Diskussion zum Thema Aktueller Zwischenstand zum Bienenwachsskandal 2015/2016

  • Genau so ist es!



    Ich verstehe überhaupt nicht, warum man überhaupt Wachs zukaufen muss. Ich habe mein ganzes Leben lang noch kein Wachs zugekauft...


    Man kann so arbeiten. Und wenn man das tut, dann hat man zumindest ordentliches Wachs in den MW und kann den Überschuss verkaufen. Das ist für mich vor dem Hintergrund der Wachsskandale so etwas wie gute fachliche Praxis!



    zum einen:
    Was gibt es daran nicht zu verstehen? Es hat im Normalfall kaum jemand sofort eine ausreichende Menge Wachs um selbst MW anzufertigen, wenn man mit konventionellen Methoden imkert und auch ernten will. ..
    Zum zweiten:
    Man sollte nicht von sich auf andere schließen und sich selbst dann als Maßstab setzen!...


    Warum sollte jemand der "gut wirtschaftet" und keine zweifelhaften MW zukaufen muss das nicht auch mal schreiben dürfen? Diese Wachsprobleme gibt es ja nicht erst seit gestern und etwas mehr Bewusstsein für gutes Wachs empfinde ich als vorteilhaft.


    Und bzgl. Naturbau hat der McFly natürlich recht, dass die Randwaben oft nicht sehr vorteilhaft aussehen. Aber da gebe ich einfach dort gezielt MW und schon passt es. Der Günter B. hatte das hier mal vor einiger Zeit sehr schön erklärt.


    Gruß Jörg

  • Hallo AndreasH!


    Das ist ja genau, was ich sagen will, dass man jeden Überblick verliert sobald man Wachs oder Mittelwände zu kauft. Wachs lässt sich eben nicht so leicht qualitätsmäßig einordnen. Einerseits ist da die Zusammensetzung, die Art wie das Wachs behandelt worden ist, die gelösten Schadstoffe usw. die zu Problemen führen können. Daher sollte natürlich jeder Imker bestrebt sein, nur sein eigenes Wachs zu verwenden. Sobald der Imker das Heft einmal aus der Hand gegeben hat, könnten die Probleme anfangen. Da muss kein absichtlicher Betrug dahinter stehen.


    Ich kann jedem Imker nur raten, dass er danach trachtet, dass er so schnell wie möglich zum eigenen Wachskreislauf oder zur eigenen Wachsstrecke (wie von den Fachleuten empfohlen) kommt. Ein totaler Jungimker wird da seine Problem haben. Der muss seinem Imkerpaten noch ein paar Mittelwände abfechten. Aber nach kurzer Zeit sollte es funktionieren.



    Ein paar Tricks gibt es dazu:


    Unbedingt ein Nassschmelzverfahren anwenden bei der Wachsgewinnung.


    Bei Ablegern kann man auf die ersten 5 oder 6 Mittelwände verzichten und Naturbau ausführen lassen.


    Mittelwände können diagonal halbiert und die Waben verschränkt eingesetzt werden. Auf diese Weise kann die Hälfte Mittelwände gespart werden und es gibt doch noch halbwegs vernünftige Waben.


    Beim Entdeckeln kann man mit der Gabel oder mit einem Messer absichtlich etwas tiefer fahren. Auf diese Weise wird das Wachs auch mehr. Entdeckeln mit dem Heißluftfön geht nicht, das wäre kontraproduktiv.


    MfG
    Honigmaul

  • Wachs kaufe ich nicht zu, ich tausche immer mein erwirtschaftetes Wachs um.


    Ähhm, das ist ja genauso schlecht wie kaufen! Du kriegst für gutes, irgendwas ... Oder meinst du damit, du läßt dein Wachs umarbeiten?

    Die Bevorzugung lokaler Produkte ist weder Nationalismus, noch Faschismus, noch Protektionismus, sondern ist nur ein Symptom von Intelligenz und Umweltverträglichkeit.

  • ... Unbedingt ein Nassschmelzverfahren anwenden bei der Wachsgewinnung...


    Ist der Unterschied wirklich so groß?
    Bisher habe ich die alten Waben in einem Waschkessel ausgeschmolzen. Das ist immer eine große Aktion, wird mir zu viel. Deshalb habe ich mir jetzt einen sehr großen Sonnenwachsschmelzer bestellt...
    Dachte, dass ich mir damit das Leben etwas erleichtern kann.
    Gruß Jörg

  • Hallo Jörg K.


