Diskussion zum Thema Aktueller Zwischenstand zum Bienenwachsskandal 2015/2016

  • Immer wird nur nach dem billigsten geschaut bzw. gekauft. Wenn ich einen Mittelwandhersteller Frage welche seiner 3 Wach- Qualitäten er am meisten verkauft, dann ist es meist die Günstigste. Da überliest "man" dann gerne den entsprechenden Aufwand der betrieben werden muss um Qualität zu produzieren.

    Billig kauft teuer - am Ende jedenfalls ist der Schaden oft größer als der Nutzen. Die beste Qualität der gewerblichen Umarbeiter erhalten die Industriezweige mit der hohen Qualitätsanforderung gemäß deren Qualitätsm'ment. Das was übrig bleibt, erhält der Imkereihandel, der keine Qualitätsanforderungen hat, sondern nur günstig, günstig, günstig... - weil, so die Aussage eines prof. Umarbeiters, "die Imker es günstig haben wollen". Wir sind Bestandteil des Systems!


    Die Kosten für das Qualitätsm'ment beim großen Umarbeiter fallen aufgrund der Verteilung auf die Mengen kaum ins Gewicht. Insofern ist das durchaus eine virtuelle Diskussion.

    Ein Hersteller/ Umarbeiter hat jetzt ein Formular für die Anlieferer für den Wachstausch entworfen, auf dem muss der Anlieferer bestätigen, dass es sich bei dem angelieferten Wachs um von den Bienen selbst produziertes Bienenwachs handelt. Die allermeisten nehmen IHR Wachs wieder mit und verzichten auf das Geld.

    Und das lässt doch tief blicken: Entweder hat der Anlieferer die Befürchtung, dass unkontrolliert Fremdstoffe enthalten sein könnten oder er hat eben "Dreck am Stecken". Und da beißt sich die Katze in den Schwanz... Wir sind Bestandteil des Systems !


    Ist das der Grund, warum die Verbände nicht so richtig wollen ? Letzte Woche gab es beim DIB eine Diskussion zu dem Thema. Hat jemand etwas Neues dazu gehört ?


    Beste Grüße


    Rainer

  • Naja, kann das verstehen. Noch könnte ich dieses Fomular auch nicht unterschreiben. Ich kann es nicht garantieren, dass alles Wachs aus dem Schmelzer wirklich von Bienen produziert wurde.

    Ich kann garantieren, dass ICH nix aktiv gepanscht habe, aber für die enthaltenen Anteile aus gekauften MW will ich keine Garantie geben. Obwohl ich immer die teuren Mittelwände gekauft habe und keine Auffälligkeiten beim Ausbau hatte, würde ich die Verantwortung dafür nicht übernehmen wollen.

    In der Natur gibt es weder Belohnungen noch Strafen. Es gibt Folgen.
    (Robert Green Ingersoll)

  • Bitte jetzt nicht persönlich nehmen, aber...


    Und warum nicht ? Du bist Dir doch sicher, dass Du kein Fremdprodukt eingebracht hast. Und das ließe sich durch eine Stichprobe belegen oder widerlegen. Die würde ich dann schon investieren. Und die "teuren Mittelwände" hat Dir doch jemand verkauft - sollte sich Fremdmaterial in nennenswertem Umfang finden, würde ich dem schon mal auf den Zahn fühlen... es muss drin sein, was drauf steht! Und damit übernimmst Du Verantwortung auch gegenüber dem Händler - es bringt doch Sicherheit oder im ungünstige Fall entlarft es Betrügerei - da kauft man nicht mehr und macht es bekannt.


    Es ist doch zu begrüßen, wenn Umarbeiter sich so verhalten. Nur so kann sich etwas ändern und wir sollten dann Bestandteil dieses neuen Systems werden.


    Beste Grüße


    Rainer

  • Ich begrüße es durchaus auch, wenn man nicht einfach irgendwas abgeben kann, ohne dafür gerade stehen zu müssen.

    Nur wie soll ich das machen, ohne Geld zu verbrennen? Wenn ich von 10-15 kg Wachs für die Abgabe eine Analyse machen lasse, bekomme ich beim Ankauf des Wachses nicht mal das Geld für die Analyse wieder raus. Ohne Analyse kann ich es aber nicht garantieren, weil ich -wie jeder andere Käufer auch- bisher nicht sicher sein kann, dass ich das bekommen habe, was mir versprochen wurde.

