Aktueller Zwischenstand zum Bienenwachskandal 2015/2016

  • Aktuell sieht es so aus, dass gegen mind. 3 Händler/Umarbeiter Verfahren bei der Staatsanwaltschaft anhängig sind. Weiterhin ist bereits ein aus 2012 bekannter Händler betroffen und auch hier dürfte bereits ein Betrugsverfahren laufen bzw. wird noch angestoßen.
    Weitere Auffällige Händler sind bekannt, jedoch ist hier unklar, ob diese ihr Material nur von einem der 2 Hauptbetroffenen beziehen oder eigene Sache machen.
    Der mit dem Stearinwachs hat bereits über 10 Anzeigen die gegen ihn laufen sowie um die +-25 Rechtsschutzschadensanzeigen laut dem Makler.
     
    Bienenvölker haben mit der Verfälschung unterschiedliche Probleme. Normal macht gutes Paraffin oder Stearin wenig bis nichts aus und fällt höchstens durch zusammenbrechende Waben auf, da der Schmelzpunkt etwas niedriger ist und Bienen solche Waben auch eher meiden und dadurch keine entsprechende Wärmeregulierung erfolgt.
     
    In den aktuellen Fällen scheint es zum Einsatz von minderwertigen Rohstoffen gekommen zu sein. Also Rohparaffin und Rohstearin. Daneben wurde noch eine Bunte Sammlung an unterschiedlichen Wirkstoffen gefunden. Aus Gesprächen mit Dr. Wallner (Uni Hohenheim, Dr. Neumann (STUA Aulendorf), Dr. Pistorius (JKI-BS Braunschweig) und Dr. Scholz (Ceralyse) gehen alle 4 Davon aus, dass die Ursache in den eingesetzten Rohstoffen Paraffin bzw. Stearin zu suchen sind, die vorhandenen Rückstände dürften auch in ihrer Gesamtheit nicht für dieses Schadbild verantwortlich sein.
    Kernaussage vom Vortrag von Dr. Wallner in Münster beim Apisticustag: „Ein herabsetzen von den aktuell festgelegten Grenzwerten von 0,5mg/Kg macht hinsichtlich der Gefahr für Honig und Verbraucherschutz keinen Sinn.“
    Dem kann man so sicherlich zustimmen, was auch aus seinen Arbeiten zu entnehmen ist und daher die Aussage unterstreicht.
    Anders sieht es natürlich hinsichtlich des Schutzes unserer Bienen und Larven aus. Hierzu wird durch Dr. Jens Pistorius vom JKI-BS ein Versuch angestrebt, um die Grenzwerte im Bienenwachs hinsichtlich des Schutzes der Bienen und Larven zu ermitteln. Dazu hat er bereits verschiedene, nachweislich belastete Mittelwandproben und wird auch durch den Drohn mit einer Ladung an Stearinmittelwänden versorgt. Wir hoffen, diese Versuche erfolgen noch in diesem Jahr.
     
    Der DIB hat nun langam etwas Bewegung ins Spiel gebracht. Erstmals gab es die Sondersitzung beim MLR, dann Kontakt zum BMEL, Dann ein Vorbringen bei der COPA, ein erzwungener Kontakt mit Herrn Häusling (MdEP) sowie ein runder Tisch (der eher eckig erschien). Dazu wurden verschiedene Schreiben an die Politik und Ministerien gerichtet, hier ist auch das Imkernetzwerk Bayern sehr aktiv und es tut sich auch hier etwas, wenn auch der Schriftwechsel mit dem Ministerium anders erscheint.
    Der DIB versucht aber weiterhin alles zu tun, um die Öffentlichkeit aus der Sache heraus zu halten. Sehr wichtig ist es der Geschäftsführung und dem Präsident, dass es sich lediglich um eine Wachsverfälschung handelt und es in keiner Ausführung zu einem potentiellen Risiko für den Honig werden darf (durch die in der Petition geforderten Rückstandsgrenzen).
    Wo aber führt uns dies hin? Dass wir am Ende eine Wachsverordnung bekommen die uns zwar unverfälschtes Wachs garantiert, dennoch bleibt das Problem der zunehmenden PSM Einsätze in unserer Landwirtschaft und besonders auch im Ausland (gerade hier der Einsatz von bei uns bereits verbotenen Mitteln). Wäre also richtig toll, wenn man nach langem Kampf eine solche Bienenwachsverordnung hätte und dann wird der Markt mit hochbelastetem Bienenwachs überschwemmt. Pestizidarm oder Rückstandsarm unterliegen bisher keiner Definition!
     
