Diskussion zum Thema Aktueller Zwischenstand zum Bienenwachsskandal 2015/2016

  • Was sagen denn die Institute?

    Bernhard, ist das dir möglich, ich glaube Mayen ist für dich zuständig, also Dr. Otten mal das Leiden deiner Bienen zu schildern?(oder hast du schon?)

    Ich schätze deine Kompetenz, fände es aber doch schon sehr interessant zu wissen was Die dazu sagen werden.

    Bist ja nun nicht gerade eine kleine Nummer, also zu groß um übersehen zu werden. Die sollten dir helfen wollen!

    Varroa kanns ja diesmal nicht sein:)

    L.G.

    db

    Das, was du sicher weisst, hält dich vom Lernen ab.


    Hier gibts was Gutes zu lesen

    http://www.pedigreeapis.org

    Eure Pedigrees, könnt ihr ab sofort hier problemlos u. fachlich geprüft im Original eintragen

  • Was sagen denn die Institute?

    Musste gerade wieder lachen beim Gedanken an die Institute. Diese wurden informiert und waren es bereits vor unserem Schritt an die Öffentlichkeit. Ja wir wollten es zuerst intern regeln und den wichtigen Damen und Herren die Chance geben was zu tun.

    Es wurde zur Kenntnis genommen, teils mit Kommentar (2 Fälle) und vom Rest ohne Reaktion.


    Von einem Institut wollte man von mir letztes Jahr Wachs haben, jedoch wurde gesagt es wird keine chemische Analyse geben und man wolle nur einige Kilo um diese in den Völkern zu testen. Mein Hinweis, dass man damit Ende August die Völker platt macht und eine Mittelwand pro Versuchsvolk ausreichend wäre wurde nicht beachtet. Zum letzten Gespräch zwecks Zusendung kam dann eine Absage, da ja beim letzten Treffen der Institutsvertreter das Thema bereits überall bekannt sei und aus Hohenheim bereits eine Info bezüglich Analyse vorliegen würde.


    Dat wars. Ansonsten machen unsere Institute nur wofür sie Geld haben und für Bienenwachs gibt es halt in BaWü die EU Fördermittel für die Rückstandsanalyse und alles andere Richtung Forschung wäre eine Eigenleistung für die dann kein Geld und noch weniger freie Wissenschaftler da sind.

    Ach nicht zu vergessen ist die Initiative von Dr. Pistorius vom JKI, auch hier kam der Forschertrieb durch und so wurde den Betroffenen im letzten Jahr kurzerhand eine Untersuchung der Mittelwände/Waben zugesagt. Wäre normal nicht die Baustelle des JKI aber dankenswerter Weise hat sich Dr. Jens Pistorius hier für die Betroffenen eingesetzt! Es ist wohl auch noch geplant, weitere Versuche mit den Mittelwänden vor zu nehmen, aber zeitlich konnte hier keine Zusage für 2017 gemacht werden, da laufende Projekte Vorrang haben.


    Dienst nach Plan und Vorschrift, die wenigen Dinge die da dann doch passiert sind, waren Initiativen einzelner die einfach noch etwas Forscherblut in sich hatten. Es hat sich jedoch noch niemand gefunden, der hier von sich aus gesagt hätte, er geht das Thema an und erforscht die tatsächliche Ursache. Kann hier nur sagen, dass es zum Glück andere Wissenschaftler gibt die da mehr dahinter her sind und denke es kommt die nächsten 2 Monate wieder ein wenig mehr Licht in die Situation.

    Gruß Markus


    Ubi apis, ibi salus 
    Wo Bienen sind, dort ist Gesundheit

  • Musste gerade wieder lachen beim Gedanken an die Institute... Ansonsten machen unsere Institute nur wofür sie Geld haben

    In DIB-Aktuell 2/2017 steht vollmundig, daß der DIB überlegt, Forschungsmittel für die Entwicklung eines Schnelltests zu geben und das auch vom BML fordert. Die Institute würden wollen, wenn sie denn Geld bekämen. I.ü. beginnt man sich zu streiten, wer die Reinheit des Wachses nachzuweisen habe: Imker oder Händler...