    Nachdem ich es im Falle eines Falles aber nicht beweisen kann, dass die fragliche Beimischung dann vom gekauften Wachs (das ich bei Händler/Umarbeiter XX oder auch XY gekauft habe) stammt, muss ich die Verantwortung doch selbst übernehmen. Warum sollte ich mir das antun? Da ist es für mich sinnvoller das Wachs zu entsorgen (Kerzen...).

    Wenn ich künftig meine selbst gegossenen MW aus eigenem Naturbau- und Deckelwachs habe, dann kann ich gerne die Garantie für 100% Wachs übernehmen, sollte ich was für den Verkauf übrig haben.


    Nachtrag:

    Gerade das ist doch das Problem, dass die ordentliche Analyse immer gleich viel Geld kostet. Wenn die Menge klein ist, sind die Kosten pro Einheit zu hoch. Es ist egal, ob das beim Ankäufer oder Verkäufer aufläuft. Ohne versiegelte Rückstellproben der einzelnen Chargen kann man später auch nichts beweisen, um einen Schuldigen zur Verantwortung zu ziehen.

    Ich habe in den letzten zwei Jahren mehrere Kilogramm Mittelwände von insgesamt 5 verschiedenen Händlern bezogen und dann noch das Wachs, das beim Völkerkauf mit drin war. Das ist ein Posten von meinem eingeschmolzenen Wachs, das ich verkaufen/eintauschen könnte.

    Davon getrennt habe ich immer das Deckelwachs und nochmal extra Naturbauwachs aus Wildbau und Baurahmen gesammelt. Dieses reine Wachs kann ich jetzt zum Weitermachen nehmen.

    In der Natur gibt es weder Belohnungen noch Strafen. Es gibt Folgen.
    (Robert Green Ingersoll)

    Dieser Beitrag wurde bereits 1 Mal editiert, zuletzt von Amape () aus folgendem Grund: Nachtrag ergänzt

  • Die Geschichte mit den Formularen wurde vor Jahren auch im Wildprethandel eingeführt, nachdem Berger Wild massiv besch... hat.

    Jetzt unterschreibt der Erleger, dass das erlegte Stück einwandfrei ist.

    Wenn aber irgendwann im weiteren Verarbeitungsprozeß mit diesem Stück Schindluder getrieben wird, wen wird man dann am Allerwertesten haben?

    Richtig, das kleinste Rad im System, das nicht beweisen kann, das das Stück in Ordnung war, wofür er unterschrieben hat.....

    So wirds auch beim Wachs aussehen, wenn die Händler vom Erzeuger einen Persilschein erhalten.


    Jäger

  • Ich kann garantieren, dass ICH nix aktiv gepanscht habe, aber für die enthaltenen Anteile aus gekauften MW will ich keine Garantie geben. Obwohl ich immer die teuren Mittelwände gekauft habe (...)

    Selbst wenn ich die MW immer bei dem gleichen Händler gekauft hätte, der jetzt plötzlich VON MIR ein Zertifikat verlangt, könnte ich unmöglich garantieren, was da drin (oder nicht drin) sein könnte. Ein Stück aus dem Tollhaus! Absolut lächerlich.


    Beste Grüße,

    Ralf

    Imkern im Spannungsfeld zwischen Hoffnung und resignativer Reife

  • das kann man nur unterschreiben, wenn man Altwaben/Waben mit Mittelwänden aus dem Wachskreislauf aus schleust und zu Kerzen oder Beutenschutz verarbeitet und nur Wachs aus Drohnenbau, Naturbau und Entdeckelungswachs für Mittelwände verwendet.

    Da mein Vater Wachs gegen Mittelwände getauscht hat, ist eine gewisse Verunreinigung nicht auszuschließen. Bei dem vorhandenen Wachsvorrat weiß ich nicht, ob alles ok ist, lasse die MW als Eigenwachsumarbeitung herstellen, um wenigstens nur meinen eignen Kram wieder zu bekommen.

    In den letzten 3 Jahren gab es schöne Brutwaben und nur selten Zellenstauchungen im unteren Wabenbereich und gebrochene Waben beim Schleudern. Da keine sichtbaren Schäden spare ich mir die Analysekosten, durch Völker- und Ablegerverkauf ist auch ein Wachsverbrauch gegeben.