    Wenn dein Wachskreislauf mal läuft, dann findest du mit dem Wachs aus dem Sonnenwachsschmelzer schon das Auslangen, aber die Ausbeute ist bei bebrüteten Waben, insbesondere mit Pollenresten wesentlich schlechter.


    MfG
    Honigmaul

  • Hallo


    habe mir wegen zu starker Völkervermehrung letztes Jahr Wachs kaufen müssen.
    Aus Zeitmangel habe ich einen Bekannten mit dem Kauf betraut und der brachte mir afrikanisches Wachs mit.


    Danach habe ich von der Wachspanscherei erfahren und habe sofort die Verwendung der Mittelwände gestoppt. Fünf Stück von 12 sind noch in den Völkern, da ich meine Rähmchen markiere, weiß ich wo die sind.


    Ich habe dann drei Proben von Wachs von einem befreundeten Chemiker mit Schwefelsäurebad und Erhitzung untersuchen lassen.


    Probe1: Naturbau
    Probe2: Gekauftes Wachs aus D
    Probe3: das genannte afrikanische Wachs, mit Label: Reines Bienenwachs


    Ergebnis: Probe3 hat Verdacht auf Beimengung von Paraffin, der Händler schickte mir sein Reinheitszertifikat, dieses weist nur die Untersuchung auf Varroazide auf.


    Mein Resultat: Sobald es die Temperaturen erlauben, ziehe ich das afrikanische Gelumpe aus den Völkern.


    Inzwischen habe ich bei einem befreundeten Imker genug Eigenwachs aus dessen Kreislauf kaufen können -> somit werde ich damit meinen eigenen Kreislauf in Ordnung halten.

  • Da ich hier gefragt, werde, wo ich das Wachs gekauft habe, muss ich klarstellen.
    Die Untersuchung ergibt nur einen VERDACHT, somit kann ich aus rechtlichen Gründen keine Namen nennen. Sorry!


    Den Test hat der Chemiker so gemacht:


    Flüssiges Wachs wird zusammen mit Schwefelsäure erhitzt, das wird dann alles im reinen Wachsfall ganz schwarz. Nach dem Erkalten ist auf der Paraffin/Wachs-Probe ein weißlicher Belag.



    Da die von mir gekaufte Menge sehr gering ist, ist es nicht rentabel ein offizielles Labor einzuschalten.


  • Da die von mir gekaufte Menge sehr gering ist, ist es nicht rentabel ein offizielles Labor einzuschalten.


    Evtl. findet sich ja jemand, der das gern mit Deinen Restbeständen tun würde...?!
    Insb. da das "afrikanische Wachs" ja doch einen recht guten Ruf zu haben scheint...


    Wo würde eigentlich der Unterschied zu z.B. den veröffentlichten Tests von Stiftung Warentest zu einem breit angelegten Test des Wachses verschiedenen Anbieter liegen?
    Könnte man die Testmethode des Labors z.B. vom TÜV oder so "bestätigen" lassen und die Ergebnisse dann veröffentlichen?


  • Warum sollte jemand der "gut wirtschaftet" und keine zweifelhaften MW zukaufen muss das nicht auch mal schreiben dürfen? Diese Wachsprobleme gibt es ja nicht erst seit gestern und etwas mehr Bewusstsein für gutes Wachs empfinde ich als vorteilhaft.


    Es ging mir um die Verallgemeinerung "wenn *ich* das nicht brauche, braucht es auch kein anderer", dafür sind Arbeits- und Sichtweisen quer durch die Szene einfach zu verschieden. Dass es über zig Jahre schon bekannt ist und trotzdem nur unter der Hand kommuniziert wurde, ist ein weiterer Grund, es nicht zu verallgemeinern. Wer ist denn so ein Naturtalent, dass man direkt vom Start an so gut wirtschaften kann? Halte ich für ein Märchen, auch wenn es nur Wachs betrifft.
    Die wenigen, die wirklich nur Eigenwachs verarbeiten, taten das aus anderen Gründen, aber nicht wegen unter der vorgehaltener Hand bekannten Wachspanscherei, deren Blase im letzten Jahr geplatzt ist.