    Soviel mal grob zusammen gefasst. Die Ermittlungen ziehen sich wie üblich in die Länge und es ist fraglich, ob der Staatsanwalt eine klare Betrugsabsicht nachweisen kann, hierzu bedarf es ja immer auch dem Vorsatz. Wobei auch dieser spätestens dann zum Tragen käme, nachdem er von den Problemen wusste. Und hier wäre nun wichtig auch andere Betroffene aus 2015 zu finden, die hier bereits mit dem Aulendorfer in Kontakt standen und von ihrem Problem berichteten.
    Das Thema Lösmittel ist und bleibt aktuell noch eine weitere Baustelle. Ob dies direkt etwas mit dem Larvensterben zu tun hat oder nicht werden wir dieses Jahr heraus finden. Dazu werden Versuche aufgebaut und auch Analysen über die Rückstände bzw. Nachweisbarkeit im Bienenwachs veranlasst.
    Nach wie vor wird es als biologisch Abbaubar bezeichnet, was in Laborversuchen innerhalb 28 Tagen erfolgen muss, in der Kläranlage innerhalb von Stunden erfolgt und im Bienenvolk ohne ein feuchtes und Bakterienreiches Milieu???
    Seit über 15 Jahren wird es unverändert eingesetzt, so die Aussage des Maschinenherstellers. Hier gehen bereits wilde Zahlen umher die von 1,1-1,5mg (lt. Dem Vertreiber) bis zu 0,15µg laut einigen Umarbeitern gehen –die damit wohl ihre Kunden beruhigen wollen.
    Seit wann haben wir die Varroaprobleme bei denen die Völker schon mit wenigen Tausend Varroen zusammen brechen? Früher waren zehntausende kein Problem, einmal Schwammtuch und gut.
    Auch hier müssen wir die Augen offen halten und die Vermutung ist nicht ganz abwägig, was durch einen Wissenschaftler bestätigt wurde. Gerade in Hinsicht auf die Meldung aus den USA zum Sylgard 309 könnten die dort festgestellten Probleme in der Immunabwehr der Bienenlarven mit unserem Problem der Varrose und dem Flügeldeformationsvirus dicht einher gehen.
    Aber auch unabhängig davon, kann es einfach nicht sein, dass wir solch ein Zeug in unsere Völker geben und davon noch Honig ernten wollen.
     
    Weiterhin ist Peter Leuer vom LV Westfälischer und Lippischer an der Erstellung eines Bienenwachs QS. Durch seine Arbeit und den Honig QS ist er dafür bestens geeignet. Näheres dazu in kürze im Bienenjournal.
    Zudem werden über mehrere Verbände Anträge an den DIB gestellt, damit hier offen gelegt wird was zum Thema Wachs passiert und um die Arbeit in die richtigen Bahnen zu lenken.
     
    Ich kann mich nur bei allen Helfern bedanken und bin immer wieder begeistert, mit welcher Hingabe manche/r Imker/in sich hier ins Zeug gelegt hat. Hier meinen herzlichen Dank an alle die sich nun angesprochen fühlen. Würde ich anfangen Namen zu nennen, würde ich garantiert jemanden vergessen und damit dann jemanden verärgern.


    Alles in allem bleibt es spannend, Meldungen neuer Betroffener kommen fast schon täglich dazu-würde nur jeder auch etwas unternehmen, dann wären wir schon erheblich weiter.
    Ich hoffe es ist nun soweit alles zu Papier gebracht, hab aber sicherlich noch was dazu vergessen.
     
    Wer Lust hat, darf auch gern im März zur BeeComm nach Piacenza in Italien. Dorthin wurden Dr. Spiewok und meine Wenigkeit für einen kleinen Vortrag zum Thema Wachsverfälschung eingeladen. Auch in Italien gibt es Probleme, teils sogar mit dem selben Stearinwachs wie bei uns.