    Seit 1 Jahren wird das neu erzeugte Wachs und recycelte Altwachs getrennt ausgeschnitten, zu Blöcken verarbeitet und gelagert.

    Gruß FRed


  • Wer genau schaut sieht auf den einen Bildern aus 2016 Buckfast, umgelarvtes Neuhausermaterial und auf der Belegstelle Taubensuhl begattet.

    Auf einem Bild aus 2015 sieht man dafür eine standbegattete Cecropia und neben Carnica machen auch Ligustica und Landrassenmischungen das selbe Bild. Ebenfalls wurde anfänglich in 2015 umgeweiselt, dader erste Verdacht auf ein Problem der Königin fiel. Von Carnica über Cecropia zu Liustica ging es dann mit der Buckfast am Schluss zu Ende. Da könnte man dann genau so sagen, das Volk verstarb an der Buckfastkönigin ^^


    Weil du vermutest, es gibt überall die selben Verfälschungen, kannst du dazu noch lange keine Aussage treffen. Das Stearinsäureproblem ist relativ neu und fing nach meinen Ermittlungen langsam in 2014 an. Daher sind hier auch die Institute recht frisch damit konfrontiert!


    Deine Vermutungen in allen Ehren, nur hab ich nicht die Zeit um laufend in den Kisten herum zu rühren und gerumpelt wird höchstens wenn die Wabe entsorgt wird. Beim Wandern sind mir bisher keine Waben zusammen gebrochen, dafür am Stand wo andere mit gutem Wachs keine Probleme zeigten. Wer es nicht selbst erlebt hat kann es auch nicht glauben, aber die Bienen meiden diese Waben. Dadurch wird auch nicht mehr ausreichend gekühlt etc.


    Zitat

    Das du null Ahnung von Dadantwaben oder Buckfastbienen hast sieht man ganz deutlich an dein geschreibe. Wo du auf den Bildern überwiegend Buckfastbienen erkennen willst, dürfte auch wohl dein Geheimnis bleiben ! Deshab solltest du lieber die Finger stillhalten bei Sachen die du nicht kennst.


    Gruß Josef


    Josef, sehr direkt, aber leider auf den Punkt gebracht. Manchmal denkt man, wir sind so doof und gehen damit an die Öffentlichkeit, ohne alle Möglichkeiten abzuwägen. Es hatte seine Gründe, warum zwischen Erkennen und Veröffentlichen im September einige Wochen/Monate lagen. In der Zeit waren wir auch in Kontakt mit wissenschaftlichen Größen aus der Imkerszene. Wäre direkt klar gewesen welches Risiko das Zeug in sich birgt, dann wären viele Völker noch zu retten gewesen. Da haben wir uns am Anfang auch schwer verschätzt und sind daher dann umso offensiver damit an de Öffentlichkeit gegangen -aber da war es dann schon zu spät ;(


    Ps.: In Italien haben sie das gleiche Problem mit Stearinsäurewachs. Anfänglich lag die Schuld am Wetter, dann an den Königinnen und am Ende wurde aus Angst vor Brutkrankheiten die Feuerkeule geschwungen. Mittlerweile haben sie herausgefunden, bei dem eingesetzten Wachs liegt ebenfalls ein erhöhter Stearinsäuregehalt vor und zahlreiche PSM in höherer Dosis.

    Gruß Markus


    Ubi apis, ibi salus 
    Wo Bienen sind, dort ist Gesundheit

  • Bei der letzten Durchschau (Freitag) ist mir bei zwei Völkern im Baurahmen auch dieses lückenhafte Brutbild aufgefallen. Auffällig ist, dass es im Baurahmen war. Die anderen Brutwaben zeigen alle das charakteristische Kreismuster.


    Der Baurahmen sollte doch weitestgehend frisches Wachs enthalten. So zumindest die Theorie.


    Dabei sind die MW, die ich aus eigenem Wachs in der G-Imkerei habe machen lassen, noch nicht einmal in den Völkern!

  • Aus der Presse konnte man entnehmen, dass ein Ermittlungsverfahren wegen dem Verdachts auf Betrug eingestellt wurde. In der Begründung heißt es:

    Zitat

    "Laut Staatsanwaltschaft gab das Unternehmen an, aus Kostengründen keine Überprüfungen des eingekauften beziehungsweise eingetauschten Wachses durchführen zu lassen."