    Das DIB-Parlament tritt übrigens am 14 + 15.10.17 in Montabaur zusammen und will u.a. über das Wachsproblem diskutieren. Ob irgendeines seiner Mitglieder (=Landesverbände) einen Antrag zum Aufbau eines von dem Imkern bestimmten Qualitätssiegels/QMS angekündigt oder gar schon gestellt hätte, wurde nicht mitgeteilt.

  • In DIB-Aktuell 2/2017 steht vollmundig, daß der DIB überlegt, Forschungsmittel für die Entwicklung eines Schnelltests zu geben und das auch vom BML fordert. Die Institute würden wollen, wenn sie denn Geld bekämen. I.ü. beginnt man sich zu streiten, wer die Reinheit des Wachses nachzuweisen habe: Imker oder Händler...

    Das DIB-Parlament tritt übrigens am 14 + 15.10.17 in Montabaur zusammen und will u.a. über das Wachsproblem diskutieren. Ob irgendeines seiner Mitglieder (=Landesverbände) einen Antrag zum Aufbau eines von dem Imkern bestimmten Qualitätssiegels/QMS angekündigt oder gar schon gestellt hätte, wurde nicht mitgeteilt.

    Die Initiative für solche ein Siegel müßte aus der Wachsindustrie kommen. Du weist ja als Q-erfahrener Mann, dass alles ISO/DIN oder sonst was von den tatsächlich davon betroffenen initiert wurde. Also z.B. die Autoindustrie hat die für sich erstellt IATF16949 erstellt. So eine Norm ist schon recht aufwändig.

    Es ist zu überlegen, ob man nur ein Qualitätssiegel will, das nur feststellt, dass das Produkt einer gewissen Qualität entspricht (dann ist ja evtl. schon alles zu spät) ODER eine kpl. Kontrollkette die vermeidet dass Müll produziert wird. Wie weit lässt sich diese Kontrollkette aufbauen und erhalten? Man müsste 70.000 Imker in DE animieren zu dokumentieren etc. sonst könnten sie kein Wachs mehr verarbeiten/verkaufen.

    Obendrein ist so ein Zertfizierung freiwillig. Der Gesetzgeber wird keinen Wachs-TÜV einführen. Wurde ja schon viel diskutiert. Wo will man hin? Zweifellos muss etwas geschehen!


    Gruß

    Reiner

    Grenzen sind konstruiert. Was uns trennt und verbindet, wird von Menschen gemacht.

  • Die Initiative für solche ein Siegel müßte aus der Wachsindustrie kommen.

    Nein, gerade nicht! Sondern die Nachfragerseite muß endlich darauf bestehen - wie die anderen Nachfrager auch (Kosmetik-, Pharma-, ja sogar Kerzenindustrie). Wir Imker bzw. unsere Völker sind die Betroffenen, nicht die Industrie. Bislang versuchen Industrie und Handel, uns nachfragenden Imkern alles mögliche - meist Kerzenwachs (mit entsprechender Werbeaussage: "Kohlenwasserstoffgehalt nicht über 18%!", sogar mit Zertifikat) - anzudrehen und schreiben ungestraft und neuerdings zum erhöhten Preis das in Imkeraugen mißverständliche: "100% Bienenwachs!" drauf, obwohl beileibe nicht nur von den Bienen selbst ausgeschwitztes Wachs enthalten ist.

  • Bislang versuchen Industrie und Handel, uns nachfragenden Imkern alles mögliche - meist Kerzenwachs (mit entsprechender Werbeaussage: "Kohlenwasserstoffgehalt nicht über 18%!", sogar mit Zertifikat) - anzudrehen und schreiben ungestraft und neuerdings zum erhöhten Preis das in Imkeraugen mißverständliche: "100% Bienenwachs!" drauf, obwohl beileibe nicht nur von den Bienen selbst ausgeschwitztes Wachs enthalten ist.

