, der kostet auch und bringt erst mal nix, außer Wissen. Die Wanderung bringt Erfahrung. Und es ist sehr sinnvoll, sowas erst mal mit nur wenigen Völkern zu tun, wenn man niemanden hat, bei dem man gleich mal ein paar Dutzend Kisten mit draufstellen darf und der einem sofort helfen kann.


    Erst mal klein anfangen und mit wenig Risiko und beherrschbaren Mengen Neues ausprobieren und sich daran gewöhnen. Hauptziel ist erst mal, anschauen wie's funktioniert. Reibach gemacht wird später, wenn man's kann. Ich finde seine Herangehensweise gut und halte es auch immer so.



    Imker_luis :
    Was ist eigentlich ein Pfund? ok, kleiner Scherz, aber wohl nur die Älteren wissen noch, was das ist...


    Wegen Preisdifferenzen von Honig beim selben Imker brauchst du dir nichts denken - die Kunden wissen, dass unterschiedliche Sorten sehr unterschiedliche Preise haben. Insbesondere weiß eigentlich jeder Kunde, dass Tanne sehr viel teuerer ist - egal wo.
    Nachfrage und Angebot entscheiden.


    Was selten ist (auch wenn es nur regional sein sollte) muss mehr kosten.
    Was mehr Arbeit macht, muss mehr kosten. Deshalb finde ich es z.B. richtig, wenn cremige Honige mehr kosten, weil sie machen mehr Arbeit.
    Außerdem teilt sich gerade hier die Spreu vom Weizen, denn gut cremig gerührten Honig kriegt nicht jeder hin, es hat eine Weile gedauert, bis ich die Unterschiede selber so richtig entdeckt habe. Was der eine für cremig hält, ist für den anderen schleimig oder sandig. Wer es wirklich drauf hat, sollte mehr verlangen können. Nur bei Honigen, die es in großen Mengen gibt, sind halt auch cremige Varianten dann eben nicht ganz so teuer.


    Preise sind auch lokal sehr unterschiedlich, aber im Allgäu bist du ja in einer Hochpreisregion, hast also optimale Ausgangsbedingungen.


    Wichtig ist, dass du dich nicht selbst betrügst, also einen Preis kalkulierst, der dich längerfristig sicher ins Plus laufen lässt und auch deinen Mindestarbeitseinsatz halbwegs fair entlohnt.
    Laut DIB braucht man dazu mittlerweile ein Preis von > 6 EUR pro 500g-Glas, daher liegst du schon mal sehr gut!


    Ansonsten empfehle ich dir unsere jüngste Preisdiskussion, wo sehr viele sehr gute Argumente Pro und Contra ausgetauscht wurden, hier findest du alles, was bisher noch nicht gesagt worden ist.


    Gruß
    hornet

  • Bei der Preisfindung ist die Absatzmöglichkeit maßgeblich. Hier ist z.B. Lindenhonig zwar selten, aber nahezu unverkäuflich, weil die meisten Kunden ihn nicht kennen und deshalb nicht schätzen. In anderen Regionen gilt nur Lindenhonig als das Nonplusultra. Selten ist nicht Kriterium genug. Im verlinkten Faden kannst Du deutlich erkennen, dass auch der Preis vergleichbarer Honige in der Absatzregion eine große Rolle spielt.

  • Hallo,


    da wo unser imker Luis herkommt kennt und nutzt man das Pfund. Manche kennen auch noch das Zeichen https://de.wikipedia.org/wiki/Pfund#/media/File:Pfund.png für Pfund.


    Luis lass dich nicht durch Kalkulationen irritieren, gehen deinen Weg, er klingt interessant.


    Werner
    der auch noch Gewichte mit dem Pfundzeichen in seinem Fundus hat.

  • Da hat der Berggeist natürlich recht - wenn die Leute irgendwas nicht kennen (oder nicht mögen), nutzt selten nix.


    Denn "was der Bauer ned kennt, frisst er ned".


    Aber meine Erfahrung ist: Das eine kann man immer ändern, das andere öfter als gedacht. Bissl was tun dafür muss man natürlich schon. Überzeugungsarbeit, nicht Überredungskunst.

  • Hallo!



    Entschuldigt die lange Pause, ich hatte viel zu tun.



    Erstmal vielen vielen Dank für die vielen Antworten!



    Bienenköniggibmirhonig


    Deine Preisstaffelung mal zu sehen finde ich interessant.


    Leider haben wir hier im Gebiet kaum Tourismus. Also tourismus schon, die kommen aber nicht in solche Abgelegenen Gebiete wie meines ist.



    @Mc Fly


    Die Rechnung mal gesehn zu haben ist interessant.


    Mir war bekannt dass ich durchaus schon wirtschaftlichere Ideen hatte als diese. Aber wie hornet geschrieben hat, gehts mir da vorerst erstmal um einen Eindruck vom Wandern und ein bisschen Übung.


    Wenn mir das taugt, wird nächstes Jahr mit mehr Völkern losgelegt.



    Werner Egger Ja das gute Pfund. Find das hört sich auch viel geschmeidiger an, wenn man sagt "das ist n Pfund Honig" als "da sind 500 Gramm im Glas". Hier ist auchnoch das Zentner sehr verbreitet.


    "Wir lagern den Honig in halb Zentner Kübeln, weil mir das geschleppe von den dutzenden vierel-zentner-kübeln zu blöd ist"



    Jedenfalls Danke für die vielen Antworten, jetzt weis ich auch, dass ich dem Kunden gegenüber einfach zu meinen 12 EURO für das Pfund Tannenhonig stehen kann!



    Grüße

    Mikrowellen-Essen aus biologischem Anbau lässt uns nur so leise aufstoßen, dass sich niemand belästigt fühlt.