    Jetzt findet man auf der Seite des Anbieters:

    Zitat

    "Aufgrund der Wachsproblematik haben wir entschieden, Chargen in der Größe von 400 kg auf Reinheit prüfen zu lassen und diese unseren Kunden anzubieten.


    Die Analysen können bei uns eingesehen werden."

    Jetzt liegt es doch auch an den Imkern diese Analysen auch wirklich sehen zu wollen.



    3 Völker, Langstroth Flachzarge / 8 Frame, Honigraum FlowHive

  • Und was willst du uns damit sagen?

    :confused:

    Grüße Luffi


    Nicht weil es schwer ist, wagen wir es nicht, sondern weil wir es nicht wagen, ist es schwer. :u_idea_bulb02:

    (Lucius Annaeus Seneca - römischer Politiker, Dichter und Philosoph - * 4 v.Chr, † 65)

  • Ohne Transparenz, pro-aktiv geschaffen vom Wachsanbieter, wird nichts erreicht. Wenn dem MW-Paket kein zertifiziertes Analysenzertifikat beiliegt, ist die Aussage, dass man Reinheitsanalysen - wo auch immer - einsehen kann, Schall und Rauch. Was hindert den Wachsumarbeiter daran, diese zertifizierten Analysenergebnisse bspw. auf seiner "homepage" zu veröffentlichen ? Nichts, aber auch gar nichts! Damit schafft man Transparenz, aber nicht mit Aussagen, die Ergebnisse könne man einsehen...


    Das ist zu kurz gesprungen und an der Verfahrenseinstellung wird deutlich, dass momentan keinerlei Handhabe existiert, die Situation und das Dilemma zu ändern. Hier werden noch viele ähnliche Diskussionen dieser Art geführt werden.... Sehr traurig !


    Rainer

  • Jetzt liegt es doch auch an den Imkern diese Analysen auch wirklich sehen zu wollen.

    1. Oh, man wußte hier bisher noch gar nicht, daß auch gegen Dehn ermittelt worden sein soll?!

    2. Die zitierte Werbeaussage betrifft nur die "neue" Wachssorte bei Chargen > 400kg. Wie der Anbieter sicherstellen will, daß das gekaufte 1kg-MW-Paket wirklich aus der 400kg-Charge stammt, bleibt unklar. Das Sehen-Wollen der Analyse reicht demnach bei weitem nicht. Des neue Angebot befestigt das gegenwärtige skandalträchtige System weiter. Es dient (nur) der Beschwichtigung, nicht aber einer echten Beseitigung des Systemfehlers. Wer für den Weiterbetrieb eines solch grundhaft kranken Vertriebssystems auch noch zusätzlich Geld ausgibt für eine falsche/vorgetäuschte Sicherheit, der hat weder das Grundproblem erkannt, noch die Ergebnisse der bisherigen Diskussion bspw. zum QMS zur Kenntnis genommen. I.ü. ist der Preisaufschlag so happig im Vergleich zur "Imkerqualität" (+ 22%), daß keine Verbindung besteht zum zusätzlichen Kostenaufwand für eine Echtheitsanalyse (bei Ceralyse: rd. 225,-, Belan: 140,- EU:

    http://www.bee-gann.de/Wachs/analyse.html

    Der Kostenmehraufwand beträgt bei der 400kg-Charge max. 0,56 EU/kg (Ceralyse) - Das o.g. Angebot jedoch schlägt mehr als 625% davon auf!

    Werden derartige Angebote vom Markt angenommen, schlußfolgert der Gewinnoptimierer: Na also, geht doch (auch ohne grundhafte Systemänderung)!

    Wird das Angebot enttarnt und nicht angenommen, wird er dem DIB am Runden Wachstisch mit treuem Hundeblick berichten: Die Imker sind zu geizig, sie nehmen das angebotene Mehr an Sicherheit nicht an. Das wiederum wird die Front der QMS-Ablehner im DIB-Parlament (Vertreterversammlung) stärken, wenn es (überhaupt) zu einem erneuten Anlauf für ein QMS-gestütztes Qualitätssiegel kommen sollte. Die daran interessierten Kreise erhoffen sich so ein erneutes Scheitern von Bemühungen um ein Qualitätssiegel wie bereits 1998. Warum wohl?