    E901, Bienenwachs, 'natürlich aus Bienenwaben gewonnen'. Da steht nicht 'anteilig', 'teilweise' oder 'mit Zusätzen'. Glaub kaum, das die Industrie sich ungestraft mit Palmitinsäure und Paraffin substituiertes 'Bienenwachs' abdrehen lassen würde. Dafür gibt es doch die DIN.


    Beste Grüße,

    Ralf

    Imkern im Spannungsfeld zwischen Hoffnung und resignativer Reife

  • natürlich aus Bienenwaben gewonnen

    Hab noch einige Bienenwaben die ich anbieten könnte. Magst die haben? Wenn die kriminellen Geister ein Schlupfloch suchen, dann finden sie es auch.

    Gruß Markus


    Ubi apis, ibi salus 
    Wo Bienen sind, dort ist Gesundheit

  • Und Du denkst, damit kommen die bei Haribo & Co durch? Für nach DIN ausgeschriebenes Wachs? Glaub ich im Leben nicht.


    Beste Grüße,

    Ralf

    Imkern im Spannungsfeld zwischen Hoffnung und resignativer Reife

  • E901, Bienenwachs, 'natürlich aus Bienenwaben gewonnen'...kaum, das die Industrie sich ungestraft mit Palmitinsäure und Paraffin substituiertes 'Bienenwachs' abdrehen lassen würde. Dafür gibt es doch die DIN.

    Welche Normen es für welche Branche gibt, wurde klar und gut verständlich zusammengefaßt von Dr. Scholz´ Vortrag beim Berufsimkertag in Celle 2017 (s.a. #233, 252):


    An den typischen Formulierungen der einzelnen Anbieter erkennt man dann, an welche der bisherigen Normen sie sich bei den von ihnen angebotenen MW halten wollen. Leider hat es weder die Imkerschaft im Allgemeinen, noch der DIB als deren größte Interessenvertretung oder der DBIB als Vetretung der Berufsimker geschafft, eine klare Definition von Bienenwachs für Imker und ihre Bienen zu etablieren, so daß im Imkereihandel nach wie vor die Definition der Kerzenhersteller am meisten zugrunde gelegt wird (RAL). Diese erlaubt jedoch ganz legal die Beimischung von Paraffin (u.a.), solange nur die GesamtKW-zahl unter 18% bleibt. Die Praxis hat i.ü. gezeigt, daß Bienen sogar aus rein synthetischem Material ihre Waben selbst zusammenbauen können - McFly u.a. können davon und von den Folgen für diese Völker berichten. Solches Wabenwerk wäre bspw. nach der Definition der Kerzenhersteller zweifelsfrei "natürlich aus Bienenwaben gewonnen", solange die Mischung nur die "Kerzen"-Parameter einhält (GesamtKW unter 18% usw.).

  • Aha, vollsynthetisch, aber 'natürlich aus Bienenwaben gewonnen'. Ich denke auch, dagegen läßt sich nicht argumentieren.


    ;)


    Irgendeinen bekannten Fall, wo die Industrie das so für sich geklärt hat? Eine große Kosmetikmarke? Paraffin statt Bienenwachs problemlos gekauft? Das sind alles Behauptungen, das man da nichts machen kann. Das wird immer und immer wieder wiederholt, aber ob das so stimmt? Ich glaube das schlicht nicht.


    Beste Grüße,

    Ralf

    Imkern im Spannungsfeld zwischen Hoffnung und resignativer Reife

  • ribes Die Definition was nun echtes Bienenwachs ist, ist sicher schnell erstellt. Es gibt genügend Parameter. Berücksichtigt werden sollte aber bei einer Zertifizierung die Herstellungskette. Sonst trifft es am Schluss den falschen. Bei der Prüfung wird festgestellt: "Die Mittelwände Charge 0815 vom 31.02.2017 des Verarbeiters Kunterbunt entsprechen nicht der Wachsverordnung 2017/1234. Abweichung: KW-Gehalt=18,1%". Er hat nicht normgerechte Mittelwände hergestellt, weil ihm nicht normgerechtes Wachs angeliefert/verkauft wurde. Wie soll er sich davor schützen? Der Gefahr durch ein Siegel Sondermüll zu produzeiren wird sich keiner der Verarbeiter aussetzen. Vielleicht wurde das schon diskutiert und ich habe es überlsesen. Für einen Hinweis wäre ich dankbar. Zertifikatskette initieren/aufbauen etc.?