  • So, zur Ergänzung und Veranschaulichung möchte ich natürlich gerne dem Hinweis von Hartmut nachkommen und stell mal noch einige Bilder zu den besagten Stearinwaben ein:


    Bilder zu zusammenbrechenden Waben, so ähnlich sieht es auch bei Paraffinwaben aus. Die Waben brechen ausgebaut und unausgebaut viel schneller zusammen als echtes Bienenwachs. Mitursache dürfte hier auch sein, dass die Bienen diese Mittelwände und Waben meiden solange es möglich ist und daher auch keine entsprechende klimatisierung in diesen Bereichen der Beute erfolgt.
    Bei Paraffin liegen mir Berichte vor, bei denen die Honigräume von 50 Völkern auf dem Anhänger nach Hause gefahren wurden, bei Ankunft dann eine große Honigsuppe im Anhänger vorzufinden war und sogut wie alle Waben zusammen gebrochen sind.


    Brutwaben sehen bei Stearin dann wie folgt aus:


    Hier noch Aufnahmen die solche Waben im Ausschnitt zeigen:


    Im Detail erkennt man dann den Ablauf des Ausräumens bzw. dass gewisse Zellen einfach nie zur Verdeckelung kommen. Die Punkte sind nur zur Orientierung und um zu zeigen, dass es immer der selbe Ausschnitt der selben Wabe ist:

  • Sehr auffällig sind solche Waben die ohne Brut sind, es bildet sich ein Mosaik-/Wolkenmuster. Dies kann aber abhängig von der Volksstärke unterschiedlich stark ausfallen:

    Die ersten beiden Bilder zeigen die selbe Wabe mit Vorder- und Rückseite. In der Mitte wurde ein Stück Mittelwand aus Stearinwachs eingelötet, rechts und links wurde im Naturbau ausgebaut. Man muss hier glaub ich nicht viel erklären wo das Problem liegt. Das 3. Bild zeigt eine komplette Mittelwand aus Stearinwachs.


    Im Vergleich dazu mal eine Wabe aus 2015 bei der ein sehr starkes Volk versucht hatte sie zu bebrüten:



    Hier noch Paraffinwaben Bilder die ich von Jule hier aus dem Forum bekommen habe:



    So können dann Völker / MiniPlus Einheiten aussehen, wenn das Wabenwerk durch falschen Schmelzpunkt des Wachses zusammen brechen:

    Da war noch Glück im Spiel, mehrheitlich wurden die Bienen unter den zusammenbrechenden Waben begraben.




    Was man hier bei all dem nicht vergessen darf, diese Völker sind für Varroa leichte Opfer. Wenig Brutzellen und somit haben wir schnell mal eine 100% Belastung durch Varroa und so nimmt es seinen Lauf. Man muss daher gerade in diesem Frühjahr genau schauen, was wirklich Schuld ist, die 0815 Antwort Varroa kann es nicht in allen Fällen sein!

  • Jule, ich hoffe die Bilder sind soweit ok, sonst muss sie Hartmut wieder rausnehmen. Hab aber bisher keine anderen die man veröffentlichen kann. Jedoch kann ich dir sagen, diese Waben zeigen genau das Schadild von Paraffinbeimischungen in den Mittelwänden. Paraffin hat einen noch niedrigeren Schmelzpunkt wie Stearin. Daher fallen die Stearinwaben anders zusammen und sacken weniger in sich zusammen wie Paraffinwaben.

  • Klar ist das ok, hatte ja gesagt, dass Du sie benutzen kannst!


    Das mit dem Schmelzpunkt passt genau, es waren ein paar heiße Tage, aber die Völker waren stark. (Was man auch daran sieht, dass sie sofort versucht haben aufzuräumen und die abgerutschten Waben zu reparieren) Kühlung hätte kein Problem sein müssen.

  • Da hab ich doch noch eine schöne Info vergessen. In Münster berichtete Dr. Scholz von einem neuen Phänomen. Nachdem aktuell der Weltmarktpreis für Bienenwachs ziemlich nach unten geht, wird selbst das afrikanische Wachs mit ca. 9,50 Euro gegenüber dem sonstigen für ca. 8,50 Euro erschwinglich.
    Nun ratet mal was die Lausbuben damit machen? Laut Dr. Scholz kommen seit kurzem die ersten Proben auf seinen Tisch bei denen der findige Umarbeiter sein Paraffinwachs mit gutem Afrikawachs vermischt, um damit den Kohlenwasserstoffgehalt wieder einzunorden.