    McFly:
    Ich hatte das mit dem Farbspiel falsch gelesen, da war ja schon ausführlich drüber geschrieben worden. Teekerze war der Hinweis:u_idea_bulb02:


    Gruß Andreas

  • Den Test hat der Chemiker so gemacht:


    Flüssiges Wachs wird zusammen mit Schwefelsäure erhitzt, das wird dann alles im reinen Wachsfall ganz schwarz. Nach dem Erkalten ist auf der Paraffin/Wachs-Probe ein weißlicher Belag.


    Ich rate zur Vorsicht: Immerhin hat hier ein Fachmann agiert, der weiß wie man damit umgeht; das ist schon mal gut. Die Aussage, dass auf Basis der o.g. Effekte eine Paraffin Verunreinigung enthalten ist, würde ich erst einmal kritisch nehmen. Klärung dazu bringt nur eine GC-Analyse - kostet eben etwas! Ggf. kann man noch die Säure-/Esterzahl messen und ins Verhältnis setzen (s. dazu meine Datei im parallelen Faden, welche die Zusammensetzung und Aussagen zur Prüfung auf Verunreinigungen enthält).


    Es gibt leider keinen einfachen Test und die Fummelei mit der konz. Schwefelsäure sollte keiner machen, der keine Erfahrung damit hat!


    Beste Grüße


    Rainer

  • Aus dem anderen Fred:

    ...Wichtig ist aber, dass z.B. bei einem Gehalt von > 14 % Kohlenwasserstoffen der Verdacht auf Verfälschungen besteht und gezielt untersucht werden kann.


    Wenn ich mir dann dazu ansehe, was Fa. Seip z.B. gerade veröffentlicht hat:http://werner-seip.de/Analyse_…onelles_Wachs.02_2017.pdf


    Ich lese da einen Kohlenwasserstoffgehalt von 16,7 % und die Bestätigung, dass die Zusammensetzung einem natürlichen Bienenwachs entspreche.


    Zitat

    ...die Zusammensetzung einem natürlichen Bienenwachs entspreche.


    Diese Formulierung lässt ja schon die Alarmglocken schrillen.


    Wenn dann noch weiter da steht: "Die durchgeführte Analytik dient als Entscheidungsgrundlage zur Marktverwendung des Produktes." übersetze ich das für mich in: Wir können nicht garantieren, dass es echtes CAM ist, aber die Bienen kommen damit klar.


    :roll:


    Halten die uns für komplett bescheuert?

    Gruß Michi ☮ ------------- Spezialisierung ist was für Insekten! :D

    🖖🏿Dif-tor heh smusma🖖🏿

  • @ Michi - man muss die Sternchen beachten:


    * Fremdvergabe (der Analyse) im nicht akkreditierten Bereich...


    zur Erklärung:


    Ein akkredetiertes Labor unterliegt bestimmten Qualitätsmanagement Standards und hält diese ein. Dies wird durch ein QM dokumentiert und über sog. Audits durch Dritte überprüft. Ist alles i.O. erhält das Labor eine Akrreditierung, ein Zertifikat - z.B. nach ISO 13485 o.ä. - das sind festgelegte Standards für bestimmte Produkte.


    Für Viele ein "Bürokratismus" - ist aber zu kurz gesprungen! Ein so agierendes Labor hat sein Equipment gepflegt und hält es funktional und dokumentiert dies per routinemäßiger Überprüfung. Das Gleiche gilt für die Methoden, die alle validiert sind, d.h., geprüft ob die Konstanz der Ergebnisse gegeben ist usw. Das macht Arbeit und für die bezahlt keiner - es ist aber Qualität! Darauf kommt es an, wenn man richtige Ergebnisse haben möchte.


    Das erwähnte Labor - QSI GmbH - ist akkreditiert, hat aber offensichtlich die Analyse durch ein nicht akkreditiertes Labor im Auftrag durchführen lassen.


    Wenn ich die beiden Fakten zusammen nehme,


    - Analyse eines akkreditierten Labors wurde fremdvergeben an ein nicht akkreditiertes Labor,
    - Kohlenwasserstoffgehalt 16,7 % im Bienenwachs,


    würde ich erst mal nicht kaufen.


    Beste Grüße


    Rainer