    Gruß

    Reiner

    Grenzen sind konstruiert. Was uns trennt und verbindet, wird von Menschen gemacht.

  • Der Verarbeiter Kunterbunt läßt sein Ausgangsmaterial chargenweise analysieren mit GC oder tut das sogar selbst. Das ist seit Jahren so. Er weiß also genau, welcher Norm sein Wachs entspricht und mischt/verarbeitet es der jeweiligen Norm gerecht, resp. nach den Vorgaben des jeweiligen Bestellers. Nur die Imker haben bisher keine Norm etabliert. Deshalb sucht sich Kunterbunt die Norm selber aus, nach der er MW-Wachs auswählt oder er gibt gar keine Norm an. Wird ja nicht nachgefragt von Imkerseite (das hat Dr. Scholz von Ceralyse eindrucksvoll und glaubhaft dargestellt).

    Erschwerend kommt hinzu: Den Imkern kann man sonstwas andrehen, sagt sich da mancher Bunte und streckt das ihm angelieferte untersuchte Wachs noch mit einigem Anderen, teilweise reinen Syntheseprodukten. Das beginnt nun (spätestens seit 2014), in volkswirtschaftlich relevanten Größenordnungen zu kreisen. Schuld daran tragen nicht zuallererst die Imker, die arglos ihr Altwachs zur Verarbeitung einliefern, sondern diejenigen, die MW in den Imkerbedarfshandel bringen, obwohl sie wissen, daß es sich nicht um 100% Bienenwachs im wörtlichen, also imkerlichen Sinne handelt.

    Die Herstellung von MW für den Anlieferer aus dessen Eigenwachs ist eine weitere Sonderproblematik, die bisher nur nach dem Prinzip des blinden Vertrauens abläuft und nirgendwo nachvollziehbar ist.

    Die Dokumentation (u.a. zum Materialfluß) und Registrierung, zu der jeder Kunterbunte gesetzlich verpflichtet ist, hatten zum Erstaunen der von McFly eingeschalteten Ermittlungsbehörden bisher nur 2 Verarbeiter in D auch durchgeführt.


    Immenreiner : Deine Frage zur Begrenzung des Aufkaufrisikos muß zunächst im Lichte der systematischen Wachsverfälschung ("Optimierung") betrachtet werden. Demnach wäre es nur folgerichtig, dieses Risiko der Branche zuzuordnen, die das zu verantworten hat und so einen entsprechenden Selbstreinigungsprozeß der fachkundigen Branche in Gang zu setzen. Dennoch wurden hier Ansätze diskutiert, die das Risiko teilweise auf den Imker verlagern. Dafür gabe es verständliche, teilweise vehemente Ablehnung:

    Zertifizierung von Echtem Bienenwachs

  • Die Dokumentation (u.a. zum Materialfluß) und Registrierung, zu der jeder Kunterbunte gesetzlich verpflichtet ist, hatten zum Erstaunen der von McFly eingeschalteten Ermittlungsbehörden bisher nur 2 Verarbeiter in D auch durchgeführt.

    Ob sie das wirklich gemacht hatten ist die Frage. Tatsächlich handelt es sich bei den Betrieben um solche, die offiziell Bienenwachs aus Ländern der Gruppe 3 eingeführt hatten. Dabei ging es dann wohl um Afrikawachs. Nur um dieses legal einführen zu können, musste die Registrierung erfolgen und nur deshalb wurde diese wohl auch getätigt.

    Gruß Markus


    Ubi apis, ibi salus 
    Wo Bienen sind, dort ist Gesundheit