    Ende vom Lied, selbst wenn der Kohlenwasserstoffgehalt in Ordnung ist, kann es sich um gestrecktes Wachs mit Paraffin handeln. Am Ende versaut man damit einfach alles an Wachs was auf dem Markt erhältlich ist. Danke an diese Menschen mit ihren Geistesblitzen.


    Ps.: Ceralyse erkennt solche Verfälschungen ohne große Probleme, auch wenn es anfangs sicher für Erstaunen gesorgt hat.

  • Und dank butsche nochmal 3 Bilder von nahezu 100% eingefärbten Paraffin Mittelwänden.
    Wenn man genau schaut, sieht man wie nahezu die ganzen Waben im Honigraum zusammen gefallen sind.
    Dieses Bild ist typisch für Mittelwände mit zu niedrigem Schmelzpunkt = Paraffin


  • Markus - danke für die "Arbeit" und die wertvollen Informationen! Diese sind sehr hilfreich für alle, die das Phänomen nicht kennen...


    Mir ist aufgefallen, dass es keine Beschreibung der Zusammensetzung von Bienenwachs im IF gibt. Ich habe das, was ich finden konnte, einmal in einer pdf-Datei gesammelt, die ich gerne zur Verfügung stelle. Die Werte sind, wie bei allen natürlichen Materialien, Richtwerte und können je nach Wachsherkunft abweichen. Wichtig ist aber, dass z.B. bei einem Gehalt von > 14 % Kohlenwasserstoffen der Verdacht auf Verfälschungen besteht und gezielt untersucht werden kann. Die dazu genutzten Methoden sind kurz beschrieben.


    Für alle, die keine chemischen Vorkenntnisse haben, sind minimale Erklärungen eingefügt, um es verständlicher zu machen.


    Beste Grüße


    Rainer

  • Aktuell waren wir fleissig. Durch einen Hinweis zur Reaktion von Mittelwänden eines anderen Anbieters in Verbindung mit Wasser, hab ich den Versuch mit meinen Mittelwänden nachgestellt.


    Stearinsäure kann schnell erkannt werden. Innerhalb 2h kann eine Aussage getroffen werden.


    Dazu muss man lediglich ein handeslübliches Mineralwasser nehmen (bei mir geht es auch mit Leitungswasser, jedoch ist die Qualität/Härte ja überall verschieden), das Wachsstück oder die Mittelwand für mind. 1h einlegen (je länger je kräftiger die Reaktion), entnehmen, abtupfen und für 40-60 Minuten liegen lassen.


    Hier diese 3 Stücke wurden von links nach rechts 1, 2 und 3h gewässert und das Ergebnis sah dann nach spätestens 60 Minuten so aus wie es zu sehen ist.


    Die 1h gewässerte Probe zeigte folgende Entwicklung nach 40, 0 und 60 Minuten:


    Längeres Wässern mit 9h sehen dann so aus:

  • Nachdem ja nun klar war, die Stearinsäure reagiert mit was auch immer aus dem Wasser, wurde der Versuch verfeinert um zu sehen ob man auch vermsichtes Wachs mit diesem Zeug erkennen kann. Normal wird ja die MW ausgebaut und dabei mit bis zu 50% ausgeschwitztem Wachs versehen. Schmilzt man diese Waben nun ein, wäre ja eine Verdünnung eingetreten.
    Daher kam es zum Einschmelzen von ca. 5%/20%/50% und 100%.


    ca. 5%


    ca. 20%


    ca. 50%

  • Hallo Markus,
    der einzige Unterschied zwischen den beiden Bildern mit 60 sec. Abstand gemacht ist die unterschiedliche Beleuchtung des Objektes. Blitz aus bzw. Blitz an.
    Man muss aufpassen, dass man sich nicht den Blick auf das Wesentliche verstellt. Bei allem verständlichen Eifer.
    Gruß Eisvogel

    Man tut was man kann, hieß es früher. Heute glauben alle sie müssen tun was sie nicht können. P. Sloterdijk